Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

      Martini schrieb:

      Der Bericht kommt zu der Bewertung: „Aufgrund der nahezu inhaltsgleichen und übereinstimmenden Schilderungen ist davon auszugehen, dass die Vorwürfe auch zutreffen. Viele Vorwürfe und Anschuldigungen beziehen sich unspezifisch auf ‚Pflegerinnen und Pfleger bzw. Nonnen‘, teilweise werden aber auch Personen namentlich benannt“ ( lwl.org/bi-lwl/vo020.asp?VOLFDNR=5748&options=4 [ Vorlage - 13/1374 vom 26.06.2013 ] ).

      Das ist ein ganz wichtiger Abschnitt !!!


      Martini schrieb:

      6.1.2 Erfahrung von Leid und Unrecht durch Einsatz von Psychopharmaka bei unzureichender Indikationsstellung, ohne adäquate Aufklärung und Zustimmung ("informed consent") sowie unter Inkaufnahme unerwünschter Nebenwirkungen

      Die Deklaration von Helsinki (1964) übernahm den "informed consent" als „unumgehbare Voraussetzung aller Anwendung der Medizin“ des Nürnberger Codex. Hintergrund der Forderung der „informierten Zustimmung“ des Patienten zu Maßnahmen in der Medizin waren die Erkenntnisse des Nürnberger Ärzteprozesses zu medizinischen Experimenten an Menschen. "Informed consent" meint die „freiwillige, informierte, persönliche Einwilligung des Patienten nach bestmöglicher Aufklärung“. Francois führt im Hinblick auf Kinder und Jugendliche und Menschen mit geistiger Behinderung aus: „Grundvoraussetzung für den informed consent ist die Einwilligungsfähigkeit des Patienten. Einwilligungsfähig ist, wer die Art,
      [ Seite 88 ]
      die Bedeutung und das Risiko der ärztlichen Maßnahme erfassen kann. […] Es kommt also neben der Schwere einer intellektuellen Beeinträchtigung auch auf Art, Bedeutung und Risiko des Eingriffs an. Es gibt also keine Einwilligungsunfähigkeit ‚an und für sich‘, denn sie muss immer von Fall zu Fall im Hinblick auf den konkreten Patienten bestimmt werden. […] Bei der Behandlung von nicht einwilligungsfähigen Patienten muss deren Einwilligung zur Verhinderung der Strafbarkeit des Behandlers ersetzt werden. Bei Kindern bzw. Minderjährigen erfolgt die Einwilligung in Wahrnehmung der elterlichen Sorge […] durch die Eltern, ausnahmsweise durch den Vormund“ (Francois, 2011, S. 53).


      Tja, das und die Gesetzeslage seit dem Kaiserreich sind dann wohl zusammen eindeutig.
      Dann stelle ich mal meine These zur Diskusion:

      Eine Medikamentenvergabe stellt immer eine Körperverletzung dar. Nach geltenden und damaligen Gesetzen also strafbar.
      Kinder, Jugendliche, Alte und psychisch Kranken gelten vor dem Gesetz als nicht einwilligungsfähig. Also tabu!
      Ein Vormund, Familienpfleger usw kann nur einer medizinisch notwendigen Indikation zustimmen.
      Dagegen darf er bei Testreihen, Studien,sedierungen, medikationen ohne Nutzen für den Patienten nicht zustimmen. Hier würde er strafbare Handlungen unterstützen, sogar erlauben.
      Hier macht er sich nun selbst strafbar. Er trägt Sorge für das Wohlergehen seiner Mündel und würde dagegen verstoßen.
      :mumie:

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „Ralf B.“ ()

      Ralf B. schrieb:

      Eine Medikamentenvergabe stellt immer eine Körperverletzung dar. Nach geltenden und damaligen Gesetzen also strafbar.

      Ja immer, es sei denn der mündige Patient - oder sein gesetzlicher mündiger Vertreter - sind im Vorwege ausreichend über die Vergabe informiert worden.

      Die Beweislast der Vorabaufklärung drüfte bei Arzt/Einrichtung liegen.
      Sehr geehrter Herr .......,

      vielen Dank für Ihre E-Mail vom 2. März 2017.

      Die Stiftung Anerkennung und Hilfe
      hat zum Ziel, Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in der Zeit von 1949 bis
      1975 in der Bundesrepublik Deutschland bzw. von 1949 bis 1990 in der DDR in
      stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären
      psychiatrischen Einrichtungen Leid und Unrecht erfahren haben, bei der
      Bewältigung heute noch bestehender Folgewirkungen zu unterstützen. Mit der
      Beteiligung am Hilfesystem kommen Bund, Länder und Kirchen ihrer Aufgabe nach,
      in der Vergangenheit erlebtes Leid und Unrecht transparent zu machen und ihren
      Beitrag zur Bewältigung und Aufarbeitung zu leisten. Die Stiftung sieht neben
      einer individuellen Anerkennung des Erlebten durch persönliche Gespräche mit den
      Betroffenen und einer öffentlichen Anerkennung auch eine wissenschaftliche
      Aufarbeitung der seinerzeitigen Geschehnisse vor. Ferner sollen Betroffene, die
      heute noch unter Folgewirkungen leiden, eine einmalige pauschale Geldleistung
      von 9.000 Euro zur selbstbestimmten Verwendung erhalten. Darüber hinaus wird
      eine einmalige Rentenersatzleistung von bis zu 5.000 Euro gezahlt, sofern sie
      dem Grunde nach sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, ohne dass dafür
      Sozialversicherungsbeiträge abgeführt wurden.

      Die Stiftung ist selbstlos tätig und verfolgt keine
      eigenwirtschaftlichen Zwecke. Zur Erfüllung der Stiftungsziele und -zwecke haben
      die Errichter Bund, Länder und Kirchen die Stiftung mit ca. 288 Mio. Euro
      ausgestattet. Ca. 244 Mio. Euro betreffen den Bereich der
      Unterstützungsleistungen, die als Geldleistungen direkt an die Betroffenen
      ausgezahlt werden. Rund 27,7 Mio. Euro werden für die satzungsmäßigen Zwecke der
      Beratung der Betroffenen, der Vermittlung von Leistungen und der individuellen
      Anerkennung des erlittenen Leids und Unrechts durch persönliche Gespräche
      verwendet. Die Ausgaben für die Prüfung der Schlüssigkeit und für die Auszahlung
      der Leistungen durch die Geschäftsstelle (Verwaltungskosten) werden mit ca. 13,5
      Mio. Euro veranschlagt. Etwa 1,3 Mio. Euro sollen in die wissenschaftliche
      Aufarbeitung und die öffentliche Anerkennung fließen. Ferner sind annähernd 1,5
      Mio. Euro für sonstige Aufwendungen wie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit und
      Veranstaltungen vorgesehen.

      Sollte
      sich während der Laufzeit der Stiftung herausstellen, dass das Stiftungsvermögen
      nicht ausreicht, sind die Errichter verpflichtet, in Verhandlungen zu treten, um
      das Stiftungsvermögen anzupassen.

      Ich hoffe, Ihnen damit Ihre Informationsanfrage beantwortet zu
      haben.

      Mit freundlichen
      Grüßen
      Im Auftrag

      Die Antwort auf meine Anfrage an das zuständige Referat SER3 der Bmas.
      :mumie:

      Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

      .
      Hier, in beiden der folgenden zwei Artikel, handelt es sich möglicherweise um Arzneimittelmissbrauch und, u.a., um das Arzneimittel "Pipamperon" !!

      Die derzeitige Boardnutzerin »
      Mandolinchen« im HEIMKINDER-FORUM.DE zitierte am 15.06.2013 aus der TAZ vom 15.06.2013 @ http://heimkinder-forum.de/v4x/index.php/Thread/7114-Pressetips-zum-Thema-Heimkinder/?postID=387639&highlight=Pipamperon#post387639 wie folgt:


      .
      Kinderheim in Brandenburg

      [ 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013 ]

      Der Horror am Waldrand

      Der Staat schickt Kinder und Jugendliche in Heime der Haasenburg GmbH, in denen brutaler Drill herrscht. Die Behörden wissen von den Missständen.

      [ ……… ]

      Auch in einem Dokument aus dem Jahr 2010 steht: „Klemme während einer Maßnahme werden oft nicht richtig angezogen“.

      In den Steckbriefen, die die Haasenburg GmbH für jeden Jugendlichen anfertigt, gibt es auch stets die Rubrik „Medikation“: Bei einem großen Teil der Jugendlichen sind dort Psychopharmaka und Neuroleptika notiert. Ein Auszug: Olanzipin, Mitrazapin, Risperidon, Neurocil, Medikinet, Seroquel, Zyprexa, Topamax, Taxilan, Dipiperon, Pipamperon, Truxal.


      Gefährliche Medikamente

      Die verabreichten Medikamente haben nach Auskunft eines Psychologen erhebliche Nebenwirkung und gefährden gerade die Entwicklungsphase, in der sich Kinder und Jugendliche befinden, irreversible.


      Zudem müsste der Arzt für die Vergabe erhebliche psychische Erkrankungen diagnostiziert haben. Dann aber müssten die Kinder in einer Psychiatrie untergebracht sein. Dabei besteht der PR-Berater der Haasenburg GmbH darauf: „Keineswegs ist die Haasenburg eine psychiatrische Einrichtung“.

      Die Firma arbeitet seit Jahren mit einem niedergelassenen Jugendpsychiater zusammen. Für den dürfte das einträglich sein. Hanna wird oft traktiert, weil sie sich weigert, Psychopharmaka zu schlucken. Im Februar 2009 heißt es in einem Protokoll:„Hanna wird festgehalten, da sie Medikation nicht von allein nimmt, bekommt oral Medikation per Spritze von Erzieher verabreicht.“ Auch an diesem Abend dauert die Prozedur bis um 1.05 Uhr.

      [ ……… ]

      [
      QUELLE: TAZ @ taz.de/!5065310/ ]

      .


      Pipamperon wird auch als Dipiperon oder Floropipamid bezeichnet.“ QUELLE: http://symptomat.de/Pipamperon


      RP-ONLINERheinische Post

      QUELLE: http://www.rp-online.de/nrw/panorama/medikamententests-an-heimkindern-aufarbeitung-beginnt-aid-1.6595080


      .
      9. Februar 2017 | 13.45 Uhr

      Vorfälle im Rheinland

      [ ... 1945-1975 ... ]

      Medikamententests an Heimkindern - Aufarbeitung beginnt

      Köln. Jahrelang sollen Medikamententests an wehrlosen Heimkindern im Rheinland durchgeführt worden sein - jetzt beginnt die Aufarbeitung der Vorgänge. Der kommunale Landschaftsverband Rheinland lässt die Taten in seiner Kinder- und Jugendpsychiatrie Viersen beispielhaft untersuchen.

      Aufgearbeitet wird nach Angaben des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR)
      der Umgang mit Medikamenten in der Zeit 1945 bis 1975. In der Klinik gebe es noch umfangreiche Aktenbestände aus der Zeit.

      Der LVR reagiert damit auf erste Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu bundesweit 50 Versuchsreihen mit Medikamenten an Heimkindern.
      In NRW sollen in mindestens fünf Einrichtungen Arzneimittel an Kindern und Jugendlichen getestet worden sein.

      Demnach sollen in Viersen Kinder und Jugendliche das Psychopharmakon Pipamperon bekommen haben. Der LVR wolle die Fakten wissen, egal ob die Kinder regelmäßig mit Psychopharmaka ruhiggestellt worden seien oder ob Pharmakonzerne mit Unterstützung von LVR-Einrichtungen Testreihen durchgeführt hätten, stellte der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, Jürgen Wilhelm, in einer Mitteilung fest. Die Untersuchung ist nach LVR-Angaben Teil der Serie von Studien zur Verbandsgeschichte.

      ( rls [ =
      … niemand weiß was in diesem Fall diese drei Buchstaben am Ende dieses Berichts bedeuten … ] / lnw [ = das Land Nordrhein-Westfalen ] )

      .

      .
      ––––––––––––––––––––
      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      Ich verstehe Deine Wut. Mir ist es mögliocherweise auch passiert, ohne dass ich das heute genau belegen kann. In Berthel wurden solche Versuche von recht gewissenlosen Anstaltsärzten gemacht.
      Nur überlege mal ganz nüchtern: Der Pharma-Konzern Merck hat davon profitiert, denn der hat nachweislich einer einschlägigen Studie die betreffenden Ärzte beauftragt und diese dafür bezahlt.
      Soll man also die Ärzte "hängen", und der Merck kommt ungeschoren davon?!

      Kielersprotte67 schrieb:

      die schweine Ärzte,

      widergutmachung ist da zu schade, die gehören mit nackten arsch fixiert und mit medikamentencoktals aus Hochpotzenen neuroletika wie Hadol, andidepressiva, Bezodiadipinen Valium , so abgespritzt das sie
      sabbern und in die hose scheisen wie kleine kinder, dann sollten sie gewungen werden ohne kleckern zu essen, wenn Sie zittern oder Angt bekommen gibts dann was drauf mit den Gürtel, das sollte solange wiederholt werden bis sie begiffen haben was sie pschatrischen heimkindern angetan haben , dann gehören sie bis zum tod mit ihren eigen medikamenten ruhiggestellt , und in eine Zelle geperrt.

      Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

      .
      [ QUELLE: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamentenversuche-Nur-eine-nackte-Nummer,medikamentenversuche146.html ]

      Stand: 17.05.2017 08:00 Uhr - Lesezeit: ca. 5 Min.

      Medikamentenversuche: "Nur eine nackte Nummer"

      von Julia Schumacher, Stefan Eilts [ siehe sein Profil @ https://www.ndr.de/wellenord/wir_ueber_uns/eilts150.html ]

      Das ehemalige Landeskrankenhaus Schleswig-Hesterberg: Jahrzehntelang waren hier Heimkinder untergebracht, die psychisch krank oder geistig behindert waren - oder als schwer erziehbar galten. Zwei Kilometer weiter, auf dem Schleswiger Stadtfeld, befand sich die Anstalt für Erwachsene. In beiden Häusern haben Mediziner in der Vergangenheit, in den 50er bis 70er Jahren, neue Medikamente an ihren minderjährigen oder psychisch kranken Patienten getestet. Das haben NDR Recherchen gezeigt. Nun äußert sich erstmals einer, der damals beteiligt war. Er berichtet unter anderem von Versuchen mit Präparaten, die noch gar nicht auf dem Markt waren.

      "Die Ärzte waren Götter in Weiß"

      Der Mann ist heute über 80 und möchte anonym bleiben. Eigentlich war er gelernter Bäcker, brauchte aber in harten Zeiten nach dem Krieg ein zweites Standbein – deshalb nahm er eine Stelle als Pfleger auf dem Schleswiger Stadtfeld an. Mit Reportern von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin betritt er erstmals seit seinem Ausscheiden wieder das Gelände: "Es sind dann 40 Jahre draus geworden, aber ich muss sagen: Ich bin hier nie richtig warm geworden, weil da viele Dinge waren, die mir eigentlich zuwider waren."

      Der Mann beschreibt die Arbeit in der Klinik als ein fast militärisches System, mit klarer Hackordnung: "Die Ärzte waren die Götter in Weiß. Was die von sich gaben, das haben wir befolgt. Ohne wenn und aber. Das war einfach so. Und je niedriger der Stand war, desto weniger durftest du den Mund aufmachen." Viele Pflegekräfte seien für den Umgang mit kranken Patienten gar nicht ausgebildet gewesen. Deshalb habe das Pflegepersonal die Medikamentengaben meist kaum hinterfragt: "Wir waren ja regelrecht blind auf dem Gebiet. Das wurde verordnet, wir haben es ausgeführt. Die Patienten waren ja teilweise entmündigt. In den meisten Fällen war das damals eine Zwangsindikation."


      Auch Pfleger waren Versuchsopfer

      Einem solchen Zwang waren offenbar nicht nur Patienten ausgesetzt. Selbst das Pflegepersonal sei Teil von Versuchsreihen gewesen, berichtet der Mann – auch er selbst: "Da wurden dir Medikamente verordnet, die hast du gefuttert. Und dann wurde dir, ich meine jeden zweiten Tag, mit einer Atemmaske Sauerstoff entzogen und du musstest währenddessen Schriftproben machen. Und die wurden später ausgewertet."

      Vor allem ein Raum ist es, der ihm auf seiner Station in Erinnerung geblieben ist - ein Medikamentenzimmer, das parallel zur eigentlichen Krankenhausapotheke bestand: "Das war im Grunde ein leerer Raum. Da standen die Kartons mit den Pillen drin. Und wir haben die nach Bedarf rausgeholt und zum Teil auch an andere Stationen verteilt – ohne Nachweis, so auf die Hand." Diese Medikamente hätten keinen Aufdruck mit einem Handelsnamen gehabt: "Da stand nur eine nackte Nummer drauf. Was das für Stoffe waren, wussten wir nicht. Man hat erst mit der Zeit mitbekommen, was da mit diesen Psychopharmaka passierte, die dann bei manchen Patienten in Überdosierungen endeten, auch mit gewissen Nebenwirkungen."


      Medikamententests vor Markteinführung

      Diese Schilderungen lassen aufhorchen. Denn bislang war vor allem bekannt, dass in Schleswig Psychopharmaka getestet wurden, die bereits auf dem Markt waren. Bei ihnen wurde zum Beispiel untersucht, wie sie bei Kindern wirken. Die Schilderungen des Pflegers deuten aber auch etwas anderes an, erklärt der Gießener Medizinhistoriker Volker Roelcke: "Das heißt, die Erprobung findet in einem Stadium statt, in dem das Medikament noch nicht auf dem Markt ist. Sondern es gibt nur eine interne Bezeichnung, und das ist eben sehr oft eine Buchstaben-Zahlen-Kombination."

      Medizinische Studien aus der damaligen Zeit, die dem NDR vorliegen, deuten in dieselbe Richtung. Unter anderem wurde demnach Ende der 60er Jahre ein Wirkstoff mit der Bezeichnung "BAY-1521" in Schleswig verwendet, der nach bisherigen Erkenntnissen erst später unter dem Namen "Agedal" offiziell von Bayer auf den Markt gebracht wurde. Der Konzern erklärt, dass das Mittel erst ab 1969 offiziell vertrieben wurde. Auch der Pharmakonzern Roche bestätigt, dass eines seiner Medikamente, "Taractan", erst 1960 auf den Markt kam – nachdem in Schleswig bereits zuvor damit experimentiert worden war.


      Experte: Forschung mit leicht verletzlichen Gruppen

      Der ehemalige Schleswiger Pfleger befürchtet, dass seine damaligen Vorgesetzten für ihre Forschungsarbeit von Pharmafirmen entlohnt wurden. Auch Medizin-Historiker Roelcke hält dies für möglich. Belegen lasse sich das aber nicht. Für Roelcke sind diese Vorgänge die Fortsetzung einer längeren Entwicklung: Seit dem 19. Jahrhundert seien immer wieder "vulnerable", also leicht verletzliche Gruppen wie Heimkinder oder psychisch Kranke Teil von Forschungen gewesen.

      Dem damaligen Pfleger aus dem Landeskrankenhaus ist erst in den vergangenen Monaten so richtig klar geworden, woran er damals mitgearbeitet hat. Sein Wunsch: "Dass das aufgearbeitet wird. In der Hoffnung, dass so etwas nie wieder passiert." Das Gebäude mit dem Medikamenten-Zimmer soll demnächst abgerissen werden: "Und, tja, dann ist das damit für mich auch dann beendet."


      WEITERE INFORMATIONEN

      Medikamenten-Tests in Schleswig: Noch mehr Fälle

      Im ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig hat es mehr Medikamenten-Testreihen gegeben als bisher bekannt. Das zeigen Recherchen von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin. (23.11.2016) mehr

      Wir recherchieren in Schleswig-Holstein

      Reporter von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin recherchieren und erzählen gemeinsam Geschichten - multimedial, hintergründig und exklusiv. Hier können Sie uns kontaktieren. mehr

      Dieses Thema im Programm:

      NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.05.2017 | 12:00 Uhr

      .

      .
      ––––––––––––––––––––
      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      In Bethel, wo ich war, muss es diese Medikamententests auch in einem größeren Ausmaß gegeben haben. Sehr pikant, wenn man bedenkt, dass auch wir Jugendlichen offiziell als "Patienten" dort waren.

      Nach mir vorliegenden Informationen soll die Firma Merck diese illegalen Tests veranlasst, bezahlt und davon profitiert haben. Leider sind in meinen und anderen Fällen die Akten nach so langer Zeit schon vernichtet worden.

      Wie man aber hier aus den Beiträgen sieht, hat das wohl flächendeckend stattgefunden, und Bethel ist nur ein Glied in der Kette.

      Leider wird sich nach so langer Zeit das nicht mehr alles gerichtsfest bweisen lassen können. Zusätzlich zu den Anstaltsärzten, die dafür noch gesondert honoriert wurden, sollte man auch die betreffenden Firmen öffentlich an den Pranger stellen und sie auffordern, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Dass das Wunschdenken ist, ist auch mir klar. Aber so einfach davonkommen lassen sollte man diese Profiteure und Menschenrechtsverletzer dennoch nicht.

      Manchmal bin ich einfach nur sprachlos ob solcher Verfrorenheit, die hinter solchen verdammungswürdigen Praktiken der Pharama-Industrie steht.