Zwangsarbeiterentschädigung wird umgesetzt (für „deutsche Zwangsarbeiter“ als Ereignis der Nachkriegswehen)

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      Zwangsarbeiterentschädigung wird umgesetzt (für „deutsche Zwangsarbeiter“ als Ereignis der Nachkriegswehen)

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      Anerkennung für deutsche Zwangsarbeiter nach mehr als 70 Jahren.

      2500 Euro "Anerkennungsleistung" für deutsche Zwangsarbeiter nach mehr als 70 Jahren.

      „Nachkriegszwangsarbeiter“ - Anerkennung dieser mehrfach von Angela Merkel angemahnt, von Antje Vollmer und anderen jedoch seinerzeit abgelehnt.

      Jetzt endlich „Seit dem 1. August 2016 können Betroffene einen Antrag auf eine "Anerkennungsleistung" von 2500 Euro stellen.“

      „Die Kontaktdaten:
      Der Antrag auf die Entschädigung über 2500 Euro ist beim Bundesverwaltungsamt in Hamm zu stellen. Merkblatt, Richtlinien und das Antragsformular werden auf Wunsch zugesandt oder können im Internet heruntergeladen werden. Telefon: 022899/3589800;

      E-Mail:
      adz@bva.bund.de oder http://www.bva.bund.de oder http://www.bmi.bund.de

      Eine der einzigen Zeitungen, die bisher darüber berichtet haben, ist die Frankenpost (vom 19. November 2016) @
      http://www.frankenpost.de/lokal/muenchberg/mhtz/Mechlenreuth-Zwangsarbeiter-wartet-auf-Entschaedigung;art2441,5214536


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      [ „Mechlenreuth ist ein Dorf im Landkreis Hof in Bayern, das seit 1978 nach Münchberg eingemeindet ist.“ – WIKIPEDIA @ https://de.wikipedia.org/wiki/Mechlenreuth ]

      Mechlenreuth: Zwangsarbeiter wartet auf Entschädigung

      Herbert Steffan musste als 14-Jähriger in einer tschechischen Kohlegrube schuften. Jetzt soll er Geld dafür bekommen - nach mehr als 70 Jahren.

      Von Helmut Engel

      Mechlenreuth - "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das noch erlebe: Dass auch Deutsche, die im Ausland Zwangsarbeit leisten mussten, eine symbolische Entschädigung bekommen", bekennt Herbert Steffan. Der Mechlenreuther musste als 14-Jähriger unter tschechischer Aufsicht neun Monate Zwangsarbeit in einem Kohlebergwerk leisten. Seit dem 1. August 2016 können Betroffene einen Antrag auf eine "Anerkennungsleistung" von 2500 Euro stellen.

      Herbert Steffan ist in Maidelberg im Sudetenland gemeinsam mit seinen beiden Brüdern und einer Schwester aufgewachsen. Seine Mutter war alleinerziehend, sein Vater gestorben, als Herbert vier Jahre alt war. Am 28. August 1945 [3½ Monate nach Ende des 2. Weltkriegs (in Europa)] flatterte ein Aufruf der Tschechen ins Haus, nach dem sich alle Männer zwischen 14 und 60 Jahren mit 30 Kilo Gepäck am Spritzenhaus einfinden sollten. Auch der 14-jährige Herbert musste dem folgen. "Wir wussten nicht, was uns erwartet." In einem Internierungslager für Deutsche musste er mit Kameraden aus seinem Heimatdorf als Zwangsarbeiter im Schacht "Ida" einer Kohle-Abbaugrube in einem Dorf nahe der polnischen Grenze arbeiten.

      Nicht nur die Arbeit im nur 1,20 Meter hohen Schacht sei unmenschlich gewesen: "Von den Aufsehern wurden wir wie Schwerverbrecher behandelt", erzählt Steffan. Mit aufgesetzten Bajonetten hätten die Aufseher die kahlgeschorenen Buben in den Schacht getrieben. Nach acht Stunden Schufterei in 240 Metern Tiefe sei der Lohn eine Wassersuppe gewesen. Doch damit nicht genug: "Besonders im Sommer und im Herbst mussten wir noch zu Bauern aufs Feld und beim Heu machen oder bei der Ernte helfen", erinnert sich der 85-Jährige. Bei den kleinsten Vorkommnissen hätten die Aufseher mit Reitpeitschen auf die Jungs eingedroschen. Wenn jemand nach einer Begründung gefragt habe, sei die Antwort gewesen: "Weil ihr Deutsche seid."

      Das Arbeitslager selbst sei mit Stacheldraht umzäunt gewesen, und freilaufende Hunde hätten ihnen zusätzlich Furcht eingeflößt. Bei jedem Appell habe man die Lagerinsassen gewarnt: "Wenn jemand versucht zu flüchten, dem wird unsere Kugel folgen, und die Hunde fangen jeden wieder ein." Steffans Mutter schrieb drei Entlassungsgesuche für ihren Sohn. Der "deutschfreundliche" Gemeindeschreiber übersetzte sie ins Tschechische. Der Oberaufseher habe sie aber nur wütend zerrissen: "Einen Hitlerjungen lassen wir nicht laufen." Am 13. Juni 1946 wurde er schließlich entlassen. Die Deutschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

      Herbert Steffan kam mit Mutter und Schwester nach Mechlenreuth. Dort wurden sie vom damaligen zweiten Bürgermeister im Schulhaus untergebracht. Nach zwei Wochen kamen sie auf einen Bauernhof. "Weil ich so fleißig war, habe ich das Knechtzimmer bekommen", erzählt Steffan. Doch Geld gab es nicht. "Wir haben zu dritt gearbeitet, für 20 Mark Miete und Essen." Aber als junger Mann brauchte er Geld. Von 1947 bis 1965 arbeitete der Heimatvertriebene als Weber und später als Hilfsmeister in mehreren Münchberger Webereien. Dort lernte er seine Frau kennen. Sie stammte aus dem gleichen Kreis Jägersdorf im Sudetenland. 1965 bewarb er sich bei der Polizei und war bis zu seiner Pensionierung in der Inspektion Münchberg tätig.

      Als es in den Neunzigerjahren darum ging, ausländische Zwangsarbeiter durch deutsche Firmen und den deutschen Staat zu entschädigen, und 2000 dazu ein Gesetz zu einer Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" mit zehn Milliarden Mark erlassen wurde, seien auch bei den deutschen Zwangsarbeitern die Erinnerungen hochgekommen. "Nicht, dass ich den Zwangsarbeitern ihren verdienten Lohn nicht gönne, aber es sollte auch für uns eine Entschädigung geben", schloss sich Steffan der Forderung der Heimatvertriebenen-Verbände an.

      An 73 000 tschechische Zwangsarbeiter seien Leistungen bis 7500 Euro bezahlt worden, berichtet er. Bereits im Jahr 2000 hätten 34 Landsleute eine Petition an den Bundestag gerichtet. Der Petitionsausschuss hatte das Verfahren negativ beschieden und "wegen unzureichender Begründung" keinen Widerspruch zugelassen.
      Besonders die GRÜNEN hätten sich in der Regierung Schröder dagegen gewehrt, diese Forderung in den Zukunftsfonds aufzunehmen.

      Als sich trotzdem eine Annäherung abgezeichnet hatte, hätten Antje Vollmer,
      GRÜNE, und Jochen Bilstein, SPD, die Entscheidung zugunsten einer Entschädigung verhindert. Angela Merkel habe schon in der Opposition "die längst überfällige Entschädigung" angemahnt. Die Forderung habe sie in allen drei Regierungszeiten wiederholt. Aufgrund eines Antrags von MdB Klaus Brähmig und MdB Dr. Bernd Fabritius hat nun der Innenausschuss des Deutschen Bundestages 50 Millionen Euro zur Auszahlung als "Anerkennungsleistung" für deutsche Zwangsarbeiter bereitgestellt.

      Er selbst habe seinen Antrag schon eingereicht und auch seine Kameraden von damals benachrichtigt. "Einer hat seine 2500 Euro schon bekommen." Nicht verstehen kann Steffan, dass von der "Anerkennungsleistung" in den Medien nichts zu hören war. Bei den Entschädigungen für die ausländischen Zwangsarbeiter hätten sich die Medien überschlagen.

      Auf Unverständnis stößt auch die Regelung, dass Erben von verstorbenen Zwangsarbeitern die 2500 Euro nicht beantragen können, wenn diese vor dem 27. November 2015 verstorben seien. "Die Leute können doch nichts dafür, dass die Lösung so lange auf sich hat warten lassen", echauffiert sich der 85-Jährige.

      „Die Kontaktdaten:
      Der Antrag auf die Entschädigung über 2500 Euro ist beim Bundesverwaltungsamt in Hamm zu stellen. Merkblatt, Richtlinien und das Antragsformular werden auf Wunsch zugesandt oder können im Internet heruntergeladen werden. Telefon: 022899/3589800;

      E-Mail:
      adz@bva.bund.de oder http://www.bva.bund.de oder http://www.bmi.bund.de

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      Sehr detailliert und aufschlußreich wird alles auch hier genau erklärt: http://www.bund-der-vertriebenen.de/themen-und-termine/entschaedigung-ziviler-deutscher-zwangsarbeiter.html
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      Martini schrieb:

      2500 Euro "Anerkennungsleistung" für deutsche Zwangsarbeiter nach mehr als 70 Jahren.

      WOW, doch so schnell...
      Wahrscheinlich hat man abgewartet, dass es auch ja nicht mehr so viele Überlebene gibt, welche sich die Entschädigung holen könnten.
      Frechheit!


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