Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

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      Dann all die schrecklichen Heime, angefangen vom Bethanien Kinderdorf über Hermann Josef Haus Urft , Nonnenkloster Neukirchen Flynn u.s.w. Alles dieser Missbrauch und diese Demütigungen Schläge usw. Ich werde nie ein normales Leben führen können. Und all das geschah uns Kindern unter dem Deckmantel der guten Kirche. Das ich nicht lache. Das kann keine Entschädigung der Welt wieder gutmachen aber es wäre mal eine angebracht.
      Gestern wurde zu 2 Terminen die Doku "Vergessene Seelen" auf Tagesschau24 gezeigt - nur was hat sich bisdat wirklich getan in Sachen Entschädigung oder irgendeine andere Lösung für die Opfer.

      Schon beschämend, was da vor sich ging und wie die LR heute versucht, sich von der Schuld frei zu sprechen.

      So wirds wohl auch mit anderen Einrichtungen geschehen und wer ist wieder ganz fein raus? Natürlich die Pharma-Industrie. X(
      Sich selbst zu überraschen ist, was das Leben lebenswert macht. Oskar Wilde

      Neu

      "Die Opferrenten, Ausgleichsrente und Berufsschadensausgleich wird über die jeweils zuständigen Bundesländer getragen." Off Topic


      Die Pharma war bereit zu verhandeln und ggf sich auch an Hilfeleistungen zu beteiligen.
      Die Entscheider der Stiftung haben und werden sie nicht mit zur Kasse bitten.

      Das kann man doch schon daran erkennen wie ungeprüft, sang und klanglos das Thema in die Stiftung einfloss.

      Politiker stehen im Rampenlicht, der Ndr erhält Auszeichnungen, und die Betroffenen?
      :mumie: Auf dieser Welt erreichst Du nicht das was Du willst; Du erreichst nur das was Du musst. R. B.

      Gefährlich sind Weltanschauungen von Menschen die die Welt nicht angeschaut haben.

      Neu

      Ralf B. schrieb:

      , ... und die Betroffenen?

      Klagen Klagen Klagen!!!
      Bis die Schwarte kracht.
      Was denn sonst?

      Illegale Medizintests sind ein ein unverjährbares Verbrechen gegen die Menschlichkeit - genau wie Folter, illegale Zwangsarbeit/Sklaverei, Kindesentführung und Mord.

      Neues vom NDR >>
      ndr.de/nachrichten/niedersachs…ikamentenversuche150.html

      Heimkinder als Versuchskaninchen missbraucht
      von Holger Bock und Marie-Caroline Chlebosch

      Das Ausmaß von Arzneimittelversuchen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Niedersachsen ist deutlich größer als bisher angenommen. Nach Recherchen von NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen haben Ärzte in den 1970er-Jahren in der Kinder-Jugendpsychiatrie in Wunstorf (Region Hannover) wohl nicht nur Arzneimittel, sondern auch fragwürdige Untersuchungsmethoden an Kindern getestet. Pillen und Säfte für Kinder, nur damit Ärzte Therapien und Nebenwirkungen erforschen können? Bis Mitte der 1970er-Jahre war das Praxis in Wunstorf, sagt die Pharmakologin Sylvia Wagner aus Krefeld. Mindestens 286 Kinder waren den Recherchen zufolge von Versuchen mit Schlafmitteln und Psychopharmaka betroffen. Das geht aus einer Dissertation hervor, deren Ergebnisse Wagner Ende 2016 veröffentlichte.

      Tests ohne Einwilligung

      Doch nach NDR Recherchen wurde darüber hinaus wohl auch eine Untersuchungsmethode an Kindern getestet, deren Anwendung medizinisch fragwürdig war. Darum geht der Medizinhistoriker Heiko Stoff von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) davon aus, dass es sich dabei um Medizinversuche gehandelt haben muss. Die Versuche und Untersuchungen sind offenbar auch ohne die dafür nötige Zustimmung der jeweiligen Erziehungsberechtigten erfolgt. Auch eine Aufklärung über Risiken der Versuche und Behandlungen fand offenbar nicht statt. Es seien keine Belege dafür gefunden worden, dass die Kinder oder ihre Eltern den Versuchen zugestimmt hätten oder über die Risiken aufgeklärt worden seien, sagt Wissenschaftlerin Wagner.

      Sinn von Rückenpunktion bei Kindern nicht erkennbar

      Konkret geht es um die sogenannte Pneumoenzephalografie, eine Lumbalpunktion im Lendenwirbelbereich, bei der Hirnwasser entzogen und Luft eingeführt wird. Anschließend wird der Kopf des Patienten geröntgt. Für die Betroffenen ist die Punktion mit tagelangen Kopfschmerzen und Erbrechen verbunden, wie Betroffene NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichtet haben. Ursprünglich wollten Mediziner mit dieser Methode Behinderungen und Nervenkrankheiten auf Röntgenaufnahmen sichtbar machen. Mitte der 1970er-Jahre gehörte die Methode allerdings schon nicht mehr zur Standarduntersuchung in der Psychiatrie, sagt beispielsweise Gergely Klinda in ihrer Dissertation zur Geschichte der Pneumoenzephalografie - auch, weil die Untersuchung extrem schmerzhaft und immer auch mit einem Infektionsrisiko verbunden gewesen sei, wurde sie demnach Anfang der 1970er-Jahre durch die Computertomografie abgelöst.

      Verdacht der klinischen Forschungen ohne Zustimmung

      Warum die Mediziner in Wunstorf trotzdem an dieser Methode festgehalten haben, ist unklar. Klar ist nur, dass einigen später in der Klinik tätigen Ärzten, die nicht genannt werden wollen, die ungewöhnliche Häufung der Pneumoenzephalografien aufgefallen ist. Vor allem, weil in den Krankenakten keine Gründe für die Untersuchungen vermerkt gewesen sei, sagen sie. Diese anscheinend grundlosen Untersuchungen legen den Verdacht nahe, dass es sich dabei um klinische Forschungen gehandelt haben könnte, vermutet Medizinhistoriker Stoff. Welches Erkenntnisinteresse die Ärzte damals noch an den Röntgenbildern gehabt haben könnten, ist unklar.

      Sozialministerium vergibt Forschungsauftrag

      Träger der Wunstorfer Klinik war in den 1970er-Jahren das Land Niedersachsen. Auch deshalb hat das Sozialministerium nach NDR Informationen Mitte vergangenen Jahres einen Forschungsauftrag an das Institut für Medizingeschichte der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart vergeben. Das Ziel: die wissenschaftliche Aufarbeitung der Arzneimittelversuche in Niedersachsen. Den Informationen zufolge hat der Auftrag ein Volumen von rund 150.000 Euro. Mitte des Jahres sollen die Wissenschaftler erste Ergebnisse vorstellen, voraussichtlich Ende des Jahres soll dann der Abschlussbericht vorliegen, heißt es aus dem Sozialministerium auf NDR Anfrage.

      "Konnte über Wochen Bett nicht verlassen"

      Die Betroffenen von damals fordern nun Klarheit über das, was damals geschah. Jahrzehntelang wurden ihre Geschichten über die Medikamente und die Untersuchungen nicht geglaubt. Die damals 16-jährige Marion Greenaway musste sich der "Enze", wie die Kinder die Pneumoenzaphalografie nannten, gleich mehrfach unterziehen. "Warum, wurde mir nie gesagt, ich war vorher nie wirklich ernsthaft krank", erzählt sie. Aber nach der "Enze" habe sie vor Schmerzen wochenlang das Bett nicht verlassen können. Die Untersuchungsmethode findet auch Erwähnung in einem historischen Band über das Landeskrankenhaus Wunstorf: Für eingewiesene Jugendliche sei anfangs ein mehrwöchiger Aufenthalt vorgesehen gewesen, heißt es dort. "Während der Beobachtungszeit fand eine gezielte Untersuchung der jungen Patienten statt, um herauszufinden, welche Ursachen die psychischen Störungen hatten. Dazu mussten einige Jugendliche zur sogenannten Enze, der Entnahme von Hirnflüssigkeit, mit einem speziellen Gefährt in den Bereich des Landeskrankenhauses gebracht werden." Das Landeskrankenhaus ist selbst Herausgeber des Buches. Heute kann sich Marion Greenaway in ihrer Wohnung nur noch mit dem Rollator bewegen, macht nur die nötigsten Besorgungen und hat ständig Schmerzen.

      "Wir sollten bei der Untersuchung sitzen und mussten von drei Leuten gestützt werden, um nicht umzufallen", erinnert sich auch Dagmar Kräker-Cooper. Sie war 1973 vom hannoverschen Kinderheim Birkenhof aus in die Kinder- und Jugendpsychiatrie nach Wunstorf geschickt worden

      MHH-Historiker: Kinder nur als Objekte wahrgenommen

      Sowohl die Versuche mit den Arzneimitteln als auch die Tests mit der fragwürdigen Untersuchungsmethode habe eines gemein, sagt Medizinhistoriker Stoff: "Die Kinder sind nicht mehr als Menschen mit einer eigenständigen Geschichte wahrgenommen worden, sondern nur noch als Objekte, an denen etwas bewiesen werden kann". Für die Ärzte konnten die Versuche zudem sehr produktiv sein - und zwar für die eigene Reputation und Karriere, so der Historiker.

      Für Ärzte und Arzneimittelhersteller galten und gelten unterschiedliche Rechtssysteme: Im Jahr 1976 verabschiedeten Bundestag und Bundesrat nach dem Contergan-Skandal strengere Regeln und ein Zulassungsverfahren für neue Medikamente. Das Gesetz trat 1978 in Kraft. Für die Ärzte aber gab es schon weit vorher andere Regeln, beschreibt der Historiker die damalige Rechtslage. Und die regelte die Gabe von Medikamenten genauso wie ärztliche Untersuchungen. "Ärztliche Eingriffe ohne Zustimmung und Aufklärung der Patienten erfüllten auch damals schon den Tatbestand der Körperverletzung", so Stoff. Andere Historiker wie Prof. Volker Roelcke von der Universität Gießen sehen das genauso.

      Die Praxis der Ärzte sei auch deshalb so verwerflich gewesen, sagt Stoff, weil sich Mediziner an Kindern in Heimen und Psychiatrien vergriffen hätten, die aufgrund ihres Alters und ihrer Unterbringung die Tragweite der Arzneimittelversuche und Untersuchungen gar nicht einzuschätzen gewusst hätten. Wegen der Gehorsamsstrukturen in den Heimen seien die Kinder dort nicht in der Position gewesen, frei urteilen oder sich gar widersetzen zu können.

      Netzwerk zwischen Ärzten und Pharmaunternehmen?

      Und die Täter waren sich offenbar sicher: Zu einer Anklage wegen einer Körperverletzung wird es nicht kommen. Stoff spricht sogar von einem Netzwerk zwischen Ärzten und Pharmaunternehmen. Die Mediziner fühlten sich offenbar so sicher, dass sie zumindest in Fachzeitschriften die Ergebnisse ihrer Menschenversuche ohne Scham veröffentlicht haben. Innerhalb der Ärzteschaft haben die Menschenversuche nur vereinzelt zu Kritik geführt. So veröffentlichte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" 1966 eine Studie, in der der junge Asmus Finzen feststellte, dass ein Großteil der Chirurgen die Patienten über die Risiken der Eingriffe nicht aufgeklärt hatte. Finzen hat später brachte als ärztlicher Direktor auch in Wunstorf die Reformen in der bundesdeutschen Psychiatrie auf den Weg - weg von der Anstalt, hin zur Klinik ohne Mauern.

      Mutwillige Körperverletzung mit tage- und wochenlangen Schmerzen sind Folter - da soll mal irgendein Jurist das Gegenteil behaupten.

      Was gibt es da noch zu überlegen?
      Wenn man noch nen Präzedenzfall sucht, einfach in die Akten der NS-Kriegsverbrecherprozesse reinschauen. Da gibt es mit Sicherheit "Ärzte", die gehängt wurden, weil sie am Menschen experimentiert haben.

      Ganz doll den >einen< symbolisch in die Arme nehme und knuddel !

      Neu

      Vergessene Seelen - Wie Kinder
      zu Versuchsobjekten wurden


      Eine Multimediadokumentation über
      Medikamentenversuche an Heimkindern
      Von Julia Schuhmacher, Eike Lüthje und Christian Schepsmeier


      Patienten wurden im ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig für
      Medikamententests zu Versuchsobjekten.
      NDR Recherchen zeigen
      Verbindungen zwischen Ärzten und Pharmakonzernen.

      (12.11.2017)


      Quelle: ndr.de/nachrichten/schleswig-h…26.html#page=0&anim=slide


      Ganz doll den >einen< symbolisch in die Arme nehme und knuddel !
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      Für die Jugend: - EHRET DAS ALTER, DENN ES IST EURE ZUKUNFT
      Für die Alten: - ACHTET DIE JUGEND, DENN ES WAR EURE VERGANGENHEIT

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      Neu

      Neue sehr wichtige Hintergrundinfos vom NDR
      (Soll mal einer sagen, dass die Rundfunkgebühren per Se nicht gerechtfertigt sind.)

      ndr.de/nachrichten/niedersachs…ikamentenversuche154.html
      (um weitere Informationen aus der Braunschweiger Zeitung ergänzt; braunschweiger-zeitung.de/nied…dern-ins-Ministerium.html)

      Medizintests an Kindern: Hat Ministerium versagt?
      von Holger Bock und Marie-Caroline Chlebosch

      Die NDR Recherchen zu den umstrittenen medizinischen Tests an Kindern in den 1970er-Jahren in Niedersachsen haben auch eine mögliche Verwicklung des Sozialministeriums ergeben. So ist einer der beteiligten Ärzte nach seiner Zeit in der Jugendpsychiatrie in die Behörde gewechselt, die für die Aufsicht über die Psychiatrien zuständig war. Wie berichtet, sind nach NDR Informationen an mindestens 286 Kindern unter anderem in der Einrichtung in Wunstorf (Region Hannover) nicht nur Arzneimittel getestet worden, Ärzte sollen sogar jahrelang Wirksamkeit und Folgen einer bestimmten Untersuchungsmethode ausprobiert haben - ohne Erlaubnis und Aufklärung der Eltern. Medizinhistoriker wie Heiko Stoff von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) bezeichnen das als Verstoß gegen damaliges Recht und gegen ärztliche Standesregeln.

      Verwicklungen ins niedersächsische Sozialministerium

      Jener Arzt[inzwischen verstorbene Psychiater Hans Heinze junior; Vater: Hans Heinzes senior, Kinder- und Erwachseneneuthanasie, nach dem Krieg Leiter der Jugendpsychiatrie in Wunstorf], der in Niedersachsen für die meisten bisher bekannten Arzneimittelversuche in dieser Sache verantwortlich ist, war demnach nach seiner aktiven Zeit in der Medizin 15 Jahre lang Psychiatriereferent im Sozialministerium in Hannover. Der Mediziner war damit quasi der Vorgesetzte für die damaligen Landeskrankenhäuser, in deren Kinder- und Jugendpsychiatrien die Tests durchgeführt worden sind. Innerhalb des Kliniksystems wurde der Arzt den Recherchen zufolge zunächst Oberarzt in der Einrichtung in Wunstorf und wechselte dann nach acht Jahren 1969 in Landessozialamt. Damit war seine Verwaltungs- und Aufsichtskarriere aber noch nicht beendet. Denn nach NDR Informationen stieg der Mann weiter auf - direkt ins niedersächsische Sozialministerium, wo er 15 Jahre lang - bis 1989 - als Obermedizinalrat für die Aufsicht über die Landeskrankenhäuser zuständig war. Damit hatte er direkten Zugriff auch auf das Landeskrankenhaus Wunstorf. Diese zeitlichen Daten bestätigt das Sozialministerium auf NDR Anfrage.

      Ministerial-Arzt veröffentlicht selbst fragwürdige Studie

      Wie berichtet, gibt es Ende 2016 die ersten Hinweise auf Arzneimittelversuche in Wunstorf. Die Krefelder Pharmakologin Sylvia Wagner hat entsprechende Hinweise veröffentlicht. Erst aus diesen Forschungen ergibt sich, dass der Wunstorfer Arzt maßgeblich an den Versuchen beteiligt war. Hat er im Ministerium die Arzneimittelversuche in Wunstorf gedeckt oder sogar vorangetrieben? Und wer wusste im Ministerium noch von diesen Versuchen? Zudem ist offen, warum der Ministerial-Mediziner noch 1978 eine Studie veröffentlichen konnte, in der er die Langzeitwirkung von Psychopharmaka bei Kindern eines Heimes in Rehburg-Loccum beschreibt? Damals war der Mediziner bereits seit vier Jahren als Medizinalrat im Ministerium tätig.

      "Jahrzehntelanges Versagen"

      Der eigentliche Skandal ist aber nicht das Versagen einzelner Ärzte, sagt der Geschichtswissenschaftler Heiko Stoff von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Der Skandal sei, dass den Hinweisen der Betroffenen auch Jahre später niemand mehr nachgegangen sei. Nachfolgende Ärzte und Klinikleitungen nicht, die Heimaufsicht nicht, aber auch nicht die Staatsanwaltschaften. So kann heute nicht mehr geklärt werden, was aus einem Ermittlungsverfahren gegen eine Wunstorfer Chefärztin geworden ist, Aktenzeichen: 12 JS 577/78. Die Unterlagen seien längst vernichtet worden, sagt die heutige Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Kathrin Söfker. Fest steht nur: Die Ermittlungen haben nicht dazu geführt, dass die Chefärztin von ihrem Posten entfernt wurde.

      Sozialministerium hinterfragt eigene Rolle

      In den 1970er-Jahren gehörte das damalige Landeskrankenhaus zum Land Niedersachsen. Das Sozialministerium hat nach NDR Informationen bereits im Sommer vergangenen Jahres ein Institut beauftragt, auch die eigene Rolle der Arzneimittelversuche in Wunstorf aufzuarbeiten. Solange die Ergebnisse dieser Aufarbeitung nicht vorliegen, wolle man die Hinweise auch nicht bewerten, sagt die Abteilungsleiterin Gesundheit Claudia Schröder. In der Beschreibung des Projektes heißt es auf der Homepage des Instituts für die Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart: "Dass solche Arzneimittelstudien und Impfversuche auch in Niedersachsen durchgeführt wurden, steht außer Frage. Unbekannt sind aber der Umfang, die Planung (Initiatoren), die konkrete Durchführung und die Folgen dieser Versuche."

      Zeitzeugen und Betroffene zunächst außen vor

      Die Stuttgarter Wissenschaftlerinnen sollen demnach auch die Frage klären, "inwieweit das Ministerium Kenntnis von den Versuchen hatte bzw. darin involviert war." Mitte des Jahres sollen erste Ergebnisse vorliegen, Ende des Jahres dann der Abschlussbericht, so der Plan, den das Sozialministerium in Hannover auf Anfrage bestätigt. Nach NDR Informationen wollen die beiden Wissenschaftlerinnen allerdings keine Betroffenen befragen oder noch lebende Zeitzeugen hören. Derzeit sei eine Archivrecherche bei den Pharmaunternehmen geplant, zudem sollen Bewohner- und Krankenakten ausgewertet werden, bestätigt Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach im Gespräch mit dem NDR. Nicht ausgeschlossen, dass das Ministerium später dann weitere Untersuchungen in Auftrag gibt, in denen dann auch Betroffene befragt werden. Auch das Sozialministerium sieht die Zeitzeugenbefragungen erst als zweiten Schritt.

      Betroffene: "Mein Leben ist verpfuscht"

      Juristisch sind alle möglichen Straftatbestände wohl verjährt[ist auch ne Meinung]. Darum gehen den Betroffenen diese ersten Schritte nicht weit genug. "Mein Leben ist verpfuscht, viele von uns sind drogenkrank oder haben sich umgebracht", sagt Marion Greenaway wütend. Sie kam als 16-Jährige nach Wunstorf, musste sich den schmerzvollen Untersuchungen und wahrscheinlich auch den Arzneimitteltests unterziehen. Die heutigen Chefs in den Kliniken und Behörden müssten ihre Schicksale endlich als Unrecht anerkennen. Ähnlich wie ehemalige Heimkinder sollten auch die Opfer der Arzneimittelversuche eine Entschädigung erhalten, fordern Betroffene. Schließlich habe der Staat die Inobhutnahme angeordnet, zudem seien viele der umstrittenen Arzneimittelversuche in Psychiatrien und Heimen der Länder und christlichen Kirchen geschehen.

      Historiker: Pharmakonzerne sollten Archive öffnen

      Diesen Forderungen schließt sich auch der MHH-Historiker Stoff an. Doch auch die Pharmakonzerne, die von den Tests und Versuchen profitiert haben sollen, sollten zumindest ihre Archive öffnen. Nur so könne beurteilt werden, ob Ärzte oder Konzerne die Triebfeder der illegalen Arzneimitteltests bis in die 1970er-Jahre hinein waren.