Die Besatzungskinder unter den Ehemaligen Heimkindern (a.) der Bundesrepublik Deutschland und (b.) der Deutschen Demokratischen Republik.

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      Bons schrieb:

      Wir sind wohl doch eher Omakinder


      Das glaube ich auch, denn die vielen Jahre hat sie mir die Liebe geschenkt und mich behütet,
      die ich nie von meiner Mutter bekommen habe und mich sogar aus dem Säuglingsheim rausgeholt.
      Zur Einschulung musste ich dann wieder zu meiner Mutter......entsetzlich.
      Mein Vater wurde sicherlich erschossen nach Erfahrungsberichte, das ist grausam für mich und erfahre auch nichts über ihn.
      Alles Geheimakte und verschlossen.

      Christa_MD schrieb:

      denn die vielen Jahre hat sie mir die Liebe geschenkt und mich behütet,

      Manchmal, wenn ich an die Kindheit denke, dann rieche ich das gebratene Brot, das sie
      mir immer wieder gerne gemacht hat. So lecker in Butter gebraten und
      dann Rübenkraut drauf. Ich sehe sie beim Haare kämmen. Sie trug einen dicken Knoten
      und morgens warf sie die Haare über den Kopf nach vorne und fuhr mit der Bürste immer wieder da durch, bis
      sie so locker waren, das sie erst den Zopf und dann den Dutt machen konnte. Diese Bilder
      hüte ich in meinem Herzen. Von meiner Mutter weiß ich nicht einmal die Gesichtszüge mehr.
      Oma Bons war die Stiefmutter meiner Mutter. Aber eine bessere hätte sie nie haben können-
      und ich keine liebevollere Oma. Na ja, sie wurde aber alt und konnte mich nicht mehr betreuen.
      Als ich ins Heim kam, war sie zwar erst 65, aber das war damals sehr hochbetagt. Oma kam 1898
      zur Welt. Sie ist 1982 gestorben, da saß ich in Berlin-Tegel in Haft. Niemand hatte mich informiert.
      Es gibt "Lieben" die halten ewig und drei Tage, wenn alles andere schon vergessen ist.
      Deinem obigem Satz entnehme ich das gleiche Gefühl. Oma ist der Grund, weshalb ich mit keiner
      Frau leben kann, obwohl ich Frauen mehr mag als Männer(bis auf meinen Mann :) ).
      Das sag ich ganz offen. Ich habe immer verglichen-obwohl es nicht fair ist.
      Es ist nicht das Brot, nicht die Haare, nichts was man sehen oder greifen kann. Es ist diese
      lebendige Tiefe mit der sie mich angesehen hat und die Wärme in ihrer Stimme, die Sanftmut und
      die Kraft, mit der sie um mich gefochten hat. Na ja, Omas eben
      Das Leben ist eine kurze Unterbrechung immerwährendem Fortseins
      Hallo Bons,
      ich erkenne das erste Mal in Dir etwas Besonderes ,was mich sehr berührt
      und hat sicherlich damit zutun,dass wir unsere Omi viel zu verdanken haben und sie immer noch in unseren Herzen lebt.
      Meine Omi hatte keinen Knoten im Haar,sie trug ein Haarnetz und ich schlief mit ihr in einem Bett.
      Jetzt kommen Erinnerungen in mir hoch ,die sie leben lässt und sie mir sagt, " mein Kind,du wirst deinen Weg gehen und der ist gut "
      das hat sie oft gesagt.
      Ich habe es gemacht und sie war immer mein Wegbegleiter in Gedanken.
      Ich habe eine alte Platte,darauf ist das Lied " Kleines Haus am Wald " , mein Mann spielt es mir oft,ich liebe es, weil wir es damals immer gesungen haben,als ich noch klein war.
      Sie war mit ihren 8 Brüdern und 2 Schwestern im Chor und hat mich immer mitgenommen.
      Meine Güte ,ich schwelge gerade in meiner Kindheit,ein Stück des Lebens,was sehr schön war.
      Ich finde das sehr schön, dass Ihr zu euren Omis aufschauen konntet, ihr liebe Erinnerungen an sie habt.

      Auch, wenn das gerade nicht direkt zum Thema gehört.
      Meine Oma kenne ich noch weniger, als meine "Produzentin".
      Ich hätte mich bestimmt sehr darüber gefreut, wenn ich ein paar herzlichere Familienmitglieder meinerseits gekannt hätte. Nicht mal mein Vater ist mir bekannt, lediglich ein Eintrag auf meiner Geburtsurkunde. Ein Name auf einem Papier - mehr leider nicht. Es könnte sogar sein, dass er bereits zeitig verstarb, denn in meinem letzten Heim bekam ich zu Weihnachten plötzlich "Halbwaisen-Weihnachtsgeld" für Weihnachtsgeschenke. Es wurde mir nie erklärt warum.
      Ein ehem. Besatzerkind kommt vermutlich für mich nicht in Frage, dazu bin ich zu jung. Aber ich erkenne dennoch einige Parallelen.
      Was ich daraus für mich mitnehme...
      Dass ich nicht nur versuchte, eine liebevolle Mama für meinen Sohn zu sein auch, solange es mir möglich ist für meinen kleinen Enkel, eine liebevolle Omi.
      Ihm soll es an Nichts fehlen und damit meine ich keine finanziellen Güter!

      Meine ehemalige Psychologin fragte mich mal, warum ich in der Lage bin, Liebe und Güte an meine Familie weiter zu geben, obwohl ich es kaum bis gar nicht erfahren habe.
      Es waren die kleinen Momente, welche ich erleben durfte. Selbst wenn es nicht innerhalb meiner Familie geschah. Kurze Begegnungen mit herzenguten Menschen, diese nahm ich mir zum Vorbild. Manchmal waren es Worte, manchmal nur Gesten oder Mimik, wie ein kleines Lächeln in den Augen, aber ein fester Blick und man wusste, ob man Vertrauen zulassen durfte oder nicht.


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Mandy“ ()

      Meine leibliche Oma- Antoinette Wolf -ist kurz nach der Geburt meiner Mutter 1928
      gestorben. Sie hatte noch 12 Geschwister, 11 Mädchen und einen Bruder-Onkel Leo.
      Meine Urgroßeltern ,Sarah und Ruben Wolf, waren eben fleissig.
      Zu allen meinen Großtanten hatte ich einen guten Draht. Sie haben mich nämlich alle
      bei sich gehabt. Jede für eine gewisse Zeit. Bis ich dann eines Tages zu meiner Stiefoma kam.
      Die letzte der 12 Mädchen ist vor 6 Jahren in Alhausen bei Bad Driburg gestorben.
      Das war meine Tante Töne(Antonia). Ich bin sicher, das einige unter Euch -die in meinem Alter
      sind-mittelbar oder unmittelbar mit ihr zu tun hatten. Sie war Leiterin der Jugendfürsorge
      in Bottrop und Essen. Sie wurde 101 Jahr alt. Ein Jahr vorher starb Tante Franziska mit 98.
      Dann gab es Tante Leni(Magdalena). Ihr gehörte das Hotel Lauer in Herten. jetzt ist dort das
      Rote Kreuz drin oder die Johanniter oder irgendeine dieser Organisationen.
      Alle meine Großtanten-Mimi, Irma, Gerti, Ingrid-den Rest habe ich vergessen- waren gut für mich.
      Jede Frau in meinem Leben war gut für mich-bis auf meine Mutter.
      Aber keine von ihnen hatte mir damals erzählt wer mein Vater ist. Ich habe alle gelöchert und
      genervt. Die burschikoseste unter ihnen -meine Tante Ingrid sagte mal dazu: " Dein Vater?
      Leg Dich mal auf die Kreissäge und frag dann , welche Zacke dich zuerst geritzt hat."
      Das hat mich damals erschüttert, nachdem ich den Spruch verstanden hatte.
      Erst vor einigen Jahren, vor dem Tod meiner Mutter und seinem eigenen, hatte mir ihr Bruder Theo(einer von Egons Patienten)
      und eine ehrliche Haut erzählt wer mein Vater war und wie er hieß.
      Das einzige was ich schon vorher mal hörte war, das mein Erzeuger ein amerikanischer Offizier war, sehr
      dominant und wuchtig von seiner Art. Er hatte meiner Mutter befohlen die Sachen zu packen und
      mit nach Amerika zu kommen. Die hat Nein gesagt und Nein gemeint. Danach fragte er kein zweites mal
      und war weg. Sie hatte danach mehrmals geheiratet und dann war ich weg. So kann`s gehen.
      Das Leben ist eine kurze Unterbrechung immerwährendem Fortseins
      Zitat von ChristaM_D.

      Meine Güte ,ich schwelge gerade in meiner Kindheit,ein Stück des Lebens,was sehr schön war.
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      Hallo Christa.
      Du weist gar nicht,wie schön Du das geschrieben hast.Meine Oma Wohnte in einer anderen Stadt und fuhren nur zum Besuch dort hin.Aber ich Denke des öfteren an meiner Kindheit zu rück.Mein Bruder und ich hatten eine schöne Kindheit.Wir wohnten am rande der Stadt.Wir hatten alle Freiheiten.Für mich war das auch ein Anlass, am rande meiner Heimatstadt ein Haus für meine Kinder zu Bauen.Ich bin sehr gut dabei gefahren.Meine Kinder konnten sich Austoben.Sie waren Frei und Ungebunden.

      Bons schrieb:

      Alles nicht so einfach Eberhard. Man sollte froh sein zu leben und gut. Aber es gibt immer wieder Fragen. Das ist weniger gut, wenn Antworten ausbleiben.


      ein besatzungskind bin ich nicht, denn ich weiß, wer mein vater ist. ich bin ihm häufig begegnet. als ich im kinderheim war, bin ich häufig im nachbarhaus gewesen, um dort mit einem gleichalterigen zu spielen. es war das haus meines vaters. aber ich wusste nicht, dass er mein vater war, das habe ich erfahren, als ich 18 jahre alt war.
      meine mutter habe ich nie kennengelernt. meine halbschwester hat mir weihnachten ein foto von ihr gezeigt, auf dem noch drei geschwister mit abgebildet waren. meine gefühle fahren seither achterbahn.

      aber ich kann zu einer oma und zurückblicken. ich durfte oma zu ihr sagen. sie war, im gegensatz zu meiner pflegemutter, sehr warmherzig. dieses eine jahr mit ihr (sie starb leider ein jahr, nachdem ich zu den pflegeeltern/zu ihr und dem opa kam) zusammen in einem haus, war die zeit, an die ich gern zurückdenke. es ist schön, ihre warmherzigkeit zu spüren.

      aber, meine biographie lässt noch zig fragen offen, auf die ich bisher keine antworten bekommen habe und vermutlich nur aus akten erfahren könnte, falls es diese noch geben sollte.
      antworten sind bisher ausgeblieben. es ist es ist gefühl, nicht geerdet zu sein.
      Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich darin zurecht finden.

      (Albert Einstein)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „xyz1“ ()