Wie gelingt Aufarbeitung

      Widerstand schrieb:

      Runder Tisch stößt Projekte für Heimkinder an

      ndr.de/nachrichten/schleswig-h…-an,heimerziehung114.html

      Bezieht sich u.a. auf den Friesenhof.


      shz.de/deutschland-welt/politi…id16287911.html?nojs=true

      Ombudsstelle für Heimkinder in Not :
      Die jüngste Anruferin war acht Jahre alt

      Keine Heizung, zu wenig zu essen und sogar ein sexueller Übergriff: Die Bürgerbeauftragte Samiah El Samadoni zieht Bilanz.

      „Sie war überfällig, und wir haben bislang nur die Spitze des Eisbergs erreicht“: Diese Bilanz zieht Schleswig-Holsteins Bürgerbeauftragte Samiah El Samadoni ein Jahr, nachdem das Land in ihrem Haus zusätzlich eine Ombudsstelle für die Kinder- und Jugendhilfe eingerichtet hat. Das Angebot war eine Reaktion auf die Missstände in den „Friesenhof“-Heimen und kommt offensichtlich an: 194 Eingaben sind innerhalb der ersten zwölf Monate bei der neuen Beschwerde- und Beratungsstelle eingegangen.

      In 24 Fällen ging es um konkrete Konflikte mit Heimen oder Wohngruppen, in acht um Auseinandersetzungen mit dem Jugendamt. Wenn auch vor allem Eltern die Ombudsstelle in Anspruch nehmen, so haben sich doch auch 21 Heimkinder und -jugendliche selbst dort gemeldet. „Das spricht dafür, dass man uns wirklich finden kann“, schlussfolgert El Samadoni. Die jüngste Anruferin war erst acht Jahre alt. Sie beklagte sich darüber, dass sie für ein Fehlverhalten mit einem Besuchsverbot bei einer Freundin bestraft werden sollte. Was in diesem Fall laut El Samadoni aber „im pädagogischen Kontext erklärbar“ war und in ähnlicher Form auch in einer normalen Familie denkbar sei.

      Das ist keineswegs bei allen Hilfesuchenden so. In einem Fall steht der Vorwurf eines sexuellen Übergriffs in einer Einrichtung im Raum. Gegen den Beschuldigten läuft inzwischen ein Strafverfahren. Fragwürdige pädagogische Maßnahmen, körperliche Züchtigung, Anschreien ohne ersichtlichen Grund, zu wenig zu essen, keine Heizung, Schimmel in der Unterkunft: So breit ist die Palette der Hilferufe, die Heranwachsende bei der Beschwerdestelle absetzten. Auch sei es um Handy-Verbote oder ignorierte Freizeitwünsche gegangen oder um Weigerungen, auf Anordnung des Jugendamts die Einrichtung zu wechseln.

      Oder ums genaue Gegenteil. Die Bürgerbeauftragte berichtete von einem 15-Jährigen, der unbedingt woanders wohnen wollte, weil in seinem Heim weit draußen auf dem Lande keinerlei Gleichaltrige lebten. El Samadoni deckte hier ein weiteres Defizit auf: Ihrer Einschätzung nach hat sich der Jugendhilfe-Träger nicht genug bemüht, dem autistisch veranlagten Jungen den Besuch einer regulären Schule zu ermöglichen.

      Ein anderes Beispiel aus den Erlebnissen der Beauftragten: Ein Zwölfjähriger habe unter Dauerkonflikten mit einem Betreuer gelitten. Als Hauptgrund stellte sich laut El Samadoni heraus: Der Mann – ein ehemaliger Bundeswehrsoldat – hatte Probleme mit den langen Haaren des Zwölfjährigen. Die Ombudsstelle erreichte, dass eine andere Kraft für den Jungen zuständig wurde – und dass dem Ex-Soldaten „deutlich gemacht wurde, dass der Haarschnitt der persönlichen Freiheit unterliegt“. Trotz des Konflikts ist der Kurzhaar-Verfechter in der Einrichtung geblieben. „Andere Bewohner konnten gut mit ihm“, schilderte die Beauftragte. Mehrheitlich hätten sie für den Verbleib gestimmt. „Auch wieder ein gutes Beispiel für Partizipation“, findet El Samadoni.

      Zwölf der gemeldeten Vorwürfe waren so gravierend, dass die Ombudsstelle nicht nur selbst aktiv wurde, sondern zusätzlich die Heimaufsicht einschaltete. „Wenn wir dadurch auch nur einen Fall zusätzlich aufgreifen können, spricht das für diese neue Stelle“, sagte Sozialministerin Kristin Alheit. Die SPD-Politikerin kündigte weitere Schritte zur Stärkung der Jugendhilfe an. So will das Land dieses Jahr Modellprojekte mit insgesamt 500.000 Euro unterstützen, die sich gezielt um Kinder und Jugendliche kümmern, die an die Grenzen der „normalen“ Jugendhilfe stoßen.

      Die Ombudsstelle selbst, die mit zwei Juristen und einer Sozialpädagogin besetzt ist, will ihre Erreichbarkeit in diesem Jahr weiter verbessern. El Samadoni kündigte dazu einen Internet-Auftritt und eine Präsenz in sozialen Netzwerken an. Zudem plant sie offene Sprechtage in Heimen.
      ndr.de/nachrichten/schleswig-h…schuss,friesenhof226.html

      "Friesenhof": Gemischte Bilanz nach U-Ausschuss

      Mit seiner Hilfe sollte klar werden, ob die Heimaufsicht des Landes zu spät aktiv wurde, als es zu den Vorwürfen rund um die "Friesenhof"-Heime im Kreis Dithmarschen kam: Nun hat der "Friesenhof"-Untersuchungsaussschuss nach 16 Monaten, 40 Zeugen und 60 Anhörungen die Arbeit beendet. Die Bilanz: Die Meinungen dazu, ob die Heimaufsicht zu spät aktiv wurde, sind nach wie vor geteilt. Für Jugendliche in Heimen hat sich nach Meinung einiger Politiker einiges zum Positiven geändert. Und: Es gibt einen etwa 800 Seiten starken Abschlussbericht.

      Seit dem Skandal in den "Friesenhof"-Heimen arbeiten Heimaufsicht und Jugendamt enger zusammen. Außerdem gibt es eine Ombudsfrau für Mädchen und Jungen.

      Unqualifiziertes Personal und Kollektivstrafen

      Im Sommer 2015 hatte das Landesjugendamt zwei der zum "Friesenhof" gehörenden Einrichtungen die Betriebserlaubnis entzogen. Als Gründe wurden unzureichendes Fachpersonal und inakzeptable pädagogische Methoden angegeben. Mitarbeiter und Mädchen hatten dem Untersuchungsausschuss die Zustände in den Heimen geschildert. Sie berichteten von stundenlangem "Aussitzen", unqualifiziertem Personal, Kollektivstrafen und Fixierungen. Teilweise widersprachen sich die Zeugen allerdings, etwa im Hinblick auf das Vorhandensein eines pädagogischen Konzepts. Mitarbeiter der Heimaufsicht erklärten, dem Recht entsprechend gehandelt zu haben. Sie hätten die Einrichtung nicht früher schließen können, so der Tenor.

      CDU: Missstände kleingeredet

      In der Kritik stand bei dem Thema die ganze Zeit Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Sie ist die zuständige Ministerin für die Heimaufsicht. Die Opposition warf ihr und der Heimaufsicht des Landes vor, zu spät und unzureichend reagiert zu haben. Alheit wies das stets zurück. Sie sieht sich nun entlastet. "Natürlich erleichtert mich als Betroffene die Feststellung, dass die Vorwürfe, die im Raum waren, nicht bestätigt werden konnten", sagte die Ministerin.

      Sie und auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagten, zumindest habe der Parlamentarische Untersuchungsausschuss dazu beigetragen, dass sich die Situation der Heimkinder im Land deutlich verbessern werde. Die CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann sagte: "Manchmal war man schon sehr angefasst durch das, was die Mädchen dort erleiden mussten." Sie kritisierte, viele Missstände in den "Friesenhof"-Heimen seien im Ausschuss kleingeredet worden. "Wir stellen uns nach wie vor die Frage, wozu es diesen Untersuchungsausschuss brauchte", sagte die SPD-Abgeordnete Beate Raudies.

      Mehr Mitarbeiter in Heimaufsicht

      Tatsächlich haben sich nach der Schließung der "Friesenhof"-Heime einige Dinge geändert. Nach Angabe von Renate Agnes vom Kreis Dithmarschen sind die Absprachen zwischen Heimaufsicht und Kreisjugendamt enger geworden. Die Kontrollen der Heime sollen intensiver sein. Missstände sollen sofort an die Heimaufsicht gemeldet werden. Die Zahl der Mitarbeiter in der Heimaufsicht hat sich nach der Affäre von sechs auf zwölf erhöht. Sie sind für 2.000 Kinder- und Jugendheime, Kitas und Wohngruppen im Land zuständig.
      Wenigstens.


      spiegel.de/panorama/justiz/due…er-in-haft-a-1141793.html
      Urteil in Düsseldorf
      Erzieherin muss wegen Misshandlung autistischer Kinder in Haft

      In einem evangelischen Heim wurden autistische Kinder jahrelang systematisch misshandelt. Gegen die Erzieher der Einrichtung in Hilden ist nun ein Urteil gefallen.

      Für die Misshandlung autistischer Kinder hat das Landgericht Düsseldorf eine Wohnheim-Gruppenleiterin zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Die Kinder seien angeschrien, bespuckt, mit kaltem Wasser bespritzt und gequält worden, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Michalek. Ihr Schreien, Betteln und Flehen hätten die Angeklagten ignoriert. "Sie hatten an ihrem menschenunwürdigen Verhalten Spaß und genossen es."

      Die 44 Jahre alte Hauptangeklagte wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gesprochen. Ihr Ehemann, der ebenfalls in der Einrichtung arbeitete, erhielt eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Eine weitere Erzieherin erhielt ein Jahr und drei Monate auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

      Die schweren Übergriffe hatten sich von 2006 bis 2008 in einer inzwischen geschlossenen evangelischen Kinder- und Jugendeinrichtung in Hilden bei Düsseldorf ereignet. Die Opfer waren damals 9 bis 15 Jahre alt.

      Gericht: Misshandlungen waren keine Therapie

      Die Staatsanwaltschaft legte den Erziehern insgesamt 67 Anklagepunkte zur Last. Unter anderem war ihnen vorgeworfen worden, eine Jugendliche geknebelt zu haben. Sie sei immer wieder bis zur Erschöpfung von einem Stuhl gestoßen worden. Eine Erzieherin hatte im Prozess versucht, diese Behandlung mit der Angst zu begründen, die andere Kinder vor der damals 15-Jährigen gehabt hätten. Mit der Misshandlung wollte sie den Spieß umdrehen.

      Die Angeklagten hatten die Kinder nach Überzeugung des Gerichts über Stunden festgehalten und ihnen Schmerzen etwa durch Umdrehen der Arme zugefügt. Die Betreuer verhöhnten und verspotteten laut Gericht die Kinder. Von einem speziellen Therapiekonzept habe nicht mehr die Rede sein können, entgegnete die Kammer der Verteidigung.

      Während des Verfahrens hatte die Düsseldorfer Strafkammer zahlreiche Videos aus der Wohngruppe angesehen, zwei Gutachter sowie 28 Zeugen gehört. Den drei Verurteilten hielt sie zugute, dass sie den Kindern ursprünglich helfen und sie vor der Psychiatrie bewahren wollten. Gegen zwei weitere Angeklagte war das Verfahren nach Zahlung einer Geldstrafe bereits im Januar eingestellt worden. Gegen weitere sechs Beschuldigte steht der Prozess noch aus.