Macht was draus............

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      Macht was draus............

      Kerstin Lauterbach: Sachsen muss sich aktiv an Aufarbeitungsprozess zu Medikamententests in der DDR beteiligen
      geschrieben von Redaktion
      Freitag, 24. Mai 2013 19:57

      (BPP) Zu der anhaltenden Diskussion über Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen in Kliniken der DDR erklärt die Sprecherin für Gesundheitspolitik, MdL Kerstin Lauterbach:

      „Ich begrüße ausdrücklich, dass Gesundheitsministerin Claus die betroffenen sächsischen Krankenhäuser angewiesen hat, vorerst keine Akten aus DDR-Zeiten mehr zu vernichten. Das allein reicht aber nicht. Ministerin Claus muss sich ebenfalls dafür einsetzen, dass die Pharmaindustrie alle damit im Zusammenhang stehenden Patientenakten bzw. Dokumentationen der Arzneimitteltests herausgibt.

      Ich erwarte außerdem, dass sich der Freistaat umgehend der Initiative der Bundesregierung zur Einsetzung einer unabhängigen Kommission im Aufarbeitungsprozess anschließt. Schnelle und transparente Aufklärung ist gefragt. Die Kommission soll und kann herausfinden, ob und in welcher Weise bei den damaligen Medikamententests Patienten-Rechte verletzt worden sind.

      Der Weg der politischen Aufklärung kann nur über eine unvoreingenommene wissenschaftlich-historische Studie gegangen werden. Eine Vorverurteilung vor Abschluss der Studie indes darf es nicht geben. Falls sich aber herausstellt, dass tatsächlich Patientenrechte verletzt und/oder Menschen gesundheitlich geschädigt wurden, muss es eine umgehende und unbürokratische Entschädigung und Hilfe für die Opfer der medizinischen Testreihen in der ehemaligen DDR auf dem Gebiet des heutigen Freistaats geben.

      Klinische Studien neuer Medikamente finden auch heute in Deutschland und weltweit statt. Die Schutzvorschriften für Patientinnen und Patienten werden stets weiterentwickelt. Dennoch gibt es immer wieder Versuche, diese aufzuweichen oder zum Beispiel deren Gültigkeit nur für Europa zu erklären. Deshalb begrüße ich ausdrücklich die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA, ab 2014 alle Studiendaten für in der EU zugelassene Medikamente grundsätzlich zu veröffentlichen. Pharmakonzerne müssen demokratisch kontrollierbar werden. Tests und klinische Studien, oftmals auch gefördert mit Steuergeldern, müssen ethisch-wissenschaftlichen Kriterien genügen, einen Mehrwert für die Allgemeinheit sowie einen individuellen Nutzen für den kranken Menschen haben.“
      Dass es Medikamententests in der damaligen "DDR" durch westdeutsche Pharmakonzerne gegeben hat, mag ja sein. Für Geld tat die "DDR" übrigens alles, und stand den von ihr verteufelten "Kapitalisten" hier in keiner Weise nach, zumindest nicht, was rücksichtslose Gier und die Nachfrage an Devisen anbelangte. Daher verwundern mich solche "Verträge" mit westlichen Pharma-Konzernen überhaupt nicht.

      Aber keine Bange - solche Schummeleien gab und gibt es auch im "Westen". Beweise gefällig? Dann hierzu einmal eine Geschichte aus eigenen Eindrücken. Da gab es vor langer Zeit bei unserer Bundeswehr verschiedene Stufungen an Sanitätslehrgängen, darunter den San-Lehrgang II, der ein Mindestmaß an Kenntnissen der Krankenpflege beinhaltete. Einen solchen durfte ich - in der verkürzten Version für Reservisten - auch einmal mitmachen. Unser Lehrgangs-leiter war ein Oberfeldwebel, der selber ebenfalls Reservist und im Zivilberuf Anästhesie-Pfleger in einer Klinik war. Und er erzählte uns von genau den Machen-schaften der Pharmazeutischen Industrie, wonach deren Vertreter mit neuartigen Präparaten in Krankenhäusern erschienen und - natürlich nicht öffentlich - Arzt - und Pflegepersonal dazu zu bewegen versuchten, diese Medikamente an ihren Patienten auszuprobieren. Natürlich ohne deren Wissen. Dies wurde in vielen Fällen gegen ein entsprechendes Trinkgeld auch bereitwillig gemacht.

      Diese Geschichten wurden uns von einem Anästhesiepfleger erzählt, der solche Machenschaften sehr wohl mitbekommen hatte - in einer "westlichen" Klinik. Offensichtlich legte er besonderen Wert darauf, dass sich das herumsprach, wovon ich auch jetzt und hier gerne Gebrauch mache.
      Und noch etwas gab mir damals eigentlich zu denken: Unser Lehrgangsleiter war alles andere als ein Freund der Schulmedizin und der Pharmazie. Der wird schon seine Gründe dafür gehabt haben, zumal er sonst ein hervorragender Ausbilder war, der nicht in der trockenen Theorie versackte, sondern voll aus dem realen Leben heraus seinen Unterrichtsstoff an den Mann brachte.