Ich danke meinen Pflegeeltern

      Ich danke meinen Pflegeeltern

      Hallo,

      mein Name ist Adrian und ich bin 17 Jahre alt.

      Ich kam mit 7 zu meinen Pflegeeltern. Das Amt nahm mich meiner Mutter weg.
      Der Grund.
      Meine Mutter wurde von ihren Eltern geschlagen, sie lernte mit Ende 17 einen jungen Mann kennen.
      Der ihr den Ausweg aus allem bot. Als sie nach zwei Monaten mit mir schwanger war, war es aus mit der großen liebe und er warf sie raus. Meine Mutter ging zum Amt, da sie nicht zu ihren Eltern zurück wollte. Sie bekam eine kleine Wohnung gestellt. Es lief ganz gut, ich kann mich natürlich nicht daran erinnern. Doch ich weiß noch ab wann ich die ersten Schläge bekam.
      Meine Mutter war kein besonders starker Mensch und hatte einfach nicht viel Glück in ihrem Leben. Sie hielt keine Ausbildung durch und suchte sich immer die falschen Männer.
      Als ich 3 war, fing sie an ihren Frust an mir auszulassen. Sie schlug mich, sperrte mich in den Schrank und gab mir fast nichts mehr zu essen.
      In dieser Zeit, lernte sich ihren neuen Freund kennen und wir zogen sofort zu ihm.
      Der Mann prügelte mich gleich den ersten Tag durch die Wohnung. Um mir zu zeigen, wo mein Platz war.

      Nach einer Weile fing er an mich anzufassen und zwang mich auch ihn zu berühren. Er zwang mich, unter Schlägen zum Oralsex. Meine Mutter saß daneben auf der Couch und zog sich eine Line.
      Damals habe ich das alles nicht zuordnen können, doch heute weiß ich was passiert ist.

      Der Mistkerl vergewaltigte mich, das erste Mal mit 4 Jahren!

      Meine Mutter und auch ihr Freund verfielen immer mehr den Drogen. Was zur Folge hatte, dass ich die Wohnung hier nicht genauer beschreiben möchte. Und auch essen nicht besonders regelmäßig gab. Doch Hunger war ich gewöhnt und fing langsam an den Putz von der Wände zu essen.
      Das schlimmste war, dass auch meine Mutter anfing mich gemeinsam mit dem Kerl, anzufassen.
      Die beiden prostituierten mich für Kohle, für Drogen.
      Ich weiß nicht wie das Jugendamt auf die kranke scheiße die dort abgelaufen ist, aufmerksam wurde.
      Doch irgendwann standen sie vor der Tür und nahmen mich mit. Und ich kam zu meiner Pflegefamilie.

      Ich weiß noch, wie beeindruckt ich von dem (für mich) riesengroßen Haus und dem Garten war.
      Dass ich ein Zimmer und ein Bett für mich hatte (bei meiner Mutter musste ich mit beiden im gleichen Bett schlafen).
      Ich war die erste Zeit sehr ruhig viel eigentlich gar nicht auf. Versuchte so gut es ging Unsichtbar zu sein. Sah mir erst die Leute an, wie sie waren. Wollte nicht auffallen, da ich regelrechte Panik davor hatte, etwas falsch zu machen. Ich hatte Angst vor ihnen und allem was neu war.
      Verfiel dann in eine Starre, konnte mich einfach nicht mehr bewegen. Und pinkelte ein, hoffte das es schnell vorbeigehen würde, doch es passierten nie das was ich erwartete.

      Als ich die Angst überwand, fing ich an. Meinen Pflegeeltern das Leben zur Hölle zu machen.
      Ich habe es damals nicht gemerkt, wie sehr sie (besonders meine Mutter) darunter litten.
      Ich verweigerte das essen das meine Mutter für mich gekocht hatte. Schlug auf sie und auch auf meinen Vater ein, wenn ich nicht bekam was ich wollte.
      Erzählte lügen über sie. Warf ihnen vor mich nicht haben zu wollen.
      Und was ich mir bis heute nicht erklären kann (meine Psychologin meint, bei der Frau bin ich seit ich bei meinen Pflegeeltern bin. Dass sei alles normal gewesen und nur eine Verarbeitungsprozess.
      Wir haben es ergründet und ich verstehe warum ich es gemacht habe. Aber …!)
      Ich fasste meinem Pflegevater, nur mit Shorts bekleidet, zwischen die Beine und bot ihm Sex an.

      Dank der liebe und der Ausdauer meiner Eltern, habe ich auch diesen Abschnitt meines Lebens überwunden. Und wir sind zu einer Familie zusammen gewachsen.
      Ich habe keinerlei Kontakt zu meiner leiblichen Mutter und auch kein Interesse an dieser Frau.
      Ich habe neue Eltern und bin ihnen unendlich dankbar, für alles!!
      Wundervoll, ghost!!! Und danke, dass Du das so offen erzählst....ich freue mich RIESIG über dieese Geschenk, dass sich Dir angeboten hat, ober die Treue, Geduld, Kraft und Ausdauer Deiner neuen Eltern und ihre grosse Liebe zu Dir....... Da gibt es keien Worte für so ein Wendung im Leben..... :)


      Der Tod ist gross.
      Wir sind die Seinen lachenden Munds.
      Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
      wagt er zu weinen
      mitten in uns.
      (R. M. Rilke)
      Hallo Adrian, ich kann Dir zu Deinen Pflegeeltern nur gratulieren.
      Ich freue mich besonders darüber, dass Du ihnen vertrauen kannst,
      denn nicht jede Familie hätte das mit Dir so durch gestanden.
      Das Du in Deinem Alter schon so darüber schreiben kannst,
      hat mich bei aller Wut über das was Dir geschehen ist,
      vor allem sehr beeindruckt.
      Adrian, es ist gut dass Du Dich Deiner Vergangenheit schon so früh stellst
      und sie Dich nicht daran hindert Deinen eigenen Lebensweg positiv zu gestalten.
      Wünsche Dir dafür alles erdenklich Gute.
      Lieber Adrian,
      es ist unfassbar und grausam was Du als Kind erleben musstest und ich bin beeindruckt, dass Du trotz dieser so schrecklichen Kindheit aus der Perspektive eines jungen Menschen schreibst, der nicht voller Hass ist und mit dem Schicksal hadert. Verständlich, dass Du erst einmal Deine Pflegeeltern mit Misstrauen begegnet bist und Verhaltensweisen Deiner vorherigen Erfahrungen zeigtest. Ich freue mich für Dich, dass Deine Pflegeeltern wohl dieses verstanden und die Geduld aufbrachten, die es Dir ermöglichten diese vorherigen grausamen Erfahrungen ein wenig hinter Dir zu lassen. Zu lernen, dass es auch Menschen gibt denen man vertrauen kann und damit zu einer Familie zusammen zu wachsen. Großartig wie ihr das gemeinsam geschafft habt und auch wenn es Überwindung gekostet hat, dieses hier zu schreiben finde ich es gut, dass Du es gemacht hast. Damit zeigst Du auch anderen Menschen, dass es möglich ist aus so einer grausamen Vergangenheit heraus zu kommen und dass es etwas gibt was stärker sein kann als jene Gewalt die Du so früh hast erleben müssen. Schön dass Du den Weg hier her gefunden hast und uns einen Blick in Dein Schicksal gewährt hast. Sei ganz lieb gegrüßt.
      Lieber Adrian,

      als Fischkopp muss ich mich ja nicht schämen, dicht am Wasser gebaut zu sein...

      Von Deinen Zeilen, von dieser ehrlichen offenen Herzlichkeit zu tränen gerührt, begrüße ich Dich hier, wünsche Dir alles Gute, die nötige Kraft des erlebte zu verarbeiten und ziehe meinen Hut vor Dir.

      So ganz nebenbei ist es Dir auch gelungen, mich -und vielleicht auch andere- zur Besinnlichkeit zu bringen.
      Sich zu besinnen, was wir hier sind und warum wir hier sind, hat mir persönlich gut getan.
      Auch dafür einen großen Dank!

      Alles Gute Dir, Krumi
      Heimkindertreffen SKH "Martin-Andersen-Nexö"
      Bräunsdorf/bei Freiberg


      16. - 18. Juni 2017

      Anmeldung erwünscht !






      Worte zu finden ist da schwer bei diesem unendlichen Leid welches Du erdulden musstest. Schau nach vorne in Dein neues Leben mit Deiner Familie und versuche die Dämonen zu verbannen. Ich wünsche Dir ein wunderschönes Leben und viel, viel Glück ! :)
      Die eigene Freiheit muss dort aufhören, wo die des Anderen beginnt.

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