Kinderheim Mistlau

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      Kinderheim Mistlau

      Am 24. + 25.Mai 08 ist das Heimtreffen in Mistlau.

      Sollte noch jemand nicht wissen, wohin er den Beitrag für dieses Treffen überweisen muss, kann er sich per PN an mich wenden.

      Ich freu mich, dass wir uns hier alle weiter austauschen können.
      Ein ereignisreiches und informatives Wochenende in Mistlau liegt hinter uns. Schön, dass wir uns nach so vielen Jahren wieder sehen konnten.

      Mit welchen persönlichen Eindrücken seid ihr wieder zu Hause angekommen.
      Was hat euch gefallen und was war nicht so gut für Euch??

      Haben sich eure Erinnerungen bestätigt, oder gibt es Dinge über die ihr jetzt anders denkt?

      Ich fände es toll, wenn wir uns darüber austauschen könnten.
      Ablaufbericht unserer Mistlaureise und Aufenthalt vom 24. u. 25.05.08:


      Samstagfrüh geht's los. Ich fahre mit dem Auto zu Christel, um sie abzuholen. Bin gegen 8.00 Uhr da. Sie wolle gerne noch erst frühstücken, gut, soll mir recht sein. Kommt auf ne halbe Stunde nicht drauf an. Eine Stunde später sitzen wir immer noch zu Tische. Frühstück stärkt und gibt Kraft. Kraft für was?, denke ich. Nach zwei Stunden sitzen wir im Auto und es scheint loszugehen und es tut's tatsächlich. Sie hat etwas Probleme mit meiner Automatikschaltung, also von dem Auto, verwechselt den Rückwärts- mit dem Vorwärtsgang. Ich erklär's ihr ruhig und sachlich, worauf sie lauthals meint, ob ich etwas der Meinung sei, sie könne das nicht? Ich sage, nein, nein , für das erste Mal mit der Schaltung sei das genial. Ich denke, Oh Gott, das kann ja was werden.
      Sie bestimmt den Weg auf die Autobahn, ich deute leise und schüchtern an, daß sie den nächsten Zubringer vielleicht hätte nehmen sollen. Das war ein gewaltiger Fehler. Ich verkrieche mich immer mehr in meinen Sitz und denke, die erste Viertelstunde schon verloren, jetzt brauchen wir doch gut drei Stunden.
      Auf der Autobahn kritisiert sie das Bremsverhalten meiner Limosine und meint, ihr Mercedes hätte da weit aus bessere Eigenschaften. Ich stimme ihr notgedrungen zu und denke, mit ihrer Kiste würde ich noch nicht mal zum Zigarettenholen fahren.
      Ich bitte sie, auf der Autobahn nicht mehr als 130 Sachen zu fahren. Natürlich mache sie das nicht, man habe ja Zeit. Ich denke, wenn sie den richtigen Zubringer genommen hätte, kämen wir auch mit 120 Sachen gut hin.
      Ich solle doch jetzt mal schlafen, ich bräuchte meine Kräfte noch. Ich denke, oh Gott, für was denn? Sind die ehemaligen Heimis so kräfteverzehrend? Ich schlafe und sie denkt, ich schlafe, denn auf ein Mal geht die Tachonadel auf 160 und mehr. Ich sehe das, weil ich so tue, als ob ich schlafe. Ich räkel mich und täusche ein Aufwachen vor und zack...ist die Nadel wieder auf 130. Ich denke, ein ganz schönes Schlitzor. Aber das Wochende soll ja erholsam sein und täusche wieder schlafen vor.
      Auf halbem Wege gehen wir einen Kaffee trinken. Der Kaffee ist stark, für sie zu stark, kriegt lauthals Brechreize. Ich denke, oh, Gott, sie wird doch nicht, ist doch peinlich, wenn da so viele zuschauen. Sie beherrscht sich, schaut mich vorwurfsvoll und fragt mich, ob diese Raststättengebräue immer so zum Kotzen wären. Ich sage, nun ja, mal so mal so. Sie sagt: ätzend, und wir fahren weiter.
      Auf der A6 einigen wir uns beide, heißt, sie schlägt vor: Ausfahrt Kirchberg.
      In Kirchberg zeigt sie mir ihre ehemalige Schule, ich denke, was für ein schäbiger Flachbau. Sie schwärmt, in so einer tollen Schule sei sie gewesen. Ich sage, Wow, da sieht man mal. Was man da sieht, kann ich allerdings nicht sagen.
      Wir kommen an, wir schwärmen beide von längst vergangenen Zeiten. Sie mehr, weil ich ihren Redefluß nicht mehr zu stoppen vermag. Jedes Bächlein, insbesondere die Jagst kann sie benennen, ich kann es auch, aber nicht so ausführlich, notgedrungen.
      Sie sagt, daß genau dieses Pflänzlein damals auch schon vorhanden gewesen wäre. Ich frage, genau dieses? Sie sagt, genau dieses. Ich nicke zustimmend und denke, jetzt übertreibt sie ein wenig, wage aber nicht, ihr meinen Gedanken zu übermitteln.
      Sie ist die Euphorie in Person, ich bin es auch. Einen euphorischen Satz bringe ich niemals zu Ende, er bleibt auf halbem Wege stecken, da ein noch euphorischer Satz ihrerseit diesen total abbremst, wie die besseren Bremsen von ihrem Mercedes.


      Gleich geht's weiter
      Bevor wir ins Kinderheim fahren, will sie mir noch den Steinbruch von damals zeigen. Denn kenne ich auch noch. Mit fachmännischer Kenntnis fahren wir dahin. Nach einer Weile meine ich, daß wir doch den Weg links hätten nehmen sollen. Im Leben nicht, ist ihre bestimmende Reaktion. Ich sehe das ein und denke, auf diesem Weg fahren wir beim nächsten Bauern durch die Scheune. Bevor es dazu kommt zeigt sie sich wandlungsfähig und meint, aber früher wäre das der richtige Weg gewesen. Ja, sage ich, da wäre ich mir auch sicher. Ich habe keine Ahnung, wo wir eigentlich sind.
      Doch nun wollen wir das Heim und die Heimkinder endlich sehen. Einige sehen wir schon, alt und ergraut. Wie gut, denke ich, daß ich noch nicht alt und ergraut bin und ich bin sicher, die anderen sehen das auch so. Nach einiger Zeit treffen immer mehr und mehr der Heimis ein. Bis jetzt kann ich noch keinen wiedererkennen. Christel geht auf gut 90% derselben zu, schaut sie wissend und ergründend an, sagt, du bist die Gabi, du bist der Rolf, du bist die Hanna usw. Sie kennt sie fast schlichtweg alle. Ich bin neidisch, ich kenne niemanden.Christel scheint das zu merken und wird immer überschwenglicher, ich denke, sie will mir andeuten, wer hier die Oberheimiin ist. Soll sein, hoffentlich gibt's bald Kaffee und Kuchen. Das dauert aber noch ca 1 Stunde. Wir gehen in die Dorfkneipe, die gab's damals auch schon. Nichts hat sich geändert, nur die Bierpreise und die Automarken. Mit einigen anderen gehen wir dahin. Auf halbem Wege treffe ich doch tatsächlich eine aus meiner Zeit, gehe auf sie zu und sage: Du bist die Ellen, sie meint erstaunt, ja, wäre so, wer ich denn sei. Ich sage ihr, wer ich sei. Sie meint, ah ja. Ich sehe, sie hat mich nicht wieder erkannt. Sollte ich mich seit damals so geändert haben? Ich denke, daß ich die nächsten 10 Jahre auf kein Heimkindertreffen mehr gehe.
      In der Kneipe läßt sich Christel zu einem Radler überreden, nicht von mir, ich nuckel ein Cola, man will ja noch fit bleiben.
      Wenn Christel jemand erkennt, so laufen sie aufeinander zu umarmen sich und jeder weiß sofort, was Sache ist. Man merkt das, weil beide sofort des anderen Namen auskreischen, so schnell hintereinander, daß da nichts abgesprochen wurde vorher. Ich verdrücke mich ein wenig und täusche herzliches Interesse am Wiedesehensglück vor, der anderen, hauptsächlich Christel's. Muß ich ja, weil wir müssen am Sonntag ja wieder zurückfahren.
      Um 15.00 Uhr gibt's Kaffee und Kuchen, beides gut, ich sitze alleine, Christel scharwenzelt mit den anderen rum, weil die sich ja kennen.
      Ich habe einen älteren Herrn und ebenso Dame als Gesprächspartner und denke, ein oder zwei Stunden Schlaf täten mir ganz gut.
      Um 19.00 Uhr gibt's Abendessen. In der Zwischenzeit haben Christel und ich die Gelegenheit, die nähere Umgebung per Auto zu erforschen.
      Altvertraute Ortschaften und Wälder, mir wird sehr beklommen im Gemüt und träume von vergangenen Zeiten, bittersüß und unwiederbringbar. Eine Zeitmaschine hätte ich jetzt ganz gerne, nur für ein halbes Stündchen. Christel unterbricht mich, sie hört wohl meine Seufzer, sie meint lauthals, geh raus und fotographier das. Ich tu es, aber meine Gedanken schweifen ab. Ich drücke geistesabwesend auf den Auslöserknopf. Ich bekomme feuchte Augen und gehe daher langsam zum Auto zurück, peinlich, wenn Christel das sähe.
      Wir fahren nach Gerabronn, wo ich das erste Licht der Welt ertragen mußte, fotopraphiere mein Geburtshaus und die Stelle, wo ich als 2- Jähriger in die Mistbrühe gefallen bin.
      Es sind Dinge, die man nur alleine verarbeiten muß und kann.
      Wir fahren überall rum, was wir noch kennen. Sie kennt sich sehr gut aus. Wieder erreichen wir Kirchberg, dann ihre ehemalige Schule, diesmal schauen wir sie und genauer an, direkt davor. Ich sehe sie mit anderen Augen, wunderschön und zeitlos, denn die Erinnerung an die Kindheit und alles, was damit zusammenhängt, ist etwas wunderbares, etwas gewaltiges, eben so, wir es in unsere Erinnerung für ewig behaftet bleibt.
      So, weiter geht's:



      Wir fahren durch diverse Dörfer wieder ins Heim, wo wir ja hingehören.
      Christel sagt sehr erregt, und zu all diesen Käffern hätten sie damals zu Fuß hinwandern müssen. Ich bemitleide sie und denke, Körperertüchtigung täte ihr sicher heute noch gut. Seitdem hätte sie vom Wandern die Schnauze voll. Ich bemerke dazu, daß ich heute noch einigermaßen gerne wandre, wenn die ensprechenden Leute mitgehen.
      So ein Quatsch, sagt sie, kein Mensch, egal wie, kriegt mich mehr zu diesem sinnlosen Stolpern durch die Landschaft, zum Kotzen das.
      Ich schweige und nehme mir vor, demnächst mal den Bodenseewanderweg zu begehen. Das darf ich ihr aber nicht sagen, sonst fährt sie sich mit der Hand über die Stirn, nach dem Motto: Hast du sie nicht alle? Geht's noch?
      Um 19.00 Uhr gibt's Abendessen. Man trifft sich im Saal, im selben, wie damals. Alle stehen im Raume, diskutieren, lernen sich auf's neue kennen und tun so, als wenn das Essen beiläufige und nebensächliche Sache sei. Dabei springen ihnen vor Hunger die Augen aus dem Kopf. Mir auch, obwohl ich vorher nichts dazu beigetragen habe, daß ich hungrig sein dürfte. Es gibt Gemüsepizza und Salat, antroposophisches Futter eben. Ich renne nach Salz und Pfeffer. Ich wage nicht nach Tabasco und anderen südländischen delikaten Gewürzten zu fragen, weil ich denke, sowas ist tabu. Aber Pfeffer und Salz war da und man konnte die Pizza essen. Ich stelle mir den Rinderbraten vor, den jetzt manche Abtrünnige in besagter Dorfschänke zu sich nehmen. Diese Abtrünnigen waren auch ehemalige Heimkinder, aber irgendwie hatten sie den Speiseplan der Heimküche ausspioniert. Sie wollten dieses Treffen jedenfalls in dieser Hinsicht nicht übertreiben.
      Christel und ich würgen in anständiger Manier dieses Walddorfgesprezel runter. Ob ich ihr ein Stück holen könne, direkt von der Mitte, ohne Rand. Ja, sag' ich. Aber die Mittelstückke waren alle vergeben, blöde sind die Heimis ja auch nicht. Also ein Halbrandstück konnt' ich ergattern. Ich bring's ihr, ihr Blick sagt mir, das hätte sie auch alleine gekonnt. Ich zucke mit den Schultern und nehme mir fest vor, doch noch den Rinderbraten als Nachtisch zu mir zu nehmen. Ich schlage ihr das vorsichtig vor und ihr Blick verrät erstaunliches Einvernehmen. Sehr gut.
      So gehen wir denn die 255 m zur Schänke, wobei Christel meint, da hätte man ja auch mit dem Auto hinfahren können. Und wer fährt dann zurück, wenn wir ein oder fünf Glas drin haben? Der Einwand meinerseits überzeugt sie, ein wahres Wunder.
      Auf dem langen Weg dorthin preißen wir überschwenglich die Nacht, die Sterne, die Luft, die unendliche Stille, das Innigsein von damals. Ich weiß nicht, ob ich damals auch innig war.
      Wir kommen an, der Viertelkilometer hat uns viel gebracht. Nicht viel gebracht hat die Nachricht des Wirtes, daß nun die Küche geschlossen sei. Macht nichts, dann trinken wir halt noch was. Christel erregt sich beim Anblick des Brunnen's vor unserem Tisch und meint, der sei heute noch wie damals, nichts hätte sich geändert. Ich stimme ihr zu und denke, die Vermörtelung des runden Gesteins sei höchstens 5 Jahre alt. Ich sag's aber nicht, ich muß mit ihr ja noch heimfahren.
      Ich trinke zwei halbe Bier, Christel ein Gespritztes, dann gehen wir, weil die Wirtsleute anscheinend schon müde sind. Wir sind die Letzten.
      Wir wandern den Viertelkilometer nach Hause, ins Heim. Dabei unterhalten wir uns, nicht gerade so, als wollten wir den braven Bauern, Mägde und Knechte ihren wohlverdienten Schlaf gönnen. Ich sage, ganz leise, Christel, nicht so laut. Ach was, meint sie, heute sei der Tag der Heiminsassen und das wisse ein jeder. Ihr feuriger Blick schien die Dunkelheit zu durchdringen.
      Ich bin müde, Christel nicht. Angekommen am Hause, führt sie mich zu einer dunklen Stelle auf der Rückseite des Gebäudes. Dort habe sie seinerzeits gesessen, wenn sie sich vor den Schwestern verstecken mußte, weil sie eine winzigkleine Tat, die nicht rechtmäßig , begangen hatte. Genau so dunkel, wie damals. Ob es die selbe Dunkelheit gewesen sei, frage ich nicht, ich kenne die Antwort. Sie sagt, und dort sei ihr Bruder gekauert, vor Angst und Elend. Ich kann es mir vorstellen und ich denke, was das wohl für Menschen gewesen sind, die die Seele eines kleinen Kindes so zerstören konnten. Diese Menschen leben heute nicht mehr, leider. Ich stelle mir vor, was ich mit ihnen machen würde, heute. Der Tod ist oftmals ein unbarmherziger Richter. Ich hoffe, daß sie in der Hölle schmoren und braten, bis in alle Ewigkeit.
      Ich kann ein Gähnen trotz allem nicht unterdrücken, Christel merkt das und meint, jetzt könne man getrost ins Bett gehen. Ich blicke sie dankbar an, aber das kann man in der Finsternis nicht sehen, aber ich denke, sie hat es gefühlt. Manchmal ist sie recht passabel und ich denke, das mit der Heimfahrt wird sicher in harmonischer Manier von statten gehen.
      Ich gehe in mein Zimmer, das selbe wie vor 56 Jahren, mir wird jetzt seltsam zumute und in Erwartung der Träume schlafe ich sofort ein.
      Ich habe viel geträumt, aber das, von dem ich dachte, träumen zu müssen...Fehlanzeige.


      Fortsetzung folgt
      Das kann noch dauern, Quintino.
      Ein Unwetter hat heute Nacht Wonzels Wohnung 5cm unter Wasser gesetzt. Wahrscheinlich schippt er immer noch, weil er sich ja von mir nicht helfen lassen will. Der PC macht keinen Mucks mehr.

      Ich rechne mal damit, dass er Asyl bei mir sucht und dann meinen PC beschlagnahmt, damit er weiter schreiben kann.:D
      8o
      Wonzel
      Doch PC tut wieder,

      auch ich warte schon mal geduldig... :] und - natürlich, DER gibt ja auch überall kommentare ab! – denken sicher auch hier einige, trauen sich nur nicht, es zu schreiben… :rolleyes:
      Boah!!!
      Wonzel
      Sie bestimmt den Weg auf die Autobahn…

      du musst dir das sagen lassen?? und: sie
      Wonzel
      „….kritisiert das Bremsverhalten deiner Limosine“ ,

      glaub, spätestens hier wäre ich ausgestiegen…. :rolleyes:
      Wonzel
      … bitte sie, auf der Autobahn nicht mehr als 130 Sachen zu fahren. Natürlich mache sie das nicht, man habe ja Zeit. Ich denke, wenn sie den richtigen Zubringer genommen hätte, kämen wir auch mit 120 Sachen gut hin.

      glaube, mit speed haben hier nicht nur manche admins schwierigkeiten. :rolleyes:*[SIZE=7]malwiederölinsfeuergieß[/SIZE]*
      Wonzel
      auf ein Mal geht die Tachonadel auf 160 und mehr

      siehste, geht doch, oder? Bei den spritpreisen sicher nicht mehr lange…. 8o
      Wonzel
      „…was für ein schäbiger Flachbau.“

      so was wir auch hatten. Da war aber nur ein teil der schule untergebracht. heute steht der nicht mehr. war wohl zu modern… :(
      Wonzel
      ….schwärmen beide von längst vergangenen Zeiten.

      Machen wir das nicht hier auch schon länger? :rolleyes: nicht alles war ja schlecht! :D
      Wonzel
      ….hätte vom Wandern die Schnauze voll.

      was wiederum verständlich ist....
      Wonzel
      .... Bodenseewanderweg zu begehen.

      neuland! Könnten man dort nicht ein sommertreffen abhalten, wenn es nicht so weit südlich wäre…. ;(
      Wonzel
      ……stehen im Raume, diskutieren, lernen sich auf's neue kennen....

      mir das kaum vorstellen kann, wie das nach 56 jahren möglich sein soll! Bei „unsereins“ sind`s ja NUR 37 und von denen meldet sich (fast) niemand, scheinen alle „abgeschlossen zu haben“ oder haben nur einfach gut verdrängt, nicht d`ran erinnert werden wollen….
      Wonzel
      …..preisen …überschwenglich die Nacht, die Sterne, die Luft, die unendliche Stille, das Innigsein von damals.

      Oh, wie der mond das kennt, nur eines nicht – das Innigsein was ist das? Glaube, so was leider nie richtig kennengelernt zu haben.
      Wonzel
      ….was das wohl für Menschen gewesen sind, die die Seele eines kleinen Kindes so zerstören konnten.

      Es waren christen oder solche, sie sich dafür hielten, so taten, als wären sie welche. 8o Der „herr“ hätte es nie zugelassen, was damals geschah! Gegen Nonnen war er machtlos.

      auch ich bitte unbedingt um`s weiterschreiben! Der Stil hat etwas Besonderes. Großartig!! Ich glaube, man kann den getrost zur Veröffentlichung bringen! Würde, wie jetzt auch, dein leser sein. Bitte weiter, da das wasser ja nun abgeflossen ist!!! :]
      und, danke, jetzt schon für die Mühe!

      lG, axel

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „axel“ ()

      Weiter geht's:

      Gegen acht Uhr wache ich auf, wohlausgeschlafen und schön geträumt, wo ich fliegen und endlos lange unter Wasser schwimmen konnte. Sehr zufriedenstellend, da ich jetzt weiß, daß ich von damals nichts bewältigen muß.
      Ich schaue zum Fenster hinaus und ich vermisse den Sandkasten und die Schaukel, wo wir ein Menschenalter vorher spielen und schaukeln durften. Ab sieben Jahre war das nämlich erlaubt. Wie brauchten dann statt um fünf Uhr erst um sechs Uhr ins Bett. Ich seufze, schließe die Augen und die Schaukel und der Sandkasten sind wieder da. Heute ist die Stelle zugepflastert, schön anzusehen, doch kalt. Früher war alles viel wärmer. Die Schläge ins Gesicht, auf den Rücken und den Hintern, da konnte man schon fast von einer gewissen Hitze sprechen. Ach käme sie doch wieder, die alte Zeit. Wenn ich Glück habe, dann haut mir Christel mal eine runter, wenn ich zu aufmüpfig sein sollte. Die Erinnerung wäre dann vollkommen. Sie tut das nicht, sie muß mit mir ja noch heimfahren.
      Christel ist auch schon wach, sonst steht sie vor 12 Uhr mittags nie auf. Wie parlieren gepflegt ein wenig, dann geht's zum Frühstück. Die Anderen sind auch bereits im Saal, da wo vor ca 53 Jahren die Amerikaner uns ein Weihnachtsfest boten, das sich gewaschen hatte. Noch stehen sie unschlüßig rum, um, wie gesagt, nicht den Eindruck erwecken zu wollen, sie hätten die weite Anreise nur wegen der Abfütterung unternommen. Vielleicht entdeckt man ja auch noch einige Neue und die kann man im Sitzen nicht so gut ausfindig machen.
      Es gibt Ökobrötchen, eingeschlossen darin Ökokerne. Die Brötchen sind sehr klein, weil darin das Aufputschmehl fehlt. Dazu Ökokäse, Ökobutter und Ökomarmelade, Wurst ist nicht drin, denn die würde bei den Ökos gewaltige Blähungen verursachen. Bei den Nichtökos ist das umgekehrt.
      Nach dem Imbiß gehen wir alle nach draußen und siehe da, Christel hat zwei Neuankömmlinge entdeckt. Die übliche Wiedersehensprozedur, wie gehabt. Ich denke in der Zwischenzeit, daß sie ca 95% der Leute kennt und umgekehrt, diejenigen, die sie nicht kennt, sind wahrscheinlich gar keine Heimis gewesen und kommen nur, weil sie da was in der Zeitung gelesen haben, Alltagsunterbrechung.
      Wir gehen anschließend in die Dorfkirche zum Gottesdienst, doch wir zwei wollten vorher noch mindestens je eine halbe Zigarettenpackung zu uns nehmen, weil in der Kirche darf man ja nicht rauchen. Außerdem gesellt sich zu uns eine ältere Dame, mindestens ein Jahr älter als ich und wir diskutieren über die herrliche Zeit von damals. Wir sollten jetzt aber uns auf den Weg zur Kirche machen, unterbreche ich dezent das Gespräch. Gleich, gleich, meint Christel. Eine Sekunde später kommen alle wieder zurück von des Pfarrers Predigt. Wie das, denke ich, schaue auf die Uhr, schrecke auf und nach fundierter gewissenhafter Einstein'scher Weise postuliere ich: Was für die bewegenden Kirchgänger ein Stunde ist, ist für den ruhenden Diskutierer eine Sekunde. Aber den Gedanken behalte ich für mich, weil es nach Einstein eigentlich umgekehrt sein müßte. Aber bei ehemaligen Heiminsassen wird sowieso alles in Frage gestellt.
      Wir reden viel und gerne. Ich würde mit Christel den Weg über den Wald in Richtung Kirchberg gerne mal kurz begehen. Sie meint entzürnt, was, ohne Auto? Geht's noch? Ne, ne, meine ich, war ja nur so ne Frage. Ich muß mit ihr ja wieder heimfahren.
      Das Wetter ist schön, sicher genau so wie damals. Es wird auch in hundert Jahren wettermäßig so sein. In zehntausend Jahren wird es Wüstenklima sein, zwanzigtausend Jahre noch später Eiszeit. Ob es dann das alles noch gibt? Das Heim, die Pflastersteine, die unseren Spielplatz vernichteten, die Wiesen und Äcker? Überhaupt alles?
      Diesen Gedanken gehe ich nach, bis daß mich Christel eindringlich mit der Bemerkung unterbricht, es gäbe gleich Mittagessen. Aber vorher seien noch Photos aus unserer Zeit bereitgelegt, zur Mitnahme als Erinnerung. Die Bilder liegen akkurat im Zimmer, wo meine Schwester als kleines Baby ihr Dasein fristen mußte. Lebenshungrig und bewegungsgierig, war sie gefangen in ihrem Kinderkäfig, wie auch all die kleinen Monster, die, läße man sie frei, die Schwestern vor ein unlößbares Problem gestellt hätten. Ich muß schlucken, schaue zur Seite und tue so, als hätte ich ein Krümel im Auge, Ökobrötchen streuseln gerne.
      Christel ist sehr lieb, sie durchforstet die Bildersammlung und sagt, nimm, was du kriegst. Ich nehme viele Bilder, viele sagen mir nichts, einige schon. Am Schluß weiß ich nicht, wie ich sie heimtransportieren soll. Ich nehme alle unter den Arm, wobei ich fürchte, einige unterwegs verloren zu haben, hoffentlich nicht die wichtigen.
      Zum Mittag gibt es Salat, ökologisch angebaut und ungespritzt. Maden und Würmer sind nicht drin, sie haben den Salatschleuderwaschgang nicht überlebt. Die Leichen derselben fallen ja dann durch das sogenannte Wurm- und Madenloch der Salatschleuder.
      Weiterhin Ofenkartoffeln, Broccoli und noch was, was ich vergessen habe. Es war sehr lecker und ich denke, der Mensch kann auch ohne Fleisch leben...eine gewisse Zeit jedenfalls, bis wir wieder daheim sind.
      Der Aufbruch naht, ich will nicht zu spät zuhause sein, da ich in der Nacht um drei Uhr aufstehen muß.
      Wenn ich Rentner wäre, würde ich gerne noch eine Nacht geblieben sein. Ich denke an den Rinderbraten in der Dorfschenke. Christel hätte ich auch überreden können, weil so schnell hätte sie mit mir ja nicht heimfahren müssen.
      Der Abschied naht und ich hoffe, daß er schnell vonstatten gehen wird. Er geht, dank Christel und auch dank der ehemaligen Insassen, die gerade nicht anwesend sind.
      Um vierzehn Uhr fahren wir. Ich schaue zurück, nicht im Zorn und denke, ich möchte wiederkommen.
      Wenn ich das Geld hätte, würde ich den ganzen Laden kaufen und ein neues Kinderheim daraus machen, ein Heim, wo die Kinder später sagen werden, wenn sie schon alt und ergraut sind...ne dufte Zeit.


      Fortsetzun folgt