KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      Krumi63 schrieb:

      Ach Scheiß´drauf... ist auch egal... Copy & Paste halt


      Krumi ..musste auch immer das Letzte Wort haben ..ich sag mir schone nee Weile: "Schnauze halten und sich Manche selber darstellen lassen, als was sie sind" ..

      so erhält man wenigstens den Sinn des Themas ...(wenns manchmal auch schwer fällt )

      :egyptian: :taetschel: :egyptian:
      Wer so offen ist wie ich ..der kann doch nicht ganz dicht sein ..egal wie dicht du bist.. Goethe war Dichter ....

      Gibt dir det Leben einen Puff, da weene keene Träne. Lach dir nen Ast und setz dir druff Un baumle mit de Beene.

      Martini schrieb:

      Wie der Lästerer Boardnutzer »Krumi63« sehr wohl weiß.

      Hallo Martini

      ich denke Du würdest eine Runde geschmeidiger fahren, wenn Du so was mal lassen könntest .... macht nämlich keinen Sinn und den Film weder besser noch schlechter.
      Die mich kennen mögen mich - die mich nicht mögen können mich

      Was nicht umstritten ist - ist nicht sonderlich interessant

      :D :D :D
      immer andere zitieren martini geht nicht,
      selber schauen, setzen lassen, vergleichen mit dem eigenen erleben,
      herausfinden wie wirklichkeitsnah ist der streifen .... usw. gibt er das wieder was du dir erhofft hast....
      also einfach ne eigene meinung bilden und nicht die anderer breitlatschen....
      du tust sonst den mühen der darsteller usw. nicht gut....

      reminiszenz aus den von dir angebotenen resonanzen:
      ne versoffene schlagersänerin, ein raf terrorist und ein wutschäumender australienflüchtling...
      eine mischung, ich weiss nicht.... was haben die dort gemacht mit euch, das es bei diesem angeblichen vielen toorf nicht mal zu
      einem bideren gärtnerberuf gereicht hat....

      mein interesse an diesem streifen ist gedeckt....
      da schau ich lieber f1, das erfahre ich wenigsten was von australien
      schönes woend

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

      "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

      DIE WELT @ http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article138313929/Die-Brutalitaet-einer-Generation-ist-die-Verrohung-der-naechsten.html

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      DIE WELT

      12.03.2015

      Von Reiner Reitsamer [
      http://about.me/reiner.reitsamer ]


      Die Brutalität einer Generation ist die Verrohung der nächsten

      Der Kinofilm "Von jetzt an kein zurück" schickt ein Liebespaar in die Schrecken der christlichen Heimerziehung

      Freddy Quinn verliert fast die Fassung. "Ihr lungert herum in Parks und in Gassen, wer kann eure sinnlose Faulheit nicht fassen? Wir!", brummt er. "Wer ist so gelangweilt, so maßlos verblendet? Ihr! Ihr! Ihr!" So wettert der Schlagersänger gegen Nichtstuer und Gammler, gegen all die jungen Menschen, die in seinen Augen "nur protestieren, bis nichts mehr da ist zum protestieren".

      Mit Quinns Lied "Wir" beginnt dieser Film. Es erschien 1966. Quinn, damals selbst erst 35, stellte sich damit auf die Seite der Generation, die Deutschland nach dem Krieg aufgebaut hatte. Recht und Ordnung waren wieder hergestellt, die Wirtschaft blühte. Da drohten die eigenen Kinder, alles wieder umzuwerfen. Sie rauchten Hasch und proklamierten freie Liebe. Kein Wunder, dass es die Eltern mit der Angst zu tun bekamen.

      In der westdeutschen Provinz regieren 1967 noch Zucht und Moral. Doch auch hier schleichen sich erste subversive Elemente ein: lange Haare, kurze Röcke, lärmende Beatmusik. Rosemarie (gespielt von Victoria Schulz) ist schon davon angesteckt. Sonntags singt sie im Kirchenchor, unter der Woche arbeitet sie heimlich im Plattenladen. Sie nennt sich Ruby und steht auf den krachenden Garagen-Rock der Monks. Klar, dass jemand wie sie sich in Martin (Anton Spieker) verliebt. Der philosophiert im Unterricht über Rimbaud und schreibt renitente Gedichte für Ruby: "Beiß in den Apfel, Schneewittchen, willst du ewig mit Zwergen leben?"

      Martin hat selbst allen Grund auszubrechen: Seine Mutter hat die Familie verlassen, sein Vater ist als psychisches Wrack aus dem Krieg heimgekehrt. Bei Ruby sieht es nicht rosiger aus. Ihr Vater regiert den Haushalt mit strenger Hand. Martin und Ruby beschließen, zusammen abzuhauen. Doch das Vorhaben misslingt: Nach einem Unfall werden die beiden von der Polizei aufgegriffen. Das Jugendamt steckt sie ins Heim. Begründung: "drohende sexuelle Verwahrlosung" und "Arbeitsbummelei". Martin kommt in die Erziehungsanstalt der Diakonie Freistatt, Ruby landet statt bei den Monks bei den Barmherzigen Schwestern. Dort geht der Terror erst richtig los: Die Nonnen schikanieren die "gefallenen Mädchen". In einer zermürbenden Szene wird Ruby gezwungen, ihr Mittagessen hinunterzuwürgen. Als sie sich übergibt, verrührt die aufsichtshabende Schwester das Erbrochene im Teller und befiehlt ihr, weiterzuessen.

      Währenddessen muss Martin in Freistatt Torf stechen. Im Moor patrouillieren die Erzieher mit Peitsche und Pistole wie KZ-Aufseher. Wenn die Zöglinge nicht parieren, werden sie geschlagen oder in die Isolierzelle gesteckt.

      Bis in die frühen 70er-Jahre ging es Hunderttausenden Jugendlichen wie Martin und Ruby. Schon ein Verdacht auf einen unsittlichen Lebenswandel konnte dazu führen, dass junge Menschen über Jahre hinweg in einer der rund 3000 Erziehungsanstalten der Bundesrepublik verschwanden. Unter dem Vorwand, sie als nützliche Mitglieder der Gesellschaft mit christlichen Werten zu rehabilitieren, wurden sie misshandelt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Viele trugen bleibende Schäden davon. Manchmal gingen psychisch gestörte Straftäter wie der Kindermörder Jürgen Bartsch aus den Heimen hervor.

      Jahrzehntelang war wenig über das volle Ausmaß des Missbrauchs bekannt. Erst als der "Spiegel"-Journalist Peter Wensierski das verdrängte Kapitel 2006 in seinem Buch "Schläge im Namen des Herrn" aufrollte, begann eine öffentliche Diskussion darüber, die dazu führte, dass ein Hilfsfonds von 120 Millionen Euro für die Opfer eingerichtet wurde.

      Bereits 1970 hatte die Journalistin Ulrike Meinhof ein Drehbuch über die Missstände in Fürsorgeheimen geschrieben: In "Bambule" organisieren die Insassinnen eines Heims eine Revolte gegen die Erzieherinnen. Zehn Tage, bevor der Film am 24. Mai 1970 in der ARD gezeigt werden sollte, beteiligte sich Meinhof an der gewaltsamen Befreiung des inhaftierten Andreas Baader. Meinhof wurde selbst zur Gesuchten, "Bambule" verschwand bis 1994 im Archiv.

      Der Österreicher Christian Frosch ("Weiße Lilien") ist nun der erste Regisseur, der das Schicksal der deutschen Heimkinder in einem Kinofilm verarbeitet hat. Die mit der Handkamera gedrehten Schwarz-Weiß-Bilder erinnern an den dokumentarischen Stil von "Bambule". Inhaltlich hat "Von jetzt an kein zurück" mehr mit Michael Hanekes "Das weiße Band" gemeinsam: Beide Filme erzählen wie die Brutalität einer Generation zur Verrohung der nächsten führt. Bei Haneke reifen jene heran, die den Ersten Weltkrieg auslösen. Bei Frosch werden die Kinder zu Alkoholikern und Terroristen herangezüchtet. "Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht", lautet die Erkenntnis, die der anfangs so einfühlsame Martin im Heim gewinnt.

      Als er Ruby nach Jahren wiedersieht, ist nichts mehr übrig von den romantischen jungen Menschen, die sie einmal waren. Er verspottet sie, weil sie ihre Liebe für Rock `n` Roll einer Karriere als Schlagersängerin geopfert hat. Sie kontert, indem sie eines seiner Gedichte verhunzt. Die Neulinge Schulz und Spieker spielen ihre Rollen sehr natürlich, besonders in dieser Szene, die eine der glaubwürdigsten im ganzen Film ist.

      An anderen Stellen wirkt "Von jetzt an zurück" etwas plakativ. Ben Becker ist als Rubys polternder Vater so vorhersehbar besetzt wie Erni Mangold als hexenhafte Oberschwester. Die Antagonisten bleiben eindimensional, das Drehbuch gesteht ihnen nur zwei Charaktereigenschaften zu: Sadismus und Feigheit.

      "Von jetzt an kein zurück" ist dennoch einfühlsam und spannend erzählt. Es ist ein ehrenwerter Versuch, einem wichtigen Thema gerecht zu werden.

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      QUELLE: DIE WELT @ http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article138313929/Die-Brutalitaet-einer-Generation-ist-die-Verrohung-der-naechsten.html

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      Und siehe auch den gleichen Artikel noch einmal in DIE WELT, unter einer noch anderen Überschrift und Einleitung, in der Rubrik, „KULTUR“ und „HEIMERZIEHUNG“, am 13.03.2015:

      DIE WELT @ http://www.welt.de/kultur/kino/article138345160/Gewalt-kennt-keine-Generationengrenzen.html

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      DIE WELT

      13.03.2015

      Von Reiner Reitsamer [
      http://about.me/reiner.reitsamer ]


      Gewalt kennt keine Generationengrenzen

      Der Film "Von jetzt an kein Zurück" schickt ein Liebespaar zurück in die Sechzigerjahre und die Schrecken der christlichen Heimerziehung. So weit zurück reicht die Debatte. Nun kommt sie ins Kino.
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      Es lohnt sich einmal näher mit der Kritik auseinander zu setzen, über diese Passage habe ich nachgedacht:

      Martini schrieb:

      An anderen Stellen wirkt "Von jetzt an zurück" etwas plakativ. Ben Becker ist als Rubys polternder Vater so vorhersehbar besetzt wie Erni Mangold als hexenhafte Oberschwester. Die Antagonisten bleiben eindimensional, das Drehbuch gesteht ihnen nur zwei Charaktereigenschaften zu: Sadismus und Feigheit.


      Man muss sich die Frage stellen, ob es für so einen Film wichtig wäre, die Antagonisten in der Vielfalt ihrer Charaktereigen-schaften darzustellen.

      Was würde passieren wenn man nun den Vater von Ruby "mehrdimensional" zeigt? Was müsste man dann zeigen, ein Vater der wahrscheinlich kriegstraumatisiert war und auch ein Kind seiner Zeit war. Ich denke, es ist wichtig den Vater/die Väter so zu zeigen wie sie damals zu ihren Kindern waren und wie die Kinder diese Väter empfunden haben, denn schließlich geht es um die Kinder/Jugendliche und nicht um die Väter. Das wäre dann eine andere Geschichte und würde nur von dem was den Jugendlichen passiert ist ablenken oder gar das Verhalten dieser Väter rechtfertigen. Gleiches gilt für die Oberschwester und wir haben ja wohl in der Mehrheit nicht die Vielfältigkeit der Charaktereigenschaften kennen gelernt, sondern darin liegt das vorherrschende der Heimerziehung, diese Menschen/Erzieher strafend, sadistisch erlebt zu haben. Insofern halte ich es nicht für plakativ diese Leute so zu zeigen, sondern in dieser Eindimensionalität zeigten sie sich doch in der Mehrheit , ja und das "Böse" ist nun einmal vorhersehbar, da kann es kaum eine Überraschung geben.

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

      "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

      Eine Film-Kritik veröffentlicht in der

      Berliner Morgenpost

      Thomas Abeltshauser [ Freier Filmjournalist ] [ http://www.filmjournalist.de/ ]

      12.03.2015DRAMA @
      http://www.morgenpost.de/printarchiv/top-bmlive/article138314295/Raus-aus-der-Spiessigkeit.html


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      Raus aus der Spießigkeit

      Tragische Liebesgeschichte gegen alle Widrigkeiten: "Von jetzt an kein Zurück"

      Von Thomas Abeltshauser

      Ruby heißt eigentlich Rosemarie. Ihr ist der Mief in der deutschen Provinz im Jahr 1968 zu erdrückend, sie will ein anderes Leben. Größer, freier, wilder. Ein neuer Name ist ein Anfang, ein funkelndes Versprechen in der grauen, alles gleichmachenden Trübnis. Sie singt im Kirchenchor, träumt aber von der Karriere als Rocksängerin.

      Mit ihrem Freund Martin (Anton Spieker) kann sich Ruby (Victoria Schulz) nur heimlich treffen, der katholisch-tyrannische Vater (Ben Becker) verbietet ihr den Umgang mit dem "Asozialen" ebenso wie Beatmusik und vermeintlich zu kurze Röcke. Martin lebt mit seinem durch den Krieg traumatisierten Vater und der Großmutter in erbärmlichen Verhältnissen, im Unterricht zitiert er den Skandaldichter Rimbaud und will selbst Schriftsteller werden. Zu große Lebensträume in der engstirnigen, autoritätshörigen Nachkriegs-BRD. Mit ihrem unbedingten Freiheitsdrang ecken die beiden immer wieder an. Bei ihren Eltern, den Lehrern, überall.

      Als sie die Spießigkeit nicht mehr aushalten, brennen sie zusammen durch. Doch die Flucht endet jäh. Ruby kommt in ein Heim der "Barmherzigen Schwestern", Martin in das berüchtigte Erziehungsheim der Diakonie in Freistatt. Getrennt voneinander versuchen sie in einem Umfeld zu überleben, das nur ihren Willen brechen will. Zehn Jahre später zieht Ruby eine bittere Bilanz.

      "Von jetzt an kein zurück" ist eine tragische Liebesgeschichte über das Drama des Erwachsenwerdens in den alles Freiheitliche erstickenden Nachkriegsjahrzehnten, erzählt als soziopsychologischer Horrorfilm. Regisseur und Drehbuchautor Christian Frosch bleibt in seiner autobiographisch geprägten, penibel recherchierten Perspektive bis zuletzt unversöhnlich. Formal lehnt sich sein Film mit der nervösen Handkamera, dem elliptisch-assoziativen Erzählen und visuellen Wechseln an die Nouvelle Vague der 60er-Jahre an und liefert damit ein wohltuendes Gegenbild zum dominierenden Fernsehformat deutscher Kinofilme. So rigoros sein Stilwille, ist ihm die Geschichte dramaturgisch jedoch immer wieder arg didaktisch und schwarzweiß geraten.

      Herausragend sind die beiden Hauptdarsteller, allen voran die Berlinerin Victoria Schulz, die gerade auf der Berlinale in "Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern" in der Rolle einer geistig Behinderten begeisterte. Sie ist die eigentliche Entdeckung dieses Films.

      Drama: D/Ö 2013, 108 min., von Christian Frosch, mit Victoria Schulz, Anton Spieker, Ben Becker

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      QUELLE: http://www.morgenpost.de/printarchiv/top-bmlive/article138314295/Raus-aus-der-Spiessigkeit.html
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      Und auch der hpd - Humanistische Pressedienst evaluiert den neuen "KINOSPIELFILM" von Christian Frosch "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

      Evaluation: alles auf einer Seite @
      http://hpd.de/artikel/11416?nopaging=1


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      Deutschland deine Kinder (23)

      "Von Jetzt an kein Zurück"

      Von Evelin Frerk [ http://www.evelinfrerk.de/index.php?bereich=VITA ]

      13. März 2015

      BERLIN. (hpd) Ein Spielfilm sagen die einen, andere Drama oder Melodrama. Der Film führt in die 60er Jahre, beginnt 1968 in einer Provinzstadt im Irgendwo der noch jungen Bundesrepublik Deutschland. Dieser Bericht bezieht sich auf die Premiere in Berlin und den Film an sich.

      Die Voranmeldungen zur Premiere überstiegen die Erwartungen der Produzenten und des Verleihs. Ein größerer Saal musste angemietet werden. Auch da reichten die Plätze reichten nicht aus, so wurden aus dem Foyer weitere bequeme Sitzmöbel in den Saal gezogen und standen für spät kommende Gäste bereit. Zu ihnen gehörte Ben Becker, er blieb zurückhaltend und erst pragmatisch auf der Treppe sitzen. An Reaktionen von 20- bis 30-jährigen Gästen wurde gleich zu Beginn der Vorführung deutlich, wie fremd ihnen die Lebenswirklichkeit ihrer Eltern- und Großeltern-Generation geworden ist.

      Vorangestellt ein Satz aus der Bibel, die Sprüche Salomons, 13.24: "Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten." Im Volksmund: "Wer sein Kind liebt, der züchtigt es." Und einen Satz aus dem Munde der "Omi": "Die sind alle bekloppt."

      Die Handlung

      Teil 1: Der Film zeigt zwei Familien, sie leben in sauber aufgereihten Siedlungshäusern, sozusagen nur einen Häuserblock von einander entfernt.

      Da gibt es Martin. Er lebt mit seinem Vater, 1922 geboren, und dessen Mutter, also Martins "Omi" in einem Haushalt. Der Vater ist alleinerziehend, kriegstraumatisiert und bekommt eine Invalidenrente. Er ist evangelisch. Die drei Generationen leben in einer Art kumpelhaften Verhältnis und tolerieren einander. Der begabte Martin rebelliert im Klassenzimmer gegen Biederkeit und die sogenannte Anständigkeit. Die Schulleitung ermahnt, dennoch wird er von der Schule verwiesen und über das Amtshilfeverfahren des Jugendamtes gegen den Willen des Vaters in das Erziehungsheim der Diakonie in Freistatt eingeliefert. Dafür fährt ein Polizeiwagen vor und übernimmt diesen Akt.

      Die katholische Familie, Vater, Mutter und zwei Töchter funktioniert nach traditionellen Regeln. Der Vater arbeitet, die Mutter hat zu Hause zu bleiben.

      Ruby, die älteste Tochter, als Rosemarie getauft und so gerufen, spielt neben Martin die zweite Hauptrolle. Rubys Vater liebt seine Tochter, ihre Stimme im Kirchenchor zu hören macht ihn stolz. Er befindet sich in einer Doppelrolle. Er spricht sich die Verantwortung zu, auf Rosemarie aufzupassen, damit sie “anständig” bleibt. Ruby setzt sich mit kurzen Rock dagegen zur Wehr, hört Beat-Musik, arbeitet heimlich, nachdem der Vater sie gegen ihren Willen vom Gymnasium abgemeldet hat, in einem Plattenladen. Ruby voll der Musik, der Rebellion gegen Macht und Rechte der Eltern.

      Ruby und Martin, Nachbarskinder, treffen sich im Aufbruch gegen den Anspruch der Institutionen, gegen Unterdrückung. Neben der Zuneigung zueinander ist das die Verbindung der beiden. Liebe kann ein Wort dafür sein. Der Film zeigt gemeinsam erlebte Freude und vorsichtige Annäherung.

      "Bist Du Jungfrau, ich will es wissen, bist Du Jungfrau….?" ein Schrei des Vaters an Ruby, versteckt die Frage: "bringst Du Schande über die Familie?" Ebenso drückt sich seine Gewalttätigkeit aus, seine Doppelrolle, Ruby zurückzubringen, "anständig", "jungfräulich" und mit dieser Ehre, Ehefrau zu werden.

      Die Eltern "überstellen" durch das Jugendamt ihre Tochter der geschlossenen Erziehungseinrichtung, dem katholischen Heim "Bei den Barmherzigen Schwestern". Der Grund: Verwahrlosigkeit.

      Ruby wird ebenso wie Martin über den Polizei-Apparat in das Heim transportiert. Der Vater weint, die Mutter von Ruby ist am Fenster des elterlichen Schlafzimmers zu sehen, sie öffnet den Knoten ihrer bisher gezähmten Haarpracht. Das Leben nimmt seinen Lauf. Es ist ein Film, der kein Beichtgeheimnis bewahrt, er offenbart dieses.

      Teil 2: In dem katholischen Erziehungsheim für Mädchen herrscht Mutter Benedikta und ihre "Schwestern". In "Freistatt", dem evangelischen Heim der Diakonie, spricht die Führung sich mit "Bruder" und "Vater" an. Gezeigt werden Facetten im Mädchen-Heim, weibliche Freundschaften. Im Gegensatz dazu spezifisch männliche "Jungs"-Rituale.

      Die zur Besserung in die Heime weg gesperrten Jugendlichen, hören nicht auf, sich gegen den Machtapparat zur Wehr zu setzen. Die Unbarmherzigkeit von Menschen, die selber meinen, dass sie religiös einem Gott zu dienen haben und in seinem Sinne handeln, setzen sich selbst den Jugendlichen gegenüber an die Stelle ihres vermeintlichen Gottes. Verachtend, perfide und gewalttätig setzen sie ihre Macht um zu quälen, zu drangsalieren.

      Teil 3: Deutschland 1977 - Ruby und Martin, aufgrund ihrer Volljährigkeit sind sie aus der Heimerziehung entlassen, aber nicht befreit davon.

      Prolog

      Geschehen ist dieser Missbrauch in Einrichtungen, unter der Prämisse "Lobet den Herren". Christian Frosch, Drehbuch und Regie sagt: "Von Anfang an war klar, die Vorgänge im Heim müssen authentisch erzählt werden. Erfindungen und Übertreibungen verbieten sich."

      Ein Film für Zweifler. Weil … das, was man sieht, das möchte man nicht wahrhaben. Die Bilder scheinen zu bestechen – wollen sagen, das ist doch "nur" ein Film. Die Bilder sind so gut, die Schauspieler sind so gut., der Schnitt, die Geschichte wird so klar erzählt, die Verursacher und Leidensgeber bemitleiden sich selber.

      Der Film ist so unerträglich, man kann nicht wegsehen. Ein sehenswerter Film.

      Victoria Schulz wurde auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg 2014 für ihre "eindringliche schauspielerische Leistung" als Ruby mit dem "Seymour Cassel Award" für die besten Schauspielerin ausgezeichnet.

      Von jetzt an kein Zurück, Regie: Christian Frosch, Deutschland/Österreich 2014, 108 Minuten, Farbe Schwarzweiß, Deutscher Kinostart: 12. März 2015

      Trailer [
      http://www.filmstarts.de/personen/1500-Andreas-Seifert.html ]
      Offizielle Homepage [ http://www.vonjetztan-film.de/ ]

      Kino-Zeit mit Bildern Trailer und Text [ http://www.kino-zeit.de/filme/von-jetzt-an-kein-zurueck ]

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      Christian Froschs neuer Spielfilm "Von jetzt an kein Zurück" war am 10. Februar 2015 im Rahmen der LOAL Vornominierungen auf der Berlinale zu sehen.

      Frank Amann, Kamera

      Darsteller:
      Victoria Schulz - Ruby
      Anton Spieker - Martin
      Ben Becker - Rubys Vater
      Ursula Ofner - Rubys Mutter
      Thorsten Märten - Martins Vater
      Helga Boettiger - "Omi"
      Timo Hillebrand - Harry
      Ivo Kortlang - Xaver
      Michael Prelle - Direktor Newald
      Kirsten Hildisch - Deutschlehrerin
      Andreas Seifert - Priester
      Ernie Mangold - "Mutter" Benedikta
      Wallfriede Schmitt - "Schwester" Agathe
      Cora Frost - "Schwester" Martha
      Axel Olsson - Hausvater
      Kristof Gerega - Bruder Udolf
      Markus Hering - Bruder Rossmann
      Jan Breustedt- Kapo Horst
      Tim-Daniel Drexler - Kapo Knut
      Niklas Löffler - Kapo Uwe
      Peter Meinhardt - Arzt
      Thomas Birklein - Einarmiger Lieferant
      Eva Maria Jost - Gisela
      Nell Pietrzyk - Susanne
      Malika Ziouech - Plattenverkäuferin
      Jost Hering - Fürsorgebeamter
      Eva Reichle - Katja 13
      Helen Woigk - Katja 19

      Produzent: Jost Hering (Jost Hering Filme), Co- Produzenten: Viktoria Salcher, Mathas Forberg (Prisma Film, Wien) mit Unterstützung von Cine+ und weltfilm

      Förderer:
      Hamburg/SWH Nordmedia BKM DFFF ÖFI Niederösterreich Kultur
      Drehbuchentwicklung unterstützt durch EQUINOXE GERMANE

      Schlagworte: Film, Missbrauch, Heimkinder

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      QUELLE: hpd - Humanistische Pressedienst @ http://hpd.de/artikel/11416?nopaging=1
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      Martini schrieb:

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      Ich persönlich habe beim TAGESSPIEGEL zum "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" folgenden Leserkommentar abgegeben:

      Beitrag getätigt von MartinMITCHELL am Fr. 13.03.2015, um 04:31 Uhr

      @
      http://www.tagesspiegel.de/kultur/schwarz-weiss-film-von-jetzt-an-kein-zurueck-wer-ins-heim-kommt-ist-ein-nichts/11490796.html ( bitte dort ganz weit nach unten scrollen )


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      Wer ins Heim kommt, ist ein Nichts

      Ich als ex-FREISTÄTTER der frühen 1960er Jahre bin folgender Meinnung: Dieser Kinospielfilm "
      VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" ist mit ziemlich kleinem Budget gedreht und hat auch nicht unbedingt den Zuspruch der Kirchen. Zumindest ist dieser Kinospielfilm aber realitätsnah und nicht an der Wahrheit vorbei. Diese verbrecherische Art von Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung in den Nachkriegsjahrzehnten in Westdeutschland – sowohl wie auch in der DDR – hat tatsächlich vielfach ihr weiteres Leben zerstört; und nur dadurch sind sie zu Opfern geworden; und auch viele leben daher schon lange nicht mehr; und wieder andere von ihnen fristen daher heute nur noch ihr Dasein (auch weil Kirche und Staat, und die an ihrer Zwangsarbeit beteiligten Firmen, Landwirte und Großgrundbesitzer, sie einfach nicht „angemessen entschädigen“ wollen). Es ist also nicht, dass die Opfer ihren „Opferstatus“ feiern. Es kann einfach nicht unter diesen hunderttausendfachen gleichlautenden Umständen und Biographien ein »Happy End« geben. Der Film ist »exactly on the mark«.
      Dieser Beitrag wurde verfasst und getätigt von Martin MITCHELL in Australien, der im Alter von 17½ Jahren, unmittelbar aus FREISTATT kommend, im März 1964 nach Australien entfliehen konnte.

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      Ich habe den Drehbuchautor und Regisseur des "KINOSPIELFILMS" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" / "ROUGH ROAD AHEAD" natürlich auch auf meinen eigenen öffentlichen Kommentar zur Film-Kritik zu seinem Film im TAGESSPIEGEL (12.03.2015: Christiane Peitz) sowohl wie auch auf meine private Kommunikation mit dem Verfasser der Film-Kritik in DIE WELT (13.03.2015: Reiner Reitsamer) aufmerksam gemacht, und ihn auch auf den Beitrag DAZU (vom Sa. 14.03.2015, um 00:35 Uhr) im HEIMKINDER-FORUM.DE von Boardnutzer »Burghard1« hingewiesen, worauf er, Christian Frosch, mir dann auch sogleich IN BEZUG AUF ALL DIES wie folgt geantwortet hat:

      … und ich möchte, und ich darf mit Christian Frosches voller Zustimmung, Euch alle auch DARAN teilhaben lassen.


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      Lieber Martin Mitchell,

      Vorneweg die Reaktion von Ihnen und den EX-Heimkindern interessiert mich nicht nur - sie ist mir das Wichtigste!

      Es ist schon erstaunlich, was Kritiker sehen oder wohl besser nicht sehen wollen.

      Zum Vorwurf, dass Rubys Vater eindimensional sei: Wir erfahren von ihm, dass er kriegstraumatisiert ist. Im Gegensatz zu Martins Vater trägt er aber die Erziehungs-”ideale” die ihn prägten - weiter. Er ist ein gebrochener Mann und man sieht wie er depressiv und geschlagen nach Hause kommt und wie er sein eigenes Unglück in das Gesicht seiner Kinder schlägt. Gleichzeitig hat er eine zärtliche Liebe zu Ruby, die fast schon inzestuösen Charakter hat. Trotzdem zeichne ich ihn nicht als einen jener Väter, die sich an ihren Kindern vergehen.

      Es ist noch verwickelter.

      Er hält sich an der katholischen Moral fest, die Sexualität als das Böse verdammt. Und sein Missbrauch, den er gemeinsam mit Rubys Mutter begeht, besteht darin, dass er ihre Jungfräulichkeit beschützen will. Diese Perversion ist für mich tief begründet in der katholischen Moral.

      Einerseits wird Sexualität verleugnet und gleichzeitig wird alles pervers sexualisiert.

      Die fatale Rolle der Mutter, einerseits Opfer der Gesetze und ihres Mannes, anderseits ist sie aber diejene, die Ruby opfert, um sich selbst zu befreien. Sie will Rubys Schwester und sich ein besseres Leben ermöglichen. Was zeigt: Täter und Opfer nicht immer klar zu trennen.

      Der andere Vorwurf die Nonnen seien lediglich sadistische Hexen.

      Gerade Mutter Benedikta, gespielt von Erni Mangold, ist für mich eine durchaus rätselhafte Figur. (Erni und ich haben sie uns als Mystikerin vorgestellt, die sich im Geheimen selbst auspeitscht für ihre Sünden). Eine Frau, die hart gegen sich und noch härter gegen andere ist. Sie wirft der Mitschwester, der dicken Nonne ja vor,
      dass sie zu lebensbejahend, nicht hart genug gegen sich sei. „Wir bräuchten Felsen in der Brandung, doch du bist Pudding!“ Die dicke Schwester wäre wahrscheinlich unter anderen Umständen eine gutmütige Person. Doch sie denkt, dass Härte gegen die Mädchen gottgefällig sei, auch wenn es ihr selbst weh tut.

      Was alle Kritiker übersehen haben, dass es ja Mutter Benedikta ist, die Ruby heimlich fördert. Wenn Ruby sich nicht für ihre “gefallene” Freundin Gisela eingesetzt hätte, wäre sie der Hölle durch Mutter Benediktas Protektion entkommen, hätte sie sogar ein Stipendium für eine kirchliche Schule erhalten.

      Passt das zum Bild der eindimensionalen Hexe?

      Angesichts der grausamen Realität ist das sicher keine besonders einseitige Zeichnung der "Barmherzigen" Schwestern.

      All das wird von den Kritikern bewusst oder unbewusst übersehen.
      Warum? Wollen sie sich insgeheim mit den Tätern identifizieren? Werfen sie dem Film nicht unbewußt vor, dass den Tätern keine Sympathie entgegen gebracht wird? Denn Hinweise, warum sie tun, was sie tun gibt es es zahlreiche.

      Denn eines ist doch klar, egal wie tief die Gründe sind warum Täter zuschlagen, dem Opfer kann es egal sein.

      Sie/er muss den Schmerz ertragen.

      Zum Abschluß noch der für mich absurdeste Vorwurf einer Kritikerin.

      Nicht gut, dass er seine Helden auf den Opferstatus reduziert. Ruby, die alkoholsüchtige Schlagersängerin in den Siebzigern, Martin, der bei der RAF und im Knast landet – sie sind verloren. Ist der Mensch nicht mehr als das Ergebnis seiner Erziehung?

      Schon erstaunlich, dass in Zeiten in der Jugendliche sich in Castingshows demütigen lassen um ein bißchen Berühmtheit zu erlangen,
      Rubys Lebensweg als Schlagerstar, nur auf ihren Opferstatus verweisen soll. Ich wollte ja zeigen, dass Ruby es äußerlich schafft.
      Wenn die Mutter ihr sagt, „sag selbst - wärst du ohne das Heim dort, wo du jetzt bist?“
      Sagt sie doch nur das, was Heimerziehungsopfern gesagt wird, die es wie durch ein Wunder geschafft haben, ein “normales” Leben hinzubekommen.

      Dass Ruby unter der schönen Oberfläche aber ein zerstörter Mensch ist – und innerlich nichts gut ist – erschien mir wichtig.

      Ruby ist am Ende des Films Mitte zwanzig und das Schlußlied, das eigens für den Film komponiert wurde, erzählt ja von ihrer möglichen Befreiung in der Zukunft.
      Mehr Happy End wäre für mich verlogen gewesen.

      Und dann gibt es ja noch die Figur von Gisela, die man nun schwerlich als jemand bezeichnen kann, der sich als Opfer gefällt.

      Sie ist eine jener wenigen Menschen, die eine innere Stärke haben, die auch durch die Hölle gehen ohne, dass ihr innerer Kern wirklich verletzt wird.
      Aber dies ist eher ein Sonderfall, als die Regel.

      Und nun zu Martin: Erstens ist er am Ende nicht bei der RAF, sonst würde er in einem Knast verschimmeln.
      Aber er war im Umfeld von denen die zur Waffe gegriffen haben. Und es gab ja nicht nur die RAF, sondern auch den „2. Juni“ etc.
      Er findet nach dem Knast nicht mehr zurück ins Leben. Auch Politik ist für ihn letztlich kein Weg.

      Er bleibt aber konsequent in seiner Auflehnung – aber sie führt ihn zur Selbstzerstörung.

      Ich habe mit Ruby und Martin versucht zwei verschiedene Wege aufzuzeigen wie man unter unmenschlichen Verhältnissen versucht sein selbst zu bewahren.

      Martin rebelliert um jeden Preis bis in die letzte Konsequenz und Ruby versucht mit Täuschung und vermeintlicher Anpassung ihren inneren Kern zu bewahren. Beide scheitern, denn es gibt keine reine Lösung des Problems. Traumata verschwinden nicht einfach so.

      Dies alles könnte man in dem Film entdecken, wenn man sich die Mühe macht hinzusehen.

      Aber Wegsehen ist immer der einfachere Weg.

      Aber Ihr „Exactly on the mark“ ist mir weit mehr wehrt, als Streicheleinheiten von Kritikern, die wohl eher Kontakt zur Selbstverwirklichungsgruppen haben, als mit Menschen Kontakt hatten, die so was durchgemacht haben.

      In diesem Sinne

      Alles Liebe und Gute

      Ihr

      Christian Frosch

      .

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      ––––––––––––––––––––
      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      Das sind interessante Gedanken von Herrn Frosch zu seinem Film und zeigt deutlich, wie sehr er sich mit der Heimthematik auseinander gesetzt hat und auch mit diesem christlichen Bodenpersonal. Ja und das stimmt auch, dass es den Opfern egal ist warum Täter so sind wie sie sind. Da gehe ich noch ein Stück weiter und frage mich was denn mit den Opfern passiert, wenn man nun einen Versuch startet die Täterseite mehrdimensional zu zeigen oder gar Erklärungen dafür sucht wieso sie so sind -oder was sie hat so werden lassen. Dieses ist sicher nicht unwichtig, aber sollte nicht in einem Film über Heimerziehung und deren Folgen einen Stellenwert haben. Das birgt die Gefahr vom Eigentlichen...dem wirklich Bösen...ablenken zu wollen, es möglicherweise zu relativieren und verwischt die Verbrechen dieser Täter, macht sie schwammig und lässt sie am Ende verschwinden. Außerdem bezweifel ich, dass Ordensleute in Heimen charakterlich vielschichtig waren, also Persönlichkeiten waren. Sie haben ja selber in den Heimen gelebt, keine Familie gehabt und auch in ihrer Freizeit nicht sehr viel Abwechslung gehabt. Das hat sie festgehalten in einer engen Sichtweise, die außerdem wurden sie ja auch noch von ihren Orden sehr stark reglementiert war. In dem Buch über Freistatt wurden auch die Sareptaschwestern interviewt und ich erinnere mich an eine Stelle, als eine Diakonisse sagte, wir haben ja selber nichts gehabt, wie konnten wir dann denken den Mädels mehr zu geben? Ja sie haben auch in dieser abgeschlossenen Welt gelebt und das hat sie eingeengt und so haben sie bestimmt nicht vielschichtige Charaktereigenschaften gehabt, die jene Menschen haben, die sich frei entfalten können und insofern halte ich die Eindimensionalität ihrer Person für gar nicht abwegig.
      Was nun die Kritiker anbelangt -also sich mit den Tätern zu identifizieren- oder der Vorwurf den Tätern keine Sympathie entgegen zu bringen, so finde ich die Gedanken von Herrn Frosch ganz interessant. Ich glaube schon, dass es für die Kritiker aber auch für den "Otto Normalverbraucher" schwer hinzunehmen ist, dass Ordensleute solche verbrecherischen Handlungen begehen können und deswegen gehe ich davon aus, dass es für ihr eigenes Leben bzw. für ihre Werte sehr bedrohlich ist nun einen Film zu sehen, der ihre eigenen Vorstellungen von gläubigen Menschen in Frage stellt. Hier stehen sich zwei Gruppierungen gegenüber, also einmal die Ordensleute und auf der anderen Seite Heimkinder, die in den Vorstellungen von Menschen bzw. der Gesellschaft ganz klar definiert waren. Die Ordensleute als moralisch integer und die Heimkinder- insbesondere jene die im Erziehungsheim waren, als Menschen zu sehen, die ja was ausgefressen haben müssen, sonst wären sie ja nicht im Heim gelandet. In dem Film müssen sie nun umdenken, die Heimkinder sind die Opfer und die Ordensleute die Täter und das ist verdammt schwer zu verdauen, für den einen oder anderen Kritiker.
      Mit so einem Film wird das Wertebild der Menschen auf den Kopf gestellt und kann auch eine Bedrohung für den eigenen Glauben sein. Da ist es dann schon (fast) verständlich, dass man die Ordensleute ein wenig Menschlichkeit einhauchen will, um die eigene Ordnung wieder herzustellen.

      Ja und zu dieser Passage:"Zum Abschluß noch der für mich absurdeste Vorwurf einer Kritikerin.„Nicht gut, dass er seine Helden auf den Opferstatus reduziert. Ruby, die alkoholsüchtige Schlagersängerin in den Siebzigern, Martin, der bei der RAF und im Knast landet – sie sind verloren. Ist der Mensch nicht mehr als das Ergebnis seiner Erziehung?“
      habe ich folgendes überlegt:

      Ist der Mensch nicht mehr als das Ergebnis seiner Erziehung?
      Ja und Nein, zunächst ist es doch nicht in Zweifel zu stellen, dass die Heimerziehung traumatische Auswirkungen hatte und viele Ehemalige die in Heimen waren (Säuglings-Kinder-Erziehungsheime) auch heute noch an den Folgen zu knabbern haben. In dieser Zeit machen Kinder/Jugendliche wichtige Entwicklungen durch die sie für ihr Leben brauchen und wenn diese Entwicklung durch die Heimerziehung geprägt wird hinterlässt das Spuren. Bei dem Einen sind es deutliche Spuren und bei dem Anderen möglicherweise weniger deutliche Spuren, aber Tatsache bleibt, dass es Verbrechen an Säuglingen-Kindern-Jugendlichen waren, die nicht relativiert werden sollten in dem Sinne, dass der Mensch mehr als das Ergebnis seiner Erziehung ist, denn das Leben ist kein Glücksspiel unter dem Motto: entweder hast Du Glück gehabt, dass sie dir nicht das Genick gebrochen haben...und wenn nicht haste halt Pech gehabt. Vielmehr sollte sich die Gesellschaft und auch die Kritiker den Film anschauen ohne ihre eigene Werte als bedroht zu empfinden. Das müssen sie nun einmal für eine kurze Zeit aushalten, wir haben mehr all die Jahre aushalten müssen.

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      Neues zu dem "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" von dem österreichischen Filmemacher Christian Frosch.

      Diesmal sind es News über die Österreich-Premiere des Films, am 18.03.2015, in Graz.

      ORF.at - ORF Online und Teletext GmbH & Co KG mit Sitz in Wien
      Stiftung öffentlichen Rechts - Österreich
      @
      http://orf.at/diagonale/stories/2269792/


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      Zu den Nonnen statt zu den Monks

      Drangsalierte Jugend im Schatten des Kalten Krieges: Lange unterdrückt und unterspielt wurden die Grausamkeiten in kirchlichen „Erziehungsheimen“ in Deutschland, Christian Frosch vermittelt diese in seinem schwungvollen Jugenddrama „Von jetzt an kein Zurück“.

      Mit viel Applaus bedacht wurde am Mittwochabend [ 18.03.2015 ] die Österreich-Premiere von „Von jetzt an kein Zurück“, Christian Froschs Drama über ein Pärchen jugendlicher romantischer Rebellen in der alten Bundesrepublik Deutschland des Jahres 1967, die, von Jugendamt und Eltern eingewiesen, durch die autoritären Mühlen geschlossener „Erziehungsheime“ geschliffen werden. Und es gab eine überraschende Volte bei der Premiere der deutsch-österreichischen Koproduktion nach einem Hinweis und aus Anlass des Tages: ein spontanes Geburtstagsständchen des Publikums.

      Sturm und Drang ... und Einweisung

      Ein harmonischer Abend am Ende einer äußerst langen Entstehungsgeschichte, wie Frosch erzählte: Das Thema beschäftigte ihn seit langem, lange hielt er Kontakt zu ehemaligen Heimkindern, die oft wegen läppischer Delikte zwecks „Fürsorge“ eingesperrt wurden - und zwei Drittel jener Heime wurden von den Kirchen geführt.
      Sechs Jahre zog sich die Entwicklung des Films hin, es hagelte serienweise Absagen.

      Die Geschichte, die niemand fördern wollte
      , ist im Grunde EIN KLASSISCHES STURM-UND-DRANG-MELODRAMA:

      [ ……… ]

      [ ……… ]

      „Schwarze Pädagogik“ mit Freunden und Gegnern

      „Von jetzt an kein Zurück“ mit dem Etikett Historienfilm abzuheften, wäre zu bequem, dazu sind Freiheitswünsche junger Leute zu zeitlose Selbstverständlichkeit – Frosch dazu: „Die beiden Jungen sind ja die einzig Normalen unter lauter Verrückten.“ Für eine Kindererziehung mittels Drucks und Zwangs, die das Faustrecht fördert, die neben einzelnen soziopathischen „Führerfiguren“ vor allem eine Menge angstvoller Jasager erzeugt, gibt es seit den 1970er Jahren den Begriff der „Schwarzen Pädagogik“.

      Schön wär’s, wären deren Verfechter seither Geschichte. In den 1960er Jahren wurde der Popmusik die Schuld gegeben, wenn bei Jugendlichen „drohende bzw. beginnende Verwahrlosung“ festgestellt wurde, heute ist es das Internet, und schon haben Erziehungs-„Experten“ wieder Oberwasser, die „Disziplinierung“ und „wahre Werte“ mit Zwangsmaßnahmen durchsetzen wollen. Ohnedies haben viele Firmen ein Faible für Mitarbeiter, die durch eine „Schwarze Pädagogik“ gingen - denn die sind ja so schön marktkonform.

      Revolte, „Bambule“, „Heimkampagne“

      Proteste gegen die Heimerziehung gab es bereits früher, und zwar markante: In dem TV-Film „Bambule“ von 1970 proben Insassinnen eines Mädchenheims in Berlin den Aufstand. Er wurde aber kurz vor seiner Ausstrahlung zurückgezogen und für Jahrzehnte ins Archiv verbannt, weil sich Drehbuchautorin Ulrike Meinhof zu dem Zeitpunkt bereits zu sehr radikalisiert hatte. Im Jahr davor gab es die sogenannte „Heimkampagne“, Initiativen, eine Revolte, ein großer gelungener Ausbruchsversuch - ein Auslöser für die Liberalisierung in paar Jahre danach.

      Weil aus den Studenten hinter der Kampagne aber Prominente der terroristischen RAF wurden – neben Meinhof etwa Andreas Baader und Gudrun Ensslin -, geriet jede Kritik an der militärischen Struktur von Heimen in den Verdacht der Linksradikalität, eine Debatte versandete. Und die Kirchen schwiegen ohnedies zu ihrer in der Nachbetrachtung peinlichen Rolle als Einpeitscher „christlicher Werte“.

      Schrittweise Aufarbeitung

      Eine breitflächige Aufarbeitung des Themas erfolgte im deutschen Sprachraum nämlich mit recht auffälliger Verzögerung etwa im Vergleich zu Großbritannien: 2002 war bei den Filmfestspielen von Venedig Peter Mullans „
      The Magdalene Sisters“ mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden, ein Leidensdrama zweier weiblicher Teenager in einem Heim jenes katholischen Ordens, auf den Leonhard Cohen in seinem Debütalbum mit einem Liedtitel anspielte, nach dem sich wiederum die Gothic-Rock-Band The Sisters of Mercy benannte.

      In Deutschland erschien ein paar Jahre darauf, 2006, ein Buch des „Spiegel“-Journalisten Peter Wensierski, „
      Schläge im Namen des Herrn. Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik“, welche sich mit dem Westdeutschland in den Jahren zwischen 1945 und 1970 befasste. Als eine Konsequenz der aufrüttelnden Veröffentlichung äußerte der deutsche Bundestag dann 2008 ein hochoffizielles Bedauern über „erlittenes Unrecht und Leid, das Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Kinder- und Erziehungsheimen (...) widerfahren ist“ und richtete einen Entschädigungsfonds in neunstelliger Höhe ein.

      Alte Zielgruppe, junge Zielgruppe

      Wensierskis Buch und seine Folgen wurde bereits für einen TV-Film aufbereitet: In „
      Und alle haben geschwiegen“ (Regie: Dror Zahavi, ZDF-Erstausstrahlung 2013) spielen Senta Berger und Matthias Habich zwei Bundestagsausschusszeugen. Einst, vor der Einweisung in traumatisierende kirchliche Heime, waren sie ein jugendliches Liebespaar gewesen, nun treffen sie einander nach Jahrzehnten der Verdrängung wieder.

      "
      VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" erzählt im Grunde eine ganz ähnliche Geschichte, bloß mit anderer Ausrichtung: Richtete sich die Rückblickstruktur des TV-Films primär an ein eher älteres Publikum, wendet sich Frosch konsequent an ein junges. Er illustriert mit Schwung das hoffnungsvolle Aufbegehren von Ruby und Martin, begleitet sie dann in die Heimsphäre, deren Aussehen und Arbeitsabläufe hochgradig detailgenau nachgezeichnet sind - in ihrem Fall die katholischen Barmherzigen Schwestern (mit einer denkmalhaften Erni Mangold als Oberin), in seinem Fall die Erziehungsanstalt der evangelischen Diakonie Freistatt. Wichtig war ihm, so Frosch, neben der Art der Zwangsarbeit auch, den Einsatz „erzieherischer“ Gewalt genau zu rekonstruieren - wobei er die bekannte Fülle an sexuellen Übergriffen nur andeutet.

      Holzschnitzartig getextet ist das dem Vorspann unterlegte Wutbürger-gegen-„Gammler“-Lied „Wir“ von Freddy Quinn - weil dem das, so Froschs geäußerte Vermutung, mittlerweile peinlich scheint, ließ man es im Film von einem Quinn-Imitator singen. Und eindimensional werden auch einige Charaktere gezeichnet, Ben Becker und Ursula Ofner als Rubys bittere Eltern, Thorsten Märten als Martins apathischer Vater – aber letztlich dient das dem gewinnenden Zusammenspiel von Schulz und Spieker.

      Hans Christian Leitich, ORF.at

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      QUELLE: ORF.at @ http://orf.at/diagonale/stories/2269792/

      Leider kommt der Film in die regulären Kinos in Österreich erst am 19. Juni 2015. Also müßt Ihr Euch in Österreich alle noch ein bißchen gedulden.

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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      Und hier jetzt der neueste österreichische Medienbericht zu diesem wichtigen Film:

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      KLEINE ZEITUNG @ http://www.kleinezeitung.at/s/kultur/wohin/kino/diagonale/4691559/DIAGONALE_Publikumspreis-fur-Von-jetzt-an-kein-Zuruck?_vl_backlink=/s/index.do

      Zuletzt aktualisiert: 22.03.2015 um 19:53 Uhr

      Publikumspreis für "Von jetzt an kein Zurück"

      „Von jetzt an kein Zurück“ von Regisseur Christian Frosch ist der beliebteste Film der Diagonale. Der auf einer wahren Lebensgeschichte basierende Film schildert, wie ein junges Liebespaar zu Ende der 60er im Erziehungsheim landet.

      [
      FOTO: Regisseur Christian Frosch, Koproduzent Mathias Forberg ]

      Ein Verleiher hatte ihm prophezeit, es würde schwer, für "diese schwierige Nische" ein Publikum zu finden. Weit gefehlt: "Man soll das Publikum nie unterschätzen", freut sich Regisseur Christian Frosch. Der gebürtige Waldviertler hat mit seinem Film „Von jetzt an kein Zurück“ zum Diagonale-Finale den Publikumspreis der Kleinen Zeitung gewonnen.

      Für den überraschten Sieger ist der Publikumspreis „die Königsdisziplin. Egal, wie hoch der künstlerische Anspruch ist: Was kann man sich mehr wünschen, als dass die Leute den Film mögen?“ Mehr als 1300 Kinobesucher bestimmten per Abstimmungskarte über den beliebtesten Film des Festivals.

      Der in Berlin lebende Regisseur erzählt in "Von jetzt an kein Zurück" in kantigem Schwarzweiß von einem jungen Liebespaar in der deutschen Provinz zu Ende der 60er-Jahre. Ruby und Martin, zart rebellisch, landen wegen Bagatellen in Erziehungsheimen. Der Film schildert die Zustände dort, die Demütigungen durch Ordensschwestern und Ex-Nazis – und die Spätfolgen für ihre Opfer im radikalisierten Deutschland der ausgehenden 70er-Jahre. Keine leichte Kost, aber ein hinreißend erzähltes, toll gespieltes, hoch politisches Melodram um Liebe, Verrat und Schuld.

      Entstanden ist der Film aus der spätnächtlichen Begegnung in einem Lokal: „Dort hat mir ein Typ sein Leben erzählt – im wesentlichen die Geschichte von Martin“, die Biografie eines Mannes, der nach dem Erziehungsheim ins linke Terrormilieu geriet. Bei Recherchen fand Frosch dann heraus: Eine Million Jugendliche wurden in den 60er und 70ern in deutschen Erziehungslagern
      diszipliniert“, in Österreich dauerte der Schrecken gar bis in die 80er-Jahre.

      Überraschend die Besetzung: Schauspielstar Ben Becker ist, ganz gegen den Strich gebürstet, als überforderter, prügelnder Vater zu sehen. „Er hatte erst Angst vor der Rolle“, sagt Frosch, "weil die Figur alt und unsympathisch ist. Außerdem hat Becker selbst eine Tochter im Alter von Ruby, das war für ihn also schwierig. Ich fand aber das Bipolare, das Grobe und dann wieder so Sentimentale, wie es so übergangslos hin und her springt, an seiner Figur interessant. Dafür braucht man einen brachialen Typen, und Becker hat dafür gut gepasst." Letztlich mochte der Schauspieler seine Rolle und den Film.

      Nicht als einziger: „Von jetzt an kein Zurück“ steht bereits auf der Longlist zum Deutschen Filmpreis. Vormerken: Am 19. Juni läuft der Film regulär im Kino an.

      UTE BAUMHACKL

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      QUELLE: KLEINE ZEITUNG @ http://www.kleinezeitung.at/s/kultur/wohin/kino/diagonale/4691559/DIAGONALE_Publikumspreis-fur-Von-jetzt-an-kein-Zuruck?_vl_backlink=/s/index.do

      Bei der KLEINE ZEITUNG besteht eine Kommentarmöglichkeit zu diesem Filmbericht, und auch direkt Betroffene dieser damaligen „Heimerziehung“ in Deutschland und in Österreich – und vieler andererorts ebenso – dürfen von dieser Kommentarmöglichkeit rege Gebrauch machen.
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      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      Ich habe vorgestern --- von dem Drehbuchautor und Regisseur des "KINOSPIELFILMS" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", Christian Frosch, nach seiner Rückkehr aus Österreich (Wien / Graz) nach Berlin (Di. 24.03.2015, um 07:40 Uhr (MEZ/CET)) --- folgende Nachricht erhalten:

      .
      Lieber Martin,

      Bin gestern Nacht aus Graz zurück gekommen. Dort lief der
      FILM im Rahmen der Diagonale-Festival des Österreichischen Film.

      Habe gerade gesehen, dass Sie auch fleißig für den
      FILM in Österreich geworben haben und dafür auch noch gerügt wurden [ … von einer bestimmten Gruppierung, der verschiedenen sich leider auch in Österreich fortdauernd gegenseitig bekämpfenden Ehemaligen-Heimkinder-Gruppierungen „gerügt“ / „verstoßen“ / „ausgestoßen“ / „ausgesperrt“ / „diszipliniert“ / „bestraft ]
      Ohje.

      War ein paar Tage nicht online sonst hätte ich Ihnen gesagt, dass der reguläre Kinostart in Österreich erst 19. Juni ist.
      Dies [ am 18.03.2015 in Graz ] war nur mal die Festivalpremiere.
      Es war übrigens ein riesiger Erfolg.
      Wir haben den Preis für den besten Schnitt bekommen und sind nur knapp am Hauptpreis vorbei geschrammt.
      Eine "lobende Erwähnung".
      ABER das aller wichtigste: Wir haben den Publikumspreis erhalten!


      http://www.kleinezeitung.at/s/kultur/wohin/kino/diagonale/4691559/DIAGONALE_Publikumspreis-fur-Von-jetzt-an-kein-Zuruck#

      Vielen Dank nochmals für Ihr Bemühen um den FILM .

      Christian

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      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      NEWS: Kinofilm re FREISTATT (boys) u. re VINCENZHEIM (girls)

      "KINOSPIELFILM" "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

      KUNSTUNDFILM @ http://kunstundfilm.de/2015/03/von-jetzt-an-kein-zurueck/

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      KUNSTUNDFILM

      Von Ingrid Beerbaum, veröffentlicht am 11.03.2015


      (Kinostart: 12.3.2015) Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren: Bis etwa 1970 ging es in BRD-Jugendheimen zu wie in NS-Lagerhaft. An diesen Skandal erinnert Regisseur Christian Frosch nüchtern, aber schonungslos: ein aufwühlender Sozial-Schocker.

      Autoritäre Eltern und eine Staatsgewalt, die alles wegsperrt, was nicht der Norm entspricht: Das assoziiert man normalerweise mit totalitären Regimes − und vergisst, dass es in der Bundesrepublik bis Anfang der 1970er Jahre vielerorts nicht viel besser aussah. Es waren auch diese Zustände, die Studenten Ende der 1960er Jahre auf die Straßen trieben.

      Regisseur Christian Frosch hat sich einer solchen Geschichte angenommen, doch sie hat im Gegensatz zu etlichen Filmen über diese Epoche nicht direkt mit den Protagonisten des RAF-Terrors zu tun. „Von jetzt an kein Zurück“ erzählt von gewöhnlichen Jugendlichen in der westdeutschen Provinz im symbolträchtigen Jahr 1968.

      Nebenjob ja, Freund nein

      Der 17jährige Martin (Anton Spieker) will Schriftsteller werden und stellt alles infrage. Sein Schwarm Ruby (Victoria Schulz) geht in seine Klasse und lebt für die Musik. Sie hat eine schöne Stimme und jobbt nach der Schule in einem Plattenladen. Was ihr streng katholischer Vater (großartig: Ben Becker) gerade noch duldet − aber keine Beziehung zu einem Jungen, geschweige denn diesem haltlosen Träumer.

      Offizieller Filmtrailer



      Official Trailer @ https://www.youtube.com/watch?v=DVWduLYcbBM

      Bei den barmherzigen Schwestern

      Martin und Ruby treffen sich heimlich und schmieden große Pläne; das bleibt nicht unentdeckt. Als letzter Ausweg erscheint ihnen, nach Westberlin abzuhauen, wo die Studenten-Revolte tobt. Doch ihre Flucht endet jäh weit vom Ziel entfernt im Landstraßen-Graben.

      Martin wird in das protestantische Erziehungsheim „Freistatt“ gesteckt. Ruby kommt ins katholische Mädchenheim „Bei den barmherzigen Schwestern“, das Mitleid nur im Namen trägt. Beide müssen sich nun allein in einer feindlichen Umwelt behaupten, in der alles darauf angelegt ist, ihren Charakter zu brechen.

      Zu radikal für Förder-Gremien

      Neun Jahre später sehen sie sich wieder: Ruby ist eine leidlich erfolgreiche Schnulzensängerin geworden, die innere Leere mit Alkohol und Tabletten dämpft. Martin war in eine militante Gruppe abgetaucht und im Knast gelandet. Ihre Liebe hat zwar überdauert, aber sie können sie abermals nur im Verborgenen leben. Und beide sind nicht mehr die arglosen Teenager von einst.

      Unprätentiös und ohne Effekthascherei blättert der Film ein dunkles Kapitel bundesdeutscher Geschichte auf, das erst in jüngster Zeit etwas Aufmerksamkeit erhält. Dafür hat Regisseur Christian Frosch lange recherchiert; auch die Realisierung war zeitraubend. Einschlägigen Fernseh- und Filmförder-Gremien war dieser Stoff zu heikel und die Darstellung zu radikal.

      Vater prüft Jungfräulichkeit der Tochter

      Frosch hat größtenteils mit Handkamera in Schwarzweiß gefilmt; farbig sind nur die Episoden, die Ruby 1977 als Schlagersängerin zeigen. Das erinnert in den besten Momenten an Klassiker der nouvelle vague und New Hollywood; etwa, wenn Ruby und Martin mit einem Schulfreund nach Fliegenpilz-Genuss im Rausch freie Liebe ausprobieren.

      Kleine Fluchten aus der Enge ihrer katholischen Kleinstadt, die Frosch in nüchternen Bildern schonungslos beschreibt: Der erzkonservative Vater besteht darauf, sich selbst von Rubys intakter Jungfräulichkeit zu überzeugen, da er seiner Frau nicht vertraut. Sie schiebt willentlich ihr Kind ins Schwesternheim ab; vielleicht, weil sie sich nicht anders zu helfen weiß, oder aus Eifersucht auf deren rebellisches Naturell.

      Oralsex als Schutzgeld-Ersatz

      Martins Vater (Thorsten Merten) ist dagegen in russischer Kriegsgefangenschaft zum invaliden Säufer und Drogensüchtigen geworden. Damit ist er erpressbar und kann nicht verhindern, dass die Behörden seinen Sohn ins Jugendheim einliefern; es gleicht einem Zwangsarbeits-Lager.

      Dort herrscht ein Klima aus Angst und Verleugnung, Kadavergehorsam und Heuchelei: Selten hat ein Film derartige, an NS-Lagerhaft erinnernde Erziehungs-Praktiken so drastisch dargestellt. Da zwingt etwa ein Mitinsasse einen Freund von Martin zum Oralsex als Form der Schutzgeld-Erpressung.

      Erziehung mit Essen von Erbrochenem

      Im Mädchenheim geht es kaum humaner zu: Sadistische Nonnen nutzen jede Gelegenheit, um ihre Schützlinge zu demütigen. Als Ruby den ihr vorgesetzten Fraß nicht essen mag, zwingt man sie, ihn mitsamt ihrem Erbrochenen hinunterzuschlingen. Später kann sie mit ihrer schönen Stimme die Betschwestern etwas milder stimmen. Martin überlebt den Jugendknast dagegen nur mit Härte; danach sagt er dem Gesellschafts-System den Kampf an.

      Atmosphärisch dicht und beeindruckend gefilmt, bewegen sich hervorragende Jungschauspieler durch eine abgeschlossene Welt, die längst verschwunden scheint, aber bis heute nachwirkt: Die Heim-Leidensgenossen von Martin und Ruby werden nun pensioniert. Was sie erdulden mussten, war einer der Auslöser für die extreme Radikalität, mit der ein Teil der 68er-Bewegung gegen die alten Strukturen anging.

      Meinhof schreibt Fernsehspiel

      So schrieb eine gewisse Ulrike Meinhof das Drehbuch für das SWR-Fernsehspiel “Bambule” über den Aufstand in einem Mädchenheim, das am 24. Mai 1970 in der ARD ausgestrahlt werden sollte. Da Meinhof am 14. Mai an der Befreiung von Andreas Baader beteiligt war und mit ihm in den Untergrund ging, wurde die Sendung schleunigst abgesetzt − und erst 24 Jahre später nachgeholt.

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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (beginnt 12. März 2015)

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      epd film @ http://www.epd-film.de/filmkritiken/von-jetzt-kein-zurueck

      Kritik zu Von jetzt an kein Zurück

      Christian Frosch wirft einen Blick zurück im Zorn auf die Jahre '68 bis '77, indem e das Schicksal zweier sensibler Teenager zeigt, die der Enge der westdeutschen Provinz entfliehen wollen und in christlichen Erziehungsheimen landen

      16.03.2015 | Sascha Westphal

      Es ist kaum auszuhalten, das Leben in der westdeutschen Provinz im Jahr 1968. Die Nachrichten berichten zwar von Aufbrüchen und Protesten, doch Berlin ist unendlich weit entfernt. In der Kleinstadt, in der Ruby und ihr etwas älterer Freund Martin leben, scheint die Zeit dagegen stehengeblieben zu sein. Hier herrscht noch der »Muff von tausend Jahren«. Das Sagen haben Männer wie Rubys Vater, ein despotischer Kleinbürger und Katholik, oder der Direktor des Gymnasiums, der Martin zwar ein paar wohlmeinende Worte mitgibt, ihn aber letztlich auch nur brechen will.

      Zucht und Ordnung, lange Röcke und kurze Haare, das ist das Deutschland, in dem das von Victoria Schulz und Anton Spieker gespielte Teenagerpaar gefangen ist. Mit jeder neuen Erniedrigung wachsen ihre Sehnsucht und ihr Verlangen, bis sie schließlich auf der Vespa eines Freundes den Ausbruch wagen und so tragisch wie banal scheitern.

      Die Enge der Provinz und die Enge in den Köpfen der Erwachsenen sind in Christian Froschs Melodrama geradezu erdrückend. Wenn sie unter sich sind, können Ruby und Martin sie zwar für Momente vergessen. Aber dieses Gefühl von Glück und Freiheit, das etwa in ein paar Stücken Fliegenpilz liegen kann, hält nicht an. Eine Zeit lang öffnen sich die Handkamerabilder. Das Breitwandformat weicht dann dem freieren, nicht so einengenden Cinemascope. Sobald die beiden wieder zurück sind in der Welt der Väter und Lehrer, Polizisten und Richter, verengt sich auch das Bild wieder, wird erneut zu einer Art Schraubstock und zum Ausdruck der Atmosphäre von Gewalt und Verdrängung.

      Nach ihrem Fluchtversuch landen die Liebenden im System. Ruby wird in ein Kloster der Barmherzigen Schwestern geschickt. Und Martin kommt nach
      Freistatt, in das berüchtigte Erziehungsheim der Diakonie, das im Endeffekt eine Art Arbeitslager war [ 1899-1995 ! --- DIAKONIE FREISTATT TORFWERK in Betrieb bis 1995 ! ]. Mit der Trennung der beiden wird Von jetzt an kein Zurück zum Heim- und Gefängnisfilm. In einem fast dokumentarisch anmutenden Stil erzählt Frosch von den Methoden, mit denen rebellische Jugendliche zu funktionierenden Untertanen dressiert werden sollten. Jedes der rauen Schwarz-Weiß-Bilder, in denen Frank Amann die Gewalt und die Willkür der Barmherzigen Schwestern wie der Aufseher in Freistatt porträtiert, wird zu einem filmischen »J’accuse«.

      Christian Froschs Zorn angesichts der Verhältnisse, die sein Liebespaar zerstören, erfüllt jeden Augenblick des Films. Von jetzt an kein Zurück hat etwas Maßloses, in seinem Groll wie auch formal. So folgt auf das Heimkapitel ein Sprung ins Jahr 1977. Ruby schlägt sich nun als Schlagersängerin durch und ertränkt ihre Erinnerungen in Alkohol. Martin, der Schriftsteller werden wollte, war aufgrund von Verbindungen zur terroristischen Szene im Gefängnis. Als die beiden noch einmal zusammentreffen, ist ihre Zukunft längst vorüber. In diesen Momenten erinnert Froschs Aufschrei an Rainer Werner Fassbinders Arbeiten jener Jahre. Wie Fassbinder gelingt auch Frosch eine Repolitisierung des Melodramatischen. Die Emotionen, die er provoziert, lähmen nicht, sondern sind ein Ansporn zu handeln.

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      INFORMATION ZUR QUELLE DIESER FILM-REZENSION:
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      Redaktion epd Film: Rudolf Worschech (verantw.), Sabine Horst, Barbara Schweizerhof
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      Herausgeber: Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik gGmbH, Dr. Thomas Schiller, Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes.
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD. ( Christian Frosch’s Film "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", seit Fr. 19.06.2015 auch in österreichischen Kinos. )

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      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD. Hier in diesem Thread ist die Rede von Christian Frosch’s FILM "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", seit Fr. 19.06.2015 auch in österreichischen Kinos.

      Siehe diesbezüglich auch folgendes INTERVIEW direkt aus Österreich in Salzburger Nachrichten ( vom Do. 18.06.2015 ) @ http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/kultur/sn/artikel/von-jetzt-an-kein-zurueck-gewalt-statt-barmherzigkeit-154553/

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      Salzburger Nachrichten

      Welt | Kultur

      "Von jetzt an kein Zurück": Gewalt statt Barmherzigkeit

      Von Magdalena Miedl | Do. 18.06.2015 - 19:11 Uhr

      In kirchlichen Erziehungsheimen ging es übel zu. Ein Melodram erzählt davon.

      Zwei junge Leute verlieben sich ineinander, versuchen den Repressionen ihrer Eltern zu entfliehen und werden ins Heim gesteckt. Für die Hauptdarsteller Victoria Schulz und Anton Spieker gab es kürzlich den Nachwuchspreis beim Deutschen Filmpreis, der österreichische Regisseur Christian Frosch bekam für seinen Film den Diagonale-Publikumspreis - und spricht im SN-Interview über die Verbrechen kirchlicher Heime.

      SN: Wo kommt die Geschichte Ihres Films her?

      CHRISTIAN FROSCH: Die Kleinstadtenge im ersten Teil habe ich selbst so erlebt, die Siebzigerjahre im Waldviertel waren von der Mentalität her wie woanders die Fünfzigerjahre. Das war damals wahnsinnig eng. Aber der eigentliche Anlass, den Film zu machen, war eine nächtliche Begegnung mit einem Mann, der in einem solchen Heim war.

      SN: Das muss ein beeindruckendes Zusammentreffen gewesen sein.

      CHRISTIAN FROSCH: Ich war nachts unterwegs in Berlin Kreuzberg. In einem Lokal fragt mich einer, was ich beruflich so mache, und als er hört, dass ich Filme drehe, sagt er: "Ich hab die Geschichte für deinen nächsten Film: mein Leben!" Normalerweise überlege ich in so einem Moment, wie ich schnell wegkomme. Aber dann hat der begonnen zu erzählen, reflektiert und genau, und das hat mich wirklich gepackt. Wir haben tags darauf telefoniert, und beim nächsten Treffen hat er jemand Zweiten mitgenommen, der ebenfalls in einem Heim war. Ich wurde sozusagen gekapert als jemand, der "über unsere Geschichte etwas machen will". Ich hätte mich natürlich wehren können. Aber viele von diesen Leuten haben mit mir zum ersten Mal richtig über ihre Erfahrungen gesprochen. Es waren über fünfzig Interviews, wirklich erschütternde Geschichten.

      SN: Haben Sie die extremsten Erfahrungen herausgepickt oder ist repräsentativ, was in Ihrem Film geschieht?

      CHRISTIAN FROSCH: Die Kreativität von Sadismen ist unendlich groß, ich hab die ganz schlimmen Dinge eher vermieden. Der ganze Bereich sexueller Missbrauch etwa ist weitgehend ausgespart, da gibt es nur Anspielungen. Aber diese komische Obsession mit der Jungfernschaft ist etwas sehr Katholisches, diese Sexualisierung durch Verleugnung von Sexualität erzeugt eine ganz merkwürdige Perversion. Es haben auch alle erzählt von der Leibfeindlichkeit in diesen Anstalten. Sie durften nicht nackt duschen, jede Form von Körperlichkeit war verboten, gleichzeitig waren das Mädchen und junge Frauen, die zum Teil schon sexuell sehr erfahren waren. Letztendlich ist das eine völlig kranke Welt.

      SN: Es gibt viele Beispiele von Heimliteratur und Filmen zum Thema. Haben Sie sich daran orientiert?

      CHRISTIAN FROSCH: Ich habe mich an die realen Erfahrungsberichte aus meinen Interviews gehalten. Mir war wichtig, dass die zwei Heime, die ich zeige, stimmen. Bei dem katholischen Heim habe ich mich an den Barmherzigen Schwestern in Dortmund orientiert. Und das andere ist Freistatt in Niedersachsen, wo die Jugendlichen im Moor arbeiten mussten. Da haben mir Leute bestätigt, die das erlebt haben: "Ja, so war's, nur viel schlimmer!"

      SN: Waren die Skandale, die es in Deutschland in den letzten Jahren zu verschiedenen Heimen und Schulen gab, ein Motor für diesen Film? In Österreich gab es ja kaum Skandale, obwohl die Heime genauso existierten.

      CHRISTIAN FROSCH: Ich würde sagen, in Österreich ist das ein anhaltender Skandal. Eine Motivation war sicher das Gefühl, diese Geschichte muss erzählt werden. Zugleich ist aber ein Spielfilm etwas anderes als eine Reportage. Für mich war wichtig, dass das kein reiner Heimfilm wird, sondern ein Zeitporträt. Es spielt zwischen 1967 und 1977, das Vorher und Nachher ist notwendig, sonst habe ich eine schlimme Horrorgeschichte, aber man muss auch die Zeit spüren. Ich habe mich für die späten Sechzigerjahre entschieden, weil das die Zeit ist, in der diese zwei Welten am meisten auseinanderklaffen: der gesellschaftliche Aufbruch und die noch immer im Faschismus hängen gebliebene Gesellschaft.

      SN: Kaum ein Film über diese Zeit verdeutlicht so sehr, wie zwingend der Aufbruch war. Ihr Film zeigt ein Deutschland an der Kippe.

      CHRISTIAN FROSCH: Ja, das betrifft auch Österreich: Es gibt einige Filme über die Sechziger- und Siebzigerjahre, besonders über die RAF, aber es fehlt immer die Vorgeschichte zur Revolte. Woher diese Gewaltbereitschaft kam, ist für junge Leuten heute, glaube ich, nicht mehr nachvollziehbar. Es gab Ende der Sechzigerjahre die sogenannte Heimkampagne: Da wurden plötzlich die Heimkinder von linken Journalisten ins Zentrum gerückt. Und die Anführer dieser Kampagne hießen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Einige ehemalige Heimkinder sind dann auch zur RAF gegangen. In den Texten von Meinhof zu dem Thema schreibt sie etwa: "Das, was in den Heimen passiert, ist der wahre Kern der Gesellschaft, das, was die Gesellschaft will. Darauf kann man nicht mehr mit friedlichen Mitteln reagieren." Das war eine Fehleinschätzung, aber dadurch wird einiges verständlich.


      FILM. "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK
      ". Drama, Österreich 2015. Regie: Christian Frosch. Mit Victoria Schulz, Anton Spieker, Ben Becker, Erni Mangold, Walfriede Schmitt. Start: 19. 6.2015

      Dieser Artikel ist aus der gedruckten Ausgabe der "Salzburger Nachrichten".

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      QUELLE: Salzburger Nachrichten @ http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/kultur/sn/artikel/von-jetzt-an-kein-zurueck-gewalt-statt-barmherzigkeit-154553/

      Subject: KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD (in diesem Fall der Kinofilm "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK" von dem in Berlin ansässigen österreichischen Filmregisseur Christian Frosch).
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      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „Martini“ ()

      Hallo „ Martin „

      Es ist jetzt 5 Uhr Morgens, unruhig geschlafen.

      Wieder mal ins Forum rein, Deinen Beitrag gefunden, sehe das Datum dieses Berichtes, 15. Febr. 2015.

      Der Todestag meines langjährigen Partners.

      Ich selbst war Heimkind bis zum 8. Lebensjahr, dann Adoption.

      Habe noch nicht alles gelesen, den Kurzclip angeklickt.

      Ich finde es beachtenswert das ein Nichtbetroffener so tief und ausführlich diese Thematik aufgreift, verfolgt, recherchiert, sich engagiert.

      Ich selbst habe mich das erste Mal vor ca. 4 Jahren in diesem Forum geäußert, mich raus gewagt.

      Schamgefühl, obwohl Betroffener, sitzt, saß tief, leider.
      Der nicht sellbst verschuldete Lebensweg, hatte bei mir, sicherlich auch anderen, im Unterbewusstsein Minderwertigkeit zur Folge, hab ich auf den Müll geworfen.

      Nach dem Tod meines Partners kamen die früheren Ängste wieder, aber mein Schamgefühl hat sich verflüchtigt, schreibe hier im Forum mein Erlebtes, Andere tun es, kann mit Freunden und Bekannten darüber reden, das ist gut so.

      „ Martini „ nochmals meinen Respekt, Gruß Karlheinz

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „pltb“ ()

      KINOFILM über die damalige Heimerziehung in der BRD. ( Christian Frosch’s Film "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK", seit Fr. 19.06.2015 auch in österreichischen Kinos. ) [ zu diesem Zeitpunkt aber wohl nicht mehr ]

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      Der selbst betroffene Threaderöffner »martini« ( ex-Freistätter der frühen 1960er Jahre! ) berichtet - überall - weiter, ------ auch zu diesem Thema.

      Der in Berlin ansässige össterreichische Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor, Christian Frosch, machte mich gestern darauf aufmerksam


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      "VON JETZT AN KEIN ZURÜCK"

      Vier Nominierungen für den deutschen Kritikerpreis 2015 für

      BESTER SPIELFILM
      BESTE DARSTELLERIN (Viktoria Schulz)
      BESTE MUSIK (Andreas Ockert)
      BESTER SCHNITT (Karin Hammer, Daniel Scheimberg)

      Zwei Nominierungen für den österreichischen Filmpreis für

      BESTES DREHBUCH (Christian Frosch)
      BESTES KOSTÜMBILD (Stefanie Jauß)

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      QUELLEN:
      http://www.vdfk.de/news/view/195-nominierungen-fur-den-preis-der-deutschen-filmkritik-2015-stehen-fest und
      http://www.oesterreichische-filmakademie.at/2016/nominierungen2016.html

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      NOMINIERUNGEN FÜR DEN PREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK 2015 STEHEN FEST

      Nominierungen für den Preis der deutschen Filmkritik 2015:
      Filmkritiker nominieren 32 deutsche Produktionen für Auszeichnungen in 12 Kategorien

      Die Jurys des Verbandes der deutschen Filmkritik haben ihre Favoriten für den seit 1956 vergebenen Preis der deutschen Filmkritik bekannt gegeben - insgesamt 32 verschiedene Filme aus dem vergangenen Kinojahr wurden für die 12 Kategorien der renommierten Auszeichnung nominiert:
      Gleich vier Nominierungen erhalten [] auch Christian Froschs „Von jetzt an kein zurück“ über die Auswirkungen der 1968er-Revolte. [] ist Christian Froschs facettenreiches Porträt der BRD-Ära als bester Spielfilm, für die beste Darstellerin (Victoria Schulz), die beste Musik und den besten Schnitt nominiert.

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      QUELLE:
      http://www.vdfk.de/news/view/195-nominierungen-fur-den-preis-der-deutschen-filmkritik-2015-stehen-fest
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      ––––––––––––––––––––
      Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus.

      Heimkinder appellieren an VATER STAAT und MUTTER KIRCHE Sühne zu tun:
      Ein Denkmal in Musik gesetzt

      Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf ständiger Wachsamkeit.

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