JWH Klaffenbach

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      JWH Klaffenbach

      Auszug aus einer privaten Chronik zum JWH im Wasserschloss Klaffenbach:

      Am 1. April 1947 wurde durch das Jugendamt Chemnitz das Mädchenheim im Wasserschloss in Klaffenbach gegründet. Der Zweite Weltkrieg war beendet und überall waren die Spuren des Krieges zu sehen. In den Städten wurden ganze Straßenzüge von Ruinen gesäumt. Lebensmitten und Genussmittel gab es auf Lebensmittelkarten und der Schwarzmarkt blühte. Nicht „Kaufen“ war das Wort für den Erwerb von Waren sondern „Tausch“. In diesen Wirren der Zeit war aber auch der Diebstahl an der Tagesordnung. Der Verfasser möchte hier nicht nach tiefgründigen Erklärungen und Begründungen suchen, welche Einweisungsgründe überwiegend in der damaligen Zeit vorlagen. Tatsache ist, dass das Mädchenheim in Klaffenbach eröffnet wurde und Jugendliche eingewiesen wurden, welche mit den Gesetzen in Konflikt geraten waren.
      Die Bewohnerinnen des Heimes waren in der Landwirtschaft tätig. Es gab zwei verschiedene Brigaden:
      - die Feldbaubrigade
      - die Tierzuchtbrigade

      Das erste Erzieherkollektiv bestand aus: Frau Schmidt, Frau Neumann, Frau Eichler, Frau Schumann, Frau Lahl, Frau Heidebreck, Frau Griebsch, Herrn Schüppel, Herrn Clauß, Herrn Muster und Herrn Schumann.


      Das am 1. April 1947 gegründete Mädchenheim erhält im Jahr 1949 den Status eines Jugendwerkhofes. Die Jugendlichen wurden aus allen Bezirken der ehemaligen DDR eingewiesen. Die Einweisung erfolgte durch einen Gerichtsbeschluss, später durch die Organe der Jugendhilfe. Der Einsatz der Jugendlichen in der Landwirtschaft war unter der Berücksichtigung des gesellschaftlichen Gegebenheiten und Voraussetzungen erfolgt, die Produktion von Lebensmitteln.
      Die Mädchen wohnten im Schloss, und das gesamte Anwesen wurde bewirtschaftet. Die Aufgaben teilten sich in 3 Hauptgebiete auf:
      - Feldbau
      - Tierzucht
      - Hauswirtschaft
      Wie viel es davon jeweils Brigaden gab, ist nicht mehr genau zu sagen. Allen Brigaden waren Arbeitserzieher zugewiesen, welche die Jugendlichen zum Dienst einteilten und in allen Fragen zur Arbeit mit Rat und Tat zur Seiten standen. Sie vermittelten ihnen das nötigste Wissen, damit die Jugendlichen allen an die gestellten Anforderungen gerecht werden konnten. Die Arbeit auf den Feldern und in den Ställen war körperlich hart und schwer, denn Technik gab es fast gar nicht. Der Tierzuchtbrigade oblag es, den gesamten Viehbestand des Jugendwerkhofes zu pflegen. In den Ställen standen mitunter 80 Kühe, 40 Schweine und eigene Pferde. Die produzierte Milch musste in Kannen zur Frischhaltung ins Milchhaus gebracht werden. Von dort wurde die Milch dann durch die Molkerei zur Weiterverarbeitung abgeholt. Die zur Schlachtung vorgesehenen Tiere wurden in das Schlachthaus gebracht. Nur zu den Erntedankfesten schlachtete man selbst.
      Die Arbeit in den Ställen begann um 3.45 Uhr. Die Mädchen wurden also um 3.00 Uhr geweckt, um pünktlich mit ihrer Arbeit beginnen zu können. Um 6.00 Uhr trieb man die Kühe auf die Weide. Da die Weideflächen noch nicht umzäunt waren, mussten die Kühe noch gehütet werden.
      Die Mädchen der Hauswirtschaftsbrigade hatten sich um die gesamte Wäsche, Reinigung des Hauses und um den Küchenbereich zu kümmern.
      Der Arbeitsbeginn der Hauswirtschaftsbrigade war um 7.00 Uhr.
      Die Feldbaubrigade bestellte die Äcker und war somit für die Produktion von Futtermitteln Kartoffeln und Getreide zuständig.
      Die Mädchen verdienten in der Stunde 45 Pf. – 80 Pf. Dieser Stundenlohn war sehr niedrig. So wurde den Jugendlichen Geld für die Bekleidung bereitgestellt. Die genaue Höhe in den Anfangsjahren ist nicht mehr bekannt, doch in den siebziger Jahren belief sich das Bekleidungsgeld auf 1000,00 Mark pro Jahr. Auch die Löhne wurden mit Beginn der Arbeit in den Betrieben dem normalen Lehrlingsgeld angepasst.

      Das gesamte Leben der Mädchen konzentrierte sich überwiegend um und auf das Schloss. Sie arbeiteten und wohnten nicht nur hier, sondern sie gingen hier auch zur Schule. Das Klassenzimmer befand sich über dem Torbogen am Haupteingang, später im Schloss.

      Der wöchentliche Appell:

      Am Ende der Woche nahmen alle Bewohnerinnen am Appell teil. Er wurde auch dazu genutzt, um besondere Leistungen zu würdigen, das Motto der Woche bekannt zugeben , die Vollständigkeit der Arbeitsmittel und der Wäsche zu kontrollieren und eben auch Jugendliche öffentlichen zu tadeln.
      Den wöchentlichen Appell gab es bis cirka 1969.

      Aufgrund der zunehmenden Technisierung der Landwirtschaft wurde eine spezielle Berufsausbildung der Mädchen erforderlich.
      Von 1963 bis 1966 besuchten sie die Landwirtschaftliche Berufschule in Siegmar.
      Der erhöhte Einsatz moderner Technik hatte jedoch auch zur Folge, dass weniger Arbeitskräfte benötigt wurden. So suchte man nach neuen Ausbildungsmöglichkeiten für die Jugendlichen.
      Die ersten Einsätze der Jugendlichen erfolgten im VEB Orbita – Plast und im VEB Margarinewerk
      Da im VEB Orbita keine Möglichkeit der Berufsausbildung bestand, wurde mit dem Gerätewerk ein neuer Partner gefunden. Die berufspraktische Ausbildung erfolgte in den Betrieben und endete nach einer einjährigen Ausbildung mit dem Teilfacharbeiterbrief als Speisefettfacharbeiter oder als Dreher, Schleifer, Fräser und Stanzer. Die bestehende „Heimschule“ wurde in die Oberschule Neukirchen integriert. Die Lehrer waren immer Mitarbeiter des Jugendwerkhofes und besaßen die erforderliche Ausbildung.
      Mit dem Einsatz des Jugendlichen in den oben genannten Betrieben veränderte sich auch die finanzielle Lage. Die Mädchen erhielten ein leistungsbezogenes Taschengeld. Im Rahmes des Berufswettbewerbes wurden später monatlich die besten Jugendlichen in der Ausbildung in Form einer finanziellen Anerkennung ausgezeichnet.
      Wann genau der Berufswettbewerb - BWB – im JWH so intensiv zum Tragen kam, dass alle Lebensbereiche der Mädchen erreicht wurden, ist nicht mehr zu ermitteln. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahr 1977.

      Im Januar 1978 sollte die große Renovierung des Jugendwerkhofes beginnen. Für die Jugendlichen musste als Übergang eine neue Bleibe gesucht werden.

      Zum damaligen Zeitpunkt suchte der Frischeierbetrieb – KIM – in Neukirchen Arbeitskräfte. Der Umzug der Jugendlichen in die ehemalige Bauarbeiterbaracke des KIM und der Einsatz der Mädchen in dem Betrieb beinhaltete auch gleichzeitig die Entstehung einer weiteren Außenstelle des Jugendwerkhofes.
      Nach der Beendigung der Renovierung des Stammheimes zogen die Jugendlichen wieder zurück, doch die Außenstelle wurde mit Neueinweisungen belegt. Die Mädchen wurden in den Produktionszweigen Legehenne und Eiersortierung eingesetzt. Auch sie erhielten die Möglichkeit einen Teilfacharbeiterabschluss zu erreichen.
      Die Renovierung des Stammheimes kostete 110.000,00 Mark. Die Wohnqualität für die Mädchen verbesserte sich enorm. Alle Räume erhielten neue und helle Tapeten, Zwischendecken wurden eingezogen und teilweise neue Möbel gekauft.
      Die Schlafräume wurden verkleinert und die alten eisernen Doppelstockbetten durch Liegen ersetzt. Damit die Schlafräume nicht zu einseitig wirkten, war jede Gruppe angehalten, durch Handarbeiten und Bastelarbeiten den Schlafräumen ihre persönliche Note zu geben.

      Doch es wurde nicht nur gearbeitet und gelernt. Unter Einbeziehung der Mädchen galt es die Freizeit sinnvoll zu gestalten. So nahm der Chor und die Sport – und Volkstanzgruppe an Kulturausscheiden teil. Das klingt so einfach – teilnehmen. Viele Proben waren erforderlich um vor den kritischen Augen der Jury bestehen zu können und eventuell auch einen ersten oder einen anderen vorderen Platz belegen zu können.
      Sportfeste, Ferienaktionen und GST-Lager gehörten einfach mit zur Freizeitgestaltung. Dadurch wurden immer neue Höhepunkte für die Bewohnerinnen des Hauses geschaffen, die für einige Jugendliche zu unvergesslichen Erinnerungen geworden sind. Ein ganz besonderes Erlebnis für die Mädchen des Jugendwerkhofes muss wohl die Teilnahme am Schul – und Heimatfest 1954 (25.5.-30.5.) in Klaffenbach gewesen sein.
      Zum Schul – und Heimatfest fand ein Umzug statt, der Stationen in der Geschichte Klaffenbachs in lebendigen Bildern wieder spiegelte.
      Die Mädchen durften an dem geplanten Umzug teilnehmen. Sie stellten eine Episode aus dem Mittelalter dar. Die Kostüme sollten so originalgetreu wie möglich sein, sodass man sich aus dem Kostümfundus des Schauspielhauses die erforderliche Bekleidung auslieh.
      Die Inhalte der Freizeitvorhaben haben sich wohl im Laufe des Zeit verändert, jedoch um eine gute und hohe Qualität wurde immer gerungen.
      Der Chor nannte sich Singeclub, sportliche Wettkämpfe gehörten zu den Programmen des Ferienaktionen. Fuhren wir anfänglich mit den Jugendlichen in Jugendherbergen der näheren Umgebung in den Urlaub, so sollte das Urlaubsziel für sieben Jahre Bodstett an der Ostsee sein.
      Dieses Urlaubsziel war nur möglich, weil das VEB Margarinewerk uns bei der Organisation aktiv unterstützte. Das Objekt in Bodstett gehörte als Betriebsferienlager dem Kombinat „Fette und Oele“ in Magdeburg. Bis 1980 fuhren alle Jugendliche des Stammheimes und der Außenstellen in das Lager nach Bodstett. Danach suchte jede Einrichtung nach neuen Möglichkeiten. Die Jugendlichen des Stammheimes mieteten sich in Jugendherbergen ein, die der Außenstelle KIM fuhren nach Thalbürgel in das Betriebsferienheim des Kombinates und die Außenstelle Brand-Erbisdorf nutzte das Betriebsferienheim der NARVA in Holzau.

      Schon einige Zeit vor der gesellschaftlichen Wende gab es nur noch wenige Neueinweisungen. Viele Mädchen wurden vorzeitig entlassen. In der Außenstelle KIM arbeiteten die Erzieher teilweise n der Eiersortierung mit, um ihre Arbeitstunden bringen zu können. Es war auch im Jugendwerkhof eine unruhige und ungewisse Zeit. Wer wusste schon, wie es weiter gehen wird. Im März 1990 war es dann soweit. Die noch verbliebenen Jugendlichen und einige Erzieher zogen in das Jugendwohnheim Reichsstraße in Chemnitz. Der Jugendwerkhof war aufgelöst.

      Gisela K.

      JWH Klaffenbach

      Hi ich möchte gerne mehr über die JWH Klaffenbach erfahren
      egal von welchen Jahr an.
      Meine biologische Erzeugerin war dort um 1966 (mit mir im Bauch)
      deswegen interessiert mich die Geschichte um den JWH Klaffenbach.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „SNOPPY“ ()

      Frag mich doch Hase, ich fahr am WE 12./13.12. dort hin, was willste denn wissen?



      susa70 schrieb:

      Auszug aus einer privaten Chronik zum JWH im Wasserschloss Klaffenbach:

      Am 1. April 1947 wurde durch das Jugendamt Chemnitz das Mädchenheim im Wasserschloss in Klaffenbach gegründet. Der Zweite Weltkrieg war beendet und überall waren die Spuren des Krieges zu sehen. In den Städten wurden ganze Straßenzüge von Ruinen gesäumt. Lebensmitten und Genussmittel gab es auf Lebensmittelkarten und der Schwarzmarkt blühte. Nicht „Kaufen“ war das Wort für den Erwerb von Waren sondern „Tausch“. In diesen Wirren der Zeit war aber auch der Diebstahl an der Tagesordnung. Der Verfasser möchte hier nicht nach tiefgründigen Erklärungen und Begründungen suchen, welche Einweisungsgründe überwiegend in der damaligen Zeit vorlagen. Tatsache ist, dass das Mädchenheim in Klaffenbach eröffnet wurde und Jugendliche eingewiesen wurden, welche mit den Gesetzen in Konflikt geraten waren.
      Die Bewohnerinnen des Heimes waren in der Landwirtschaft tätig. Es gab zwei verschiedene Brigaden:
      - die Feldbaubrigade
      - die Tierzuchtbrigade

      Das erste Erzieherkollektiv bestand aus: Frau Schmidt, Frau Neumann, Frau Eichler, Frau Schumann, Frau Lahl, Frau Heidebreck, Frau Griebsch, Herrn Schüppel, Herrn Clauß, Herrn Muster und Herrn Schumann.


      Das am 1. April 1947 gegründete Mädchenheim erhält im Jahr 1949 den Status eines Jugendwerkhofes. Die Jugendlichen wurden aus allen Bezirken der ehemaligen DDR eingewiesen. Die Einweisung erfolgte durch einen Gerichtsbeschluss, später durch die Organe der Jugendhilfe. Der Einsatz der Jugendlichen in der Landwirtschaft war unter der Berücksichtigung des gesellschaftlichen Gegebenheiten und Voraussetzungen erfolgt, die Produktion von Lebensmitteln.
      Die Mädchen wohnten im Schloss, und das gesamte Anwesen wurde bewirtschaftet. Die Aufgaben teilten sich in 3 Hauptgebiete auf:
      - Feldbau
      - Tierzucht
      - Hauswirtschaft
      Wie viel es davon jeweils Brigaden gab, ist nicht mehr genau zu sagen. Allen Brigaden waren Arbeitserzieher zugewiesen, welche die Jugendlichen zum Dienst einteilten und in allen Fragen zur Arbeit mit Rat und Tat zur Seiten standen. Sie vermittelten ihnen das nötigste Wissen, damit die Jugendlichen allen an die gestellten Anforderungen gerecht werden konnten. Die Arbeit auf den Feldern und in den Ställen war körperlich hart und schwer, denn Technik gab es fast gar nicht. Der Tierzuchtbrigade oblag es, den gesamten Viehbestand des Jugendwerkhofes zu pflegen. In den Ställen standen mitunter 80 Kühe, 40 Schweine und eigene Pferde. Die produzierte Milch musste in Kannen zur Frischhaltung ins Milchhaus gebracht werden. Von dort wurde die Milch dann durch die Molkerei zur Weiterverarbeitung abgeholt. Die zur Schlachtung vorgesehenen Tiere wurden in das Schlachthaus gebracht. Nur zu den Erntedankfesten schlachtete man selbst.
      Die Arbeit in den Ställen begann um 3.45 Uhr. Die Mädchen wurden also um 3.00 Uhr geweckt, um pünktlich mit ihrer Arbeit beginnen zu können. Um 6.00 Uhr trieb man die Kühe auf die Weide. Da die Weideflächen noch nicht umzäunt waren, mussten die Kühe noch gehütet werden.
      Die Mädchen der Hauswirtschaftsbrigade hatten sich um die gesamte Wäsche, Reinigung des Hauses und um den Küchenbereich zu kümmern.
      Der Arbeitsbeginn der Hauswirtschaftsbrigade war um 7.00 Uhr.
      Die Feldbaubrigade bestellte die Äcker und war somit für die Produktion von Futtermitteln Kartoffeln und Getreide zuständig.
      Die Mädchen verdienten in der Stunde 45 Pf. – 80 Pf. Dieser Stundenlohn war sehr niedrig. So wurde den Jugendlichen Geld für die Bekleidung bereitgestellt. Die genaue Höhe in den Anfangsjahren ist nicht mehr bekannt, doch in den siebziger Jahren belief sich das Bekleidungsgeld auf 1000,00 Mark pro Jahr. Auch die Löhne wurden mit Beginn der Arbeit in den Betrieben dem normalen Lehrlingsgeld angepasst.

      Das gesamte Leben der Mädchen konzentrierte sich überwiegend um und auf das Schloss. Sie arbeiteten und wohnten nicht nur hier, sondern sie gingen hier auch zur Schule. Das Klassenzimmer befand sich über dem Torbogen am Haupteingang, später im Schloss.

      Der wöchentliche Appell:

      Am Ende der Woche nahmen alle Bewohnerinnen am Appell teil. Er wurde auch dazu genutzt, um besondere Leistungen zu würdigen, das Motto der Woche bekannt zugeben , die Vollständigkeit der Arbeitsmittel und der Wäsche zu kontrollieren und eben auch Jugendliche öffentlichen zu tadeln.
      Den wöchentlichen Appell gab es bis cirka 1969.

      Aufgrund der zunehmenden Technisierung der Landwirtschaft wurde eine spezielle Berufsausbildung der Mädchen erforderlich.
      Von 1963 bis 1966 besuchten sie die Landwirtschaftliche Berufschule in Siegmar.
      Der erhöhte Einsatz moderner Technik hatte jedoch auch zur Folge, dass weniger Arbeitskräfte benötigt wurden. So suchte man nach neuen Ausbildungsmöglichkeiten für die Jugendlichen.
      Die ersten Einsätze der Jugendlichen erfolgten im VEB Orbita – Plast und im VEB Margarinewerk
      Da im VEB Orbita keine Möglichkeit der Berufsausbildung bestand, wurde mit dem Gerätewerk ein neuer Partner gefunden. Die berufspraktische Ausbildung erfolgte in den Betrieben und endete nach einer einjährigen Ausbildung mit dem Teilfacharbeiterbrief als Speisefettfacharbeiter oder als Dreher, Schleifer, Fräser und Stanzer. Die bestehende „Heimschule“ wurde in die Oberschule Neukirchen integriert. Die Lehrer waren immer Mitarbeiter des Jugendwerkhofes und besaßen die erforderliche Ausbildung.
      Mit dem Einsatz des Jugendlichen in den oben genannten Betrieben veränderte sich auch die finanzielle Lage. Die Mädchen erhielten ein leistungsbezogenes Taschengeld. Im Rahmes des Berufswettbewerbes wurden später monatlich die besten Jugendlichen in der Ausbildung in Form einer finanziellen Anerkennung ausgezeichnet.
      Wann genau der Berufswettbewerb - BWB – im JWH so intensiv zum Tragen kam, dass alle Lebensbereiche der Mädchen erreicht wurden, ist nicht mehr zu ermitteln. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahr 1977.

      Im Januar 1978 sollte die große Renovierung des Jugendwerkhofes beginnen. Für die Jugendlichen musste als Übergang eine neue Bleibe gesucht werden.

      Zum damaligen Zeitpunkt suchte der Frischeierbetrieb – KIM – in Neukirchen Arbeitskräfte. Der Umzug der Jugendlichen in die ehemalige Bauarbeiterbaracke des KIM und der Einsatz der Mädchen in dem Betrieb beinhaltete auch gleichzeitig die Entstehung einer weiteren Außenstelle des Jugendwerkhofes.
      Nach der Beendigung der Renovierung des Stammheimes zogen die Jugendlichen wieder zurück, doch die Außenstelle wurde mit Neueinweisungen belegt. Die Mädchen wurden in den Produktionszweigen Legehenne und Eiersortierung eingesetzt. Auch sie erhielten die Möglichkeit einen Teilfacharbeiterabschluss zu erreichen.
      Die Renovierung des Stammheimes kostete 110.000,00 Mark. Die Wohnqualität für die Mädchen verbesserte sich enorm. Alle Räume erhielten neue und helle Tapeten, Zwischendecken wurden eingezogen und teilweise neue Möbel gekauft.
      Die Schlafräume wurden verkleinert und die alten eisernen Doppelstockbetten durch Liegen ersetzt. Damit die Schlafräume nicht zu einseitig wirkten, war jede Gruppe angehalten, durch Handarbeiten und Bastelarbeiten den Schlafräumen ihre persönliche Note zu geben.

      Doch es wurde nicht nur gearbeitet und gelernt. Unter Einbeziehung der Mädchen galt es die Freizeit sinnvoll zu gestalten. So nahm der Chor und die Sport – und Volkstanzgruppe an Kulturausscheiden teil. Das klingt so einfach – teilnehmen. Viele Proben waren erforderlich um vor den kritischen Augen der Jury bestehen zu können und eventuell auch einen ersten oder einen anderen vorderen Platz belegen zu können.
      Sportfeste, Ferienaktionen und GST-Lager gehörten einfach mit zur Freizeitgestaltung. Dadurch wurden immer neue Höhepunkte für die Bewohnerinnen des Hauses geschaffen, die für einige Jugendliche zu unvergesslichen Erinnerungen geworden sind. Ein ganz besonderes Erlebnis für die Mädchen des Jugendwerkhofes muss wohl die Teilnahme am Schul – und Heimatfest 1954 (25.5.-30.5.) in Klaffenbach gewesen sein.
      Zum Schul – und Heimatfest fand ein Umzug statt, der Stationen in der Geschichte Klaffenbachs in lebendigen Bildern wieder spiegelte.
      Die Mädchen durften an dem geplanten Umzug teilnehmen. Sie stellten eine Episode aus dem Mittelalter dar. Die Kostüme sollten so originalgetreu wie möglich sein, sodass man sich aus dem Kostümfundus des Schauspielhauses die erforderliche Bekleidung auslieh.
      Die Inhalte der Freizeitvorhaben haben sich wohl im Laufe des Zeit verändert, jedoch um eine gute und hohe Qualität wurde immer gerungen.
      Der Chor nannte sich Singeclub, sportliche Wettkämpfe gehörten zu den Programmen des Ferienaktionen. Fuhren wir anfänglich mit den Jugendlichen in Jugendherbergen der näheren Umgebung in den Urlaub, so sollte das Urlaubsziel für sieben Jahre Bodstett an der Ostsee sein.
      Dieses Urlaubsziel war nur möglich, weil das VEB Margarinewerk uns bei der Organisation aktiv unterstützte. Das Objekt in Bodstett gehörte als Betriebsferienlager dem Kombinat „Fette und Oele“ in Magdeburg. Bis 1980 fuhren alle Jugendliche des Stammheimes und der Außenstellen in das Lager nach Bodstett. Danach suchte jede Einrichtung nach neuen Möglichkeiten. Die Jugendlichen des Stammheimes mieteten sich in Jugendherbergen ein, die der Außenstelle KIM fuhren nach Thalbürgel in das Betriebsferienheim des Kombinates und die Außenstelle Brand-Erbisdorf nutzte das Betriebsferienheim der NARVA in Holzau.

      Schon einige Zeit vor der gesellschaftlichen Wende gab es nur noch wenige Neueinweisungen. Viele Mädchen wurden vorzeitig entlassen. In der Außenstelle KIM arbeiteten die Erzieher teilweise n der Eiersortierung mit, um ihre Arbeitstunden bringen zu können. Es war auch im Jugendwerkhof eine unruhige und ungewisse Zeit. Wer wusste schon, wie es weiter gehen wird. Im März 1990 war es dann soweit. Die noch verbliebenen Jugendlichen und einige Erzieher zogen in das Jugendwohnheim Reichsstraße in Chemnitz. Der Jugendwerkhof war aufgelöst.

      Gisela K.
      ich möchte noch mehr wissen......
      einfach alles...
      was passierte mit mädchen die schwanger waren?
      war es ein harter JWH?
      und und und.....





      Ps.:susa wenn du dort hin fährst vielleicht kennt jemand ja die geschichte einer L.Burchhardt,sie war wie gesagt in der zeit entweder 1965-1966 da.
      ich möchte nur die geschichte wissen...nichts anderes...also keinen kontakt falls die ne addi haben.Darauf lege ich keinen wert.
      Heute ist dort ein Museum wasserschloss-klaffenbach.de/ . Ich war ja schon mehrfach dort, es gab vor langer Zeit mal seitens des betreibenden Vereins Bemühungen, eine Ausstellung auch mit Dokumenten und Fotos und Berichten über den JWH zu erstellen. Dazu ist es aber nie gekommen. Viele Akten wurden auf Anweisung des damaligen Direktors in der Wendezeit geschreddert.
      Klaffenbach war das Stammheim, dazu gehörten noch Brand Erbisdorf und Neukirchen. In Klaffenbach war es immer härter als bei uns in Neukirchen. Dort saß nicht nur die Verwaltung, sondern auch der Direktor und die Fürsorger. Wie es 1966 da war, weis ich natürlich nicht. Ich hab aber noch irgendwo ne Mail-Addi von einer älteren Dame, die vor langer Zeit dort war. Ich such dir die mal raus.

      Zu meiner Zeit kamen schwangere Mädchen nach Schlema in ein Heim, wir sahen sie danach nie wieder und ich weis auch nicht, was aus denen und den Kindern geworden ist. Das Thema war absolut tabu.

      Ich guck mal, was ich noch in Erfahrung bringen kann, treffe mich u.a. auch mit einer meiner ehem. Erzieherinnen.
      warst du im jwh klaffenbach ? ich bin mit einer constanze noack , geb.storck aus guben befeundet . ihre mutter war im jwh klaffenbach . constanze ist im jwh geboren wurden . ihre mutter sass da ein , weil sie ein verhaeltnis mit einem mann aus der damaligen BRD hatte . sie war bei ihrer einlieferung schwanger . und hat dort constanze zur welt gebracht . gruss aus kerkrade in holland !