Bad Dürrheim, (ehemaliges) Rot-Kreuz-Kinderheim

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      Obwohl das Thema nun schon so alt ist, möchte auch ich meinen Teil beitragen:

      Ich war wegen meiner schlimmen Bronchitis im Alter von sechs Jahren, zwischen Mai und Juli 1969, im "Kindersanatorium Maria Huber" - so der damalige Name. Ich habe nur wenige Erinnerungen an diese Zeit, kann aber bestätigen, dass es schrecklich war, wir ständig zu allem gezwungen und bei Nichtgehorchen streng bestraft wurden. Das Briefeschreiben war für mich sehr schwierig, da ich noch nicht in die Schule ging. Viele Kinder haben per Post kleine Aufmerksamkeiten (meist Süßigkeiten) als Päckchen von den Eltern erhalten, die jedoch nur gezeigt, nicht aber ausgehändigt wurden. Besonders unangenehm ist mir die Zwangs-Mittagsruhe in Erinnerung, wo wir Kinder im Bett zu liegen hatten, uns nicht rühren durften und völlig still sein mussten.

      Ich habe viel geweint und sehr gelitten und war sehr erleichtert, als mich meine Eltern nach sechs Wochen endlich abholen durften. Etwa zwei Jahre später beantragten meine Eltern erneut eine Kinderkur für mich und bekamen noch einmal eine Zusage für das genannte Heim. Der darauf folgende Briefwechsel, der direkt an das Heim und in Durchschrift an den Versicherungsträger ging, liegt mir noch vor. Hier ein paar Auszüge:

      [...] Wir werden von dieser Kur in Ihrem Hause keinen Gebrauch machen!
      Vor ca. 2 1/2 Jahren war unser Sohn XXX schon einmal in Ihrem Heim. Seine Schilderung über drakonische Maßnahmen mit denen man seinerzeit die Kinder zum Essen und Schlafen zwang, lassen es uns nicht ratsam erscheinen, ihn abermals in Ihre Obhut zu geben. Völlig verstört kam er damals zurück und es dauerte Wochen, bis er seinen - für ihn schrecklichen - Aufenthalt bei Ihnen vergessen hatte. Von einer Beschwerde hatten wir seinerzeit nur abgesehen, weil wir dachten, daß nie wieder eines unserer Kinder für eine Kur in Ihrem Hause vorgesehen sein würde. [...]

      Die Antwort der damaligen Geschäftsführerin war vorhersehbar:
      Sie werden verstehen, daß mich Ihr Brief sehr in Erstaunen versetzt hat. Zumal ich Ihnen mit einer ganzen Reihe an Dankesbriefen aus der Zeit des Aufenthaltes Ihres Kindes XXX aufwarten könnte. In jener Zeit haben wir eine leitende Kindergärtnerin gehabt, welche als äusserst talentiert in der Kindererziehung galt und deshalb sich auch weiterfortgebildet hat.Was Sie unter drakonischen Maßnahmen verstehen, ist mir nicht klar. Selbstverständlich müssen die Kinder ihren Teller leer essen, würde man dies den Kindern in der Beurteilung überlassen, so wäre dies wohl weder im Sinne der Eltern, noch vom ärztlichen Standpunkt aus zu vertreten.
      Was die Liegezeiten anbelangt, so sind dieselben vom leitenden Arzt verordnet und stellen einen Teil der Kur dar, müssen daher auch eingehalten werden. Ist es nicht so, dass XXX irgendwie unter Heimweh gelitten hat und erfahrungsgemäß sind Kinder ja dann sehr phantasiereich. Ich bin jetzt 18 Jahre hier im Hause tätig und weiß nur dies, daß Kinder das 2., 3., und 4. mal kommen. Wenn es bei uns wirklich so schrecklich wäre, kämen die Kinder sicher nicht immer wieder. Auch wäre der Briefwechsel zwischen Kindergärtnerinnen und Kindern, die wieder zu Hause sind, nicht so intensiv. [...] ich darf Sie nur darum bitten, die Angelegenheit etwas kritischer zu sehen und sich nicht nur auf die Aussage des Jungen zu stützen. [...]

      Ich habe meine zweite Kinderkur schließlich statt im Schwarzwald auf der Nordseeinsel Baltrum verbracht. Der Aufenthalt dort war überhaupt kein Vergleich. Tolles Essen, viel frische Luft und ein insgesamt positives Ergebnis. Soooo zeittypisch waren die Erziehungsmaßnahmen im Schwarzwald also nicht unbedingt - eher überaltert und schon damals unmodern.
      Ergänzung:

      Schön zu lesen ist, wie das "Sanatorium" die Eltern auf den Aufenthalt ihrer Kinder eingestimmt hat:
      [...] Wir werden uns bemühen, daß der Aufenthalt in unserem Hause für das Kind zu einer schönen und nützlichen Zeit wird. Sie dürfen versichert sein, daß wir alles für das Kind tun werden und es nichts entbehren wird.
      Damit das Personal sich nur der ihm gestellten Aufgabe widmen kann, und damit auch die Kinder während der Kur nicht seelisch belastet werden [!], verstehen Sie sicher, daß Besuche nicht gestattet sind. Die Kinder bezw. Kindergärtnerinnen schreiben Ihnen jede Woche. Sollte irgend etwas Unvorhergesehenes eintreten, werden wir Sie sofort benachrichtigen. [...]
      Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen und dürfen Ihnen nochmals versichern, daß wir alles tun werden, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen.

      Im ärztlichen Abschlussbericht stand dann ganz am Ende zu lesen:
      Das Kind bereitete keine Schwierigkeiten.

      Na, dann war ja offenbar alles gut.

      Bad Dürrheim Horror

      Hallo zusammen,
      Ich war auch im “House Of Horrors” in +/- 1965 . Nach dem ich gerade eine grauenvolle story gelesen hatte (St. Joseph’s Orphanage in Burlington, Vermont) kamen mir einige Erinnerungen zurück. Ich wurde damals so bestraft in der Anststalt indem ich stundenlang unter einer dicken Decke neben der Betreuerin verbringen musste.”

      fcl schrieb:

      Obwohl das Thema nun schon so alt ist, möchte auch ich meinen Teil beitragen:

      Ich war wegen meiner schlimmen Bronchitis im Alter von sechs Jahren, zwischen Mai und Juli 1969, im "Kindersanatorium Maria Huber" - so der damalige Name. Ich habe nur wenige Erinnerungen an diese Zeit, kann aber bestätigen, dass es schrecklich war, wir ständig zu allem gezwungen und bei Nichtgehorchen streng bestraft wurden. Das Briefeschreiben war für mich sehr schwierig, da ich noch nicht in die Schule ging. Viele Kinder haben per Post kleine Aufmerksamkeiten (meist Süßigkeiten) als Päckchen von den Eltern erhalten, die jedoch nur gezeigt, nicht aber ausgehändigt wurden. Besonders unangenehm ist mir die Zwangs-Mittagsruhe in Erinnerung, wo wir Kinder im Bett zu liegen hatten, uns nicht rühren durften und völlig still sein mussten.

      Antwort:
      Hallo!

      Meine "Zwangs-Mittagsruhe" nannte sich Liegekur: Nach dem Frühstück bis zum Mittagessen und nach dem Mittagessen bis ca. 16.00 h und ab 19.00 h. 7 Wochen Kinder-KZ

      Neu

      Hallo zusammen,
      auch ich wurde mit etwa 6 Jahren so gegen 1970 zum 'Aufpäppeln' nach Bad Dürrheim in besagtes Institut verschickt.
      Ich erinnere mich noch an folgendes:
      Weil ich und ein Freund mit Kieselsteinen geworfen haben aber man mal wieder nur mich erwischt hatte, wurde ich 24 Stunden in einen Stockdunklen Raum gesperrt (im nachhinein kann es auch nicht so lange gewesen sein)
      Man hat mich nicht einmal aufs Klo rausgeslassen, so dass ich tatsächlich eingekotet habe - daran erinnere ich mich noch sehr gut,auch an den Frotteeschlafanzug damals.
      in der Folge hatte ich jahrzehntelang Panikattacken im Dunkeln, selbst jetzt mit 55 Jahren passiert mir das noch manchmal. Vielen Dank, ihr Nonnen.
      Ich farge mich seit jeher schon warum man Frauen, welche eigentlich dem Kinderkriegen abgeschworen haben (natürlich sidn nicht alle Nonnen so) Kinder anvertraut...
      Nun nach den 6 Wochen hatte ich noch weiter abgeknommen und meine Psyche einen schweren Knax gehabt.

      Achja: Es gab immer Tomatensuppe mit aufgeqollenen Reiskörnern darin. Kann ich seit damals nicht mehr essen.