Maroldsweisach Voccawind

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      „Voccawind“ / „Heim Voccawind“ – auch Ortschaft „Voccawind“, im Haßbergkreis, zwischen den Orten Maroldsweisach und Todtenweisach gelegen, in Franken, in Bayern.

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      Voccawind / Heim Voccawind – auch Ortschaft „Voccawind“ ( mit Güterzugbahnhof ) – Haßberg / Haßbergkreis, zwischen den Orten Maroldsweisach und Todtenweisach gelegen, in Franken, in Bayern; nur 4km von der damaligen DDR-Grenze entfernt. Nahestgelegene Kleinstädte Hofheim in Unterfranken und Ebern. Größere Stadt Coburg. Etwas weiter entfernte größere Stadt, Bamberg.

      Bundesstraße
      B 279 führt vorbei an der Ortschaft „Voccawind

      Damals war dieses „
      Heim“ eine „Erziehungsheim“ der INNEREN MISSION ( also evangelisch–lutherisch ) [ heute DIAKONIE ].

      Es war ein „
      Erziehungsheim“ mit 80 Plätzen für „schulentlassene“ „schwererziehbare Jungen“ mit Steinbruch ( Balsat-Steinbruch ), von „Brüdern“ d.h. „Diakonen“ beaufsichtigt.

      Dieses „
      Heim“ wurde damals von einem ehemaligen SS-Mann geleitet und galt als „vorletzte Station vor dem Zuchthaus“ und als „modernes Konzentrationslager“; es bestand als solches auch noch in 1969 ( erwähnt in dem Buch ENDSTATION FREISTATT, Seite 170, Fußnote 32 ), ( vgl. Archiv des Diakonischen Werkes der EKD in Berlin: ADW), HGSt 4444 und 4450 ).

      Das
      Heim“ „Voccawind bestand auch noch in 1994/1995.

      Anscheinend war es damals schon und bleibt es auch heute weiterhin eine „
      Außenstelle“ der RUMMELSBERGER ANSTALTEN !

      Haus auf dem Zeilberg“, Diakonie, Voccawind 45, 96126 Maroldsweisach, Tel.: 09532/922720, Fax: 09532/922727

      Siehe dazu auch die Webseite der
      Diakonie @ http://www.dwbf.de/sozialpsychiatrie/

      Datei: Zeilberg.jpg @ http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Zeilberg.jpg ( Foto eines dortigen Basalt-Steinbruch, 2007 )

      Deutsch: Basaltbruch auf dem Zeilberg bei Maroldsweisach ( Landkreis Haßberge, Unterfranken, Deutschland ).

      English: Basalt quarry on the Zeilberg near Maroldsweisach ( Landkreis Haßberge, Lower Franconia, Germany ).
      Voccawind, bitte alphabetisch einordnen und indexieren.
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

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      Die Wahrheit über Voccawind

      Diverse Beschreibungen des Jungen-Erziehungsheimes
      Voccawind sind schlicht falsch und einige ihm zugeschriebene Eigenschaften in
      keinster Weise korrekt.
      Dies gilt vor allem für Behauptungen wi„vorletzte Station vor dem Zuchthaus“ und„modernes Konzentrationslager“ (Quelle Buch Endstation Freistatt, Seite 170, Fußnote 32 ), aber insbesondere auch für Aussagen wie „Die letzten Stationen in diesem System waren die sog. Endstationen, so zB Freistatt oder Voccawind. In diese geschlossenen Heimen herrschte ein besonders restriktiver und repressiver Erziehungsstil mit straffer Arbeitserziehung. Militärähnlicher Drill, Erniedrigungen und die Anwendung körperlicher Gewalt gegen Zöglinge gehörten ebenso ins Repertoire der Erziehungsmethoden wie das zeitweise Wegsperren der Jugendlichen in Arrest-
      oder Isolationszellen.“ (Quelle Projektgruppe Fürsorgeerziehung 1946-1975
      Universität Koblenz-Landau, Wanderausstellung 2010).

      Fakt ist, dass in Voccawind die verordnete Arbeit im Basalt-Steinbruch extrem hart (vor allem im eisigen Winter oder bei 32`Hitze) war und nur minimal entlohnt wurde. Nach den Sprengungen mussten Steine und Erde per Hand in Loren und dann zu den jeweiligen Sammelstellen gebracht werden. Für eine Lore Erde gab es nichts, für
      eine Lore Steine nur ein paar Pfennige. Erwartetes Pensum waren um die 10
      Loren, was in etwa einem Tagespensum von drei bis vier Tonnen entsprach. Von
      dem verdienten Geld konnte allwöchentlich ein kleiner Teil für Zigaretten,
      Tabak, Süßigkeiten etc. ausgegeben werden. Der größere Rest diente als
      Entlassungsgeld. Lief die Schufterei mal besonders gut und brachte an einem Tag
      mal 13 Loren, gab es abends als „Belohnung“ ein Sonderessen incl. Einer Flasche
      Bier.

      Während der reinen, neunstündigen Arbeitszeit gab es Mittagspause mit Essen und verschiedene Zigarettenpausen. Trotz der äußerst harten Arbeit stellte sich nach zwei, drei Monaten eine Art Gewöhnung ein. Die muskulären Probleme hatten sich weitgehend eleminiert und die größere Routine beim Zerkleinern der großen Basaltbrocken mit dem schweren Vorschlaghammer nebst des Reinwuchtens in die Loren machte die Tätigkeit erträglicher.
      Der „militärähnliche Drill“ bestand einzig darin, das morgens und abends angetreten und abgezählt werden musste, um etwaige Abgänge zu checken. Ansonsten geschah der Arbeitsantritt weder im Gleichschritt noch musste mit einer 40kg-Ausrüstung durch schlammiges Gelände gerobbt werden wie bei meiner späteren Bundeswehrzeit.
      Der Erziehungsstil war weder restriktiv noch repressiv. Er war äußerst nachdrücklich und in gewisser Weise unnachgiebig und von klaren Regeln geprägt. Hielt man letztere ein, gab es keine Probleme.
      „Erniedrigungen und und die Anwendung körperlicher Gewalt“ gab es während meines Aufenthalts dort (1961 und 1962) so gut wie nicht, bzw. selten. Ich selbst erhielt einmal vom Heimleiter eine gesalzene Ohrfeige, nachdem ich beim Putzen seiner Stiefel (was 50 Pfennige einbrachte) auch seine Reitgerte (die er stets mit sich führte) mit Schuhcreme einschmierte. Doch war es mir das wert.
      Gewalt unter den Zöglingen gab es hingegen. Zum Einen schon wegen der Hierarchie, die unter (zu meiner Zeit) 73 Jungen zwangsläufig vorhanden war und gewissen eigenen (Gruppen)Regeln folgte. Zu diesen Regeln zählte zB, dass „Abhauen“ nicht toleriert wurde, weil stets die Gruppe als Ganzes darunter zu leiden hatte. Etwa, dass der sonntägliche Ausgang ins nahegelegene Maroldweisach gestrichen wurde. Nicht toleriert wurde auch Anschwärzen bei den Erziehern, das Nichtbezahlen von Schulden und ähnliches. Doch wurden handgreifliche Auseinandersetzungen meist durch die Erzieher unterbunden und in Form samstäglicher Boxkämpfe (mit Handschuhen etc.) incl. Ringrichter ausgetragen. Diese fanden öfter auch ohne speziellen Anlass statt, einfach als „sportliche“ Veranstaltung zum Abbau eventueller Aggressionen. Die Hierarchie war auch insofern von Vorteil, als manche Streitigkeiten schon im Ansatz von den „Alphatieren“ unterbunden bzw. gelöst werden konnten.
      „Erniedrigungen“ durch Heimaufsicht oder Erzieher gab es ebenfalls nicht. Wobei bei jenen, die auf die Unterbringung in einer Geschlossenen, die harte Steinbrucharbeit, die strenge Reglementierung und dergleichen mehr sehr sensibel reagierten, durchaus ein Gefühl der Erniedrigung und Verzweiflung aufkommen konnte. Was bei zwei oder drei Zöglingen auch Bettnässen nach sich zog und die psychischen Downphasen verstärkte. Sexuelle Übergriffe durch Erzieher gab es nie. Die üblichen
      nächtlichen Bettspielchen zwischen manchen Zöglingen hingegen wohl, was jedoch
      vom größeren Rest toleriert wurde, auch wenn jene die Lover oft mit anzüglichen
      Worten bedachten.

      „Zeitweises Wegsperren in Arrestzellen“ (meist drei Tage isoliert) gab es ausschließlich bei jenen, die einen Sonntagsausgang oder eine abendliche Zigarettenpause zur Flucht nutzten. Wobei auch zu bedenken war, dass das Abhauen über die nahegelegene DDR-Grenze in einigen Fällen schlimme Verletzungen durch Minen zur Folge hatte.
      In der karg bemessenen Freizeit standen Bücher zur Verfügung, die jedoch selten genutzt wurden. Meist wurde Domino gespielt, Einsatz gedrehte Zigaretten oder „Aktive“ (fertige), manchmal auch der Nachtisch oder eine Blechmarke für eine Lore Steine.
      Resümierend kann ich sagen, dass Voccawind weder die „Hölle“, noch ein „modernes Konzentrationslager“ noch die „letzte Station vor dem Zuchthaus“ war. Mir und anderen Mit-Zöglingen auch brachte der (Zwangs-)Aufenthalt nicht nur eine physische Stärke, sondern auch eine psychische.
      Na gut, man kann Voccawind sehen wie man will, aber vermute mal dass keiner von uns unschuldig dort war. Nur die Frage die sich mir nach Jahren stellte war die: Habe ich das verdient? Ich sage nein.

      Ausserdem soll keiner und ich meine keiner Voccawind schönreden. Ich war lange genug dort und habe den Steinbruch im Winter/Sommer erlebt, kenne auch die Zellen am Gangende zur genüge (Flucht) und die Firma in Coburg (Gaudlitz) war zum Steinbruch direkt eine Erholung. Schikanen? Ja was sind Schikanen, da kann man mit unterschiedlichem Maß messen. Körperliche Schikanen von Seiten der "Brüder" gab es nicht, aber die beiden Plietsch waren schon ein starkes Stück. Aber wenn ich bedenke, dass dort 14-18 jährige (auch ältere) ihre Jugend verbringen mussten, NEIN DANKE . Das hat keiner verdient. Ich bin froh, dass ich nach Jahren mit mir im "reinen" bin und über die Zeit nachdenken kann ohne Angstgefühle und Depressionen zu kriegen, aber drüber offen reden fällt mir unheimlich schwer. Und wenn man aber darüber redet und erzählt was und wie es dort war glaubt das im ersten Moment keiner.
      Freggerla