Wie gelingt Aufarbeitung

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      kliv schrieb:

      willkommen im Club


      welchen Club meinste denne :D

      Stern schrieb:

      Ich verstehe diese riesigen Unterschiede unter uns Allen, die schon damit zu tun haben, wer kam zu welcher Zeit in welche Einrichtungen? Wer war darinnen tätig? Wie war die Qualität des Personals? Wie schlimm waren die Zustände, wo waren sie weniger schlimm etc. etc. All diese so oft erwähnten Faktoren trennen uns mehr als sie uns einen. Auch das schrieb ich schon vor Jahren hier öffentlich und nun werde ich irgendwie doch nur wieder bestätigt.


      Wir sind alle so verschieden in unserem Lebensweg,
      dass auch die Geschichte der Vergangenheit nicht mehr dazu dient,
      es als Gemeinsamkeit zu sehen.
      Das reicht schon aus, dass die einzelnen Meinungen zu Differenzen führen.
      Man sieht sehr oft nicht eine gemeinsame Heimzeit, die man evtl. gegangen ist,
      das reale Leben nach der Heimzeit hat alle verändert in ihrem Denken ,Fühlen und hat dann
      die andere Welt in einer längeren Zeit eine Auszeit gegeben.
      Ich sah für mich nach der Heimzeit nur einen Ausweg...kämpfen um jeden Preis,
      es hat mich vergessen lassen , was war .
      Das ging viele Jahre gut und es holt einem doch mal ein.
      Dann kommt es darauf an, was man für ein Umfeld hat, eine gut funktionierende Familie,
      die einem das Gefühl gibt....das ist dein leben,das ist Liebe und hier fühle ich mich geborgen.
      Kann ich mit meinem Partner über alles reden,kennt er mich gut genug und versteht er mich.
      Wenn das alles gegeben ist, dann kann man auch sicherwieder den Weg weiter gehen ,den man all die Jahre gegangen ist.
      Familie und Freunde ist ein wichtiger Halt,der einem im Leben ein wichtiger Partner ist.

      Ich weiß,es ist nicht überall diese Harmonie vorhanden
      und ich hatte auch eine Trennung vom Partner gehabt, die alles andere als Leben und Liebe war.
      Mein Optimismus ist ein so großer und starker Partner für mich,
      der mich immer wieder nach oben katapultiert hat...zwischenzeitlich auch viele Tränen und die gehören dazu ,
      um wieder das Maß der Stärke zu finden.

      Sicherlich erwartet man gerade in den Heimforen auf unmissverständliches Verstehen und Vertrauen.
      Das ist nicht die Wirklichkeit bis auf diejenigen,
      die sich eine echte und wahre Freundschaft aufgebaut haben.....ansonsten ist es möglich,
      eine Tolleranz und das Verständnis für andere zu entwickeln,
      was man doch in seinem Leben gelernt haben müßte.
      Arbeitsjahre und das jetzige Alter eines jeden sind doch ein gutes Beispiel,
      dass man auch mit anderen Menschen zurecht kommen mußte und müßte.

      Ich sehe von weit Außen hier rein und doch kann man manchesmal
      bei einigen Usern ein Gefühl bekommen,dass es Gemeinsamkeiten gibt,
      Sie dienen hier zum Guten ,um das Verstehen einzelner besser zu realisieren .
      Trotzdem ist man sehr weit davon entfernt denjenigen richtig einzuordnen.
      Da kommt dann wieder die eigene Welt mit denen durcheinander, weil man anderst lebt...sein eigenes Leben sieht
      und es als sehr gut empfindet.

      So wird man immer wieder sein eigenes Heim als wohltuend sehen
      und ein Bedauern verspüren,wenn es andere nicht so haben.

      LG Christa


      wie man sich und ob man sich wirklich mit allem auseinandersetzen möchte und auch will.
      Sei, was du scheinen willst.
      Sokrates

      christa-md.jimdo.com/
      Meine Anteort bezog sich auf Rolfs letztes Posting hier.
      Tapferkeit ist das Vermögen und der überlegte Vorsatz,
      einen starken aber ungerechten Gegner Widerstand zu leisten.
      (Immanuel Kant)

      Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewusste gestaltet es.
      (Immanuel Kant)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kliv“ ()

      @ Christa

      Es ist schon so wie Du es schreibst, nach der Heimzeit unterschiedliche Wege gegangen zu sein, so dass es keine Gemeinsamkeit mehr gibt oder man sieht sie nicht.

      Da muss man aber auch erst einmal genauer darüber nachdenken, was uns denn im Heim gemeinsam war. Bisher haben wir ja schon immer versucht diese Gemeinsamkeiten herbei zu reden, uns zu wünschen und gelegentlich gibt es auch einen Austausch über Erfahrung im Heim. Aber im Großen und Ganzen gibt es da nicht wirklich viel Nähe. In den ersten Jahren hätte sich bestimmt Niemand gefragt, wieso er hier in so einem Forum ist, es war selbstverständlich, wir sind eine Gruppe ehemaliger Heimkinder und haben streckenweise ja auch politisch gearbeitet. Es war einfach wir hatten ein gemeinsames Ziel, das öffentlich machen der Heimerziehung, nicht mehr länger zu schweigen über das begangene Unrecht. Da hat man sich erst einmal nicht die Frage gestellt, wieso man hier ist, aber so allmählich fragt man sich schon, was sind wir was wollen wir noch und wieso sind wir denn immer noch in so einem Forum. So komisch wie das klingt muss man wieder zum Anfang zurück und sich tatsächlich fragen, was wir gemeinsam haben wo wir doch immer wieder feststellen wie unterschiedlich wir sind. Hier gibt es nur den kleinsten gemeinsamen Nenner und das ist die Tatsache, egal in was für ein Heim man war, egal wie lange man da war und egal was man dort erlebt hat, gemeinsam ist uns Allen, dass Heime nicht ein positiver Bestandteil der damaligen Zeit war oder anderes herum, jene Menschen die sich in Heimen befanden mehr oder weniger nicht mehr zu der Gesellschaft gehörten. Ausgestoßene, die sog. „Schmuddelkinder“ der Nation und auch die Gesellschaft hatte Heime nicht als Heim im positiven Sinne verstanden, was sich in der Androhung zeigte: „wenn Du nicht brav bist dann kommst Du ins Heim“. Da liegt zum einen unsere Gemeinsamkeit, für einige Zeit nicht in der Gesellschaft gelebt zu haben sondern in einer Parallelwelt, die abgeschottet von der Außenwelt war.

      Ja und mehr Gemeinsamkeit habe ich noch nicht entdeckt und trotzdem ist diese Gemeinsamkeit schon bedeutsam, denn sie hat uns auch nach dem Heim begleitet, ob bewusst oder unbewusst spielt hier eine eher untergeordnete Rolle, aber Du beschreibst ja auch wie Dein weiterer Lebensweg war, der Optimismus Dein großer starker Partner ist, aber auch andere Gefühle wir Tränen (Trauer) die selbstverständlich dazu gehören. Ich sehe das für mich sehr ähnlich und meine Arbeit war für mich auch immer sehr wichtig.

      Wir haben bestimmt Alle gehofft durch unsere Vergangenheit ein besseres Miteinander zu haben und stellen nun fest, dass es nicht so ist, zumindest nicht mit Allen. Gegenwärtig kommt noch eine andere Seite zum Vorschein, es wird offener darüber geschrieben, dass auch im Heim nicht immer und überall unter den Ehemaligen ein guter Zusammenhalt war und da noch einiges mehr auch an schlimmen Dingen passiert ist. Erst wenn wir zulassen, dass es so war und dass es im Heim ganz sicher nicht darum ging uns gegenseitig zu helfen, sondern Jeder für sich versuchte so gut es ging zu überleben und hin und wieder einen kleinen Sonnenstrahl zu erhaschen werden wir nicht immer wieder untereinander enttäuscht sein und begreifen, dass wir ganz normale Menschen sind und es auch nicht darum geht ob wir nun gute oder böse Heimkinder waren. Nein wir waren Kinder, Jugendliche die verdammt viele Probleme hatten, der eine mehr und der andere weniger und wir haben versucht das Beste aus unserer Lebenslage zu machen. Die einen sind in diesem Lebenskampf eingestiegen und die anderen sind so stark traumatisiert, dass sie immer noch kämpfen für diesen kleinen Sonnenstrahl und manch einer hat die Hoffnung schon längst aufgegeben.

      Aber wir sind immer noch hier und zum Teil ist es schon so wie Du schreibst, ein Verstehen und Vertrauen zu entwickeln ist hier mehrheitlich nicht realistisch, aber es wäre auch eine zu hohe Erwartung. Aber wir kennen uns hier schon viele Jahre und natürlich sind hier auch Freundschaften entstanden und vielleicht wollen wir es nicht so zugeben, irgendetwas ist da was uns hier hält und da wird wahrscheinlich Jeder individuell seine eigenen Gründe haben. Letztlich ist es doch okay, bei allem Streit, Intoleranz und was weiß ich, gibt es auch die tollen Momente und wenn wir da realistisch bleiben gibt es doch noch genug Gründe zu bleiben und auch noch die Hoffnung, dass wir uns doch mehrheitlich auch besser verstehen lernen, es braucht Geduld und Optimismus und das gehört auch zur Aufarbeitung.

      burkhard1 schrieb:

      Letztlich ist es doch okay, bei allem Streit, Intoleranz und was weiß ich, gibt es auch die tollen Momente und wenn wir da realistisch bleiben gibt es doch noch genug Gründe zu bleiben und auch noch die Hoffnung, dass wir uns doch mehrheitlich auch besser verstehen lernen, es braucht Geduld und Optimismus und das gehört auch zur Aufarbeitung.


      Das ist richtig, sonst wäre ich nach all den vielen Jahren hier schon längst weg.
      Sei, was du scheinen willst.
      Sokrates

      christa-md.jimdo.com/
      Du sagst es, liebe Erika, in Aufarbeitung steckt das Wort Arbeit und wo ist die schon immer leicht? Man musste also darauf gefaßt sein, wenn man sich an so ein Projekt heranwagt, dass das mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Das wird dir auch in den entsprechenden Broschüren gesagt, dass das nicht leicht sein wird. Die Frage steht nur, ob man es will, ob man die Kraft dazu hat usw.

      Die meisten, die sich ernsthaft daran gemacht hatten, dürften es bestätigen. Ich für meinen Teil kann mit Fug und Recht behaupten auch wenn dieser vermaledeite Sachse Rolf uns neulich "Scheißheimkinder" fragt, was wir denn aufarbeiten wollten, etwa unsere beschissene Jugend. Was weiß dieser Arsch von unserer Jugend? Was weiß der über unsere Lebensläufe? Was weiß der, wie wir uns in Situation A oder B fühlten, weil wir Heimkinder waren? ?(

      So ist es mit allem, taucht, man in die Tiefe, kommt man an den Grund und wie ein Taucher findet der nicht selten Dinge, die einst verschwanden, verloren gingen und wenn er dann an Bergung und Hebung dessen denkt, was da zum Vorschein kommt, dann hat er ein Stück Arbeit hinter sich. Was immer er da ans Tageslicht fördert.

      Der Weg, so das jemand tun wollte, suchen und finden, was die Gründe waren, die uns da hineinbrachten, als ein meist im Weg gestandenes Subjekt, so es nicht auch andere Gründe gab, war oft vielen von uns beschieden und wer nie bestrebt war, zu wissen, wer die Ursachen dafür legte, der dürfte ein Gen zu wenig haben. Denn ich halte das, eigentlich geht's doch vielen Menschen so, die selbst nie im Heim waren, danach zu fragen und zu schauen, wo war dies, wann war das etc. etc. für völlig normal. Am Ende stehst du zwangsläufig vor der Frage, was und wer dich weshalb auch immer dort hineinbrachte, oder es gab konkret Anlässe, danach zu suchen und hierher gekommen zu sein.

      Das gehört alles mit dazu, wenn man nicht nur nach Ehemaligen suchen will. Mir ist Beides gelungen und ich kann euch sagen, das kostete ein gewaltiges Stück Arbeit. Zur Qualität dieser Aufarbeitung gehört die Frage, wie gut oder schlecht sie gelungen ist. Dürfte ich ein Prädikat dafür verteilen, bekäme sie eine Zwei plus. Eine Eins wäre doch ein wenig gar zu sehr übertrieben.

      Schon längst weg gewesen sein, wie du schreibst, Christa, war ich auch schon des Öfteren, wie man weiß, doch mit zu viel Optimismus kann man sich leider auch den Blick für die Realität verbauen, denke ich. Es kommt wohl auf den gesunden Mix an. Wer das kann, ist schon mal gut dran. Als Optimist wirst du aber nicht geboren und wenn ich mir mein Elternhaus anschaue, dann weiß ich, wer mir ein paar Gene zu viel Pessimismus in die Wiege gelegt hat.

      Das mit den hohen Erwartungen habe ich in dem anderen Thema gerade erst beschrieben. Ins Forum, also in den ersten 3 Jahren kam ich wohl doch leider mit zu vielen. Später relativierte sich auch das und paßte sich den Realitäten wieder an, denn im Grunde war mein Motto immer, erwarte nichts, dann kannst du auch nicht enttäuscht werden. Daran sollte man noch ein wenig mehr arbeiten und für den Rest des Lebens kann dann nichts mehr schief gehen. :whistling:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Stern“ ()

      Lieber Axel,
      Du hast es auf den Punkt gebracht, es ist Arbeit und ich möchte noch ein wenig ergänzen was es bedeutet, was man dazu braucht , Wille und Kraft hast Du geschrieben. Wenn man in die Vergangenheit schaut sind neben den offenen Fragen aber auch jene Lücken einer unbeschwerten Kindheit zu betrauern, Ängste die einen permanent begleitet haben und auch die Wut über so viele Ungerechtigkeiten. Diese Gefühle kommen hoch wenn man zurück blickt und ich hatte da Glück in einer sechsjährigen Therapie gelernt zu haben diese Gefühle überhaupt zuzulassen. Nun beschränkt sich eine Aufarbeitung ja nicht nur auf die Heimzeit sondern es gibt ein davor und ein danach und das muss man sich auch anschauen.

      Rolf ein Mensch jeglicher couleur der hasserfüllten Haltung und permanenten anklagenden Haltung uns gegenüber macht deutlich was passiert, wenn man im späteren Leben „stecken“ bleibt und aus welchen Gründen auch immer nicht bereit ist-und/oder nicht in der Lage ist –nicht den Wunsch verspürt etwas an dem zu ändern. Ich glaube auch da fehlt das fühlen was er in anderen Menschen auslöst-oder es sogar möchte, dass andere Menschen sich wegen seiner Vergangenheit schlecht fühlen sollen, er nimmt Rache. Letztlich bleibt man in solch einer Haltung einsam, weil das Gegenüber solche Menschen nicht mag, es gibt da leider nichts was man mögen kann, weil dann noch hinzu kommt, dass er Dich heute loben kann so wie er es bei Dir gemacht hat Axel und ein paar Tage später da kommt etwas was ihm nicht passt und schon beleidigt er. So kann man leider keine stabilen Beziehungen aufbauen, denn zu Beziehungen-Freundschaft gehört es auch eine andere Meinung auszuhalten ohne beleidigend zu reagieren. Kein Mensch möchte sich da auf so etwas einlassen, weil mit anderen in guten Beziehungen treten zu möchten auch eine Sicherheit beinhalten sollte so etwas versteht man unter tragfähigen Beziehungen, die doch Jeder braucht.

      Du hast eine sehr beeindruckende Metapher gewählt um zu beschreiben was so in der „Tiefe der Gewässer“ alles zum Vorschein kommen kann, gefällt mir sehr gut. Die Stelle passt eigentlich in Deinem thread, denn deswegen bin ich auch hier, mich zu freuen so etwas Tolles lesen zu können.
      Ich möchte noch Deine Äußerung zum Optimismus aufgreifen. Das hat mich immer schon beschäftigt, wie Optimismus entsteht, leider bin ich nicht dahinter gekommen oder anders herum es ist zu kompliziert weil wohl mehr damit zusammen hängt als man überblicken kann. Allerdings ist man nie nur optimistisch so wie man auch nie nur pessimistisch ist und ja ein guter Mix von Optimismus und Kraft und Ausdauer für seine Vorhaben ist hilfreich.

      Neben der „Aufarbeitung“ die sicherlich von Jeden unterschiedlich angegangen werden hat mir auch geholfen mich weiter zu bilden und das war der längste Weg, so dass ich letztlich 20 Jahre brauchte um dahin zu kommen wo ich hin wollte. Nun ist man ja dann nicht perfekt, aber zufrieden mit dem was man so alles geleistet hat. Ja ich blicke nicht mehr zurück im Zorn, sondern bin auch stolz darauf es trotz der beschissenen Kindheit geschafft zu haben und so wie ich das hier einmal überblicke sind das doch Viele und die Rolfs dieser Welt eher die Ausnahme, hoffe ich doch. Wenn man nichts verändern will hält sich da auch mein Mitleid in Grenzen, denn man kann nicht auf Kosten anderer Menschen zufriedener Leben. Jemanden zur Sau zu machen kann zwar kurzfristig entlasten aber es kommt ja immer wieder und man dreht sich nur im Kreise seiner Traumata und am Ende wird man dann auch noch von einem Opfer zu einem Täter. So kann es nicht funktionieren und auch wenn es nicht so ist, daß bei aller Aufarbeitung nun ein „neuer Mensch“ herauskommt, denn das wäre ein unrealistisches Ziel kann man soweit kommen gute Momente zu haben und besser mit seiner Umwelt klar zu kommen und vor allen Dingen Beziehungen eingehen. Womit das mit den Beziehungen nicht unbedingt immer in einer Ehe „ausarten“ muss, ich bin zufrieden mit meinem Singleleben und habe es nicht vermisst nicht geheiratet zu haben. Nun Du gibt’s eine Note ich gebe Dir das Prädikat „wertvoll“. :) Danke für Dein posting Axel!!
      Das Prädikat " wertvoll " habt Ihr beide verdient.
      Sicherlich habt Ihr auch das Talent sachlich und distanziert - aber nicht losgelöst - über bestimmte Themen zu schreiben.
      Mir gelingt das nicht. Wohl deshalb, weil ich ein hochemotionaler Mensch bin und meistens mit allen Fasern mitten im Thema stecke.
      Das Leben ist eine kurze Unterbrechung immerwährendem Fortseins

      burkhard1 schrieb:

      Rolf ein Mensch jeglicher couleur der hasserfüllten Haltung und permanenten anklagenden Haltung uns gegenüber macht deutlich was passiert, wenn man im späteren Leben „stecken“ bleibt und aus welchen Gründen auch immer nicht bereit ist-und/oder nicht in der Lage ist –nicht den Wunsch verspürt etwas an dem zu ändern.

      Ich denke er macht damit aber auch deutlich, was passieren kann, wenn die Aufarbeitung die Komponente "inwiefern haben sich ehemalige Insassen an anderen Insassen mitschuldig gemacht" ausblendet, diese nicht in die Aufarbeitung mit einbezieht.
      Diese Komponente "inwiefern haben sich ehemalige Insassen an anderen Insassen mitschuldig gemacht" würde wahrscheinlich weitere Fragen aufwerfen und erfordert differenzierten Blickwinkel, denn nichts geschieht durch Nichts und immer unter der Prämisse, dass dies in staatlichen/kirchlichen Einrichtungen geschehen ist ..... also Einrichtungen, von denen man sonst denken würde und ja eigentlich auch davon ausgehen können müsste, dass so was nicht möglich sein sollte. Aber irgendwas hat das möglich gemacht ....... und dieses "irgendwas" müsste dann in die Aufarbeitung mit einfliessen. Damit das so passieren konnte, hat ja irgendwer die Augen verschlossen, weg geschaut ...... was auch immer.

      LG Ines
      Die mich kennen mögen mich - die mich nicht mögen können mich

      Was nicht umstritten ist - ist nicht sonderlich interessant

      :D :D :D

      Bons schrieb:

      Mir gelingt das nicht. Wohl deshalb, weil ich ein hochemotionaler Mensch bin und meistens mit allen Fasern mitten im Thema stecke.


      Wir sind zwar Alle unterschiedlich, aber das ist kein Grund es zu beklagen. Ganz im Gegenteil es ist gut so, weil kein Mensch alle Eigenschaften haben kann die man sich möglicherweise als Anspruch auferlegen möchte. Deswegen suchen wir ja auch die Nähe anderer Menschen, weil sie etwas haben was uns gut tut, quasi eine Ergänzung und deswegen muss man sich da auch nicht defizitär erleben, der Andere hat etwas dass ich nicht habe und das ist gut so. Du bist ein mutiger Mensch Ralf, weil Du Dinge ansprichst die nicht immer einfach sind und sich so Mancher da nicht aus der Deckung traut und das Schlimmste daran ist wenn dann damit Rassismus betrieben wird. Wie arm ist denn so was? Du bist auch ein humorvoller Mensch und wie oft habe ich schon lachen müssen und es hat mir den Tag fröhlich werden lassen. Und Du bist ein Poet, denn Du schreibst manche Phänomene sehr dichterisch und das bewegt mich dann sehr. Beschissene Äußerungen die sich dann in gelegentlichen Momenten –wenn hier Streitereien sind- und sich dann verallgemeinernd auf Dich ausladen-finde ich engstirnig und einengend, Du hast viele Seiten die dieses Forum auch lebendig halten und das sollte bei allen Streitereien nicht vergessen werden. Das Prädikat wertvoll können sich hier bestimmt viele Menschen geben und Du ganz sicher. Sich klar machen, dass man trotz einer beschissenen Kindheit aufgestanden ist und dafür gekämpft hat was aus seinem Leben zu machen-und damit meine ich sicherlich nicht nur Ausbildung-sondern sich seinen Platz in diesem Leben erarbeitet zu haben –das zählt und ist sicherlich nicht selbstverständlich. Und jetzt musst Du wieder kämpfen, damit Du Dir noch Lebensqualität erhältst und das ist bei dem was Du so alles erlebst hast nicht selbstverständlich, da braucht man sehr viel Kraft und Du zeigst das es möglich ist und da wünsche ich Dir weiter auch diese Kraft und das Durchhaltevermögen. Sei ganz lieb gegrüßt Erika
      @Ines
      Da muss man aber schon einmal differenzieren, was eine persönliche Aufarbeitung ist und das was Du meinst eher in einem politischen Rahmen aufgearbeitet werden muss. Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass das schwierig ist, aber klar sollte das nicht außen vorbleiben. Da muss dann aber auch weiter geschaut werden, wie denn überhaupt zustande gekommen ist, dass es offensichtlich in Heimen oder in bestimmten Gruppen möglich war, dass hier der Stärkere das Sagen hatte?? Meinst Du etwa die Erzieher haben das nicht gewusst? Ganz im Gegenteil sie haben sich das zunutze gemacht und das hat ihr System begünstigt, das gehört dann auch dazu und auch das schrieb ich schon an andere Stelle, dass in so einem System kein Humanismus „ausbrechen“ konnte. Ich möchte mich nicht so verstanden wissen, dass ich für das Verhalten jener Ehemaligen, die sich gegenüber ihren anderen Ehemaligen damals in der Weise verhalten haben Verständnis aufbringe, nein das tue ich nicht, aber es gibt einen Punkt den ich da so nicht akzeptiere wie es Rolf hier immer wieder stereotyp schreibt: „Wir sind Scheissheimkinder“, ich gebe ihm nicht das Recht über mich oder andere hier das so zu äußern, oder soll die anderen unreflektierten Aussagen von ihm, die offensichtlich zum Inhalt haben sich auch noch schuldig zu fühlen etwa richtig sein? Nein ich fühle mich nicht schuldig und ich bin nicht bereit mir hier diesen Schuh anzuziehen und so wie er es macht ist es derart daneben, dass ich es beim besten Willen nicht ernst nehmen kann.

      Es geht um seine persönliche Aufarbeitung und wir sind nicht hier um stellvertretend für seine Peiniger herzuhalten, denn genau das macht er. Er schmeißt uns Alle zusammen, gibt uns sogar die Schuld für unsere Heimeinweisung und meint in dem polaren System von Gut und Böse sei es damit erledigt. Nein so funktioniert Aufarbeitung nicht und hier im Forum kann man lediglich weiter offen bleiben für seine schrecklichen Erfahrungen, so viel ja, aber ich würde auch einmal erwarten, dass er sich dazu äußert was er hier eigentlich will. Denn eines ist auch unklar, wenn er uns so wahrnimmt wie er schreibt ist er nur unter Tätern und das kann ja nicht für ihn gut sein, also was will er eigentlich???

      Ich weiß nicht einmal was ihm passiert ist oder weiß ich es vielleicht doch???? So wie er es jetzt macht ist es eher problematisch, denn wenn rauskommt wie er es macht fürchte ich werden sich Einige hier so richtig verarscht vorkommen, wobei ich es verstehe, dass er durch eine andere Person sich mitteilen kann. Möglicherweise wäre es ein Weg eine andere Person weiter sprechen zu lassen und schauen wie hier die Reaktionen sind. Aber ich fürchte es ist nicht hilfreich, wir sind keine Therapeuten und weil er sich so aufführt wie er es tut hat er keine Chance. Allerdings nimmt er ja noch nicht einmal zur Kenntnis, dass hier schon auch Einige das bestätigen was er erlebt hat.

      Dann würde ich aber auch einmal gerne hören was denn Deine Idee wäre ihm zu helfen, als das bloße offensichtliche Verständnis was Du da hast und ich z.T. auch. Er tritt ja nicht einmal im Dialog, geht auf das ein was man schreibt, ich kenne ihn nicht, weiß nicht ob es ihm nicht möglich ist oder ob er hier wirklich nur einen permanenten Rachefeldzug startet. Ich würde mir auch wünschen da käme man auch einmal weiter, deswegen macht es ja keinen Sinn ihn zu löschen weil er wieder kommt und alles fängt wieder an.

      Übrigens ist das Thema des Verhaltens der damaligen Heimkinder untereinander nicht neu, ich habe da in einem Forum schon vor Jahren heftige Diskussionen miterlebt und eines sollte man dabei schon bedenken, man muss schon eine Form der Schizophrenie haben um einerseits seine persönliche Aufarbeitung zu leisten und da darf doch wohl nicht daran gezweifelt werden, dass man ein Opfer der Heimerziehung war -und dann gelichzeitig schauen soll, wer nun als Heimkind ein Täter in den Heimen war. Diese Opfer-Täter-Konstellation ist bekannt und wenn ich mich daran erinnere habe ich schon vor Jahren dazu Filme gesehen und wenn ich mal Zeit habe schaue ich nach ob ich da einen bestimmten Film finde.

      Sexueller Missbrauch ist eine gesonderte Variante und da meine ich sehr wohl, dass es dem Opfer nicht hilft hier auch noch Verständnis für den Täter aufzubringen und ich tue es auch nicht.

      Aber alle Varianten der Hierarchie begleitet von Unterdrückung und so einiges mehr ist dem System geschuldet und darüber gibt es genügend wissenschaftliche Arbeiten, da braucht man das Rad auch nicht mehr neu erfinden und es ist bekannt, ganz sicher.
      Eben, wir können es nur immer wieder betonen - uns zusammenzuschmeißen in sein verkorkstes Weltbild muss man es wohl nennen - das geht nicht!

      Rolfs (derzeit user @Liebster Rolf) nicht vorhandene Fähigkeit, zu trennen, ist es immer wieder, die bei ihm verhindert, was er längst hätte beginnen sollen. Er verweigert sich der Autoreflexion, nenne ich es mal für jene, die sich mit Autos wie Rolf auskennen. Bei Rolf ist das der Fall, wie bekannt.

      Das mit dem der Starke hat das Sagen mag ja vielfach zutreffen. Ich habe das selbst vor Jahren im Zusammenhang mit dem Beginn meiner eigenen Geschichte im Heim erwähnt. Natürlich gab es das, denn wenn du in einer Gruppe bist, in der 11 bis 13 und sogar 14 Jährige (das mögen Kinder gewesen sein, die bereits 1 oder 2 mal das Schuljahr nicht geschafft hatten) dann waren sie rein physisch schon mal kräftiger. Ich kam als Anfang 11 Jähriger für eine Woche in eine Sommersammelgruppe, in der alle Jahrgänge, etwa von 10 bis gar 16 vertreten waren, annehme. Die Gruppe wurde zu Schuljahresbeginn gesplittet und dem Alter und anderen Kriterien entsprechend wurde jeder in eine neue Gruppe pro Haus verlegt, so dass jeweils eine Klasse aus nahezu Gleichaltrigen entstand. Dennoch gab es eben Differenzen und in meiner neuen Gruppe waren also Jungen von 11 bis 13 auf jeden Fall. Ich war da noch etwas klein und merkte natürlich die körperliche Überlegenheit von 3 Jungen insbesondere. Dennoch wurde diese vermeintliche Überlegenheit kaum ausgenutzt, meine ich mich zu erinnern. 2 x vielleicht spürte ich es, aber in den Schilderungen, wie sie andere hier einstellen, war das unter uns Jüngeren eben so nicht der Fall. Ob es nun schon so ausgeprägte Formen einer Hirarchie gab, kann ich gar nicht bestätigen. Andere könnten es vielleicht doch, vielleicht weil sie viel älter waren.

      Das mit der Hirarchie sollte eben so sein, denn es gab bereits so eine Art Postenvergabe in Gruppenrat- und ratsvorsitzender, Freundschaftsrat (ich war das mal eine Weile lang), dann eben den Schüler vom Dienst, wir sprachen darüber schon, und was weiß ich sonst nicht mehr. Das war sozialistisch bedingt systematisch durch Strukturen so vorgesehen. Und? Was konnten wir Kinder denn dafür? Jetzt nun den Jungen (uns) vorzuwerfen, wir wären die Unterdrücker anderer Kinder gewesen, also lt. Definition Rolf alles "Scheißheimkinder" halte ich generell betrachtet für völlig inakzeptabel!

      Weder habe ich mich an Unterdrückungen Anderer beteiligt, es gab sie zu meiner Zeit in dem Sinne, wie man das hier verstanden haben will, nicht, noch habe ich selbst in dem Sinne durch Andere leiden müssen oder direkt Nachteile erfahren. OK, durch das verpetzen Anderer wurde auch ich mal stundenlang eingesperrt, aber unmittelbar körperliche Gewalt durch Andere war bei uns nicht an der Tagesordnung schon gar nicht.

      Übrigens empfehle ich für den Geschichtsfreund noch einmal das Studium nachfolgend genannter Literatur. Vielleicht erkennt sich der Eine und Andere darinnen wieder? Der Titel heißt: "Verflucht, gehasst und abgeschoben – eine Jugend in DDR-Heimen" Der Autor ist niemand Geringerer als Herr Manfred Härtel, einst selbst Lehrer im ehemaligen Jugendwerkhof Lehnin / Brandenburg. Ich erwähnte ihn vor vielen Jahren schon. Nach dem ich sein Buch las, telefonierte ich mit ihm fast eine Stunde lang und konnte bestätigen, dass so Einiges auch auf mich zutraf. Das freut einen Autoren selbstverständlich und es war ein wirklich interessantes Gespräch über und mit einem Menschen, der Interessantes zu berichten weiß, weil aus erster Hand erlebt, konnte er auch authentisch berichten, wie die Zustände waren. Auch veröffentlichte er die sogenannte Werkhof-Trilogie II "Ich möcht' mal in die Sonne spucken." Anhand dieses Materials entstand einmal der ZDF Fernsehfilm "Jan und Jana".

      belletriste.de/edition_belletriste/Haertel2/haertel2.html

      Das nur am Rande und wenn ich noch Zeit hätte, würde ich weitermachen. Eines vielleicht zuvor doch noch, weil hier neuerdings zurecht die Rede über sex. Mißbrauch von Heimkindern bzw. ihresgleichen aufkommt. Ich könnte auch fragen, wurden wir mißbraucht durch uns selbst? Was ich damit sage ist, wenn es Verführung ist oder war, kann ich es als Mißbrauch bezeichnen, wenn es Jungen aus der Gruppe waren?

      Neulich schrieb ich erneut, ich erlebte als 12 und 13 Jähriger keinen Zwang, und dennoch geschahen diese Dinge. Wir waren Kinder, vielleicht neugierig, suchten was weiß ich, vielleicht sogar Verbote zu übertreten, denn natürlich war klar, dass da etwas nicht normal war und demzufolge verboten sein musste, wenn es geschah.

      Mir will das nicht in den Sinn, das als sMB unter nahezu Gleichaltrigen zu bezeichnen. Andererseits wären Dinge wie sie in dem anderen Thema "Bin ich bescheuert" beschrieben, nicht geschehen und trotzdem ist das ein gewaltiger Unterschied, wenn man unter Zwang genötigt wird, es zu tun, mit einem Älteren gar noch, wo eindeutig die Frage nach der Ausnutzung der Lage eines Schwächeren gestellt werden muss - für mich ist das dann Mibrauch - den Rodö61 beschreibt, zumal ihm das über längere Zeit offenbar geschehen ist. Begünstigt durch ein System, nicht zu vergessen und an die Umstände denken.

      Sicherlich muss man ernsthaft differenzieren, denn es war klar, dass das nicht sein durfte, doch wenn es nicht sein durfte, wieso konnte es trotzdem geschehen? Ich kann mich nur an eine böse Erinnerung in dem Zusammenhang erinnern und die reichte mir, um zu wissen, dass das nicht normal gewesen sein soll.

      Was dem Rolf passiert sein könnte, kann man anhand mancher Reaktionen herauslesen. Dennoch muss nichts stimmen, was man sich zusammenreimt, doch wer sich keine Gedanken über jemanden macht, der einen immer nur wieder beschimpft und uns kollektiv als "Scheißheimkinder" bezeichnet, hat noch nicht einmal den Anfang gemacht, zu reflektieren, wer uns all das eingebrockt hat, weswegen sie uns in diesen Einrichtungen teils sogar eingesperrt haben. Er fordert auch geradezu heraus, dass man versucht zu analysieren, was ist das für ein Typ, der uns hier anmacht?! Wer aber so keinen Ansatz erkennen läßt, sachlich diskutieren zu wollen, sondern nur Verbalrundumschläge verteilt, verdient im Prinzip Mißachtung, denn er stiehlt Anderen Zeit. Was hat es denn für einen Sinn, mit jemand Unwilligem ins Gespräch zu kommen, der unfähig ist, sich auf seine Mitmenschen einlassen zu wollen?

      Axel

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von „Stern“ ()

      Genau so ist das Axel. "...das ich mich umarmend werfe an einen Stein "
      Aus dem Gedicht ; Einsam im Nebel zu wandern.
      Das wollte ich nicht, diese Art Einsamkeit und auch andere Kameraden wollten das nicht.
      Was war noch der Grund? Entdeckung des eigenen Körpers, das pochende Herz eines anderen? Suche nach Geborgenheit, Sanftheit,
      Zuneigung? Und wenn es nichts anderes gewesen wäre als die Macht der Pubertät, gäbe es nicht eine Minute Grund zur Scham.
      Ich habe mich dafür niemals geschämt.
      Warum auch? Was ich bekam, habe ich auch gegeben.
      Was mir lange zu schaffen machte, war Br.Klemens und seine Tricks und meine
      Naivität - und Jugend.
      Was immer auch in Klausheide geschah und wie immer Klausheide auch war ; von anderen Jungens gab es nie Unterdrückung, Gewalt oder ähnliches. Übelnehmerei und Streit, ja.
      Aber nichts über diese Grenzen hinaus.
      Das Leben ist eine kurze Unterbrechung immerwährendem Fortseins
      So ist es und dann noch etwas,
      ich habe auch einige Jahre außerhalb von Heimen gelebt und wir waren da eine Gruppe, allerdings war ich fast das einzige Mädel. Wir haben durchaus mit anderen Gruppen so unsere Auseinandersetzungen und wir hatten auch einen Boss. Das war so geregelt, dass Ringkämpfe ausgefochten wurden und es war selbstverständlich und unproblematisch. Ich erinnere mich sehr gerne an diese Zeit. Bei uns waren auch sehr kleine Kinder dabei, weil es damals noch möglich war ohne Gefahren auf den Straßen zu spielen und die waren auch selbstverständlich bei uns, denn wir haben uns ja nicht nur mit anderen Gruppen gestritten etc. sondern viel gemeinsam unternommen. Ob Seifenkisten gebaut, Drachen gebastelt, Völkerball und Fußball gespielt es war super. Ich denke vom hierarchischen Gefüge war es nicht anders wie im Heim, nur dass man Draußen so sehr viele Möglichkeiten hatte und im Heim nicht. Ich war auch viel wie man so schön bei uns sagte „in Erholung“ und das letzte Mal da war ich auch schon 14 Jahre und da ist nichts anderes passiert, was Ralf gerade beschrieben hat.

      Was ich damit ausdrücken will ist einfach die Tatsache, dass bestimmte Phänomene nicht einmal typisch für Heime sind, sondern typisch für Kinder und Jugendliche und nicht alles was im Heim unter den Kindern und Jugendlichen passierte war nun besonders typisch für ein Heim. Im jugendlichen Alter ist es typisch für Peergruppen und „total normal“, brauche ja wohl nicht immer wieder schreiben, dass sexueller Missbrauch nicht dazu gehörte.
      Eigentlich weiß ich nicht wie Aufarbeitung gelingt, wenn man sie planen muss. Wenn die Seele schmerzt und man Hilfe braucht, holt man sich einen Termin beim Psychologen
      Dann beginnt man eine Therapie. Das ist ein Schritt nach dem anderen. Was dann noch folgt weiß ich nicht, bisher musste ich noch alles selbst erledigen.
      Aber einen Lebensabschnitt aufarbeiten? Nochmals alles im Schnelldurchlauf durchanalysieren und in kleine Abschnitte zerlegen, erfühlen, erdenken und wieder zusammensetzen?
      Hätte ich nie gekonnt. Da habe ich mich lieber vom Leben überrollen lassen und meine Stücke so zusammengebaut wie ich mich haben wollte. Nun gut, nicht alles ist stimmig und harmoniert. Meine Vita ist eher wie ein Albtraum von Friedensreich Hundertwasser, aber mein Innenleben so bunt wie eines seiner gelungenen Häuser. Da ist alles wieder an seinem richtigen Platz. Und einfach nur weil ich gelebt habe. Ich war da.
      Das Leben ist eine kurze Unterbrechung immerwährendem Fortseins
      Bei mir war das so, das ich schon als heimkind wusste, das ich dort im Heim nicht alle Ewigkeit sein werde. habe mich aber solange an diese gewisse "Hackordnung" angepasst und wie ich dann endlich entlassen wurde, habe ich mir erst einige Jahre später das ganze noch einmal wie einen Film vor Augen ablaufen lassen. Die Dinge, die mich damals besonders getroffen hatten, habe ich nicht Vergessen, genau so, wie ich die guten Augenblicke nicht vergessen habe. Das, worauf es ankommt, wenn man sich seine Vorgeschichte einmal vor Augen ablaufen lässt, dieses ohne Voreingenommenheit macht. Ich kam sehr gut damit zurecht, muss aber doch Einräumen, das ich auch von der jetzigen Situation in den Kinderheimen nicht gerade Begeistert bin. Eine Kontrolle, undzwar Unangemeldet, würde wohl viele Missstände in den heutigen Heimen aufdecken, so das man hier wirklich eine Abhilfe von Missständen erreichen könnte. Manchmal Frage ich mich, ob man das überhaupt möchte.
      Ich lese hier unterschiedliche Gedanken zum Thema
      und was mich immer berührt ist die sexuelle Gewalt an Kindern in den Heimen.
      Ich selbst habe nicht so schlechte Erfahrungen gemacht im Heim.
      Ich wollte weg von zu Hause, denn das war die Hölle für mich.
      Ich habe das erlebt , was von euch beschrieben ist, wie ihr teilweise die Heimzeit erlebt habt.
      Ich mag nicht beschreiben,was nun schlimmer war....für mich oder für euch.
      Ich kann es nicht sagen, ich fühle mit euch und es ist ein unendlich trauriges Gefühl.
      Und doch habe ich damit abgeschlossen, ich kann keinen anklagen, keinen zur Rechenschaft ziehen,
      ich kenne meine Peiniger nicht...sie waren nachts da, meine Mutter lebt seit 1978 nicht mehr....
      wer weiß,warum sie sich das Leben genommen hat.
      Ich kann nichts fragen und aufarbeiten,es ist vieles offen.
      Ich werde es nie erfahren ,darum habe ich es ausgeblendet, weil mein Leben nicht mehr davon abhängig ist.
      Das habe ich beizeiten begriffen und es auch umgesetzt.
      Ich habe Kinder in die Welt gesetzt,die ich abgöttisch liebe,
      für sie tue ich alles,habe einen tollen Männe,der mir alles erfüllt und gönnt.
      Was will man mehr,meine Vergangenheit , meine Kindheit ist weg und kann nichts zurück holen
      und es ungeschehen machen.
      Schläge mit dem Feuerhaken , Vergewaltigung von fremden Männer, Hungern, auf der Treppe oder auf der Straße schlafen.....
      da war mir das Kinderheim lieber und konnte meinen 10 Klassenabschluß machen und einen Beruf erlernen.
      Sehr viel Kraft und das Gefühl, ich schaffe das und gehe einen anderen Weg,
      das war immer mein Leitbild, nachdem ich geliebt und gelebt habe.

      Der Mensch ist geboren zu lieben,
      der kleine Mensch kennt keine Gefahren, er kennt nicht ,was auf ihn zukommt,
      sein Handeln ist eine Maschinerie, die der kleine Mensch nicht beeinflussen kann.
      Es ist traurig , dass dieser kleine Mensch den Willen eines großen Erwachsenen ausgeliefert ist.
      Sei, was du scheinen willst.
      Sokrates

      christa-md.jimdo.com/
      Liebe Christa,
      ob Zuhause oder im Heim es ist immer schlimm und hinzukommt, wenn man ein Eltern/Elternteil hat, was sein eigenes Kind nicht als Kind betrachtet, dass es schwer ist überhaupt zu verstehen wieso. Auch das ist ein Thema, das in einer umfassenden Aufarbeitung Berücksichtigung finden muss, denn die häusliche Gewalt ist mitunter/vielleicht öfter als wir denken eine jener Gründe gewesen in ein Heim zu kommen. Es ist beachtlich wie Du es geschafft hast und eine Zeit lang hat es mir zu schaffen gemacht, dass dieses Unrecht in Heimen doch zumindest öffentlich gemacht wurde, aber es immer noch zu wenig bewusst gemacht wird, dass es Eltern gibt die ihre Kinder als eine Ware betrachten, die für sie lediglich einen Geldwert darstellen. Das ist ein heikles Thema, denn sich damit auseinander setzen bedeutet die Vorstellung von einem Elternbild auch einmal kritisch zu betrachten und dass man hier genauso wachsam sein muss. Ich habe im Verlauf meiner Arbeit so viele Leidensgeschichten gehört, die Menschen als Kinder erlebt haben, dass ich es immer wieder nur bewundern kann, wenn Menschen so etwas nicht nur überleben, sondern wie Du trotz alledem geschafft haben sich in ihrem späteren Leben den Weg aus so einer entsetzlichen Kindheit zu erarbeiten, denn auch das ist Arbeit. Ich freue mich für Dich ja und Du hast Deine Malerei vergessen, die Dir bestimmt auch sehr viel bedeutet. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute.

      burkhard1 schrieb:

      Ich freue mich für Dich ja und Du hast Deine Malerei vergessen, die Dir bestimmt auch sehr viel bedeutet. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute.


      Danke vielmals, das ist sehr lieb von dir und sehr wohlwollende Worte.
      Ja ...meine Malerei ist seit dem Unfall sehr im Hintergrund geraten..ich schaffe es nicht , mich zu konzentrieren.
      Ich bin froh , dass ich wieder meiner Arbeit nachgehen kann und gut hinzu verdienen kann.
      Es hat keiner geglaubt ,dass ich das schaffe.
      Auch das ist wieder ein Kampf mit mir selbst,mein Leben zurück zu haben und ich schaffe es.
      Sei, was du scheinen willst.
      Sokrates

      christa-md.jimdo.com/

      Stern schrieb:

      So ist es mit allem, taucht, man in die Tiefe, kommt man an den Grund und wie ein Taucher findet der nicht selten Dinge, die einst verschwanden, verloren gingen und wenn er dann an Bergung und Hebung dessen denkt, was da zum Vorschein kommt, dann hat er ein Stück Arbeit hinter sich. Was immer er da ans Tageslicht fördert.


      In diesem Zusammenhang erinnere ich Dich gerne daran,
      dass wir Menschen die tiefsten Stellen bis heute nicht erreicht haben
      und wir mehr Energie und Ressourcen in die Projekte investieren,
      die außerhalb unserer Erde liegen.
      Natürlich wäre eine Aufarbeitung Richtig und Wichtig,
      möge ein jeder selbst entscheiden wie notwendig sie sein soll.
      Ich persönlich halte das wissenschaftliche Interesse für keine Aufarbeitung,
      eher für eine Dokumentation. Mir scheint die Forschung dient sich selbst
      und nicht meiner persönlichen Aufarbeitung.

      Manches von dem was ich ans Tageslicht beförderte wäre besser meinem Zugriff entzogen worden.
      Der Umgang der Gesellschaft, mit von ihnen "zugelassenen Verbrechen durch Schweigen, Ertragen und Dulden", ist Beleg einer nicht gewollten Aufarbeitung.
      Mit entsetzen durfte ich die "Anteilnahme" als erneuten Missbrauch zur Kenntnis nehmen.
      Mir ist in den letzten Jahren klar geworden weshalb ich nie ein Teil davon werden konnte
      und dass ich damit besser leben kann, als ich aufhörte zu glauben dass sich daran je was ändern könnte.
      Denn wer möchte behaupten, dass wir noch offene Fragen hätten,
      wie man mit Kindern und Jugendlichen umzugehen hat, wenn sie in ein Heim kommen.
      Das Wissen ist da, nur gesellschaftlich entzieht man sich weiter einer Verantwortung
      und nur diese könnte Heimkindern die Garantie bringen,
      sich und seine Persönlichkeit ohne weitere "Störungen" zu entwickeln.