Ein Leben

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      Nein Lily sicherlich bist Du nicht in ein Fettnäpfchen getreten und es ist gar nicht so einfach zu erklären, wieso das gegenseitige Vertrauen -was ja eine Bedingung für einen offenen Umgang mit der Vergangenheit ist- nicht so einfach ist, obwohl es einen eigentlich logisch erscheint. Zunächst einmal haben wir sicherlich gemeinsam, eine schwierige Vergangenheit und Alle hier waren im Heim mit gleichen oder ähnlichen Erfahrungen. Aber das alleine macht uns nicht aus, da gibt es schon im Heim sehr unterschiedliche Erfahrungen, sei es ob man als Säugling, Kind oder Jugendlicher im Heim war. Was man für Vorerfahrungen hatte, liebende Eltern oder auch nicht und prägend sicherlich auch wie lange man im Heim war.

      Was dann aber erheblich entscheidend ist was kam danach? Hier gingen dann doch ehemalige Heimkinder unterschiedliche Wege und auch das was man früher erlebt hat wurde unterschiedlich verarbeitet. Meine Erfahrung ist diese, dass es nicht ausreicht eine gemeinsame Heimgeschichte zu haben um nun miteinander klar zu kommen. Du kannst auch hier nachlesen, dass es zu den unterschiedlichen Themen auch unterschiedliche Meinungen gibt und eigentlich finde ich das nachvollziehbar. So gibt es auch zu der eigenen Heimerfahrung sehr unterschiedliche Verarbeitungsmodi, so möchte z.B. der Eine über seine Vergangenheit sprechen/schreiben, der Andere möchte überhaupt nicht schreiben. Da muss offen bleiben wieso die schweigenden User hier im Forum sind. Andere wiederum sehen sich im Kampf einer finanziellen Entschädigung und sind auf der Suche nach Solidarität und es gibt noch viele andere Gründe wieso man hier im Forum ist. Bedenken muss man sicherlich, dass hier sehr viele Leute schon Jahre sind und da besteht vielleicht auch nicht mehr so ein großes Interesse seine Heimgeschichte zu schreiben oder sich darüber mit Anderen auszutauschen, was auch verstehbar ist, weil man sich nicht über Jahre mit seiner Heimbiografie beschäftigen möchte, irgendwann schließt man ab. D.h. Jeder ist nicht an der gleichen Stelle und kann somit da auch nicht gemeinsam abgeholt werden, was aber noch lange nicht bedeutet, sich zurück halten zu sollen. Es geht auch nicht in einem Forum darum, nun die Mehrheit in einem Thema fokussieren zu wollen und das wäre die eigene Aufarbeitung. Schließlich ist die Heimerziehung ein Teil unseres Lebens und wenn ich jetzt einmal von mir ausgehe, an meinem Alter gemessen, ist es gerechnet bis jetzt 1/3 meines Lebens gewesen und danach habe ich ja auch ein Leben gehabt, so wie Andere hier auch und da gehen doch weitere Lebenswege auch auseinander, was sich auch in unterschiedlichen Meinungen und Einstellungen zeigt. Meine Geschichte habe ich ausführlich geschrieben und selber habe ich nicht unbedingt ein Bedürfnis hier im Forum da nun wieder von vorne anzufangen. Und dennoch interessiert mich Deine Geschichte, nicht aus Neugier sondern es schafft Nähe wenn man liest, dass da andere Ehemalige sind die viele Parallelen zur eigenen Vergangenheit haben. Es ist auch nicht so, dass man nicht das eine oder andere dann doch aus der eigenen Erfahrung schreibt, so etwas entwickelt sich. Es ist aber auch so, der eine kann besser über sich schreiben und der andere kann es nicht und da gibt es sehr unterschiedliche Gründe.

      Dennoch sei versichert, dass bestimmt hier einige Leute sind, die mit sehr großem Interesse das Lesen was Du schreibst, auch wenn sie selber dazu nichts erwidern so ist es doch möglich in ihnen das auszulösen, was Du beschreibst. Nun stehen wir aber auch nicht am Anfang solcher Foren, die gibt es schon sehr viele Jahre und gesamt hat sich zum Thema Heimerziehung sehr vieles getan das muss man auch berücksichtigen
      .
      Es ist schon so, dass die Vergangenheit wie ein Tornado über einen hereinbrach, aber ich habe mich nun schon sehr viele Jahre mit meiner Heimbiografie beschäftigt und das war nicht einfach, weil ich auch in einem Heim geboren bin, dann Kinderheim und später Erziehungsheim. Am Anfang musste ich erst einmal forschen, in welchem Säuglingsheim ich war und ich hätte es wohl nie erfahren, wenn ich da nicht einmal in meinem ersten Forum nachgefragt hätte und erfreulicherweise ein Ehemaliger in der Stadt wohnte, in der ich geboren war. Unter Säuglingsheim hätte ich dieses Heim niemals gefunden, ja und so ging es dann weiter und zwischendurch war ich noch mit vielen weiteren Dingen beschäftigt. So auch meine Akten zu bekommen und tatsächlich habe ich meine letzte Akte des letzten Heimes erst vor einigen Monaten bekommen. Es war ein langer Weg, oft mühsam und schmerzlich allemal. Ich weiß nicht ob ich am Ende meines Weges stehe, aber selbst wenn es so wäre würde ich trotzdem im Forum bleiben, weil ich hier im Laufe der Zeit auch einige Menschen kennen gelernt hat, die ich nicht missen möchte und es gab auch schon im Laufe der Zeit persönliche Kontakte und letztes Jahr haben wir uns mit einigen Leuten in Hamburg getroffen. D.h., auch wenn man sich nicht immer über die Heimbiografie austauscht und auch ansonsten unterschiedlich ist gehören wir trotzdem zusammen, gerade weil wir wissen was wir erlebt haben. Auch wenn es nicht zwangsläufig bedeutet sich alles erzählen zu wollen. Ich bin froh, dass Du es kannst und möglicherweise ist hier auch der eine oder andere, der dazu etwas schreibt, denn beschäftigen wird uns das Thema sicherlich auch weiter, auch wenn wir unterschiedliche Bedürfnisse haben darüber zu schreiben.

      Nun weiß ich nicht ob ich mich so klar ausgedrückt habe, es ist auch etwas spät geworden, aber es war mir doch ein Bedürfnis gleich zu antworten.
      Danke, Burkhard1, Du sehr klar und einprägsam geschrieben. Ich hatte vielleicht etwas verkehrt verstanden. Ich habe zu verstehen geglaubt, dass hier bewusst verschwiegen wird - was etwas anderes ist, als einfach den Fokus auf etwas anderes tu legen, oder schon genug geredet zu haben.Da hab ich vermutlich was in die falsche Kehle bekommen.
      @ burghard1
      Mein schreiben (ich glaube es war 2008) über meine Heimerfahrung/Vergangenheit wurde mir im Heimkinder-Forum ,,Info" zum Verhängnis. Hiermit möchte ich nicht weiter darauf eingehen, weil ich meine Erfahrung gemacht habe.
      Ich kann schweigende User (inklusive Ben Tim Thomsen) verstehen, die aus Angst oder Scham ( wegen Rechtschreibefehler und fehlender Ausdrucksweise) nix schreiben möchten.
      Für eine gut ausgebildete Psychologin sollte man Verständnis haben, oder? Jetzt bin ich ganz ehrlich: Psychologen mit Lebenserfahrung sind ( zumindest für mich) die besten Psychologen. Bleib stark und pass auf dich auf.
      Lieber Ben,
      ja ich kann Dich da sehr gut verstehen, wenn Du aus Deiner Erfahrung heraus und den von Dir genannten Gründen nicht (mehr) schreibst,
      eine wichtige Konsequenz um sich selber zu schützen und es ist sehr traurig, dass ausgerechnet jene Menschen die auch im Heim waren verletzen wollen oder nicht spüren, wann sie verletzend werden.

      Es ist in jedem sozialen Beruf nicht die Ausbildung alleine die einen befähigt, sondern das Leben selber und so tragisch es klingen mag, ist es das Leid was besonders sensibilisiert und dennoch muss man- um gut arbeiten zu können- wiederum seine eigene Geschichte gut verarbeitet haben.
      Ich wünsche Dir auf jeden Fall Menschen, die Dich verstehen und die nicht aus welchen Gründen auch immer verletzen wollen. Ganz liebe Grüße
      Hallo Lily,
      wenn Du im Moment hier die Nase voll hast, weil dich was stört (ich hatte in einem anderen Thema die Anmerkung herausgelesen, dass Du dich hier abmelden willst?), dann gönne dir doch so deine Auszeit, deswegen muss man sich ja nicht gleich komplett löschen. Dann bleibt man halt mal so weg, bis man wieder Lust, Laune und Mut hat, hier wieder vorbei zu schauen. Es steht ja keine Pflicht dahinter, dass man jeden Tag hier rein muss. So, wie man es mag und verkraftet, dann ist es gut. Belastet es einen zu sehr, dann pausiert man halt, nur seine Anmeldedaten sollte man möglichst im Kopf behalten... ;)
      Zwecks Hundewunsch; vielleicht kannst Du dich für einen Tierhilfeverein als Pflegestelle zur Verfügung stehen. Frag doch mal Phönix. Sie hat meiner Meinung nach Verbindungen dahingehend. Dir entstehen normal dadurch kaum, bis keine Kosten. Es sei denn, dass Du das außer der Reihe trotzdem machen willst. Wer weiß, so manch einer hat so "seine Tierliebe des Lebens" bekommen. :)
      LG Mandy =)


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Mandy“ ()

      burkhard1 schrieb:

      Es ist in jedem sozialen Beruf nicht die Ausbildung alleine die einen befähigt, sondern das Leben selber und so tragisch es klingen mag, ist es das Leid was besonders sensibilisiert und dennoch muss man- um gut arbeiten zu können- wiederum seine eigene Geschichte gut verarbeitet haben.


      Die eigene Geschichte hängt im Kopf und im Herzen,
      auch wenn man eine Verdrängung mit sich trägt und gerade deshalb immer im Inneren spürt,
      man muss für andere Menschen ein Bedürfnis erfüllen,damit es ihnen gut geht.
      Man denkt nicht mal darüber nach ,es ist eine Gabe ,die einem gegeben wird
      und aus den ganzen Verletzungen geboren wurde.

      Ich glaube auch fest daran,
      das erfahrende Leid in einem birgt eine soziale Begebenheit und Fürsorge für andere Menschen.

      Christa_MD schrieb:

      burkhard1 schrieb:

      Es ist in jedem sozialen Beruf nicht die Ausbildung alleine die einen befähigt, sondern das Leben selber und so tragisch es klingen mag, ist es das Leid was besonders sensibilisiert und dennoch muss man- um gut arbeiten zu können- wiederum seine eigene Geschichte gut verarbeitet haben.


      Die eigene Geschichte hängt im Kopf und im Herzen,
      auch wenn man eine Verdrängung mit sich trägt und gerade deshalb immer im Inneren spürt,
      man muss für andere Menschen ein Bedürfnis erfüllen,damit es ihnen gut geht.
      Man denkt nicht mal darüber nach ,es ist eine Gabe ,die einem gegeben wird
      und aus den ganzen Verletzungen geboren wurde.

      Ich glaube auch fest daran,
      das erfahrende Leid in einem birgt eine soziale Begebenheit und Fürsorge für andere Menschen.



      meine geschichte hängt nicht nur "im kopf und im herzen". allein die gesundheitlichen störungen führen mir täglich vor augen, wie oberflächlich die gesundheitliche versorgung im kinderheim stattgefunden hat.

      wenngleich ich einen weg gefunden habe (teilweise war es pures glück), nach dem heim "von jetzt auf gleich" mich in einem "neuen" leben zurecht finden zu müssen, so bin ich noch mit der vergangenheit beschäftigt, auf der suche nach neuen mosaiksteinchen, die mir helfen, erinnerungslücken zu füllen, antworten zu finden...

      aufgefallen war mir, dass viele der ehemaligen heimkinder, die ich in den letzten jahren kennenlernen konnte, einen sozialen beruf ausgeübt haben oder noch ausüben. die gründe dafür liegen vermutlich in dem eigenen erleben und dem wunsch, etwas dafür zu tun, "dass es schwächeren besser gehen möge".

      die beweggründe, sich im bereich der selbsthilfe zu engagieren, sind ähnlich. die eigene betroffenheit ist motivator dafür. da möchten die betroffenen selbstbestimmt leben und sozialräume von der politik und den verwaltungen einfordern, die teilhabe möglich machen.
      egal, wo man sich engagiert, ob in sozialen berufen, bereichen...es ist so, wie burkhard schreibt, man muss seine eigene geschichte bearbeitet haben.
      Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich darin zurecht finden.

      (Albert Einstein)

      xyz1 schrieb:

      egal, wo man sich engagiert, ob in sozialen berufen, bereichen...es ist so, wie burkhard schreibt, man muss seine eigene geschichte bearbeitet haben.


      Ich glaubte ,meine eigene Geschichte bearbeitet zuhaben.....
      nein...das hatte ich nicht und mußte es jetzt erst wieder erfahren.
      Trotzdem habe ich im Hinterstübchen immer für das Wohl der Menschen etwas getan und auch geschaffen.
      Der Gedanke war manifestiert etwas zu schaffen und zu erarbeiten und was Gutes zutun,
      es war eine Aufgabe ,die man im Unterbewustsein für sich selbst entschieden hat.
      Das Aufarbeiten war eine andere Schiene,das soziale Bewußtsein wiederum aus dem Erlebten her,
      Was bedeutet schon "verarbeitet" haben - es gibt Dinge, die hinterlassen ihe Spuren, und narben können wei Wetterwechsel schmerzen, das ist so und kann von ir aus auch so bleiben.
      Die gesundheitlichen Proleme, von denen xyz1 schreibt, kenne ich auch - auc die werden bleiben bei Vielen. Und mir ist egal, ob die physisch oder psychisch sind.

      Wenn man trotzdme sich freuen kann, Freunde findet, und immer weiter ein bisserl heiler wird, ist das schon viel. iViele kleine Schritte ergeben auch eine lange Strecke. Mal stolpert man, mal geht man aufrecht, dann fällt man vielleicht sogar vorwärts - einfach weitergehen, so gut es eben möglich ist.........

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Lily de Lil“ ()

      Ich glaube noch fest an eine Freundschaft und die ich auch habe,
      das ist so eine Wertschätzung,die ich nicht mehr missen möchte.
      Sie machen das Leben auch mit Lebenswert, bringen Freude in den Alltag,
      kennen meine Befindlichkeiten in allen Lebenslagen und wir sind eins.
      Das ist so wertvoll,es Bedarf gegenseitige Liebe im Sinne einer vertrauenswürdigen Nähe ,
      gegenseitiges uneingeschränktes Vertrauen und wenn nötig Hilfe in allen Lebenslagen.
      Das ist eine gegenseitige Liebe eingeschlossen unsere Partner.
      Öffne es weit, schlucke es hinunter
      Kein Löffel Zucker kann es süß machen
      Der Krebs in mir, raubt meinen Schlaf
      Nacht für Nacht, verfolgt es mich
      Die Geheimnisse, die ich hüte, zerreißen mich von innen
      Ich versuche sie zu verstecken, und frage mich warum
      Ich frage mich warum ich noch laufe
      Obwohl ich weiß dass es kein entkommen gibt

      Löse dich, Hingabe ist stärker
      Ich muss nicht der Held heute Nacht sein
      Wir alle wollen Liebe, wir alle wollen Ehre
      Niemand möchte den Preis zahlen

      Falle auf meine Knie, falle auf meinen Stolz
      Ich stolpere über die Lügen, die ich gesagt habe
      Ich bitte dich, aber ich kann es in deinen Augen sehen
      Du brauchst keine Tränen, um es zu erklären

      Es ist wahr was sie sagen, Liebe muss blind sein
      Deshalb stehst du immer noch auf der Seite, des Sünders
      Du stehst immer noch auf meiner Seite
      Obwohl alles was ich gemacht habe, dich verletzt hat

      Löse dich, Hingabe ist stärker
      Ich muss nicht der Held heute Nacht sein
      Wir alle wollen Liebe, wir alle wollen Ehre
      Niemand möchte den Preis zahlen

      Der du so sprichst, sag mir, was hat Bestand?
      Ich fand lange nichts.

      Ich räumte und rückte,
      verwarf und holte mir wieder.
      Was Müll schien, wurd kostbar,
      was wertvoll war, zerging mir zu Staub.

      Und in all diesen Trümmern,
      dem Unrat und Schein
      fand etwas Festes ich,
      klein, hart und geheimnisvoll ziehend.

      Sag mir, was hat Bestand?
      Ich fand bislang nichts -
      nur einen Diamanten
      in der Tiefe des Herzens.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Lily de Lil“ ()

      Hier grüsse ich Euch alle mal wieder auf Allerherzlichste. Der Thread, in dem Ihr Ralph begleitet habt, hat mir gezeigt, wieviel Liebe in diesem Forum möglich ist, wieviel Grosszügigikeit. Dafür habe ich Euch alle echt sehr lieb :love:
      Mir ging es in dem letzten Jahr nicht schlecht, aber trotzdem war ich streckenweise zu schwach, um viel ins Netz zu gucken. Die innere Entwicklung ist aber fleissig weitergegangen, ich werde immer zufriedener. Oft bin ich so glücklich, innerlich, dass ich mich mit dem Leben, das ich hatte ausgesöhnt habe.
      Bin noch bei den Asylsuchenden aktiv und versuche ansonsten, friedlich durch mein Leben zu wandern.....