Erziehungsheime in der DDR

      Erziehungsheime in der DDR

      Aufsässige kamen in Einzelhaft
      Wer sich nicht einfügte, war "schwer erziehbar": In den Jugendwerkhöfen der DDR wurden Jugendliche, die nicht ins sozialistische Persönlichkeitsbild passten, gefügig gemacht.


      Oft hörten sie nur die falsche Musik, waren unangepasst oder kamen aus schwierigen sozialen Milieus: Jugendliche, die zu DDR-Zeiten vom sozialistischen Persönlichkeitsbild abwichen, wurden als "schwer erziehbar" eingestuft und in eines der 38 Spezialkinderheime oder einen von 32 Jugendwerkhöfen eingewiesen.
      "Ich war ein Punk und sah dementsprechend aus", erzählt Christina Finke, die im Jugendwerkhof Hummelshain saß, als die Mauer fiel. "Ohne die Wende hätte für mich der Ärger wohl nie aufgehört."


      Zelle im Dunkelzellentrakt des ehemaligen Jugendwerkhofes in Torgau

      Mit Repressalien auf Linie getrimmt

      Mit 13 sei sie in ein Kinderheim, mit 14 in ein Spezialkinderheim und mit 15 schließlich in den Jugendwerkhof südlich von Jena im heutigen Thüringen gekommen, berichtet Christina Finke. Dort sei jeder Tag straff durchorganisiert gewesen. Repressalien und Schikanen zählten zu den gängigen Erziehungsmethoden. "Ich weiß von einem Mädel, dass nachts um das Schloss rennen musste", sagt die 36-Jährige, die heute in der Nähe von Eisenach lebt. "Hummelshain war aber noch relativ human im Vergleich zu anderen Jugendwerkhöfen."

      Vom Fall der Mauer habe sie von einem Erzieher erfahren. "Wir haben den erstmal für verrückt erklärt", sagt Finke. Denn sei der Umgang lockerer und der Jugendwerkhof immer leerer geworden. Sie wurde Anfang 1990 entlassen. "Ich war 17 und habe gedacht, die Welt liegt mir zu Füßen." Endlich habe sie ihre Meinung sagen können.

      Geschlossener Jugendwerkhof Torgau

      Eine der schlimmsten Einrichtungen war Torgau, ein geschlossener Jugendwerkhof für "besonders schwere Fälle". Mehr als 4000 Jugendliche saßen dort von 1964 an, ohne dass für die Einweisung ein Gerichtsurteil nötig war. Die Fenster waren vergittert, Aufsässigkeit wurde mit Einzelhaft bestraft. Die Jugendlichen mussten massive Demütigungen sowie körperliche und psychische Gewalt ertragen. Manche ertrugen es nicht – immer wieder nahmen sich Jugendliche das Leben.


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      LG Ines
      Die mich kennen mögen mich - die mich nicht mögen können mich

      Was nicht umstritten ist - ist nicht sonderlich interessant

      :D :D :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Ines“ ()

      Selbst von Richtern musste ich mir anhören: Jemanden wie Sie hätten wir auch in der Bundesrepublik Deutschland eingesperrt.“


      :gruebel:

      Repressalien und Schikanen zählten zu den gängigen Erziehungsmethoden. "Ich weiß von einem Mädel, dass nachts um das Schloss rennen musste"

      :gruebel:

      Richtig aber ist auf alle Fälle, ich hätte von einem sozialistischen Land etwas anderes Erwartet im Bereich Pädagogik , auch wenn unter den Jugendlichen ganz schöne Granaten bei waren sollte eine Gesellschaft die sich als die bessere Alternative ansieht immer zuerst Vorbild sein.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Bene“ ()

      Ich denke mehr auf die Jugendlichen eingehen (auch individuell) wäre besser und hilfreicher gewesen.
      Bei manchen Strafen, Anordnungen von damals sucht man ja heute noch den pädagogischen Lehrwert .... und kann ihn nicht finden.

      LG Ines
      Die mich kennen mögen mich - die mich nicht mögen können mich

      Was nicht umstritten ist - ist nicht sonderlich interessant

      :D :D :D
      Dieses sogenannte sozialistische Gebilde war nichts anderes als eine Diktatur. Der Auftraggeber zu dem allen war die SED, heute die sogenannte Linkspartei. Was soll man von diesen Leuten erwarten ? Kurt Schumacher sagte einmal,, Kommunisten sind rotlackierte Nazis'', wie Recht er damit hatte, zeigen die Millionen von Toten. Narürlich hatte die DDR in den sechziger Jahren die physische Gewalt durch Psychoterror ablösen lassen. Natürlich wurde damit auch das Bildungs und Schulsystem und die damit einhergehenden Erziehungmethoden von einer kriminellen Staatsriege bestimmt. Das Leute wie Frau Honecker, Egon Krenz oder eine Ina Leukefeld (ehemalige IM ) auch heute weiter ihre Lügen verbreiten, zeigt dass Sie demokratische Verhältnisse und somit auch die Verantwortung für die in der DDR begangenen Verbrechen ablehnen, Der seelische Mord an Kindern, hat angeblich nie stattgefunden. Die DDR war im Grunde nichts anderes als eine Wohlfühldiktatur mit faschistoiden Strukturen.


      mfg Hannes
      Wenn ich alles aus heutiger Sicht mit den Erkenntnissen und Vergleichen der Erlebnisse und Erfahrungen der letzten 36 Jahre reflektiere, dann muß ich in vielen Punkten den Beiträgen zustimmen.

      "Eine schmerzliche Wahrheit ist besser , als eine Lüge."

      Ich habe an den Sozialismus geglaubt und war in diesem Sinne Erzieherin geworden und Parteimitglied. Was daraus wurde, wissen wir. Ich habe damals auch Ängste gehabt, daß ich ja nicht aus der " Reihe" tanze oder auffällig bin, weil ich die Folgen nicht wußte, aber irgendwie Angst davor hatte, selbst Repressalien ausgesetzt zu sein. Aber ich habe immer mit den Jugendlichen, die ich betreut habe , mitgefühlt, als würde es mich selber betreffen. Das hat meine Seele kaputt gemacht. Ich wollte irgendwann nur noch weg, um nicht mehr dem Druck ausgesetzt zu sein. Ich hatte sehr lange mit psychosomatischen Auswirkungen zu kämpfen, was ich nicht einmal wußte. Erst nach 20 Jahren habe ich eine Therapie gemacht, die mir zeigte, daß ich nicht todsterbenskrank bin , sondern körperliche Symptome auf die Auswirkungen in meinem Leben hatte.

      Aufsässige wurden nicht geduldet, auch nicht aufsässige Erzieherinnen. Der Kleinkrieg unter den Erziehern hat einen auch geschafft. In so einer großen Einrichtung spielten sich auch Machtkämpfe ab. Ich war immer zwischen den Stühlen, habe mich nie zu der oder der Gruppe bekannt. Wie auch...

      Das alles hatte mich verunsichert. Ich habe kaum darüber gesprochen , mit wem auch. Es ist oft passiert, daß man jemandem vertraut hat und dann plötzlich alles öffentlich gemacht wurde. Ich fand zwar meine Erziehertätigkeit schön, bin aber jetzt erst richtig im Aufarbeitungsprozeß. Da kommt noch vieles "hoch"...

      Ich war nicht der Typ, der seine Macht an Wehrlosen ausübte, ich war in manchen Situationen selber machtlos...Wer links und rechts vom Wege abkam, wurde aufs Korn genommen.

      Das hat mich immer verfolgt. Etwas zu sehen und nichts tun zu können. Ich würde gern dem oder dem heute meine Meinung sagen und ihm klarstellen, daß er in meinen Augen kein anständiger Erzieher oder Erzieherin war. Aber ich habe kein Recht dazu, ich war selbst einer. Ich hätte damals etwas sagen müssen, wozu ich nicht in der Lage war. Jedenfalls nicht in genügendem Maße. Ich kenne aus dem ganzen Heim nur sehr wenige, mit denen ich heute noch gern Kotakt hätte, einer davon ist Herr Rennert. Ich bereue es nicht, dort weggegangen zu sein.(1983) Es ging nur durch Heirat oder Kind bekommen . Ein Jahr Versetzungsfrist beantragen und selber etwas neues suchen über die Stellen beim Rat des Kreises(und der war auch Staatsorgan). Es war nur eine Flucht, es war keine Veränderung in dem Sinne.

      Ines hat recht: Es fehlte an Verständigungspartnern für die "gebrannten" Jugendlichen. Es gab kein Verständnis, es wurden keine Psychologen eingesetzt, die sich mit den Problemen beschäftigten. Erst 1981/82 gab es einen Psychologen, der sich intensiv mit Schülern, die Probleme hatten oder "machten" in unserem Heim beschäftigte. Ja, er wurde von den Erziehern belächelt...was er wohl ausrichten könnte, was sie nicht können...

      Ich finde auch heute noch, sollte man in der Erziehungsarbeit in erster Linie mit Lob arbeiten und Belohnungssystemen und nicht mit Strafen und Reglements.