Wettringen, St. Josefshaus

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      Na da gings Dir wie mir. War auch mehr aufm D-Zug wie auf der Abteilung. War der einzige Ort wo sie mich halten konnten, ansonsten war ich weg. Mußte den gelben Vogel tragen, = gelbes T-Shirt, graue kurze Hose und Holzbotten. Letztere habe ich immer fein säuberlich stehen lassen wenn ich auf Walze ging. Und in der Schlpause zog Emmerich immer einen Kreis in dem ich zu stehen hatte. Meist standen da nur meine Botten. Stimmt Pater Direktor war das Ober-Schwein. Hat mich allerdings nur einmal gewschlgane, habe ihm angedroht mich entsprechend zu wehren, egal weelche Konsequenzen es nach sich zieht, danach versuchte er es nie wieder. Ebenso der Ungemach, der mich mit nem Rohrstock verarschen wollte. Dem trat ich dann gleich mit nem Stuhl gegenüber. Und schon saß ich wieder auf m D-Zug. Wenn es nicht so traurig wäre, wie man damals mit jungen Menschen umgegangen ist, könnte man nur lachen. Ich selbst habe eine höchste Aversion und Allergie gegen Jesuiten diesem verlogenem Orden. Was solls, wir haben es überstanden. Schade nur das diese kleinen perversen Sadisten vollkommen straffrei blieben. Nur man hat uns ja nie geglaubt wenn wir die Mißstände anprangerten.
      Hi Frank,

      wir müssten uns kennen. Ich war von 1958 bis März 1959 bei den Landsknechten. Dann wurde ich zur Lehre beurlaubt und musste alle 4 Wochen
      bei U... erscheinen, denn er hat einfach meine Vormundschaft übernommen. Das ging dann bis Anfang 1964.
      Wir sollten uns einmal über diese Zeit im Jupps austauschen. Sicher fallen uns dann noch Namen und Vorfälle ein.
      Gruß Josef
      Wenn ich hier so heute die neueren Bilder sehe kommt mir alles so unbekannt vor. Ich war, daran kann ich mich noch erinnern, rechts am Hauptgebäude längs, rechts war dann irgendwie Werkshäuser, Wäscherei oder was weiß ich. Dann kam ein Haus mit 2 Etagen, da war ich dann untergebracht. Leiterin war Frl. Rövekamp, dann war da ne Praktikantin aus Dortmund, Frl. Nord, und noch son Hilfserzieher mit son viereckigen Schädel, Locken und dicke Negerlippen und auch noch Segelohren, ja eben so ein Inzuchtsbauernsohn aus der Gegend. So sah er jedenfalls aus. wenn wir unten ins Haus kamen war dort die "Apachenhöhle" Schuhraum, Umkleideraum oder wie immer man es nennen wollte. Dort mußten wir uns umziehen bevor wir rauf ins Haus durften. Im Hochpaterre waren dann der Speiseraum und der Tagesraum. Oben waren Schlafsaal, Duschen und die Zimmer der Erzieher. Die Duschen hatten rechts oben so Fenster, da standen dann, wenn wir am duschen waren, immer unsere lieben Erzieher und geilten sich auf. Ich wurde Nachts immer einzeln weggeschlossen, da ich "zuviel Unruhe in den Schlafsaal brachte " wie sie sagten. Habe immer für nächtliche Stimmung gesorgt. hullygully und Bambule. Mochte man nicht. Zu dem Zeitpunkt war ich noch in der Schule beim Emmerich. Biermann immer auf Walze. Habe keine Gelegenheit ausgelassen zu türmen. Mußte daher den "gelben Vogel" tragen, gelbes T-Shirt, graue Hose, Holzbotten. Von dort kam ich dann zu den Landsknechten, da man meinte der Ungemach würde schon mit mir fertig. Wurde er nicht und hat schnell dafür gesorgt das ich nach einer erneuten Walze nicht mehr in Wettringen aufgenommen wurde. Zunächst wollte mich dann kein Heim Westfalens mehr aufnehmen. Dann hat sich Hohhef meiner erbarmt. Muß sagen da ging es recht ordentlich zu und man konnte sich inerhalb des Geländes frei bewegen, keine Mauern Zäune etc. Aber da war ich schon zu versaut weil ich niemenden mehr Glauben schnekte. 2x getürmt, dann wollten die mich auch nicht mehr haben. Endstation war dann die Johhnesburg Börgermoor. Die waren schon fortschrittlich und hatten die Arrestzellen abgeschafft. Aber Laden war nicht anders wie die anderen auch. Gott sei Dank hat es nicht so sehr lange angedauert. Habe alles gut überstanden und keinen seelischen Knacks davongetragen. Habe mich eben immer und überall,vehement zu Wehr gesetzt.


      Hallo Josef,
      ich wünsche Dir zu Deinen siebzigsten Geburtstag alles Gute und weiterhin Gesundheit sowie Glück.

      70 Jahre sind nun schon vorbei,

      einige mit Sorgen waren auch dabei.

      Doch die Liebe gibt sich Mühe

      Hat Blumen dir gestreut.



      In deinem Herz wächst Gelebtes

      wird alles wieder mit dir jung.

      Was sich in deine Seele webte

      Ist heilsam an Erinnerung.



      Aus deinen Augen strahlt viel Güte,

      und vieles gibt es noch, was dich erfreut.

      Wir danken für dein gutes Wirken

      Und für eine wundervolle Zeit.



      (© Monika Minder)
      „Ein jeder kehre vor seiner Tür.
      Und rein ist jedes Stadtquartier.“
      Habe ich heute im Internet gefunden.
      SABINE SCHO
      »Mal es schwarz«

      St. Josefshaus, WettringenKuckuck Kuckuck sag mir doch, / wie viel’ Jahre leb’ ich nochDer Ziehvater Jesu hieß Josef. Er war Bauhandwerker, sein Beruf wird im Matthäus-Evangelium mit dem griechischen Tekton angegeben, was so viel heißt wie: an Stein und Holz ausgebildeter Baumeister. Also weit mehr als ein Zimmermann. Einer, der ein ganzes Zuhause erschaffen konnte, eine Zuflucht und mehr als ein bloßes Dach über dem Kopf. Er bleibt bei einer Frau, die nicht von ihm schwanger wurde und ist ihrem Sohn ein Vater. Der Sohn, so würde man es heute vielleicht betrachten, weist einige Charakteristika von Schwererziehbarkeit auf, hat Schwierigkeiten sich an bestehende Verhältnisse anzupassen, akzeptiert keine Autoritäten, leidet wohlmöglich an einer gestörten Selbstwahrnehmung, ist ruhelos und vielleicht im besten Sinne verhaltensoriginell. Doch wie mit solchen Kindern und Jugendlichen umgehen? Kinder- und Jugendheime werden vielleicht darum gern nach jenem Josef benannt, weil er jemand war, der sich eines Kindes annahm, das man als schwierig bezeichnen könnte, wenngleich die einschlägigen Quellen dann verschweigen, ob und wie er erzieherisch auf sein Stiefkind eingewirkt hat. Alles, was wir darüber wissen: Es endet in einem familiären Desaster, das nur Dank eines erzählerischen Kniffs in hoffnungsfroheres Licht getaucht werden konnte. Um das Josefshaus in Wettringen ranken sich viele und wenig aufbauende Geschichten. Ein Ort wie aus einem Horrorfilm, Landschaftsidylle mit vor sich hin rottenden Stahlbeton-Unterkünften und einem Waldfriedhof voller erstaunlich jung Verstorbener: 1913-1926, 1916-1929, 1918-1928, 1922-1936, 1925-1941, 1932-1946. Ich meine, dass es früher mehr Grabplatten zu sehen gegeben hat und auch schmiedeeiserne Kreuze, die einzelnen, mit Buchsbaumhecken umstandenen Gräbern zugeordnet waren. Gräber von Erziehern, Schwestern und Patern dazwischen. Früher, das war vielleicht 1986, als ich fünfzehn war und mit meiner Mutter und unseren Hunden dort spazieren ging. Sie war es, die immer wieder sagte: Schau nur, wie jung die Menschen verstorben sind, was mag ihnen wohl widerfahren sein?Das Josefshaus, 1902 als Knabenerziehungsanstalt in der Dorfbauernschaft Siefkesheide bei Wettringen, im Kreis Burgsteinfurt, in Betrieb genommen, stand immer im Ruf, seine Zöglinge nicht besonders gut behandelt zu haben. Das ist ein offenes Geheimnis. In den Nachkriegsjahren liehen sich die Bauern diese als, meistens unbezahlte, Erntehelfer. Nicht selten wurden sie von einer bewaffneten Begleitperson bei der Arbeit bewacht, als habe man es mit Schwerverbrechern zu tun. Die schwererziehbaren Knaben, die aus dem gesamten Bundes-gebiet kamen, standen auch bei jedem Diebstahl in ihrer Umgebung unter Verdacht. Das Josefshaus beherbergte Jugendliche bis einundzwanzig Jahre, denen man nicht traute, aber vieles zutraute. Viele dürften nicht schlecht von den Jungen und jungen Männern profitiert haben. Die umliegenden Bauern veräußerten ihr Sumpf- und Ödland, das sich nur mühsam urbar machen ließ, für die Raumbedürfnisse der Anstalt. Die Landmaschinen versanken im Morast und die Knochenarbeit bewältigten Minderjährige. Davon liest man heute in bitteren Anklageschriften und Blogbeiträgen, was man den Jugendlichen antat und vorenthielt, die zwar säten und ernteten, hüteten, molken und schlachteten, doch kaum je mal ein Stück Fleisch vom eigenen Vieh oder auch nur einen Apfel von den eigenen Obstbäumen zu essen bekamen: „Alle 380 Kinder auf den Feldern? Man sieht sie nicht! Alles weiträumig. Immerhin hatte das „Jupps“ zu der Zeit rund 800 Morgen Landwirtschaft, rund 100 Milchkühe und... und... und... viele Schweine, auch ZWEIBEINIGE! Nur, von der Milch und dem Fleisch haben wir Kinder kaum etwas gesehen. Gruß Josef” - “Hallo Josef, wie recht Du doch hast, wir bekamen davon wirklich nicht viel zu sehen. Was wir bekamen war Milchpulver, Brotsuppe, Steckrüben. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals eine Apfelsine, Banane, (außer Weihnachten) bekommen haben. Sogar Äpfel waren für uns knapp, trotz der vielen Apfelbäume bzw. Obstbäume, die wir im Josefs-Haus hatten. Hätten wir sie uns nicht selber geklaut/gepflückt, so wäre der Apfel für uns auch nur ein Alptraum gewesen. Ist man beim Obstklauen erwischt worden, ja so gab es empfindliche Strafen.”Die Liste der Misshandlungen ist lang: Eintönigkeit, Redeverbot, Stockschläge – zerbrach der Stock dabei, musste der Zögling einen neuen erwerben – sexuelle Nötigung, psychophysische Gewalt in vielen Spielarten. Auch der 1956 eingeführte Zeven-Erlass, der verlangte, dass jedes Heim körperliche Züchtigungen einzustellen habe, änderte wohl wenig an den Übergriffen im Josefshaus: “Und den Namen von dem Nachtwächter mit der verkrüppelten Hand, der immer Kopfnüsse verteilt hat, den weiß ich leider nicht mehr...” Dabei wirkt das älteste Gebäude des Josefshauses, die Kapelle von 1927, die 2009 profanisiert wurde, mit ihrem baufälligen Turm nicht gerade wie ein Schreckensort: “Sieht aus, als wäre das Josefs-Haus ein Internat für betuchte. Gruß Egon”. Post und Pakete wurden vorenthalten, Beten und Arbeeten, Peitsche ohne Zuckerbrot, Drill und Einzelverwahrung. Radfahren wurde erst gar nicht beigebracht. Immer wieder flohen die Jugendlichen, manche zu Pferde, gingen auf Walz, wie man es im Josefshaus nannte. „Wenn man entwichen war und zurückgebracht wurde, kam man mit kahlgeschorenem Kopf in den D-Zug. Dieser sogenannte D-Zug waren 7 gefängnisähnliche Zellenräume im 3. Stock mit schweren Eisengittern vor den Fenstern unter dem Dach des Haupthauses. Dieser Trakt wurde D-Zug genannt, weil er von außen so ähnlich wie ein D-Zug aussah.” Methoden, die 1931 in der Rückschau unweigerlich Bilder von Deportationszügen vorwegnehmen. 1939 richtete man ein Reservelazarett im Josefshaus ein.Ende der siebziger Jahre landeten die Ausgebüchsten regelmäßig in der “Jugendschutzstelle” Münster, dessen Bistum das Josefshaus später unterstellt wurde. Sie wurden meist nachts von der Bahnhofspolizei aufgegriffen und von einem “seltsamen Fahrer” Tags drauf zurück gebracht. In den Blogs redet man sich mit Kamerad an, man erinnert sich wie Kriegsveteranen an gefürchtete Lehrpersonen und die schlimmsten Begebenheiten, postet alte Fotos und sucht nach Versehrten aus der Gruppe, der man damals angehörte: Sperber, Wikinger, Sturmvögel, Grasmücken, Watzmänner… Und auch wenn man mit dem Heim nicht viel Gutes verbindet, erinnert man sich so seiner Jugend, in einer Art Zugehörigkeitsgefühl mit den Leidensgenossen auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Kinderreime aus Poesiealben fallen mir ein: Mach es wie die Sonnenuhr, zähl’ die heiteren Stunden nur. Dass man im „Jupps“ davon nicht so viele beisammen brachte, erinnert an die Sonnenuhr vorm Landhaus Rothenberge, deren Schattenwerfer abgebrochen ist.“War nach 20 Jahren heute wieder in Wettringen. Das Heim, was mich gebrochen hat.” 2012 wurde die letzte Wohngruppe aufgelöst.Hinterfragt wurde das Fürsorgeheim in seinen über hundert Jahren selten. Man ahnte oder wusste, dass dort schwarze Pädagogik praktiziert wurde, aber erst mit dem Bekanntwerden der Odenwaldschul-Skandale meldeten sich dann auch einige der ehemaligen Josefshäusler öffentlich zu Wort.Karl W., ein Nom de Guerre, veröffentlichte 2010 in den Westfälischen Nachrichten einen Brandbrief, der von diesem “Kinderknast”, in dem er von 1949 bis 1955 interniert war, erzählte: “Fürsorge, Bildung und Erziehung - das hätten wir Kinder von so einem Heim wie dem St. Josefshaus erwarten dürfen. Stattdessen gab es für uns nur Misshandlungen, Demütigungen, Isolation, harte Arbeit und stupides Nachbeten von irgendwelchen Psalmen“.Vom Bistum Münster erhielt er darauf zur Antwort: „Das war der Trend der Zeit.“ Entschuldigungen, Schuldeingeständnisse oder irgendeine Form der Entschädigung, darauf warten die ehemaligen Heimkinder, denen man nur wenig Heim, wohl aber ein Dach über den Kopf bot, bis heute. Die Landschaft, der feuchte Boden des Münsterlandes, der nur mühsam auszubeuten war, sein moorigmoderiger Geruch, die Erde erinnert mich hingegen an glückliche Tage des Umherstreifens in nicht ganz geheurem Gelände.

      Lg, Egon

      „Ein jeder kehre vor seiner Tür.
      Und rein ist jedes Stadtquartier.“
      Hier sind wir an vielen Sonntagen Spazieren gegangen.


      Landhaus RothenbergeIch bin hier wie eine Biene und Ameise und sammle alles, was ich nur kann zur Erndte in meiner Heimath und gegen die lange Weile meiner immer hungrigen und durstigen Seele, die eben so wenig feyern als arbeiten kann, nach Art und Weise der künstlichen Tagelöhner. (Johann Georg Hamann, Welbergen, Ostern den 23. März 1788, im Bette)Nordwestliches Westfalen. Wir befinden uns auf dem platten Land, was liegt da näher, als sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen. So weit wie möglich weg vom Boden, so hoch hinaus, wie es die Region nur erlaubt: 95 Meter über der Erde, rauf zum Landhaus Rothenberge; 1921 nach Art eines französischen Miniaturschlösschens inmitten von dreißig Morgen Parklandschaft erbaut. Im Winter dort gerodelt und sich den Hund zum Hochziehen des Schlittens dienstbar gemacht, im Sommer dort geknutscht und Zeit im hohen Gras verbracht, während des Studiums mit Philosophen hier, in Wettringen, in Blockseminaren um die Wette gedacht. No roof but the sky, Kirchtürme, Kalkbergwerke, Windräder, Wald und Flur, alles im Blick. Idealerweise haben Sie jetzt Fahrräder und eine Picknickdecke dabei, eine Flasche französischen Wein, Käse und Brot und Sie folgen mir gar nicht erst weiter, wenn ich gleich dieses gute Leben Richtung schwarze Romantik verlasse. Überwinden Sie alle Hindernisse, die sie mit Privat-Beschilderungen abhalten wollen, ich habe es auch getan, meine Eltern taten es und deren Eltern. Gatter und Zäune sind eine Aufforderung an Ihre Kletterkünste. Schauen Sie in die Wolken bis ein Sternenhimmel daraus wird und zählen Sie dann die Schnuppen. Oder stellen Sie sich vor, als Landadelige hätten Sie heute nichts Besseres vor, als mit einem kleinen Karren voller Malutensilien umherzuziehen und pleinair Westfalen festzuhalten.Was fehlt ihnen dann noch? Lokalkolorit? Unterschicht? Suspense? Tod und Teufel? Okay, dann packen Sie alles wieder ein und folgen Sie mir durch schauerlichere Gefilde.

      „Ein jeder kehre vor seiner Tür.
      Und rein ist jedes Stadtquartier.“