JWH und Kinderheim Ernst Schneller

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      JWH und Kinderheim Ernst Schneller

      Stigma „Heimkind“
      Ihr Aufenthalt im Spezialkinderheim und Jugendwerkhof hinterließ bei den Kindern und Jugendlichen nicht nur
      tiefe seelische Narben, sondern stigmatisierte sie auch erheblich.
      Abgestempelt als „schwer erziehbar“ und „Heimkind“ begegneten ihnen viele Eilenburger mit Ablehnung und
      Verachtung. Das bekamen die Heranwachsenden auf Ausflügen in den Ort zu spüren, aber auch wenn sie im
      Fanfarenzug oder in der Singegruppe bei städtischen Veranstaltungen auftreten mussten. Den Kindern und
      Jugendlichen aus den Spezialheimen haftete das Stigma auch noch lange nach ihrer Entlassung an, was sie oft
      zu Außenseitern mit schlechten Zukunftsaussichten machte.
      Einladung
      Die Betroffeneninitiative »Missbrauch in DDR-Heimen« und der St. Martin Caritas Hilfeverbund Eilenburg
      laden Sie herzlich ein zur
      Eröffnung der Dauerausstellung im ehemalige DDR-Spezialheim Eilenburg
      am 5. oktober 2018, 15 Uhr, Aula des St. Martin Caritas Hilfeverbunds Eilenburg.
      Wir würden freuen uns, Sie an diesem Tag persönlich begrüßen zu können.
      Neue Ausstellung erinnert an das Leid vieler Heimkinder in Eilenburg



      Emotional
      war die Eröffnung der neuen Dauerausstellung im ehemaligen
      DDR-Spezialheim Eilenburg. Betroffene fanden ihren Weg in die Räume,
      erinnerten sich an das, was sie hier erlebt haben.













      Corinna Thalheim von der
      Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ und Manuela Rummel,
      Bildungsreferentin in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof
      Torgau, eröffneten die neue Dauerausstellung in Eilenburg.
      Quelle: Wolfgang Sens


























      Eilenburg
      „Das
      ehemalige Spezialheim Ernst Schneller mit angeschlossenem
      Jugendwerkhof-Teil in Eilenburg war das größte Spezialheim zur
      Umerziehung von Kindern und Jugendlichen im Raum Leipzig. Es fungierte
      gleichzeitig als zentrales Aufnahmeheim des Ministeriums für
      Volksbildung“, erklärte Corinna Thalheim, die die Gäste im Namen der
      Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ zur Eröffnung der
      Ausstellung „Eilenburg – Rödgener Landstraße eine deutsche
      Heimgeschichte“ begrüßte.

      Mit Unterstützung des Sächsischen
      Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, des Sächsischen Landtags,
      der Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, des Stadtmuseums
      Eilenburg und in Zusammenarbeit mit dem St. Martin Hilfeverbund, dem
      Träger der heutigen Heimeinrichtung, ist die Dauerausstellung
      entstanden, die am historischen Ort über die verschiedenen Epochen des
      Heimes seit 1928 informiert und gleichzeitig an die Opfer repressiver
      Heimerziehung erinnert.

      2016 ist Film entstandenEin
      erster kleiner Schritt, um dauerhaft an das den Kindern und
      Jugendlichen zu DDR-Zeiten an dieser Stelle widerfahrene Leid zu
      erinnern, geschah bereits im Jahr 2015, als zwei Informations- und
      Gedenktafeln am ehemaligen Pförtnerhäuschen angebracht wurden. „Durch
      ein Schülerprojekt und historischen Dokumenten, Fotos und mit Hilfe von
      Zeitzeugeninterviews von Betroffenen, Archivsichtungen und
      Aktenrecherchen zur Geschichte des ehemaligen Spezialheims entstand im
      Jahr 2016 ein Film, welcher die Lebenswege vor, im und nach dem Heim
      nachzeichnet. Dieser ist künftig am historischen Ort in der Ausstellung
      zum Spezialheim Eilenburg und repressiver DDR-Heimerziehung integriert“,
      so Corinna Thalheim.

      OBM Scheler mahnt zur ErinnerungSchon
      zum zweiten Mal kam Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler
      (parteilos) in das ehemalige Spezialheim in der Rödgener Landstraße. Die
      Einweihung der Erinnerungstafeln war einer seiner ersten Termine als
      neuer OBM. Nun sei er glücklich, auch bei der Eröffnung dabei sein zu
      dürfen. „Es ist ein Thema, was immer wieder in Erinnerung gerufen werden
      soll, eine Vergegenwärtigung dessen, was in die Geschichte eingegangen
      ist.“ Er lobte die Arbeit und beschrieb die Ausstellung als sehr
      einprägsam und beeindruckend.

      Grußworte von Wendt und RathenowManuela
      Rummel, Bildungsreferentin in der Gedenkstätte Geschlossener
      Jugendwerkhof Torgau, konnte gleich drei Grußworte den Gästen
      präsentieren. Neben ihrem eigenen, indem sie auf die Wichtigkeit gut
      ausgebildeter Pädagogen einging, sprach sie im Namen von Marian Wendt,
      CDU-Mitglied des Bundestages aus Nordsachsen, und Lutz Rathenow,
      Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Das
      Leid, das die Kinder und Jugendlichen im Heim und auch im Jugendwerkhof
      durch die kommunistische Staatsdoktrin erfahren mussten, machen mich
      immer wieder wütend. Die tiefen seelischen Narben, die das Stigma
      Heimkind und Missbräuche hinterließen, sind für uns heute kaum fassbar“,
      so Wendt. Er kündigte seinen baldigen Besuch an.

      „Es ist
      außerordentlich wichtig für die Fähigkeit, Realität wahrzunehmen, diese
      Fähigkeit immer wieder an vergangenen Realitäten zu trainieren, um zu
      begreifen, wenn Kindererziehungspläne zu Kinderzerstörungsrealitäten
      werden“, schrieb Lutz Rathenow.

      Von Kristin Engel