Schweizer ex-Heimkind vor Einzelrichter am EGMR / ECHR in Strassburg (d.h. am Menschenrechtsgerichtshof!).

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      Widerstand schrieb:

      Martin,

      ich finde deine Posts klasse, aber ich hätte da doch eine Bitte an dich.
      Kannst du nicht das generische maskulinum benutzen? Es ist gewöhnlich viel besser zu lesen.

      mit freundlichen Grüßen
      Widerstand



      Ja Bitte

      Nicht immer den DUDEN abschreiben.
      " Immer wenn man die Meinung der Allgemeinhet teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen"
      Habe gerade diese recht freie zusammenfassende Übersetzung gefunden.
      unter: bj.admin.ch/dam/data/bj/staat/…gmr/ber-egmr-2015q4-d.pdf

      Entscheid W.N. gegen die Schweiz vom 8. Dezember 2015 (Nr.56069/14)

      Erniedrigende Behandlung (Art. 3 EMRK), Misshandlungen im Kinderheim eines Klosters zwischen 1962 und 1972.

      Der Beschwerdeführer beruft sich auf die Artikel 3, 6 Absatz 1 (Recht auf ein faires Verfahren) und 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privatlebens) und macht geltend, während seines Aufenthaltes im Kinderheim eines Klosters zwischen 1962 und 1972 Opfer von erniedrigender Behandlung geworden zu sein. Die Behörden hätten die Vorwürfe nie aufgeklärt und er habe wegen der innerstaatlichen Verjährungsfristen keinen Zugang zur Justiz gehabt. Der Gerichtshof prüfte die Vorbringen des Beschwerdeführers lediglich unter dem Gesichtspunkt von Artikel 3 EMRK. Er stellte in materieller Hinsicht fest, dass die vorgeworfenen Misshandlungen vor Inkrafttreten der EMRK für die Schweiz erfolgt sind und die Rügen daher mit den Bestimmungen der Konvention unvereinbar ratione temporis sind. In verfahrensrechtlicher Hinsicht warf der Gerichtshof auf, dass der Beschwerdeführer seine Strafanzeige 40 Jahre nach dem Ende der angeblichen erniedrigenden oder unmenschlichen Behandlungen einreichte. Dies sei eine sehr lange Zeitspanne und die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe erst seit 2011 Kenntnis des Grundes für seine psychologischen und sozialen Probleme, überzeuge nicht. Da der Beschwerdeführer den Zusammenhang zwischen den erlittenen Handlungen in seiner Kindheit und seinem psychischen Zustand 1992, oder spätestens 2011, gekannt habe , hätte ihm bewusst sein müssen, dass Strafanzeige aufgrund der damals schon eingetretenen Verjährung keinen Erfolg haben würde. Zudem konnte der Beschwerdeführer keine besonderen Umstände geltend machen, welche die verspätete Einleitung rechtlicher Schritte rechtfertigten. Laut dem Gerichtshof gilt die Begründung für die Verjährung der strafrechtlichen Schritte mutatis mutandis auch für die Verjährung der zivilrechtlichen Ansprüche.

      Unzulässig (einstimmig)

      Wie geschrieben, es ist m.W.n. noch nicht FINAL.
      Ich gehe mal davon aus, dass Herr Nowak rechtzeitig innerhalb des 6-Monatszeitraum widersprochen hat und wir erst in ein paar Jahren die finale Entscheidung der Großen Kammer lesen werden.


      Müde Grüße
      Meinst du denn, die Final-Entscheidung wird soviel anders aussehen? Die sind doch nicht doof. Wenn der erste vor dem EMRK gewinnen würde; die Staaten Europas und Teile Amerikas könnten sich doch warm anziehen.

      Und dann noch die Kirchen. Warum auch immer, viele Menschen haben wohl größere Angst vor einer imaginären Kraft, die in ihrer Rachsucht über sie herfallen könnte. (hier fehlt immer noch ein Smiley, der zwei Pistolen kaputt macht...)
      Tapferkeit ist das Vermögen und der überlegte Vorsatz,
      einen starken aber ungerechten Gegner Widerstand zu leisten.
      (Immanuel Kant)

      Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewusste gestaltet es.
      (Immanuel Kant)

      kliv schrieb:

      Meinst du denn, die Final-Entscheidung wird soviel anders aussehen? Die sind doch nicht doof. Wenn der erste vor dem EMRK gewinnen würde; die Staaten Europas und Teile Amerikas könnten sich doch warm anziehen.

      Und dann noch die Kirchen. Warum auch immer, viele Menschen haben wohl größere Angst vor einer imaginären Kraft, die in ihrer Rachsucht über sie herfallen könnte. (hier fehlt immer noch ein Smiley, der zwei Pistolen kaputt macht...)


      Weisst du, ich bin da "relativ" entspannt - was die rechtsgeschichtliche Entwicklung angeht.

      Auf der einen Seite sind da deutlich sichtbar die Verbrecher der Vergangenheit, die ihre Taten gerne verborgen und ungesühnt haben wollen und zusätzlich diejenigen, die für sie öffentlich gegen eine wohlwollende Aufklärung eintreten. Natürlich haben diese Angst, dass durch die Aufarbeitung nicht nur Unrecht auf teure Art und Weise wieder ausgeglichen werden muss, von Vermögen, das die Täter bildlich gesprochen längst "versoffen" haben, was einem vollen Ausgleich entgegensteht. Viel mehr Angst haben diejenigen stattdessen vor ihren eigenen Dämonen der Vergangenheit - nur zum Beispiel vor dem Reinfall auf ihre Hybris den "neuen/gläubigen/guten/evolutionär-höherwertigen Menschen" mit teuflichen Methoden schaffen zu können.

      Auf der anderen Seite steht das rationale Recht. Es ist ein Kern des menschlichen Wesens, an gerechte Regeln zu glauben und das setzt sich als ein Wesens-Kern bei jeder Gesellschaft fort. Es könnte sein, dass es ein angeborenes mentales "Gleichgewicht des Schreckens" ist, das meistens funktioniert und das die Hintermänner hinter den Tätern erst einmal bei diesen mit viel Druck, Gewöhnung und perfider List aushebeln mussten. Als Ergebnis haben schlaue Leute aus diesem Wesens-Kern peu-a-peu die bisherigen Menschenrechte herauskristallisiert --- und sie nicht einfach erfunden. Die Menschenrechte sind eigentlich monolithisch und strahlen mit einer "man-hätte-wissen-können"-Verantwortung auch auf die Handlungen in der Vergangenheit aus. Das ist in verschiedenen gerechterweise rückwirkenden Menschenrechts-Urteilen bestätigt worden. Wie sonst sollte ein geistig gesunder Täter/Menschengruppe denn in der Vergangenheit überhaupt nicht diesen abschreckenden Wesenskern besessen haben und trotzdem heutzutage zu denjenigen zählen, aus dessen Wesenseigenschaften man die Menschenrechte herauskristallisiert hat. Das wäre sehr unlogisch.


      Ich gehe simpel davon aus, dass je mehr ehemalige Opfer (welcher Tat auch immer) den Mut finden, auf gesittete Art und Weise über die demokratischen Institutionen - Gerichte, Parlamente und Presse - von ihrem Leid zu erzählen, umso mehr sichbar wird, dass ihre Fälle doch unter die rückwirkende Verantwortung der Menschenrechte fallen. Zugegebenermaßen kann es noch eine Weile dauern, bis alles auf'm Tisch ist.


      Bin total gespannt auf eine plausible Gegenrede.
      :)

      LG