Aufarbeitung ehemaliger Kinderheime in der DDR

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      Liebe Jana,
      I hab wohl abgeschlossen. Vorgestern war mein Tag der Einweisung vor X Jahren. Komisch, den vergess i nie aber eigentlich wollte ich mit dem Handy nur geschrieben haben, dass so richtig keine Unterstellungen herauszulesen waren, denn sie schrieben es schon, es fanden div. Versuche statt, uns zu benutzen. I unterstelle dir aber nichts, weise nur darauf hin, dass es ziemlich spät ist mit dem Thema und meine, so viele haben sich daran schon abgearbeitet. Es gab und gibt schon so viele ähnliche Projekte. Wie auch immer, wünsche dir dennoch Erfolg.

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      .. ich meine .. irgend wann ist die Zeit doch abgeschlossen ...was geben Erinnerungen jetzt noch her ? Sind sie realistischer als die gemachten Erinnerungen von vor 20 - 15 - 10 Jahren ... in sonstwas gemachten Studien und Büchern ? Ich stell mich nur ner Studie - wenn man Großer fragen würde ... aber - er würd auch lieber andere fragen ...

      :wayne:
      Wer so offen ist wie ich ..der kann doch nicht ganz dicht sein ..egal wie dicht du bist.. Goethe war Dichter ....

      Gibt dir det Leben einen Puff, da weene keene Träne. Lach dir nen Ast und setz dir druff Un baumle mit de Beene.
      Ich bin heute mal wieder Vielschreiber und ergänze noch etwas, was mir wichtig erscheint. 8o Es geht sicherlich bei so einem Projekt nicht nur um die Heime an sich, sondern um mehr z. Bsp. um die Umstände und innerhalb welches Systems man in sie hineinkam.

      Heime hatten zu jeder Zeit ihre Daseinsberechtigung, denn bspw. gab es nach dem 2. Weltkrieg, übrigens ebenso wie nach 1917 und den Wirren der Oktoberrevolution in Russland Jahrzehnte zuvor quasi Notwendigkeiten, solche Einrichtungen zu haben oder sie ggf. erst zu schaffen.

      Jeder Krieg schafft, was unter anderen Umständen in so einem Maße nie notwendig war. Kriege schaffen es nicht nur, Menschen zu töten, sondern viele von ihnen werden auch "nur" vertrieben und durch Flucht und Vertreibung entsteht bekanntlich neues Elend. Dieses Elend gab es nach dem 2. WK hierzulande überall und während es einer kriegsgebeutelten Generation ohne fremde Hilfe kaum möglich war, wieder auf die Beine zu kommen, wurden so viele zu Waisen und landeten dort, wo viele auch von uns landeten, zumindest die Älteren unter uns, die in spärlich ausgestatteten Einrichtungen keine guten Zeiten erdulden mußten. Weswegen landeten sie dort u. a.? Meine persönlichen Forschungen gehen daon aus, dass es viele Eltern gegeben haben muss, die selbst in der Kriegszeit traumatisiert, nicht in der Lage war, halbwegs eine Familie zu ernähren, ganz unabhängig von der herrschenden Wohnungs- und Hungersnot, die es noch bis weit in die Fünfziger Jahre gab. Wie sollten dort also Heranwachsende unter halbwegs vernünftigen Gegebenheiten untergebracht werden? Ein Ding der Unmöglichkeit.

      Ich selbst, erst Ende der 60-iger in ein Heim kommend, litt zwar nicht unter Hunger. Unser Mangel war das Kärgliche, die spartanische Einrichtung und Kälte, aber 20 Jahre zuvor, da möchte ich nicht mit getauscht haben. Auch meine Generation bzw. die meiner Eltern, im Krieg aufgewachsen, schleppte genug eigene Probleme mit sich herum, Dinge,die nie therapiert wurden und Folgen, die ihre Kinder ausbadeten.

      Das nennt man - auch hier noch einmal - transgenerationale Traumata Weitergabe, die sich beim Nachwuchs manifestiert, in dem man bspw. Träume derer träumt, die eine Generation älter ist. Die Folgen kann sich jeder vorstellen, wenn es kaum psychotherapeutische Behandlungen gab, tragen all diese Menschen ihr Leben lang am Schicksal ihrer Eltern. Viele übernehmen quasi in familiärer Geiselhaft ihrer Vorfahren die Erfahrungen, die sie weitertragen und bis in die 3.Generation hinein. Mir ist heute vollkommen klar, was meine Eltern so erlebt hatten, weswegen es so gut wie keine vernünftige Kommunikation geben konnte, weswegen du Vieles nie hast ansprechen können und wenn doch, hyper-emotionale Reaktionen die Folgen waren. Themen, die nie angesprochen werden durften, verdrängt durch Verschweigen oder durch Hinzudichten beschönigender Geschichten einer Zeit, die es so nicht gegeben haben kann, aber idealisiert wurden, weil man das Gegenteil niemanden wissen lassen durfte.

      Wer "Glück" hatte, in so einem Umfeld aufwachsen zu dürfen und dann in ein Heim kam, in dem es alles andere als vernünftige Pädagogik gab, hatte vielleicht noch Glück gehabt aber ich hatte eh mehr Glück als Verstand und wenn ich das hier mal loswerden darf, eigentlich war es ein Glück, in dieses Vorgängerheimforum als auch in dieses eingestiegen zu sein, um das Nötigste aufzuarbeiten. Einige waren mir dabei trotz alledem behilflich. Es war nicht alles schlecht. 8)

      Beitrag Nr. 1.922 Werde ich noch die 2.000 schaffen?

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