Zeitzeugenaufruf Kinderkur 50er,60er und 70er Jahre

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      Bons schrieb:

      Aber wir hier waren nicht in Kurheimen. Wir waren in den 50 und 60 und70 ern in Heimen in denen nicht gesonnt und gebadet sondern
      mißhandelt und mißbraucht wurde. Wie sensibel sollen wir denn nun antworten? Ich lese die Antwort der Dame und spüre die Distanz zwischen den Zeilen "... wie rüde im Netz..."
      Herrgott, dies ist kein offenes Netz.Hier sind Menschen mit Geschichte, nicht nur schlechte Erfahrungen, sondern schlimmen Verletzungen.
      Wer so reagiert, soll sich hier wegscheren und nicht auf Antworten hoffen.





      Dem ist nichts hinzu zufügen und ich gebe dir völlig recht Bons.
      Was wenn es in Kurheimen auch sexuelle und körperliche Gewalt gab?
      Wenn ich mich recht erinnere gab es hier auch schon Mitglieder die in solchen Einrichtungen waren. Meine Schwester Monika war übrigens auch in so einem Kurheim, bevor wir dann unsere gemeinsame Heimzeit in Kinder und Waisenhäusern antraten.

      Zeitzeugenaufruf Kinderkur 50er, 60er und 70er Jahre

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      Eine traurige diesbezügliche Geschichte aus dem Jahre 2010:

      QUELLE: http://netzwerkb.org/2010/01/24/daniel-b-1976-im-kinderheim-niendorfostsee-timmendorfer-strand/#comment-597916

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      24.01.2010

      Wir bitten Sie um Ihre Hilfe!

      Bochum, 24.01.2010

      Sehr geehrter Herr Denef,

      wir schreiben Ihnen als Hinterbliebene unseres Lebensgefährten, Freundes und Papas Daniel B., der sich im Alter von 39 Jahren am 2. November 2009 das Leben genommen hat.

      Daniel litt seit ca. zweieinhalb Jahren extrem an den Folgen sexualisierter Gewalt, die er seiner Meinung nach während eines Kinder-Kuraufenthaltes im damaligen Kurheim in Niendorf/Ostsee (Timmendorfer Strand) erlebt hat. Während des sechs Wochen dauernden Aufenthalts als sechsjähriger Junge, soll er auf bestialische Weise missbraucht, vergewaltigt, gefoltert und gequält worden sein.

      Über dreißig Jahre lang, von 1977 bis 2007, sind Daniel, dem Kind, dem Jugendlichen, dem jungen Erwachsenen, dem Familienvater, diese Ereignisse nicht präsent gewesen.

      Daniel war nach Bewusstwerdung der Ereignisse, nie wieder in der Lage ein „normales“ Leben zu führen.

      Er hat bis zum Schluss so sehr gekämpft:
      Gegen die urplötzlichen „Flashbacks“ am hellen Tage, die ihn mitten in der Stadt ereilten und ihn einfach umkippen ließen.
      Gegen Todesängste und Panikattacken.
      Gegen seine Alkoholsucht.
      Gegen die Alpträume die ihn stundenlang gelähmt vor Furcht ans Bett fesselten.

      Frau Pypker, seine Lebensgefährtin, hatte bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt (Anfrage beim Jugendamt der Stadt Bochum, über das die Kinder damals „verschickt“ wurden, Anfragen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, umfangreiche Internet-Recherche), um in Erfahrung zu bringen, wie das Kinderkurheim hieß, wer die damals Verantwortlichen waren.

      Leider bisher ohne Erfolg.

      Das einzige, was in Erfahrung gebracht werden konnte ist, dass es bis 1981 zwei Kinderheime in Niendorf/Ostsee gab, in denen Kinderkuren durchgeführt wurden. Einmal in St. Johann und zum anderen im Antoniushaus. Noch ist unklar, in welchen der beiden Heime der Missbrauch sich ereignet haben soll. Die folgenden Fotos beabsichtigen nicht, mit der jetzigen Einrichtung Maria Meeresstern, zu den damaligen angeblichen Verbrechen einen Bezug herzustellen. Vielleicht kann sich aber dadurch jemand an Daniel B. erinnern und war eventuell mit ihm zur gleichen Zeit dort in dem Kinderheim, Ostern 1977 und kann uns bei der Aufarbeitung helfen.

      [ verschiedene Fotos ]

      Beim Jugendamt der Stadt Bochum existieren nach so vielen Jahren keine Unterlagen mehr. Polizei und Staatsanwaltschaft sahen keinen Handlungsbedarf, da das angebliche Verbrechen als solches verjährt sei. Was uns alle fassungslos gemacht hat und immer noch macht.

      Daniel war bis zum Schluss beseelt von dem Gedanken, mit anderen Opfern in Verbindung treten zu können, denen vielleicht gleiches widerfahren ist.

      Wir vier (seine Tochter, ist erst drei Jahre alt) möchten nun stellvertretend für unseren Freund, Liebsten und Papa Licht in das Dunkel bringen. Wir möchten gegebenenfalls die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
      Wir möchten denen, die vielleicht auch betroffen sind Mut machen, ihr Schweigen zu brechen, um mit uns gemeinsam die angeblichen Verbrechen aufzuarbeiten.

      Wir wissen nicht mehr weiter und stehen vor einer Wand aus Schweigen und Schulterzucken. Wir sind der Meinung, dass eine Veröffentlichung von Daniels Geschichte auf Ihrer Seite helfen könnte, andere Betroffene zu finden, die im selben Jahr dort waren und gegebenenfalls ähnliches erleiden mussten.

      Gerne sind wir zu Gesprächen und der Erörterung weiterer Details bereit.

      Für Ihre Hilfe sind wir Ihnen unendlich dankbar.

      Mit den allerbesten Grüßen

      Gaby, Gisela, Julia und M.

      Ansprechpartnerin:

      Gabriele Pypker, Ottilie-Schoenewald-Str. 16, 44789 Bochum, Tel 0234 34841

      .

      Daraufhin folgen binnen sehr kurzer Zeit viele, viele Leserkommentare (auch von Lesern, die selbst in anderen solchen westdeutschen Kinderkurheimen waren), und das Tätigen dort von Leserkommentaren (bisher 255) hat auch im Jahre 2016 nicht nachgelassen.

      Genau zu diesem Kinderkurheim-Therma:
      http://heimkinderwebinfo.de/niendorf-kh-st-johann/ (erneuter Appell vom 02.11.2016)

      Auch zu diesem Kinderkurheim-Therma:
      http://www.rund-ums-baby.de/forenarchiv/aktuell/Gewalt-und-sexueller-Missbrauch-im-Kinderheim-Luginsland-in-Todtmoos-Weg_51354.htm

      Auch zu diesem Kinderkurheimen-Therma: http://www.rund-ums-baby.de/forenarchiv/aktuell/Kinderkuren-Kinderverschickung-in-den-70er-Jahren_56543.htm

      Auch zu diesem Kinderkurheimen-Therma: https://taunusleiden.wordpress.com/2013/03/25/34-jahre-spater/
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Bons schrieb:

      Ich lese die Antwort der Dame und spüre die Distanz zwischen den Zeilen "... wie rüde im Netz..."



      Auch wenn wir zwei in der jüngsten Zeit uns hätten in den Arsch treten können, ich Dir zu 100% aus dem Weg gehen wollte... hier kann ich einfach nur zustimmen... Ich wäre sonst unehrlich zu mir selbst.
      Und ihre Reaktion:

      Journalistin schrieb:

      Naiverweise hatte ich vermutet, es wäre ein Anliegen von Betroffenen, dass das Thema in den Medien zur Sprache kommt


      sagt mir so einiges, was auch Du zwischen den Zeilen gelesen hast, Bons.

      Ich habe meine ganze Geschichte einer Studentin zu Verfügung gestellt, sie hat wirklich was daraus gemacht.
      In allererster Linie natürlich für sich selbst, für ihre Studienarbeit über die Spezies und JWH´s der DDR.
      Dennoch fühle ich mich keineswegs durch sie benutzt, ich freue mich jedes Jahr beim Treffen auf sie.
      Sie kommt nach Bräunsdorf und sie ist willkommen, von allen Bräunis.
      Sie hat uns nachdem nicht vergessen, mehr Dank und Verständnis zu verlangen, wäre ausverschämt von mir.

      PS: Falls Du das liest Mel, lieben Gruß nach Mittweida.



      Bräunsdorf -Treffen 2019
      24. - 26. Mai 2019









      Zeitzeugenaufruf Kinderkur 50er, 60er und 70er Jahre

      .
      Einleitender Beitrag von Boardnutzerin »Journalistin« vom Mi. 14.12.2016, um 15:37 Uhr in Eröffnung dieses Threads:

      Journalistin schrieb:

      .
      Hallo,
      ich bin Journalistin (u.a. Süddeutsche Zeitung) und recherchiere zum Thema Kinderkuren. Mich interessiert die Situation in Heimen der 50er, 60er und 70er Jahre, die Kinder aus medizinischen Gründen für ein paar Wochen aufnahmen (keine Langzeitaufenthalte), an der Nordsee beispielsweise oder in den Bergen. So weit ich weiß, ist das Thema noch nicht weiter erforscht. Mir ist es jedenfalls noch nicht gelungen, Material zu finden. Um so mehr freue ich mich darüber, von Ihnen zu hören, wie Sie die Kurzeit erlebt haben.
      Bitte schreiben Sie mir:

      Monika.goetsch@gmail.com
      Viele Grüße,
      Monika Goetsch
      .

      Weiterer erklärender Beitrag von Boardnutzerin »Journalistin« vom Do. 15.12.2016, um 19:13 Uhr zu diesem von ihr eröffneten Thread:

      Journalistin schrieb:

      .
      Ich möchte wirklich niemanden beobachten, es war eine Kontaktanfrage. Naiverweise hatte ich vermutet, es wäre ein Anliegen von Betroffenen, dass das Thema in den Medien zur Sprache kommt. Aus einer Recherche bzgl. des Günterstaler Waisenhauses in Freiburg vor einer Weile für die SZ weiß ich, dass nur wenige dazu bereit sind. Aber diese Wenigen sind sehr wichtig. Und ich freue mich, wenn ich sie finde.
      Auf die Gefahr hin, mimöschenhaft zu wirken, wie hier schon über Kollegen vermutet wurde, verabschiede ich mich jetzt aus dem Forum, um keinen weiteren Unfrieden zu stiften. Ich bin aber weiterhin sehr interessiert an einer Zusammenarbeit. Hier nochmal meine Emailadresse für den Fall, dass der eine oder andere, offen oder anonym, schriftlich oder mündlich, von einem Kurheimaufenthalt erzählen und mir so helfen möchte, einen Missstand aufzudecken, von dem man in der Öffentlichkeit wenig weiß:
      Monika.goetsch@gmail.com
      .

      Zur Information darüber, was bisher aus den von Boardnutzerin »Journalistin« erwähnten "Günterstaler Waisenhaus-Recherchen" geworden ist:

      ERSTENS.

      Ein Beitrag getätigt von Boardnutzer »
      martini« am Fr. 26.07.2013, um 04:49 Uhr, im Thread »Freiburg Günterstal«, bzw. »katholisches Waisenhaus „Günterstal“ im südlichsten Ortsteil von Freiburg im Breisgau«:


      Martini schrieb:

      .
      Es handelt sich hier um ein Waisenhaus betrieben von den katholischenVinzentinerinnenimGünterstal“, dem südlichsten Ortsteil von Freiburg im Breisgau. Der diesbezügliche längere Medienbericht vom Dienstag, 23. Juli 2013 ist nachzulesen in Badische Zeitung (ONLINE) @ http://www.badische-zeitung.de/freiburg/waisenhaus-in-guenterstal-gewalt-war-an-der-tagesordnung--73775046.html ( veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung am Di. 23.07.2013 von Yvonne Weik ).
      Das über dieses HeimGünterstal“ von dem Historiker und Freiburger Wissenschaftsjournalist Dirk Schindelbeck veröffentlichte Sachbuch »Gewalt war an der Tagesordnung« umfasst 176 Seiten und ist erhältlich für 18 € bei der Waisenhausstiftung: „Stiftungsverwaltung Freiburg“ ( siehe @
      http://www.stiftungsverwaltung-freiburg.de/index.php?id=842&tx_ttnews%5Btt_news%5D=267&cHash=205961e2789b08000553aa37f07a06ef und @ http://www.stiftungsverwaltung-freiburg.de/index.php?id=828
      .

      ZWEITENS.

      Ein Beitrag getätigt von Boardnutzer »
      martini« am Fr. 26.07.2013, um 04:49 Uhr, im Thread »Freiburg Günterstal«, bzw. »katholisches Waisenhaus „Günterstal“ im südlichsten Ortsteil von Freiburg im Breisgau«:


      Martini schrieb:

      .
      Ehemalige Heimkinder berichten"Wir waren verhandelbare Masse"Nachkriegsschicksale aus dem Waisenhaus in Freiburg-Günterstal @ http://www.freiburg.de/pb/,Lde/646154.htm ( Veröffentlicht auf dieser Webseite am 07. Juli 2014 )
      „Die Waisenhausstiftung Freiburg veröffentlicht dieser Tage den zweiten Teil ihrer Dokumentation zur Geschichte des Waisenhauses und Kinderheims in Freiburg-Günterstal. Enthalten sind 70 Porträts von ehemaligen Heimkindern, aber auch von Praktikanten, Erziehern, Bediensteten und einer Ordensschwester“
      Der Band verschafft einen Einblick in die Lebenswelt des Waisenhauses in den Jahren zwischen 1940 und 1985 aus der Sicht von Betroffenen.

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      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      Zeitzeugenaufruf Kinderkur 50er, 60er und 70er Jahre

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      Es handelt sich hier um das schon mehrmals zuvor angesprochene Thema Kinderlandverschickung / Ferienverschickung / Kindererholungsheime / Verschickungsheime / Ferienheime / Kinderkuren / Kinderkurheime / Kinderkurkliniken / Kinderkurgeschädigte

      .
      DER TAGESSPIEGEL 08.07.2018, 18:07 Uhr

      [ QUELLE: https://www.tagesspiegel.de/politik/kindesmissbrauch-in-der-nachkriegszeit-ferienverschickung-vor-allem-tat-meist-das-heim-weh/22779554.html ]

      Kindesmissbrauch in der Nachkriegszeit

      Ferienverschickung – vor allem tat meist das Heim weh

      Die Gewalt und der Missbrauch in Ferienheimen bis in 70er Jahre muss dringend aufgeklärt werden.

      Eine Kolumne. VON CAROLINE FETSCHER [ https://www.tagesspiegel.de/fetscher-caroline/4461660.html ]

      [ FOTO: „In den Ferienheimen wurden Kinder zum Teil bis in die 70er Jahre gequält und missbraucht. FOTO: PATRICK PLEUL/dpa“ ]

      Auf die Ferien freut sich jeder, heißt es. Urlaubsflair lebt auch von einem Reservoir an Erinnerungen an die Kindheit, das Wort Ferien ruft Bilder wach von Strand und Bergen, Schwimmen, Skifahren, Sonnenbaden. Doch Hunderttausenden von Kindern brachten Ferien in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren Erfahrungen, die sie besser nie gemacht hätten. Sie wurden, wie man damals sagte „verschickt“.

      Sommers wie winters nahmen staatliche, konfessionelle und private Erholungsheime für Wochen oder Monate Kleinkinder und Schulkinder auf, um Eltern zu entlasten. Möglichst keine Abschiedsszenen, war die Devise, einfach umdrehen und weggehen. Und bloß keine Anrufe, „das weckt nur Heimweh“. Vor allem aber tat meist das Heim weh.

      Je jünger das Kind, desto traumatischer waren die Dark Holidays. Etwa für Arne. Er war sieben und ist abends im Schlafsaal herumgeturnt. Deshalb zerrten ihn zwei Schwestern mit Häubchen und Schürzen in die Waschküche eines Kinderheims an der Nordseeküste. Sie schoben Arne in eine Ecke des Raums und streuten Waschpulver im Halbkreis um seine bloßen Füße, eine breite, weiße Pulverschicht. Ohne sich zu regen sollte er dort bis zum Morgen ausharren: „Wir sehen jeden Schritt im Pulver. Dafür setzt es was!“ Dann ließen sie ihn im Pyjama im Dunkeln stehen. Verzweifelt versuchte das Kind, nicht vor Übermüdung zusammenzusacken.

      Anders als dauerhafte Unterbringung im Erziehungsheim galt ein Aufenthalt im Erholungsheim nicht als stigmatisierend. Man gönnte den fleißigen Eltern im Wirtschaftswunder ihre Pause, endlich mal zu zweit, ob am Baggersee oder am Tegernsee. Solange sollten die Kinder in der guten Meeresluft oder im schönen Schwarzwald „zu Kräften kommen“. Kosten für Verschickungsheime, wie für die Kinder aus dem smogreichen Ruhrgebiet, wurden häufig von Krankenkassen getragen. Solche Heime zu unterhalten bot lukratives Saisongeschäft. Die pädagogische Praxis in den Erholungsheimen unterschied sich indes kaum von der inzwischen berüchtigten Praxis der Erziehungsheime, und da wie dort stammte das Personal teils aus früheren NS-Institutionen.


      Kinder wurden eingesperrt an Betten gefesselt oder auf Nahrungsentzug gesetzt

      Kinder wurden zum Aufessen gezwungen, mussten Erbrochenes essen oder wurden auf Nahrungsentzug gesetzt. Sie wurden an Betten gefesselt, geschlagen, eingesperrt, gemaßregelt, beschämt, brühend heiß oder eiskalt abgeduscht. In Schlafräumen waren Geschwister getrennt, ebenso Mädchen und Jungen. Dem Heimregime entkam keiner, so wenig wie dem Geruch von Grießbrei, Milchsuppe und Hagebuttentee.
      Auf ihrer Website sammelt die
      Autorin Anja Röhl [ Siehe @ http://www.anjaroehl.de/verschickungsheime/ ] Berichte zu Verschickungsheimen und schildert ihre Panik, wenn die „Tanten“ im Heim auf Föhr durch die Bettenreihen patrouillierten, um die Hände nägelkauender Kinder in Leinensäckchen zu verschnüren.

      Staatliche Ansätze zum Erkunden der deutschen Heimerziehung stecken in den Anfängen. Bundesweit einzigartig ist bisher das
      Projekt „Archivrecherchen und historische Aufarbeitung der Heimerziehung zwischen 1949 und 1975 in Baden-Württemberg“ [ Siehe @ https://www.landesarchiv-bw.de/web/61032 ], eröffnet im Mai 2012 von Sozialministerium und Landesarchiv. Von zeittypischer Gewalt bis zu Fällen von purem Sadismus fand sich in den rund 500 Säuglings-, Kinder- und Jugendheimen Baden-Württembergs alles, wie die Leiterinnen des Projekts konstatieren.


      Zwang und Gewalt waren endemisch verbreitet

      Etwa 800 000 Kinder in Deutschland sind nach dem Zweiten Weltkrieg in Heimen großgeworden [ Siehe @ https://www.tagesspiegel.de/wissen/kindheit-im-heim-deformierungen-an-jungen-menschen/20557800.html ], ein bis zwei Millionen dürften bis in die 1970er Jahre Wochen oder Monate in Verschickungsheimen verbracht haben. Alle, die Kinder in Heimen betreuten brachten Praktiken der Reglementierung Minderjähriger aus dem eigenen Hintergrund an ihren Arbeitsplatz mit. Auf die Weise konnten sich in solchen Erziehungszonen Brutalitäten multiplizieren und potenzieren [ Siehe @ https://www.tagesspiegel.de/politik/kampf-um-das-eigene-kind-jenseits-von-bullerbue/20455794.html ]. Zu den Sanktionsformen, die Kinder aus ihren Elternhäusern kannten, kam in den kollektiven Bewahranstalten, neben Entfremdung und Isolation, die Überrumpelung durch neue Formen der Gewaltanwendung hinzu.

      Es war die Hölle, sagen viele im Rückblick. Freilich war es nicht immerzu und nicht überall so. Die Erfahrungen sind verknüpft mit mehreren Faktoren wie dem Lebensalter und der Dauer der Verschickung. Dass Zwang und Gewalt endemisch waren, steht gleichwohl außer Zweifel. Ende 2018 läuft das Projekt in Baden-Württemberg aus. Es hinterlässt eine Gewissheit: Bedarf für weitere Recherchen besteht hier in der gesamten Republik.


      Mehr zum Thema

      „Deformierungen an jungen Menschen“

      [ In der Geschichte der Heimerziehung war das Kind ein fremdbestimmtes Objekt – mit schweren Folgen. ]

      Von Manfred Kappeler - [ 08.11.2017, 23:36 Uhr ]

      [ Siehe @
      https://www.tagesspiegel.de/wissen/kindheit-im-heim-deformierungen-an-jungen-menschen/20557800.html ]

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      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.