Kombinat der Sonderheime für Psychodiagnostik und pädagogisch-psychologische Therapie

      Kombinat der Sonderheime für Psychodiagnostik und pädagogisch-psychologische Therapie

      Hallo,

      ich sehe gerade, dass das Kombinat überhaupt nicht als Gesamteinrichtung aufgeführt ist, sondern nur die einzelnen Heime.
      Dabei gehörten die untrennbar zusammen.

      Das Kombinat bestand aus:Leiter war Reiner Werner (de.wikipedia.org/wiki/Reiner_Werner).

      Abkürzungen dafür waren: SHK, SH-Kombinat

      Das "Ministerium für Volkbildung" (MfV) hatte die Hoheit über das SHK, nicht das "Ministerium für Gesundheitswesen".

      Nachfolger wurde kurz vor dem Zerfall der DDR das sogenannte "Pädagogisch-medizinische Zentrum" (PMZ).

      Es gibt inzwischen einige Rehabilitationen gem. StrRehaG, die die Verlegung/Einweisung in das Kombinat als Unrecht anerkennen.



      Literatur dazu:
      • Andreas Methner „Diagnose: verhaltensgestört. Das Kombinat der Sonderheime der DDR“

      Ich habe eben den folgenden Artikel entdeckt, der mir wohl 2016 durchgerutscht sein muss.

      berliner-kurier.de/news/panora…em-ruhiggestellt-23437112
      DDR-Sonderheime für Kinder Vom System ruhiggestellt

      Mit dem Stempel „verhaltensgestört“ ist zu DDR-Zeiten das Schicksal von nicht wenigen Kindern und Jugendlichen nahezu besiegelt worden. Sie landeten zur sozialistischen Umerziehung in einem von vier Sonderheimen. Aus ihnen sollten wieder „vollwertige Mitglieder der DDR-Gesellschaft“ werden. Manche lebten fast unter Gefängnisbedingungen und erhielten Psychopharmaka als Therapieersatz. Anderen blieb das erspart.

      „Mit dem heutigen Blick waren die Kinder vielleicht nur extrovertiert und hyperaktiv. Aus DDR-Sicht entsprachen sie nicht den Normen“, sagt der Leipziger Förderpädagoge Andreas Methner. In seinem Buch „Diagnose: verhaltensgestört. Das Kombinat der Sonderheime der DDR“ beleuchtet er ein bislang wenig aufgearbeitetes Kapitel der DDR-Heimerziehung. Er sucht nach den historischen Ursachen und beschreibt die Arbeitsweise der Sonderheime.

      In der DDR waren zwischen 1949 und 1990 knapp eine halbe Million Kinder und Jugendliche in Heimen untergebracht, darunter etwa 135 000 in Spezialeinrichtungen, die für besonders grausame Methoden der „Umerziehung“ bekannt waren. Dazu gehörte etwa der berüchtigte Jugendwerkhof in Torgau.

      Etwa 5.000 Mädchen und Jungen wurden in die Sonderheime gesteckt. Dorthin kamen Kinder und Jugendliche, mit denen sich andere Heime überfordert sahen. Pädagogische Maßnahmen oder Therapie: Fehlanzeige.

      Methner beschreibt das in den Heimen herrschende strenge Regime mit durchgeplantem Tagesablauf. Laut einer in dem Buch aufgeführten Statistik aus DDR-Zeiten wurden 1980/81 etwa 62 Prozent der Jugendlichen in den Sonderheimen mit Medikamenten behandelt. „Ich komme mir vor wie ein Schluckautomat“, berichtete ein Betroffener dem Autor.

      1964 entstand eine eigenartige Konstruktion mit dem verwirrenden Namen „Kombinat der Sonderheime für Psychodiagnostik und pädagogisch-psychologische Therapie“. Hier wurden vier Einrichtungen zusammengefasst, alle rund um Berlin im heutigen Brandenburg: in Werftpfuhl, Borgsdorf, Bollersdorf und Groß Köris. 1987 wurde das Konstrukt Kombinat aufgelöst, die Heime blieben bestehen.

      „Die individuelle Erziehung spielte keine Rolle“, sagt Silvana Hilliger von der Brandenburger Landesstelle zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Die Behörde hat das Buch herausgegeben.

      Im Bundesarchiv und in verschiedenen Archiven sichtete Methner meterweise Akten. „Oft waren sie aber lückenhaft“, berichtet der 33-Jährige, der an einer Förderschule unterrichtet. Die Kinder und Jugendlichen blieben im Durchschnitt zwei bis drei Jahre. Sie seien zwar untersucht worden. „Aus wissenschaftlicher Sicht fehlen aber klare Diagnosen“, sagt Methner.

      „Kinder, die besondere Zuwendung benötigt hätten, waren dem Gruppenzwang unterworfen“, sagt Hilliger. Sie wurden diszipliniert. „Ruhigstellende Medikamente, oft Psychopharmaka, wurden eingesetzt, auch wenn kein psychiatrisches Gutachten dafür vorlag“, sagt sie.

      Die Kinder wurden anschließend häufig an andere Spezialheime weitergereicht. „Viele Betroffene leiden noch heute“, sagt Methner. Die Zustände damals werden als katastrophal geschildert. Es gebe aber Ehemalige, die keine schlechten Erinnerungen haben. „Es gab auch Erzieher, die sich um die Kinder bemühten“, sagt er über Gespräche mit Ex-Heimkindern.

      Vor knapp einem Jahr ist der Fonds für ehemalige DDR-Heimkinder vom Bund auf 364 Millionen Euro aufgestockt worden. Das Geld soll Betroffenen bei der Bewältigung von Folgeschäden helfen. Bislang sind allein in Brandenburg etwa 4300 Anträge gestellt worden. Nach Angaben von Hilliger sind darunter etwa zwei Prozent, die im damaligen „Kombinat“ untergebracht waren. Besonders wichtig sei für die ehemaligen Heimkinder, in den Beratungsstellen Ansprechpartner zu finden. „Sie hören zu und sind an der Lebensgeschichte interessiert“, sagt sie.

      Die vier ehemaligen Sonderheime übernahm nach der Wende das Brandenburger Bildungsministerium. Anschließend gingen sie an freie Träger. Heute sind dort Bildungsstätten oder gemeinnützige Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht.


      Es sind noch unendlich viele Fragen bzgl. der DDR-Psycho-Diagnostik und der Unterbringung im Sonderheimkombinat.
      - Wo und wann wurde den Ärzten/Psychologen/Psychiatern/Jugendhilfekommissionen(JHK) weisgemacht, das das SHK eine qualifizierte medizinische Einrichtung ist ?
      - Wer in der Hirarchie des MfV bestimmte über die medizinischen Methoden (Diagnosemethoden, Behandlungsmethoden) ?
      - Wie weit ging das MfV bei der Bekämpfung der "bürgerlichen Medizin" - sprich: klassische Diagnostik + klassische pharmazeutische/verhaltenstherapeutische Behandlung ohne gemeinschaftliche Umerziehung ?
      - Wann, aus welchen DDR-Kreisen und mit welchen vorherigen Diagnosen fanden Verlegungen/Einweisungen durch die JHK ohne Heim-Umweg direkt in das SHK statt ?
      - Wann, aus welchen Heimen und nach welchen "besonderen Ereignissen" fanden Verlegungen/Einweisungen aus dem Heim heraus in das SHK statt ?


      Für Blücherhof weiss ich heute, dass eine Menge Verlegungen ins SHK und zurück stattfanden.

      Fanden aus/zu euren Heimen auch Verlegungen dahin/von dort statt?
      Unter welchen Umständen?


      neugierige Grüße
      Widerstand
      Herr Methner und seine Dissertationsarbeit werden allerdings von heutigen Gerichten benutzt, um zu erklären, dass das alles in Ordnung war, was da in diesen Heimen passiert ist.

      Der Fauxpas liegt in dem Versuch der Erklärung über die Einrichtung begraben. Hier wird nämlich bereits am Anfang erläutert, dass es sich bei den Heimkindern um auffällige Kinder handelte, welche in anderen Einrichtungen nicht erzogen werden konnten. Sie waren auffällig und es wurde unterstellt, dass sie hirngenetisch belastet sind.

      Die Gerichte sagen nun bei einem entsprechenden Rehabilitierungsantrag, dass es ja zwingend logisch erscheint, derartig auffällige Kinder auch in entsprechenden und gesonderten Heimen unterzubringen.

      Richtig ist allerdings!!!, dass für eine derartige Annahme, dass es sich um bereits verhaltensgestörte Kinder, oder hirngenetisch auffällige Kinder handelte, welche in dieses Kombinat der Sonderheime gekommen sind, jegliche Grundlagen fehlen.

      Es ist anmaßend und völlig inakzeptabel, dass Betroffenen aus diesen Einrichtungen zu psychisch auffälligen Kindern gemacht werden und es ist rechtswidrig an einer derartigen Unterstellung teilzuhaben, oder sie aufrecht zu halten.

      Belegbar dürfte sein, dass ein großer Teil der Betroffenen erst durch die Zwangsmedikamentierung, welche zudem ohne medizinische Indikation erfolgte, verhaltensauffällig geworden sind.

      Welcher Mensch lässt sich schon mit Zwang Pillen einwerfen, von denen er an sich bemerkt, dass sie ihm nicht bekommen und hält dann auch noch still?

      Was weiter auffällt ist, dass diese Unterstellung einer psychischen Auffälligkeit nur für den Zeitraum des Aufenthaltes in diesen Einrichtungen aufrecht erhalten wird und plötzlich krankhafte Erscheinungen mit der Verlegung in andere Einrichtungen der Jugendhilfe wieder verschwinden.

      Was auffällt ist, dass angeblich hirngenetisch geschädigte Kinder plötzlich wieder gesund sind und dann im Jugendwerkhof für den Sozialismus arbeiten müssen. Plötzlich sind die kranken Kinder wieder völlig gesund. Später werden sie mit der Waffe in der Hand gezwungen "ihr" Vaterland zu verteidigen und noch später müssen sie unter teilweise unvorstellbaren Bedingen ihr Arbeitsleben ordnen und für einen Hungerlohn als ungelernte Arbeitskraft ihr Fell verkaufen.

      Die SED und ihre Handlanger holen dann immer wenn sie es benötigen die Keule mit der Verhaltensauffälligkeit raus, auch gerne mit der psychischen Erkrankung und dann werden diese Betroffenen immer ans System angepasst. Bei Widerspruch geht's ab in den Knast, oder in die Irrenanstalt.

      Es ist eine ungeheuerliche geistige Entgleisung von gebildeten Menschen, wenn sie heute als Richter einer unabhängige Rechtsprechung an den Verbrechen der SED Diktatur festhalten und aus nicht ergründbaren Motiven diese menschlichen Entgleisungen der SED Ideologen legitimieren und das womöglich nur aus Bequemlichkeit. Unwissend können sie wohl eher nicht sein, dann denn hätten sie ihren Beruf verfehlt.

      In diesem Sinne, Ralf Weber

      ralf schrieb:

      Die SED und ihre Handlanger holen dann immer wenn sie es benötigen die Keule mit der Verhaltensauffälligkeit raus, auch gerne mit der psychischen Erkrankung und dann werden diese Betroffenen immer ans System angepasst. Bei Widerspruch geht's ab in den Knast, oder in die Irrenanstalt[oder in das Kinderheim].

      Genau so war es !
      Diese ganze restriktive Verbrecherpolitik liegt darin begründet, dass die "weisen Bosse" bis zum Schluss nicht verstanden haben, warum die Menschen nicht widerspruchslos zusammenarbeiten, obwohl doch der Kommunismus (bzw. der real existierende Sozialismus) das logische Endergebnis aller gesellschaftlichen Entwicklungen und allen anderen Gesellschaften überlegen sein sollte, weil er ja für Alle alle (messbaren) Bedürfnisse befriedigt. Diese Fake-Ideologie ließ daher konsequenterweise - nicht logischerweise - nur den Schluss zu, dass Widersprüche (in der Schule, in der Versorgung, in der Medizin, ...) ihren Ursprung nur im gegnerischen Kapitalismus haben, sowie aus dem Bürgertum (Bourgeoisie) mit seiner "bürgerlichen Medizin/Rechtsauffassung/Schulpolitik/..." - dem angeblichen Ursprung des Kapitalismus. Genau das kann man in den offiziellen Texten (z.B. in der "Neue Justiz", ... ) der 1960er Jahre lesen.
      Das einfach nicht Jeder mit Jedem unter allen Umständen zusammenarbeiten wollte, haben die hirnverbrannten Vollpfosten mit Messias-Hybris einfach nicht verstanden. Es gibt nämlich noch die nicht-messbaren Bedürfnisse.

      ralf schrieb:

      Es ist eine ungeheuerliche geistige Entgleisung von gebildeten Menschen, wenn sie heute als Richter einer unabhängige Rechtsprechung an den Verbrechen der SED Diktatur festhalten und aus nicht ergründbaren Motiven diese menschlichen Entgleisungen der SED Ideologen legitimieren und das womöglich nur aus Bequemlichkeit. Unwissend können sie wohl eher nicht sein, dann denn hätten sie ihren Beruf verfehlt.

      "... aus nicht ergründbaren Motiven ..." von wegen:
      "Anne- Luise Riedel- Krekeler: Die Rehabilitierung ehemaliger Heimkinder der DDR nach dem Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetz, Berlin, 2015" S.142 ff
      Alles einfach unfassbar.

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