Norbert Denef: Ich habe 35 Jahre geschwiegen... Petition zur Aufhebung der Verjährungsfristen von sexuellen Missbrauch

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      Norbert Denef: Ich habe 35 Jahre geschwiegen... Petition zur Aufhebung der Verjährungsfristen von sexuellen Missbrauch

      Liebe Freundinnen und Freunde in Deutschland,





      Auf diesem Bild bin ich gerade einmal zehn Jahre alt. Erst 35 Jahre
      später habe ich es geschafft, über die Geschehnisse meiner Kindheit zu
      sprechen.
      Laut deutschem Gesetz ist das jedoch viel zu spät, um Sexualstraftäter zu verurteilen. Das ist ein Skandal! Helfen Sie mir mit Ihrer Unterschrift, dieses Gesetz zu ändern und Kinder in Zukunft besser zu schützen!





      Ich habe 35 Jahre gebraucht, um über die Geschehnisse meiner Kindheit zu sprechen. Laut deutschem Gesetz ist das jedoch viel zu spät, um Sexualstraftäter zu verurteilen. Das ist ein Skandal! Helfen Sie mir mit Ihrer Unterschrift, dieses Gesetz zu ändern und Kinder in Zukunft besser zu schützen!

      Bereits nach zehn Jahren können Sexualstraftäter nicht mehr verurteilt werden. Um Druck auf die Politik auszuüben, bin ich deshalb vor drei Wochen in den Hungerstreik getreten -- und plötzlich habe ich die Aufmerksamkeit der Abgeordneten zurück gewonnen!

      Die Zeit rennt -- jeden Tag fühle ich mich schwächer. Aber Sie können
      mir Kraft geben: Unterzeichnen Sie jetzt meine Petition an den
      Bundestag
      für eine Aufhebung der Verjährungsfristen für
      Sexualstraftaten und senden Sie diese E-Mail an alle Ihre Freunde!
      Sobald wir 25.000 Unterschriften erreichen, werden wir die Petition an
      die Vorsitzenden aller Parteien übergeben:

      avaaz.org/de/petition/Eine_Ref…_Gesetze/?bKDptbb&v=15711

      Betroffenen gelingt es oft erst nach Jahrzehnten, die Mauern aus Scham und Angst zu durchbrechen -- mit einer Gesetzesänderung können wir die fast 10 Millionen Opfer in Deutschland schützen, von denen jedes Jahr nur etwa 15.000 die Kraft haben, die Täter anzuzeigen.

      Während ich aufgrund meines Hungerstreiks täglich schwächer werde, so gibt mir doch jede Unterschrift neue Kraft,
      da ich sehe wie unsere Gesellschaft sich gemeinsam dafür einsetzt, dass
      unschuldige Kinder geschützt werden. Unterzeichnen Sie jetzt und senden
      Sie diese E-Mail an all Ihre Freunde. Vielen Dank!

      avaaz.org/de/petition/Eine_Ref…_Gesetze/?bKDptbb&v=15711

      Voller Hoffnung und Entschlossenheit,

      Norbert Denef, gemeinsam mit dem Avaaz-Team

      P.S. Diese Petition wurde von Norbert Denef, einem Avaaz-Mitglied, gestartet. Ihre Daten wurden nicht weitergegeben. Auch Sie können eine eigene Petition starten -- ganz einfach und schnell auf der neuen Avaaz Petitions-Seite: avaaz.org/de/petition/start_a_petition/?bv15668

      Weiterführende Informationen:

      Ein Mann macht ernst (Die Zeit):

      zeit.de/2012/26/Hungerstreik-Denef

      Sexueller Missbrauch von Kindern steigt an (Focus):

      focus.de/politik/deutschland/e…steigt-an_aid_752263.html

      Leiden an Körper in Seele (Welt):

      welt.de/print/wams/vermischtes…an-Koerper-und-Seele.html
      Es sind bereits über 51.000 Unterschriften unter der Petition und noch keine Ende abzusehen. Wenn es über 100.000 werden macht Avaaz aus der Petition vermutlich eine Kampagne und dann ginge es erst richtig los.

      Jeder der bei Facebook einen Account hat, kann auf den Button am Ende der Petition klicken und dann auf "teilen" klicken. So erscheint es auch auf der Pinnwand oder neu in der Chronik der Facebook-Seite. Mit Twitter kenne ich mich nicht aus.

      Ich hoffe auf einen Riesenerfolg und damit auch auf einen Riesendruck auf die Politiker. Mit diesem Rückenwind kann Norbert Denef dann hoffentlich von seinem Hungerstreik erlöst werden, bevor es ihm möglicherweise noch das Leben kostet.

      Mindwider

      Petition unterschrieben und auf Facebook geteilt. Mache mir Sorgen um Norbert und hoffe dass er dies überlebt. Den Mut muss einer erstmal aufbringen!!!!!
      Es soll Menschen geben, die sind bestechlich.......pfui Deibel.....aber es gibt sie...
      Es gibt aber auch Menschen, die sind einfach unbestechlich........die wollen noch nicht mal Vernunft annehmen!!!!
      05.07.2012 · 19:15 Uh


      Der Papst ließ in einem Brief an Denef
      schreiben "dass er für mich betet, dass ich wieder vergeben kann. "
      (Bild: dpa picture alliance / Markus C. Hurek)



      Missbrauchsopfer geht in Hungerstreik


      Opfer fordern Aufhebung der Verjährungsfristen


      Von Rainer Link


      Als Norbert Denef den Pfarrer und den Kirchenangestellten,
      die ihn als Kind sexuell missbrauchten, anzeigen will, sind deren Taten
      bereits verjährt. Gegen die Verjährung von sexuellen Gewalttaten wehrt
      sich der Anfang 60-Jährige jetzt mit einem Hungerstreik.







      Norbert Denef sitzt aufrecht auf einem Stoffsofa, in der Hand eine
      Flasche Mineralwasser. Trotz Hungerstreiks wirkt er hoch konzentriert.
      Er schildert seine eigene Opfergeschichte, beginnend in den späten
      50er-Jahren in Delitzsch in Sachsen.

      "Also
      der eine, der erste Täter, das war ein Pfarrer, ein katholischer
      Pfarrer, der wurde sieben Mal immer wieder versetzt in andere Gemeinden,
      immer dann, wenn man in der Gemeinde angefangen hat darüber zu
      sprechen. Nach meinen Recherchen hat er ungefähr 150 bis 200 Kinder,
      Jugendliche, missbraucht. Ich bin ganz klassisch groß geworden, war
      glücklich darüber, nun endlich Messdiener zu sein. Ich hab mich dann
      sogar noch von dem Pfarrer, der mich sechs Jahre lang missbraucht hat,
      trauen lassen. Den schönsten Tag meines Lebens."

      Norbert
      Denef ist Anfang 60 und Rentner, die traumatischen Erlebnisse aus seiner
      Kindheit begleiten ihn noch immer und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen.

      "Mit
      40 ging nichts mehr: Depressionen, Wutanfälle, Panikattacken,
      Herzrhythmusstörungen, die ganze Palette. Wo der Papst mir geschrieben
      hat, als ich ihn angefleht hatte: Bitte hilf mir, der Bischof von
      Magdeburg will mich mit 25.000 Euro zum Schweigen zwingen. Bitte hilf
      mir! Und der mir dann nach einem halben Jahr hat schreiben lassen, dass
      er für mich betet, dass ich wieder vergeben kann. Das war die Antwort.
      Da ging das Licht aus bei mir, und ich hab versucht, mir das Leben zu
      nehmen."

      Sexuelle Gewalt verjährt im deutschen Strafrecht
      nach zehn Jahren, im Zivilrecht sogar nach drei Jahren. Die Männer, die
      Norbert Denef als Jungen missbrauchten, konnte er deshalb nicht mehr zur
      Verantwortung ziehen. Mit anderen Opfern sexualisierter Gewalt hat
      Denef den Verein "Netzwerk B" gegründet, der sich ausdrücklich nicht als
      Selbsthilfegruppe, sondern als politische Interessenvertretung
      versteht. Eine der Hauptforderungen: die Abschaffung der
      Verjährungsfristen. Weil nur die Politik den Missbrauchsopfern
      Gerechtigkeit widerfahren lassen könne, besuchte Denef im vergangenen
      Dezember den Bundesparteitag der SPD - weil das die einzige Partei sei,
      die sich überhaupt mit dem Thema beschäftige. Obwohl kein Parteimitglied
      darf er zu den Delegierten sprechen. Er hält ein Foto hoch. Ein Foto,
      das ihn als Kind zeigt.

      "Dieser
      kleine Junge wurde von einem Priester bis zu seinem 16. Lebensjahr
      missbraucht. Und danach weitere zwei Jahre bis zum 18. Lebensjahr von
      einem Kirchenangestellten. Er hat 35 Jahre geschwiegen aus Scham, Angst
      und Schuldgefühlen. Später versuchte er noch die Taten bei der Polizei
      anzuzeigen, weil er Tateingeständnisse von den Tätern hat. Dann musste
      er sich anhören, geht nicht, da ja alles verjährt ist. Verjährt? Alles
      verjährt, und ich soll wieder schweigen?"

      Es ist still geworden in den Reihen der Delegierten. Einige Sozialdemokraten haben Tränen in den Augen.

      "Deshalb
      fordere ich Sie auf und bitte Sie herzlich darum, uns zu unterstützen,
      dass die Verjährungsfristen aufgehoben werden. Das müssen wir aufheben,
      das müssen wir möglich machen, dass es geht, die Verjährungsfristen
      aufzuheben.")

      Einstimmig spricht sich das Plenum für die
      Abschaffung der Verjährungsfristen aus. Kein bindender Beschluss zwar,
      aber ein eindeutiger Wille.

      "Und da
      hat sich die Hannelore Kraft zu mir gesetzt, hat den Arm um mich gelegt.
      Und da sind Tränen geflossen. Und dann kam die Frau Schwesig noch, da
      ist das Gleiche abgelaufen."

      Manuela Schwesig, Sozialministerin von Mecklenburg Vorpommern.

      "Sie sagte noch, wir rennen hier ständig gegen Mauern, und Sie haben das jetzt in drei Minuten erreicht."

      Norbert
      Denef ist vor einigen Jahren in den kleinen Badeort Scharbeutz an der
      Lübecker Bucht gezogen. Die Ostsee ist mein Therapeut, sagt er und
      blickt aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Von hier aus ist ein
      Zipfel der Badebucht zu sehen. Seit einem Monat befindet sich Denef im
      Hungerstreik, nimmt nur noch Wasser und Tee zu sich. Äußerlich hat sich
      der Nahrungsentzug kaum bemerkbar gemacht. Er sagt, es gehe ihm gut.
      Seine politische Bilanz fällt dagegen bitter aus: Nach seinem Auftritt
      auf dem SPD-Bundesparteitag habe sich kein einziger Sozialdemokrat mehr
      bei ihm gemeldet. Auch die Forderung nach der Abschaffung der
      Verjährungsfristen hätten die SPD-ler fallen gelassen. Sie würden jetzt
      nur noch für eine Verlängerung der Fristen eintreten.

      "Das war ein eindeutiges Votum, das war ein eindeutiges Bekenntnis. Das war ein Ehrenwort."

      Nach
      wie vor glaubt Norbert Denef, dass die SPD-Delegierten in ihrer
      Mehrheit seine Position teilen, und darauf will er mit seiner
      Protestaktion aufmerksam machen.

      "Ich
      hab sehr viel nachgelesen bei Gandhi. Und mein Hungerstreik hat nichts
      mit Wut und nichts mit Hass und auch nichts mit Erpressung zu tun. Ich
      benutze diese gewaltfreie Aktion, um den Spiegel vorzuhalten, den
      Spiegel der Politik. Der Anlass war, weil die SPD nicht bereit ist, sich
      dafür einzusetzen, die Verjährungsfristen bei sexualisierter Gewalt
      aufzuheben In den anderen Parteien sieht es genauso aus."

      Auch
      wenn er aus gesundheitlichen Gründen in den nächsten Tagen seinen
      Hungerstreik abbrechen muss, werden Denef und seine Mitstreiter vom
      "Netzwerk B" weiterkämpfen - es geht nicht nur um Fristen, es geht auch
      um angemessene Entschädigungszahlungen für alle Opfer, die bisherigen
      Sätze empfinden sie als ungerecht.

      "Die
      nämlich dann gesagt haben: Wir finden die Opfer mit 5.000 Euro ab. Das
      heißt, die Kirche hat sich da ganz billig rausgekauft, und die Politik
      hat zugeschaut. Die Politik hat Mitverantwortung, dass die wie die
      katholische sowie auch die evangelische Kirche, ja und andere
      Institutionen ähnlich, die Opfer wieder verhöhnt."


      dradio.de/dlf/sendungen/dlfmagazin/1803789/


      http://www.avaaz.org/de/petition/Eine_Re…esetze/?cuHZmbb