Adoption zu DDR - Zeiten

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      Adoption zu DDR - Zeiten

      Hallo liebe „ Leidesgefährten“,

      ich hoffe, daß ich mit Leuten in Kontakt treten kann, welche aus eigener Erfahrung sich mit mir austauschen können, was die Adoption mit Ihnen gemacht hat.
      Kurz mal meine Geschichte:
      Ich wurde 1963 in Dresden geboren. Meine leibliche Mutter kam in den 50 iger Jahren nach Pirna. Sie galt als Sudetendeutsche. Da sie an Tuberkulose erkrankt war- auf Grund der Flucht- wurde sie in Pirna, Nähe Dresden, behandelt. Aus Berichten weiß ich nun, daß sie dort auch mißbraucht wurde.
      Irgenwann hatte sie, auf Grund des Erlebten, den Halt verloren, und fing zu trinken an. Hatte auch mehrere wechselnde Männerbekanntschaften. Am Ende lebte sie mit einer Frau zusammen, und Beide kümmerten sich um mich. Das war zu DDR Zeiten ein absolutes Tabu. Deshalb wurde ich ihr, vom Jugendamt entzogen. Mit
      Hallo Susanne,

      erst einmal Herzlich Willkommen bei uns. Vielleicht dauert ein Erfahrungsaustausch zum Thema Adoption hier etwas länger - die Meisten hier sind nun einmal "Heimis" .... suchen Ehemalige ...(und "noch nicht ausgelutschte Themen ").
      Ich hab Geschwister, die vermutlich adoptiert worden sind ... also einen jüngeren Bruder (Bernd) der adoptiert worden sein könnte (keine Ahnung dazu ..) und eine (2 - 4 Jahre ältere ? - ) Schwester ... die sich später einmal bei meiner (mir fast unbekannten) Mutter gemeldet haben soll ...und adoptiert worden ist. Aber - als Kind war das Thema kein Thema ... später wir alle in die Jahre gekommen ..um auf dieses Thema noch neugierig gewesen zu sein.
      Wenn man deinen Lebenslauf verfolgt, war eine Adoption für dich nicht die beste Lösung gewesen ?
      Man sagt immer oft "was wäre wenn ..." .. ich bin immer dafür, das Beste aus jeder Lebenslage zu machen...ich wünsch dir noch was ..

      :wayne:
      Wer so offen ist wie ich ..der kann doch nicht ganz dicht sein ..egal wie dicht du bist.. Goethe war Dichter ....

      Gibt dir det Leben einen Puff, da weene keene Träne. Lach dir nen Ast und setz dir druff Un baumle mit de Beene.
      Hallo Halavero,

      danke für Deine Zeilen.
      Ich möchte diese Plattform nicht für Nachtrauern der „ vermasselten Zeiten“ nutzen. Ich suche Erfahrungen mit Betroffenen, denn auch der Raub der eigenen Mutter , hat lebenslange Auswirkungen auf das Kind.
      Ich frage mich oft, warum ich nun so bin, wie ich bin.
      Habe trotz jahrelanger psychologischer Therapien( bis heute) mein eigenes Ich nicht gefunden.
      Aber
      Guten Morgen, Susanne. Eins gleich vorweg, ich bin auch nicht adoptiert. Aber ich kenne, durch meine Berufe, Kinder (inzwischen erwachsen) die adoptiert wurden und ich kenne auch sehr alte Menschen, die nicht die Möglichkeit hatten in Ihren Geburtsfamilien aufzuwachsen oder wo zumindest ein Elternteil nicht mehr der leibliche Elternteil war.
      Mit den Zeilen, die ich Dir hier jetzt schreibe, möchte ich Dir auf keinen Fall zu nahe treten, also versuche bitte mich nicht falsch zu verstehen. Ich würde mich freuen, wenn Du mich nochmal fragst, wenn Dir eine meiner Aussagen nicht klar ist. Und, ich schreibe aus MEINER Erfahrung heraus.
      Also ich kenne Frauen die, auch zu DDR-Zeiten, ihre Kinder in lesbischen Beziehungen groß gezogen haben ohne je vom Jugendamt oder anderen Institutionen belästigt worden zu sein. Das soll jetzt nicht heißen das Du etwas falsches geschrieben hast. Einfach nur, das ich vermute das da noch etwas anderes dahinter steckt bzw. steckte. Was das sein könnte weiß keiner. Angefangen von bösartigen Nachbarn denen die Beziehung ein Dorn im Auge war, bis hin zu Sachbearbeitern der Ämter die sich wichtig tun wollten ist alles möglich. Und, durch viele Gespräche mit betroffenen Kindern und zum Teil Eltern, ist mir eins aufgefallen. Leider... Und das meine ich ganz ernst... Leider sind es sehr oft die Kinder gewesen die für die "Fehler" ihrer Eltern bitter büßen mussten. Ich finde es, bis heute, richtig, wenn Kinder aus Familien genommen werden in denen es nicht möglich ist kindgerecht aufzuwachsen. Kinder brauchen Liebe, Grenzen, Respekt und Freiheit. Wo das nicht gegeben ist müssen Lösungen gefunden werden. "Früher" wurden diese Lösungen aber schon gesucht wenn der Vater in der Dorfkneipe über den Bürgermeister hergezogen ist oder die Mutter nicht bei ihrer Chefin putzen wollte. Das sind jetzt an den Haaren herbeigezogene Beispiele, aber ich denke Du weißt was ich meine. Hinzu kommt noch, das man als Kind vieles anders sieht und versteht als Erwachsene und es Dinge gibt, an die man sich einfach nicht mehr erinnert, weil sie einem als Kind schlichtweg gar nicht aufgefallen sind. Die fand man als Kind einfach uninteressant und langweilig...also...vergessen oder nie wahrgenommen.

      Und in dem Zusammenhang gebe ich Halavero Recht. Du wirst es nicht mehr ändern können und Dein erster Weg wäre Ruhe zu finden und Dich nicht mehr zu fragen "was wäre wenn". Leider schreibst Du nicht, wie alt Du bei der Adoption warst und wie Deine "neue Familie" ist/war. Das wäre schon gut zu wissen. Aber ist natürlich okay. Was ich vermute, anhand dessen das Du von "vermasselter Zeit" schreibst, ist, das es nicht so richtig toll war.
      Der andere Punkt, und da verstehe ich Dich voll und ganz, ist die Suche nach der eigenen Identität. Die ersten 3 Lebensjahre sind prägend für unser soziales Gewissen und Verhalten, für Bindungen an unser Umfeld, dafür welche sozialen Signale wir in unserem ganzen Leben senden und empfangen können. Und vieles, was da kaputt gemacht wird kann man nie wieder reparieren. Natürlich kann man im Laufe seines Lebens durch das Erlernen von Werten und Normen auch vieles wieder ausgleichen. Aber die Gefühlswelt, die Instinkte, die Seele und das Herz... Das alles hat einen Riss bekommen, der (so sehe ich das) immer bleiben wird. Ich habe Menschen zu betreuen, 80, 90 Jahre alt. Sie hatten ein schweres Leben, aber (sagen sie selbst) ein erfülltes Leben. Viel gearbeitet, oft sehr lange Jahre glücklich verheiratet, Kinder groß gezogen, Enkel und Urenkel die sie aufwachsen sehen... Aber...wenn in einer ruhigen Minute die Rede auf ihre eigene Kindheit kommt, sagen sie ganz oft: "Naja... Es war halt nicht die eigene Mutter/Vater." Du siehst, dieses Verlustgefühl bleibt.
      Die Frage ist, was machst Du daraus? Wie sehr möchtest Du Dich davon steuern lassen? Sind Dir Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, wichtig genug um Dich davon unterkriegen zu lassen?
      Ich bin ja ein Mensch der sehr auf Kommunikation steht... Reden (in dem speziellen Fall hier schreiben) hilft mir beim Denken und den Kopf frei zu bekommen. Und dabei neue Lösungsansätze zu finden. Wichtig ist dabei das man offen ist.
      Antworten kann man nur finden indem man wichtige Informationen gibt und versucht, auch was Vertrauen angeht, über seinen eigenen Schatten zu springen. Eventuelle Enttäuschung kann man besser verarbeiten als Einigeln und sich immer wieder im Kreise zu drehen.
      Ich wünsche Dir alles Gute!
      Ich kann jetzt mal nur von mir schreiben ... ich soll in meinen ersten drei Jahren (weiß das ja nicht genau ...bin so vergesslich) in einem Waisenheim gewesen sein. Muss wohl dazu schreiben, dass ich das dritte Kind meiner (fast unbekannten) Mutter war ...eine Schwester war wohl adoptiert, ein zwei Jahre älterer Bruder wohnte bei meiner Mutter .. zusammen mit meinem Opa und Oma 8die ich auch nicht mehr kenne) in einer Zweiraumwohnung (Dresden ... 14 Jahre nach der großen Bombardierung ..also wie überall ..Wohnungsnot) . In diese Wohnung bin ich dann mit drei Jahren hineingekommen ... aber meine "Identität" vermisse ich nun auch net ... gut ..Jeder hat andere Ansprüche ..
      Ich bin dann eigentlich bei meinem pa und seiner dazugekommenen Lebenspartnerin in ner Nachbarwohnung aufgewachsen. Hab da aber eigentlich auch nicht Vater oder Mutter vermisst ..(ich nehm mal an, weil ich nixs anderes gewohnt war).

      So kurz vor meinem Heimaufenthalt war ich über den Ferien bei meinem kinderlosen Onkel (im gleichen Ort) einige Tage. Hatte mir ja nixs dabei gedacht. Kurz darauf ist seine Frau gestorben. Er hatte eine neue Frau kennengelernt ... wir hatten seitdem keinen Kontakt mehr zu ihm ...schade ... ich hab ihn gemocht ... späer kam ich ins Schwererziehbarenheim ...

      ... nach der Wende habe ich erfahren, dieser onkel wollte mich wohl adoptieren ..(da wären wir wieder beim Thema) ..

      Du siehst an diesem kurzen Lebenslauf ... bei mir ging es auch "die holber die polter" ..aber ich vermisse eigentlich nixs ... außer ...aus meinen Möglichkeiten später etwas zu machen ( zwei studiums abgebrochen ... da ging das Leben ja hektisch weiter ...).

      Ich sag mir immer ... nimm das, was du hast ... mach was draus .... und so bin ich damit ganz zufrieden geworden .... vielleicht hilft dir das weiter ...


      :wayne:
      Wer so offen ist wie ich ..der kann doch nicht ganz dicht sein ..egal wie dicht du bist.. Goethe war Dichter ....

      Gibt dir det Leben einen Puff, da weene keene Träne. Lach dir nen Ast und setz dir druff Un baumle mit de Beene.
      Ich glaube das der Unterschied in Eurer Einstellung zu dem ganzen Mist liegt, Halavero. Susanne sucht Antworten und Du bist da "schon" ein ganzes Stück weiter indem Du das hinnimmst, akzeptierst und was draus machst. Ich denke da gibt's auch kein richtig oder falsch, sondern "nur" ein verschieden... Wie halt jeder Mensch anders ist.

      Aber, schlimm schlimm schlimm... Wenn Vergeßlichkeit schon mit 3 anfängt. :D