Bräunsdorf, Martin-Andersen-Nexö

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

      Hallo "Bräunis"

      Ich war von 73 bis 76 in Bräunsdorf, zu der Zeit waren dort nur Jungs, und kann mich mit euren Erinnerungen nahezu selbst wiederfinden. Namen der "Erzieher" , Orte wie Boek an der Müritz oder Pa in Halsbrücke, so heist der Ort, sind mir bekannt. Ich hatte keine gute Beziehung zu meiner Familie also fiel es mir nicht schwer mit der Trennung von zu Hause zurecht zu kommen. Das heist aber nicht, das ich mich dort wohl gefühlt habe. Das Beste war für mich die Geschichte mit den AG's, ob Sport, Schalmeikapelle oder Holz-AG. Fahrten nach Dresden in die Gemäldegalerie oder Meißen in die Porzeline. Die Sachen haben mir was fürs Leben gegeben. Aber das sind einige positive Erinnerungen. Es gibt auch Andere. Die Einzelhaft im Haus 2 oben unterm Dach in einer 1,5 mal 1,5 Zelle mit 20 cm Lüftungsschlitz in der einer aus unserer Gruppe 4 Tage einsitzen musste. Oder wie der Handrich einem Jungen mit nem Handfeger hinterher rannte um ihn zu vekloppen und ihn mit Hilfe von Tümmel letztendlich auch erwischte und in den Keller brachte.... oder Kruppa, der sich beim Massenduschen von jedem Jungen zeigen lies, ob er sich auch unter der Vorhaut gewaschen hatte...Der militärische Drill beginnend beim Aufsten bis zum Schlafengehen... täglich Aktuelle Kamera - also Rotlicht tagtäglich usw ...

      Ich kenne noch einige Namen der Jungs aus meiner Gruppe oder der Gruppe in der ich 6 Wochen zur "Eingewöhnung" war:

      Norbert Held, Qualle und Fischer(leider nur die Spitznamen aber bekannt für ihre sadistische Tyrannei gegenüber Kleineren), Dietmar Hermann, Eric Dolata(die hatten eine Musikanlage zusammengelötet und in der Dorfkneipe sogar einigemale 'ne Disco beschallt) oder Patrice Urban(dessen Vater ein Farbiger war und der mit seiner Hautfarbe nicht nur bei den Jungs aneckte) und noch einige mehr.

      Naja, ein Andermal Mehr

      MFG Pit
      ich war auch zu dieser zeit in bräunsdorf
      qualle und fischer waren damals in haus 1
      was meinst du mit 6 wochen eingewöhnungszeit?
      sowas ist mir persönlich nicht bekannt,ich kam sofort in gruppe9 haus 3 und blieb dort auch bis zu meiner entlassung
      Das mit der Eingewöhnungszeit war so:

      Ich wurde im Januar nach KM-Stadt in das Durchgangsheim auf dem Kaßberg gebracht. Super Einrichtung mit Schlafzellen unter dem Dach und so. Zu Beginn der Ferien gings mit nem PKW nach Bräunsdorf. Mit Handschellen versteht sich, weil ein 13 jähriger für den Stasi-Fahrer natürlich Gefahr für Leib und Leben bedeutete. Erst Haus 1, welche Gruppe weis ich nicht mehr. Erzieher war da schon Handrich. Nach ner Woche die Fahrt hinten auf nem alten LKW mit ca 30 Leuten nach Boek. Na ja und nach der Rückfahrt direkt in Gruppe 8 Haus 2, wobei diese dann Handrich und Kruppa übernahmen. Eingewöhnungszeit deshalb, weil mir bei meiner Ankunft gesagt wurde, ich sollte mich schon mal mit dem Leben in meinem neuen Zuhause vertraut machen, das wäre schlieslich für die nächsten Jahre das Beste was der Sohn eines Staatsfeindes zu erwarten hätte. Dazu muss ich sagen, war mein Vater als junger Mann Polizist gewesen, hatte aber gekündigt und ist aus der Partei ausgetreten, weil meine Mutter nicht zur Beerdigung ihres Vaters nach Bingen durfte. Die ersten 6 Wochen hatte ich auch meine liebe Not meinen A... zu retten, weil Fischer und Qualle auf mich angesetzt waren. Glücklicherweise kam ich mit ein paar Ohrfeigen und dem obligatorischen Tritt in den Rücken davon. Erst in Haus 2 hörte das auf, weil ich den beiden aus dem Weg gehen konnte. Ab und zu erwischten sie mich noch in den Schulpausen aber da waren zu viele Zeugen.
      ich war 74-75 dort
      zu der zeit war qualle,fischer die 10.klasse
      ich war 8.klasse,haus 3 gruppe9
      vielleicht sagen dir namen wie ulrich karp,eberle oder wagner etwas
      mit haus 2 ver band mich eigentlich nur das duschen,die arrestzelle war dort auch,die ich nur einmal sah,als ich ulrich karp das essen brachte
      und meine entlassung verband sich mit haus 2,wir sollten von den eltern eines mitzöglings,ich glaub "major"war sein spitzname,aus meiningen stammte er,abgeholt werden
      das geld,was ich für die zugfahrt bekam,setzte ich gleich in zigaretten um,aber die eltern von major kamen erst einen tag später und so musste ich noch einen tag länger bleiben und in haus 2 schlafen,man machte ich mir da einen kopf,wenn die nicht kommen,wie komm ich dann ohne geld nach hause
      es ging aber zum glück gut,am anderen tag stand der wartburg von majors eltern da
      Dietmar Hermann und Eric Dolata kenne ich noch, auch Patrice Urban. Der hatte bei uns einen Bruder, Marco Urban. Der war allerdings vollkommen kaukasisch, während Patrice negroid war.
      Ja was ich dazu einflechten wollte war, dass Hermann der FDJ-Sekretär eben der besagten 10.Klasse war, die uns so als Vorbild präsentiert wurde, die wir für so peinlich von Thümmel, Hantschke und Kruppa domestiziert hielten...und Dolata war auch irgendwas in der FDJ , und zusätzlich war er Boxer...hat irgendwie immer an Wettkämpfen teilgenommen.
      Das sie eine Musikanlage gebaut haben sollen, weiss ich auch... sie hatten auch mal eine "Disco" durchgeführt. Von einer Musikanlage habe ich nix gesehen, nur ein paar Lampen waren über Leuchtröhrenstarter zum Blinken gebracht worden. Das haben sie um ein Pult herum gebaut. Vielleicht sollte das die besagte "Musikanlage" sein. Benutzt wurde der heimeigene MV - 12, der war allerdings erstklassig, 2x12 Watt Sinus, zwei Kanäle konnte man über Drehpotis getrennt in Stereo einmischen, ich versuche bis heute so ein Ding zu bekommen. Sie nannten sich "Discophon". Dazu wurde die Dorfjugend eingeladen, die eher nicht kam. Diese "Discos" fanden im Haus 1, im "Landfilmkino" ( Ja das gab es im Heim !!!) statt. Da wir ausser vereinzelte Mädels aus dem Dorf nur Jungs waren, war es eher Gaudi als tanzen.
      Meisst haben wir eher Luftgitarre und Karaoke unserer Lieblingstitel gemacht. Hermann und Dolata haben immer eine sehr brave Musik gespielt, und natürlich im vorgeschriebenen 50 / 50 Mix aus Ostmusik und Westmusik.
      Uwe Gutzeit, Heiko Rootsch und meine Wenigkeit lasen eigentlich nur unsere Elektronikbücher und bauten heimlich kleine Empfänger mit denen man RTL auf 6,1 Megahertz und 550 Kilohertz "RIAS II" empfangen konnte, wenn die Wetterbedingungen es zuliessen. Peter Marks bat uns für ihn doch eine Bassbox zu bauen, da er Bassgitarre spielte. Da hatten wir mal was Sinnvolles zu tun... entsprechend der optimalen Bauart einer Bassreflexbox haben wir eine mit 1,60 m Grösse und 1 Meter Breite und Tiefe gebaut. Das ist wirklich die Grösse für einen 4 Watt- Lautsprecher, und Marks war begeistert... "Diss iss ne Welt !" jubelte er immer wieder, und hat sie zu den Auftritten von der Band "FZPW" mitgenommen. Drei dieser Band waren Erzieher, Peter und Waldemar Marks, und ein Erzieher aus dem Haus 2, aber der Name fällt mir nicht mehr ein. "FZPW" bedeutete "Freiberger Zellstoff-und Papierwerke".
      Somit hatten wir bautechnisch später einige Narrenfreiheit, und nachdem wir dann 10.Klasse waren, steuerten wir als "Discophon II"immerhin ein selbstgebautes Stereomischpult mit Mikrofonvorverstärker bei. Natürlich konnten wir unsere Bassbox dazu nutzen, und unser erster Coup war, "FZPW" zu einem Live-Auftritt zu überreden, und den ewig beaufsichtigen Pelikan klarzumachen, dass die neu aufkommende Punkmusik Ausdruck einer revolutionären Jugendbewegung ist... So wurde mindestens 10 mal "Holidays in the sun" gespielt...ein satter Mix aus 20 % Ostmusik und 30 % Punk und 50 % anderer Westmusik...bald hatten wir 50 % Dorfbeteiligung.

      Aber noch mal zu Hermann und Dolata.

      Um uns in den Griff zu bekommen hatte er noch die Idee, die 10.Klasse gegen unsere 9.Klasse boxen zu lassen. Wir sollten richtig was auf die Nase bekommen.
      Sozusagen "sportlich", wenn sonst schon durch Proteste von Parteimitgliedern, Anzeigen von Eltern wegen Körperverletzung behindert, wollte man sie auf uns hetzen.
      Der Termin wurde so gelegt, dass einer unser Erzieher (L.P) der dagegen gewesen wäre im Urlaub war. 6 von uns sollten gegen 6 von Denen boxen.
      Die Sache ging richtig schief (*pfeiff*)... irgendjemand hatte was durchsickern lassen... zwar führten Thümmel, Hantschke und Weigelt uns rüber in die Turnhalle um unter der alleinigen Aufsicht von Pelikan die Boxkämpfe durchführen zu lassen, plötzlich erschienen jedoch einige ungebetene Gäste, L.P., "Opa" Hentschke*** unser Sportlehrer, und einige Andere. Opa Hentschke übernahm die Einteilung nach Gewicht und machte auf Kampfrichter.
      Das "Turnier" endete dann 5:1 für uns, und endete in einer völligen Blamage.

      Nachdem wir selbst in der 10.Klasse waren, ging das Gerücht um, Dietmar Hermann hätte sich wenige Wochen nach seiner Entlassung das Leben genommen.

      ***(Anm.) "Opa Hentschel" war ein in seiner Jugendzeit sehr bekannter Boxer und Arbeitersportler, ebenso der Herr Wunderling aus dem Kinderheim "A.S.Makarenko, Berlin". Es machte mir viel Spass den Beiden gegenseitig Grüsse zu übermitteln. Sie redeten mit Hochachtung übereinander. Ich bin der Meinung dass sie diese Hochachtung wirklich verdient haben. Sie boxten mit Max Schmeling, hängten aber die Boxhandschuhe an den Nagel um nicht für die Nazis zu boxen.
      Blinzelnd sagte Genosse L.P. mal zu mir, solche Leute haben nichts mit
      Kommunismus zu tun. Man kann nur warten bis sie aussterben, ehe man den
      Sozialismus aufbauen kann...

      Kopiert von: Bräunsdorf, Martin-Andersen-Nexö - Heime B... - Heimkinder Forum

      heimkinder-forum.de

      Vor einiger Zeit telefonierte ich mit meinem ehemaligen Erzieher. Ich nenne ihn hier immer "Genosse L.P.", oder einfach L.P. Ich weiss nicht, ob ich seinen Namen nennen darf, aber mein tiefster Respekt gebietet es. Weil ich den für mich wesentlichen Teil der Geschichte kenne, will ich sie vertretend hier niederschreiben.Ich finde sie sollte nicht in Vergessenheit geraten, sondern Teil der Geschichte des Kinderheimes in Bräunsdorf sein, und veranschaulichen wie man unverschuldet zum Feind der sozialistischen DDR werden konnte.

      Ich kam 1976 nach Bräunsdorf und bereits nach wenigen Wochen hatte einer der
      Erzieher einer kleinen Gruppe einen guten Draht zu uns Grossen, und es zeigte sich eine gewisse Nachsicht gegenüber unseren Flausen, Geduld zu völlig absurden politischen Äusserungen unsererseits, und was wohl bezeichnend war, er hatte eine wirklich sehr schöne Frau, die ebenfalls im Heim 3 arbeitete, lange knallrote Locken bis zum A..., grüne Augen, geile Figur mit riesigen T...., schönes Gesicht mit vollen Lippen, eine absolute Rassefrau, wohl erst etwa 22 Jahre alt.
      L.P. war wohl mal Politoffizier bei der NVA, und er war Genosse...
      Aber egal, ich mochte ihn von Anfang an, und da ich der Einzigste über 16 war, ergab sich immer wieder die Gelegenheit meine drei Zigaretten täglich ab und an mit Erziehern zu rauchen, unter Anderem mit ihm.
      Er war schon beeindruckend für mich, der Einzigste, der mich nicht von vornherein wegen meiner Bewährungsstrafe abschrieb, er amüsierte sich sogar darüber, dass ich nach meinen Einbrüchen die Türen wieder sorgfältig verschlossen habe. Ich hielt das Ganze für eine ausgemachte Blödheit, und er glaubte mir diese Reue.

      Dann kam diese besagte Massenflucht. Ich war auf einmal wie beschrieben FDJ-Sekretär, und er auf einmal unser Erzieher, auf eigenen Wunsch, er hatte wohl wenig Freude daran, mit den Kleinen Scheerenschnitte zu machen, und sah uns als seine persönliche Herausforderung an. Was mit den flüchtigen Kindern geschah habe ich bereit vorher beschrieben.
      Von Anfang an war damit Gewalt gegen uns und unter uns anzuwenden passe´.
      Er ging mich direkt an, ich solle jede Auseinandersetzung unterbinden. Auf meinen Einwand, dass Pelikan ja dazu aufgefordert hat, alle Flüchtlinge zusammenzuschlagen, gab er mir dann Ratschläge. Damals habe ich wohl begriffen was Politik und Diplomatie ist. L.P. war jedenfalls ein Vorbild.
      Auf unserer Etage war ein Fotolabor, und da er ein leidenschaftlicher Fotograf war, inspirierte er uns und brachte uns das Handwerk bei.
      Plötzlich unternehmen wir Ausflüge.Wir durften die heimeigene Tischlerei benutzen, unter Anderem um die vorher beschriebene Bassreflexbox zu bauen. Als "Strafe" gab es bestenfalls mal einen Tag Rauchverbot. Er beschwatzte unseren Heimleiter, einen Herrn Sittner, dass wir den "Heimfunk" benutzen konnten, und unsere eigene Musik ausstrahlen konnten.
      Eines Tages bekam er sogar mit, dass wir unsere Musik über einen schwachen Mittelwellensender ausstrahlten, so dass wir nur im Heim 3 hörbar waren. Der war aus einem offiziellen Elektronikbaukasten aus der DDR. Mit Verblüffung nahm er auch die Leistungsfähigkeit unserer kleinen Empfänger zur Kenntnis, die fast Jeder aus der Gruppe besass. Er liess sie uns.
      Wie dem auch sei, ich kannte ihn als einen dennoch konsequenten Pädagogen, der jedoch oft als "Einer von uns" wirkte, aber eher die Richtung zeigte. Dabei kannte ich ihn persönlich auch als einen Mann von Überzeugungen, Mitgliedschaft und Loyalität zur SED. Ich denke aber, er erwartete nicht das Selbe von uns, mehr die Grundlagen des menschlichen Lebens, wie höfliches Benehmen und gewaschene Füsse. Ich weiss dass nur, weil mich schon interessierte, was solch völlig unterschiedliche Menschen wie Pelikan einerseits und L.P. andereseits miteinander verband. L.P. war der echte Marxistische Dialektiker, Pelikan ein Profilstalinist.
      Wegen eines Personalengpasses musste ich häufig kleine Gruppen betreuen, da ich ja "FDJ - Sekretär" der Grossen war... L.P. sah wie ich einem Kleinen eine leichte Backpfeiffe gab, weil der mir mehr als dusslich kam...ich bekam eine ziemliche Ansage, und er redete ein paar Wochen nicht mit mir. Ab da habe ich es besser gemacht, und er verzieh es mir.

      Etwa 1 Jahr war er dann unser Erzieher, und dann...

      ...kam morgens statt Seiner der Herr Pelikan persönlich, der ja eigentlich Lehrer war, Staatsbürgerkunde, Geschichte und Deutsch und Parteisekretär. Er erklärte uns das der Herr L.P. ein "Staatsfeind" sei, kriminell sei, Hausverbot habe, und ein sehr schlechter Mensch sei, und dass jetzt eine neue Zeit anbreche, und er persönlich nun auch unser Erzieher wäre... Frau P. galt gleichfalls als suspendiert

      Bei einer nun folgenden Zigarette erklärte er, L.P. hätte Pornobilder von sich und seiner Frau angefertigt, und sei erwischt worden, als er sie verkaufen wollte.

      L.P.bewohnte eine Wohnung in einer Villa gleich neben dem Heim 3 und stand am Zaun vor dem Sportplatz um Luft zu schnappen. Obwohl es uns untersagt war, mit ihm zu reden, ging ich auf ihn zu und machte meiner Enttäuschung Luft. Er meinte ich solle nicht so naiv sein, und alles glauben was gesagt wird. Und er fügte eben das oben erste Zitat hinzu. Dann drehte er sich um und ging in seine Wohnung zurück... und heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob er blinzelte oder heulte, als er uns beim Fussballspielen zusah.

      Die Ära Pelikan brach an und L.P. zog weg... na die Ära Pelikan war nur von kurzer Dauer, und ich bemerkte das wir uns bald ganz eigenartig von anderen Erziehern beschützt fühlten, keine Kontrollen mehr, und dann kam ein Tag, an dem Pelikan besoffen unsere Gruppe betreuen wollte und von einigen Erziehern herausdelegiert wurde.
      Naja, wir hatten dann andere Sorgen... erstmal fehlten zwei Erzieher, und wir aus der Gruppe mussten uns schon einen Dienstplan zur Betreung der Kleinen machen, und ausserdem waren Abschlussprüfungen.

      Mit den Brüdern Marks befreundete ich mich dann später, insbesondere als ich nach Abschluss der 10.Klasse nicht entlassen wurde, weil ich noch nicht ganz 18 Jahre alt war, und so machte ich weiter als Gruppenbetreuer. Auf L.P. angesprochen widersprachen sie der Pornobilderversion, aber schwiegen was wirklich passiert ist.

      Ich habe das nie geglaubt. Jahrzehnte blieb das für mich ein ungeklärtes Geheimnis für mich, wiewohl sich gleichfalls L.P. seine Vorbildrolle in mir eingeprägt hat. Ja, ich war sein Fan. Er war ein Idol von mir, und ich wollte auch mal ein Erzieher wie er werden.

      30 Jahre habe ich keine Antwort gehabt. Irgendwann nachdem ich ins Forum gekommen bin, beschäftigte mich Bräunsdorf wieder intensiver und ich habe nach seinem Namen gegoogled.
      Ich fand einen L.P. und habe angerufen. Er war es.Und ich war ihm sofort gegenwärtig.
      Er hat sich sehr gefreut. Ich musste natürlich erzählen wie es mir geht, und was ich ein halbes Leben lang gemacht und aus mir gemacht habe.

      Ja,ja heute... heute kann man Geschichten erzählen, ohne dass man als "Staatsfeind" bezeichnet wird. Der ich sicher geworden wäre, wenn es mir passiert wäre.

      Wie ist unklar, aber seine wunderschöne Frau geriet in das Visier der Staatssicherheit, aber nicht etwa als Staatsfeind, sondern als sehr gefragtes Objekt der Begierde einiger westlicher Geschäftsleute auf der "Leipziger Messe", und sie hatte so gar nichts dagegen, in dieser Weise der Stasi zu Diensten zu sein.
      L.P. allerdings hatte was dagegen. Und deshalb wurde er kaltgestellt, und trat aus der Partei aus. Scheidung...beruflicher Ausschluss...Zusammenbruch der eigenen Weltauffassung und Abschiebung in ein anhaltinisches Jugendwohnheim... was muss der Mann eigentlich alles auf einmal durchgemacht haben ?
      Und nun lächelt er durch das Telefon, weiss er ist nie verschwiegen worden, man hat immer an ihm geglaubt, hat ihn als Vorbild behalten, ist das nun doch ein Heilprozess ? Etwas was für ihn wichtig ist ?
      Und er redet darüber. Ganz offen. Ich nenne ihn trotzdem hier L.P.

      Die Leute sagen, die Zeit heilt alle Wunden. hmm.

      Nicht Solche, die tief wie Schützengräben sind... schon gar nicht Solche in denen man gemeinsam gestanden hat. Sie mögen etwas verweht werden. Wir wollen sie in unserem Kopf oft nicht finden. Wir wollen es einfach nicht. Vielleicht haben wir ihn selbst schon verdeckt. Doch dann stolpern wir über einen Schützengraben der gar nicht unserer ist, und wissen genau, dass unser daneben war.
      weiss nicht wer l.p. sein soll,war ja auch nach meiner zeit
      ich kenn nur die marxbrothers,der eine war ein musikfanatiker,vielleicht ist er l.p.
      der andere war fussballer durch und durch
      beide hab ich immer bestaunt,auch wenn ihn ab und zu mal die hand ausrutschte,wenn einer scheise gebaut hat
      den fussballer hatte ich beim treffen getroffen und glaubt mir,es war mir bestimmt peinlicher wie ihn,er ist wirklich nur ein normaler mensch,werde ich nie vergessen
      wenn ich an bräunsdorf denke,denke ich nicht nur schlecht,auch wenn ich es manchmal müsste,es war für mich die grösste lebenserfahrung,die ich je machte
      Danke für Dein Interesse, aber L.P. war keiner der beiden Marks-Brüder, das hättest Du herauslesen können. Ich schrieb, das selbst sie über den Abgang von L.P. schwiegen.
      Vielmehr war Waldemar Marks mein erster Erzieher, und quasi noch Praktikant, und hat das Handtuch geworfen nach der Massenflucht.L.P. kam danach zu uns, ergo tauschten sie die Gruppen.
      Ja, den gingen schon mal die Nerven durch, aber sie waren nicht vordergründig gewalttätig.Sie sind zu Mindestens nicht vorsätzlich gewalttätig gewesen, wie beispielsweise der Herr Thümmel, sondern sogar eher gutmütig.
      Bräunsdorf war ja eigentlich nicht ein Heim, sondern ein Heimkombinat mit 3 Heimen, es gab für jedes Heim sogar einen eigenen Heimleiter. Unserer hiess Herr Sittner, während der Leiter des gesamten Kombinates ein Herr Becker war. Insofern gab es schon zwischen den einzelnen Heimen fühlbare Unterschiede. Unsere Gruppe war im Heim 3,
      die 10 Klasse vor uns im Heim 2.
      Und ich meine, die waren nicht zu beneiden. Diese Thümmel, Hantschkes und was weiss ich für Schlägergesindel, kamen nach der Massenflucht zu uns rüber und haben mit Pelikan diese üble Gewaltorgie angezettelt, und da waren bei uns Einige dabei, die keine andere Wahl hatten als mitzumachen.
      Ich weiss dass Herr Hans Söding ganz offiziell dagegen vorgegangen ist, und es schlossen sich ihm immer mehr Erzieher an, L.P. und die beiden Marks-Brüder, und es gab einen Rieseneklat in der Parteiversammlung. Die Sache ging wohl mit einem Patt aus. Keiner musste den Hut nehmen, aber es gab regelrechte Lagerkriege, man grüsste sich nicht mehr, und fremde Erzieher hatten in Haus 3 nichts mehr zu suchen.Hat mir Hans Söding letztes Jahr so erzählt. Die Eltern eines Zöglings hatten auch Strafanzeige gestellt, so hatten sie sich die Erziehung ihres Jungen nicht vorgestellt.
      Er machte das Schuljahr zu Ende, und wurde nach Hause entlassen, wohl der Preis um die Sache unter den Tisch zu kehren.
      Dieses Gesindel hatte doch in dem letzten sächsischen Loch nur alle Möglichkeiten sich so auszulassen. In Wirklichkeit scheuten sie doch das Licht. Lese noch einmal aufmerksam, was passierte, wenn von aussen Licht hineinschien. Selbst der Stasi waren diese Typen peinlich. Die hatten noch nicht einmal gemerkt, dass schon in der Ära Honnecker ihre Begründungen vom "roten Terror" verpönt waren. Sehe ich beispielsweise dagegen die Gepflogenheiten in anderen Spezialkinderheimen dieser Zeit, kommen mir diese wie Kinderdörfer vor.
      Lebenserfahrung...Bräunsdorf war für mich das Worst-Case, alles was an Mist passieren konnte hatte ich am Hacken, und äusserst schlechte Karten. Und wenn ich was richtig gemacht habe, dann meiner Jugendhilfe später bei anderer Gelegenheit ins Handwerk zu pfuschen, als es um einen Verwandten ging.Wir hatten die selbe Jugendhelferin... alles hat sie gewusst.
      Was soll das für eine Lebenserfahrung sein ? Wie soll ich das denn in irgendeinem zivilen Leben später verwenden ?
      War es nicht eher ein Trauma ? Eines das man erst mal überwinden muss, musste man nicht erst mal seine Kinderheimmentalität überwinden ?
      Was für eine Lebenserfahrung schleppt man mit, wenn man dann mit 25 Anderen in einer Berufsschulklasse ist, die nicht ein Wort von Dir verstehen , und sich nur wundern dass Du die dialektischen Grundlagen des Marxismus im Staatsbürgerkundeunterricht herunterleiern kannst, aber wie ein Trottel Mädschen gegenüber bist ?
      Eine Lebenserfahrung nur in ähnlichen Situationen wie beispielsweise der NVA, auf die ich gern verzichten kann...
      Diese Geschichte ist für mich unglaublich interessant, nur, leider versteh ich die Hälfte davon nicht, weil ich ja im Westen aufgewachsen bin.

      Ich hätte ein paar Fragen dazu, vielleicht klingen die auch naiv, nur weiß ich nich so richtig, soll ich sie dir hier stellen oder lieber per PN?

      lg ahu
      Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.

      Rumi

      JWH Bräunsdorf

      Hallo,

      auch ich war ein Bräunsdorfer. Hin kam ich Im Mai 1964 , nachdem ich eigentlich nur 14 Tage im DH Demmin bleiben sollte, Daraus wurden ca. 5-6 Wochen, ich weiß es nicht mehr genauu, denn nach 14 Tagen hat man dicht gemacht bei den Schikanen dort.

      Nach Zwischenstopp irgendwo in Dresden kam Bräunsdorf. Hier veblieb ich dann bis Juni 1965 im JWH Haus 4.
      Wir waren nur Jungen. Unsere Erzieher waren die Gebrüder Wolf. Als der JWH 1965 geschlossen werden sollte, gab es Diskussionen wohin. Torgau , da wir zwischendurch 2x auf Achse waren, oder Heimat. Nach langem warten konnte ich Gott sei Dank nach Hause. Heute bin ich sehr froh !!!!.
      Leider habe ich noch keine Leidensgenossen gefunden, eigentlich schade. Vieleicht klappt es ja noch.

      Grüsse an die Jüngeren Bräunis Hans
      hallo hans-rainer
      ich kenne das haus 4 nicht,bei uns,es war dann ein spezi,gab es nur haus 1 bis 3,die schule und die küche,den bauhof
      welches davon war haus 4 damals?
      proxipony
      ich war nur 1 jahr in bräunsdorf und konnte wahrscheinlich deshalb schon nicht so genau hinter die kulissen gucken
      ich persönlich kann über meine erzieher oder auch lehrer nicht sonderlich negatives sagen,zumindest ging von ihnen mir gegenüber niemals gewalt aus und der herr sittner ging mir nur dann aufen sack,wenn er mal früh weckte und dabei sein nervendes radio über die lautsprecher brüllen lies
      ich fand die gewalt untereinander anfangs wirklich erschreckend,aber ich hatte sehr schnell meinen platz gefunden,denn der gruppenstärkste (ulrich karp aus auerbach)sass in der schule neben mir und konnte prima von mir abschreiben
      was mir noch aufen sack ging,waren diese elenden juckenden filzanzüge,die fettbemmen und das essen auf zeit,ansonsten dachte ich immer nur ,hoffentlich kommste bald wieder hier raus
      Hallo,

      im Haus 4 war damals unten die Schlosserei und darüber hatten wir unsere Zimmer. Der Speisesaal war schräg gegenüber. Mußten also immer über das Gelände. Übrigends, oben auf dem Boden von Haus 4 stand noch ein alter Prügelbock, der aber außer Betrieb war. Wie gesagt, wurde der Jugendwerkhof 1965 geschlossen.

      Grüsse Hans
      Hallo Günther,

      im nächsten Monat sind wir dort unten und dann will ich unbedingt mal dort vorbei fahren.
      Auf der alten Seite info waren schon mal einige Bilder , Turnhalle, Essengebaüde und Schule, aber da war ich nicht.

      Ich werde dan fotografieren und die Bilder reinstellen.

      Gruß Hans
      Also die beiden Thümmel und Hantschke hats zu meiner Zeit auch noch gegeben. Und die "Massenflucht" auch *LOL* wir waren auch an die 9 Leute, sind aus dem Fenster und nach Freiberg, in meiner Erinnerung irgendwie dunkel gesehen haben wir dann versucht, ne Schwalbe zu klauen und die Bullen haben uns durch das Viertel gehetzt, wo dieser Sektentempel ist. Dann sind wir alle zusammen wieder nach Bräuni zurück und haben uns ja was haben wir keine Ahnung, irgendwie hat am Tage danach keine Sau mehr drüber gesprochen

      hans-rainer asmus schrieb:

      Hallo,

      auch ich war ein Bräunsdorfer. Hin kam ich Im Mai 1964 , nachdem ich eigentlich nur 14 Tage im DH Demmin bleiben sollte, Daraus wurden ca. 5-6 Wochen, ich weiß es nicht mehr genauu, denn nach 14 Tagen hat man dicht gemacht bei den Schikanen dort.

      Nach Zwischenstopp irgendwo in Dresden kam Bräunsdorf. Hier veblieb ich dann bis Juni 1965 im JWH Haus 4.
      Wir waren nur Jungen. Unsere Erzieher waren die Gebrüder Wolf. Als der JWH 1965 geschlossen werden sollte, gab es Diskussionen wohin. Torgau , da wir zwischendurch 2x auf Achse waren, oder Heimat. Nach langem warten konnte ich Gott sei Dank nach Hause. Heute bin ich sehr froh !!!!.
      Leider habe ich noch keine Leidensgenossen gefunden, eigentlich schade. Vieleicht klappt es ja noch.

      Grüsse an die Jüngeren Bräunis Hans



      Hallo Hans Rainer,

      nach durchgangsheimen in leipzig und eilenburg war ich auch von 02/65 bis 07/65 in bräunsdorf. war damals im haupthaus bei den kleinen na ja 13 jahr alt und schon republikflüchtiger.

      die zeit hatte mich ganz schön verändert und mein leben war seither so, dass ich so etwas nie wieder mehr mit mir habe machen lassen. an diesen behandlungen habe ich heut, nach so vielen jahren, wieder mal meine probleme. ich versuche gerade die zeit zu verarbeiten und da kommt schon einiges wieder hoch. schon als ich dahin kam - mit der akte - war erst mal keller angesagt. die anderen sachen waren dann auch entsprechend. ich weis heut nicht ob ich es mit einem wutausbruch oder was anderen verarbeiten kann. es tut innerlich weh wenn man an die zeit zurück denkt.

      was noch so in meiner erinnerung ist... zum 1. oder 8. mai hatten sich welche von der großen gruppe glatze geschnitten beim apell gab es da ein höllentheater und ich glaub auch das die dann nach torgau gekommen sind.

      bin ganz froh das ich die seite gefunden habe und hoffe das es mir hilft mit den ganzen erlebten fertig zu werden.

      grüße an alle die bräunsdorf überstanden haben
      Wir Menschen sind die Lebewesen, die ihr Wesen am wenigsten verstehen können.